Überblick
Diese Weiterbildung stellt die Scrum Product Owner-Rolle in den Mittelpunkt und ergänzt sie durch zwei komplementäre Methoden: PRINCE2 Foundation als strukturiertes Projektmanagement-Framework und Kanban als visuelles Flusssteuerungssystem. Die Kombination ist kein methodischer Kompromiß, sondern ein bewusster Dreiklang, der praxisorientierten Projektverantwortlichen erlaubt, flexibel auf unterschiedliche Teamkonstellationen und Unternehmenskulturen zu reagieren.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 - Scrum und die Product-Owner-Rolle Scrum ist das meistverbreitete agile Framework für Produktentwicklung. Dieser Block legt das vollständige Fundament: von den Werten und Prinzipien des agilen Manifests bis zur konkreten Praxis täglicher Scrum-Arbeit als Product Owner.
- Scrum-Rollen im Detail: Product Owner, Scrum Master, Entwicklungsteam
- Produktvision, Produktziel und Sprint-Ziel: Hierarchie und Verbindung
- Product Backlog aufbauen, verfeinern und nach Wert priorisieren
- User Stories, Epics und Aufgaben klar voneinander abgrenzen
- Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review und Retrospektive
- Akzeptanzkriterien und Definition of Done als Qualitätsanker
- Stakeholder-Engagement: wer entscheidet, wer berät, wer informiert wird
Modul 2 - PRINCE2 Foundation PRINCE2 (Projects in Controlled Environments) ist der strukturierte Rahmen für plangetriebenes Projektmanagement. Auf Foundation-Ebene werden alle sieben Prinzipien, die sieben Themen und die sieben Prozesse des Frameworks vermittelt, die zusammen ein vollständiges Projekt von der Vorbereitung bis zum Abschluss abdecken.
- Sieben PRINCE2-Prinzipien: Bedeutung und Anwendung in der Praxis
- Business Case: Aufbau, Inhalte und kontinuierliche Pflege
- Risikomanagement: Risikoregister anlegen und Ausnahmeberichte verfassen
- Qualitätsmanagement: Produktbeschreibungen, Qualitätsregister und Qualitätsprüfungen
- Projektorganisation: Project Board, Project Manager und Teammanager-Rollen
- Phasenplanung: Was in welcher Phase kontrolliert und berichtet wird
- Vorbereitung auf die Foundation-Prüfung: Struktur, Fragetypen und Zeitmanagement
Modul 3 - Kanban: Visuelles Flussmanagement Kanban ist kein Projektmanagement-Framework im klassischen Sinn, sondern ein Prinzip zur kontinuierlichen Verbesserung von Wertlieferketten. Dieser Block zeigt, wie Kanban in Teams eingeführt wird, die weder reine Sprints fahren noch klassische Projektpläne verfolgen, und wie es bestehende Prozesse ohne Revolution verbessert.
- Kanban-Grundprinzipien: Visualisierung, Limitierung, Flusssteuerung, Feedback-Schleifen
- Kanban-Board gestalten: Swimlanes, Spalten, Klassen von Arbeit
- WIP-Limits definieren, einhalten und auf Basis von Daten anpassen
- Lead Time und Cycle Time messen und als Steuerungsgröße nutzen
- Cumulative Flow Diagram lesen und Engpässe frühzeitig erkennen
- Throughput-Prognosen für Lieferterminverhandlungen erstellen
- Kanban-Meetings: Replenishment Meeting und Service-Delivery-Review
Praxisblock - Methodenintegration Wenn Teams unterschiedliche Methoden parallel nutzen, entstehen Reibungsflächen, aber auch Stärken. Dieser Block bearbeitet konkrete Integrations-szenarien, in denen Scrum, PRINCE2 und Kanban zusammenspielen müssen.
