Überblick
In vielen Unternehmen ist die Wahl nicht entweder Scrum oder PRINCE2 — sie ist beides. Agile Teams arbeiten im Sprint-Rhythmus, während das Management Projekte nach PRINCE2-Strukturen steuert: Business Case, Phasenübergänge, Risikomanagement. Wer beide Rahmenwerke versteht, kann zwischen diesen Welten vermitteln und Projekte in hybriden Umgebungen souverän führen. Dieser Kurs verbindet Scrum-Kompetenzen mit einer strukturierten PRINCE2-Ausbildung und bereitet auf die Zertifizierungsprüfungen beider Rahmenwerke vor. Er richtet sich an Projektleitende und Agile-Praktizierende, die ihr Methodenspektrum bewusst erweitern und die Synergiepotenziale zwischen Scrum und PRINCE2 nutzen möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul behandelt die PRINCE2-Prinzipien als das unverzichtbare Fundament. Ohne die Prinzipien versteht man PRINCE2 nicht — sie sind der Grund, warum Prozesse und Themen so strukturiert sind, wie sie es sind. Dieses Modul stellt sicher, dass die Teilnehmenden PRINCE2 nicht als Checkliste, sondern als kohärentes System verstehen.
- Prinzip 1: Kontinuierliche geschäftliche Rechtfertigung (Business Case als lebendes Dokument)
- Prinzip 2: Lernen aus Erfahrungen — Lessons Log und Qualitätslernprozess
- Prinzip 3: Definierte Rollen und Verantwortlichkeiten im Projektgremium
- Prinzip 4: Steuern über Managementphasen — Stage-Gate-Logik
- Prinzip 5: Steuern nach dem Ausnahmeprinzip (Exception-Reporting)
- Prinzip 6: Produktorientierung — Produktbeschreibungen als Planungsbasis
- Prinzip 7: Anpassung an die Projektumgebung (Tailoring)
Das zweite Modul behandelt die sieben PRINCE2-Themen als Steuerungsinstrumente. Themen sind keine Phasen, sondern durchgängige Aspekte, die das gesamte Projekt begleiten. Dieses Modul erarbeitet die Themen in ihrer Interdependenz — ein Risiko hat immer eine Konsequenz für Business Case, Plan und Qualität.
- Business Case: Entwicklung, Pflege und Entscheidung bei Abweichung
- Organisation: Projektgremium, Projektmanager, Teammanager, Projektsicherung
- Qualität: Qualitätsplanung, Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung im Projekt
- Pläne: Projektstufenplan, Teamplan und Ausnahmeplan
- Risiken: Risikoidentifikation, Risikoreaktion, Risikoregister
- Änderungssteuerung: Issue Register, Change Authority, Konfigurationsmanagement
- Fortschritt: Checkpoint Reports, Highlight Reports und Eskalationspfade
Das dritte Modul erarbeitet die PRINCE2-Prozesse als Handlungsabfolge. Der Projektzyklus in PRINCE2 ist klar strukturiert — vom unverbindlichen Vorprojekt bis zum kontrollierten Abschluss. Dieses Modul macht die Prozesse erfahrbar, nicht nur verständlich.
- Vorbereiten eines Projekts (Starting up a Project)
- Initiieren eines Projekts (Initiating a Project)
- Steuern einer Phase (Controlling a Stage)
- Managen der Produktlieferung (Managing Product Delivery)
- Managen eines Phasenübergangs (Managing a Stage Boundary)
- Lenken eines Projekts (Directing a Project) aus Gremium-Perspektive
- Abschließen eines Projekts (Closing a Project)
Praxisblock — Hybride Projektarchitekturen und Integration Dieser Praxisblock ist das Herzstück des Kurses, weil hier das Besondere dieses Angebots sichtbar wird: nicht Scrum und PRINCE2 getrennt zu lernen, sondern zu verstehen, wie sie gemeinsam in einem Projekt funktionieren.