- Scrumban-Modelle: Sprint-Struktur mit Kanban-Flusssteuerung verbinden
- PRINCE2-Berichte aus agilen Metriken generieren: Sprint-Velocity als Planungsgrundlage
- Kanban-Board für Product-Backlog-Überblick und Sprint-Planung nutzen
- WIP-Limits im Kontext von Scrum-Sprints interpretieren
- Übergaben zwischen PRINCE2-Phasen und Scrum-Sprints steuern
- Eskalationsprozesse: wann greift das PRINCE2-Project-Board bei agilen Teams ein
- Rollen klären: Product Owner trifft PRINCE2-Project-Manager
- Retrospektive und PRINCE2-Lessons-Learned-Prozess zusammendenken
- Kanban-Metriken in PRINCE2-Fortschrittsberichten darstellen
- Stakeholder-Kommunikation für gemischte Organisationen gestalten
- Einführungsstrategie für Kanban in bestehenden Scrum-Teams
- Fallanalysen aus realen Hybridprojekten auswerten
Dieser Block schließt mit einer eigenständigen Fallbearbeitung, in der Teilnehmende für ein fiktives, aber realistisches Projekt entscheiden, welche Methoden an welcher Stelle sinnvoll zum Einsatz kommen, und diese Entscheidungen begründen.
Lernziele:
- Rolle des Scrum Product Owners mit allen zugehörigen Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnissen ausfüllen
- Produktvision entwickeln und in messbaren Produktzielen konkretisieren
- PRINCE2-Prinzipien und Themen auf reale Projektszenarien übertragen
- Projektgovernance und Berichtspflichten nach PRINCE2 verstehen und erfüllen
- Kanban-Boards für unterschiedliche Teamtypen gestalten und visualisieren
- WIP-Limits setzen, interpretieren und bei Bedarf anpassen
- Kanban-Metriken erheben und für Prozessoptimierungen nutzen
- Scrum- und Kanban-Elemente zu hybriden Scrumban-Ansätzen verbinden
- PRINCE2-Steuerungsebenen und agile Team-Autonomie in Balance bringen
- Stakeholder aus Business und IT mit passenden Visualisierungen ansprechen
- Lieferprognosen für klassische Steuerungsgremien aus agilen Kennzahlen ableiten
- Kontinuierliche Verbesserung als Teamprozess verankern, nicht als Ausnahmeereignis
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs ist für Menschen konzipiert, die Projektverantwortung in methodisch vielfältigen Umgebungen übernehmen oder bereits tragen.
- Scrum Master, die zusätzlich strukturierte Projektleitungsmethoden erlernen möchten
- Projektkoordinatoren, die in die Product-Owner-Rolle wechseln wollen
- Klassische Projektmanager, die Kanban als Ergänzung zu PRINCE2 kennenlernen
- IT-Fachkräfte, die zwischen agilen Teams und traditionell planenden Abteilungen vermitteln
- Teamleiter, die Aufgabenfluss und Kapazitäten visuell steuern möchten
Formale Vorkenntnisse in Projektmanagement-Methoden sind nicht zwingend erforderlich. Wer bereits in Projektteams mitgearbeitet hat, wird die Methodeninhalte leichter auf eigene Erfahrungen beziehen können. Englischkenntnisse sind für das PRINCE2-Prüfungsformat hilfreich. Gute Deutschkenntnisse sowie sichere PC-Nutzung bilden die technische Basis für den Kursbesuch.
Ablauf & Abschluss
Die drei Methoden werden in eigenen Blöcken erarbeitet, die jeweils mit Vertiefungs- und Transfereinheiten abschließen. Kanban-Boards werden praktisch aufgebaut und mit echten oder simulierten Projektdaten befüllt, sodass das Messen von Lead Time und Throughput keine abstrakte Übung bleibt. PRINCE2-Inhalte folgen dem Foundation-Curriculum und bereiten auf die externe Prüfung vor. Scrum-Elemente werden durch Rollenspiele und Fallbeispiele erfahrbar gemacht. Der abschließende Integrationsblock wird durch Kleingruppenarbeit gestaltet.
Die Weiterbildung deckt drei umfangreiche Methodengebiete ab und ist entsprechend als mehrmonatige Qualifizierung ausgelegt. Je nach gewähltem Anbieter und Lernintensität sind Laufzeiten von etwa zwei bis vier Monaten üblich. Mit 32 Marktangeboten ist eine flexible Terminwahl möglich.
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Wer die separat zu absolvierende PRINCE2-Foundation-Prüfung bei einem akkreditierten Axelos-Testcenter besteht, erhält zusätzlich das international anerkannte PRINCE2-Foundation-Zertifikat. Dieses ist unbefristet gültig. Für Kanban sind keine standardisierten Herstellerprüfungen Teil des Kurses; die Kompetenz wird über die Teilnahmebescheinigung nachgewiesen.
Nutzen & Perspektiven
Kanban ist kein Ersatz für Scrum oder PRINCE2, sondern deren sinnvolle Ergänzung. Dort, wo Sprints zu starr sind und klassische Projektpläne zu unflexibel, setzt Kanban an: Es macht Arbeit sichtbar, begrenzt Überlastung und liefert Daten, die sowohl für agile Teams als auch für planende Steuerungsgremien auswertbar sind. Wer Kanban im Verbund mit Scrum und PRINCE2 anwenden kann, verfügt über ein ausgesprochen breites Methodenportfolio. Die Kombination dieser drei Methoden ist am Weiterbildungsmarkt als Paket selten. Wer sie gebündelt erlernt, spart den Aufwand mehrerer Einzelkurse und kann die inhaltlichen Verbindungen direkt im Lernprozess knüpfen. Das ist gerade dann wertvoll, wenn man im Berufsalltag schnell zwischen Methoden wechseln oder Entscheidungen begründen muss. Mittelfristig qualifiziert dieser Kurs für Rollen, die Schnittstellenfunktionen übernehmen: zwischen agilen Teams und klassischen Lenkungsausschüssen, zwischen Produktentwicklung und Betrieb, zwischen technischer Umsetzung und strategischer Steuerung. Scrum Product Owner mit PRINCE2- und Kanban-Hintergrund sind in Unternehmen, die mehrere Methoden parallel einsetzen, eine besonders gesuchte Kombination.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Scrum und Kanban in diesem Kurs?
Scrum bildet den strukturierten agilen Rahmen mit festen Rollen, Events und Sprints. Kanban ergänzt diesen als kontinuierliches Flussmanagement-System ohne feste Iterationen. Beide Ansätze werden nebeneinander erlernt, damit Teilnehmende situationsgerecht wählen oder kombinieren können.
Bereitet der Kurs auf die externe PRINCE2-Foundation-Prüfung vor?
Ja. Die PRINCE2-Foundation-Vorbereitung folgt dem Axelos-akkreditierten Curriculum. Die externe Prüfung wird bei einem akkreditierten Testcenter abgelegt; das Zertifikat wird von Axelos ausgestellt.
Wofür stehen WIP-Limits in Kanban?
WIP steht für Work in Progress. WIP-Limits begrenzen die Anzahl gleichzeitig in Bearbeitung befindlicher Aufgaben in einem Kanban-System. Das verhindert Überlastung, macht Engpässe sichtbar und verbessert den Durchsatz des Teams.
Kann ich Scrum und Kanban gleichzeitig in einem Projekt einsetzen?
Ja, und genau darauf bereitet dieser Kurs vor. Scrumban ist ein gängiges hybrides Modell, das Scrum-Elemente wie Sprint-Planung mit Kanban-Visualisierung und Flusssteuerung verbindet. Typische Einsatzfälle sind Support-Teams oder Transitionen zwischen Methoden.
Welche Kanban-Metriken werden im Kurs behandelt?
Lead Time, Cycle Time, Throughput und Cumulative Flow Diagrams sind zentrale Kanban-Metriken. Der Kurs vermittelt, wie diese Kennzahlen interpretiert und für kontinuierliche Prozessverbesserung eingesetzt werden.
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