- Fallstudie: PRINCE2-Projektgremium mit agilen Lieferteams aufstellen
- Sprint-Planung innerhalb eines PRINCE2-Stufenplans integrieren
- Stakeholder-Management: PRINCE2-Organisationsstruktur auf agile Teams anwenden
- Risikomanagement: PRINCE2-Risikoregister mit agilen Retrospektiven verknüpfen
- PRINCE2-Statusberichte für agile Sprints adaptieren
- Stage-Gate-Review mit Scrum Sprint Review verknüpfen
- Change-Authority-Prozesse in agilen Umgebungen gestalten
- Tailoring-Übung: PRINCE2 für ein mittelgroßes Scrum-Projekt anpassen
- Foundation-Übungsaufgaben aus dem PRINCE2-Kanon
- Practitioner-Fallaufgabe: Szenario-basierte Entscheidungsübung
- Integration: Welche PRINCE2-Artefakte ersetzen Scrum-Elemente nicht?
- Abschlussdiskussion: Hybrides PM in der eigenen Organisation einführen
Lernziele:
- Die sieben PRINCE2-Prinzipien als nicht verhandelbare Grundlage jedes PRINCE2-Projekts verstehen und anwenden
- Die sieben PRINCE2-Themen — Business Case, Organisation, Qualität, Pläne, Risiken, Änderungen, Fortschritt — für die Projektsteuerung einsetzen
- Die PRINCE2-Prozesse vom Projektstart bis zum kontrollierten Abschluss in korrekter Reihenfolge beschreiben und anwenden
- PRINCE2 an unterschiedliche Projektarten und -kontexte anpassen (Tailoring)
- Scrum-Rollen, -Artefakte und -Events sicher beherrschen
- Die Verbindungspunkte zwischen PRINCE2-Projektkontrolle und Scrum-Sprint-Rhythmus identifizieren
- Hybride Projektarchitekturen entwerfen, die PRINCE2-Steuerungselemente mit agiler Liefermechanik verbinden
- Stakeholder in PRINCE2-Projekten gemäß der Organisationsstruktur des Rahmenwerks einbinden
- Risiken systematisch nach PRINCE2-Standard identifizieren, bewerten und steuern
- Qualitätsplanung und -kontrolle nach PRINCE2 gestalten
- Die Anforderungen an PRINCE2 Foundation und Practitioner kennen und sich prüfungsbezogen vorbereiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs ist für Personen gedacht, die in Projekten beide Rahmenwerke benötigen oder zukünftig benötigen werden — entweder weil ihr Unternehmen hybrid arbeitet oder weil sie sich bewusst für eine breite Methoden-Qualifizierung entscheiden.
- Projektleitende, die neben agilen Methoden eine strukturierte PRINCE2-Ausbildung aufbauen möchten
- Scrum Master und Product Owner, die ihre Karriere in Richtung Projektmanagement ausbauen wollen
- IT- und Nicht-IT-Fachkräfte, die beide Zertifizierungen anstreben
- Personen mit Interesse am agilen Projektmanagement, die eine doppelt ausgerichtete Qualifizierung suchen
- Teamleitende, die Projekte in regulierten Umgebungen steuern
Grundlegende Englischkenntnisse auf B2-Niveau werden vorausgesetzt, da PRINCE2-Prüfungsunterlagen und Originalquellen auf Englisch vorliegen. Für den Kurs selbst sind keine Vorkenntnisse in PRINCE2 oder Scrum zwingend erforderlich — allerdings profitieren Teilnehmende mit Projekterfahrung deutlich mehr von den Praxisblöcken. Grundlegende Computerkenntnisse werden als selbstverständlich vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
PRINCE2 und Scrum werden nicht parallel unterrichtet, sondern bewusst miteinander verknüpft. Theorie-Einheiten werden durch szenariobasierte Übungen ergänzt, in denen Entscheidungen aus beiden Rahmenwerken gegeneinander abgewogen werden. Fallstudien, Gruppenarbeit und Prüfungssimulationen sind fester Bestandteil. Das Format ermöglicht sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitbelegung.
Da dieser Kurs zwei vollständige Rahmenwerke abdeckt, ist der Lernumfang entsprechend größer als bei einem reinen Scrum-Kurs. Die genaue Stundenzahl variiert je nach Anbieter und Lernformat. Das Curriculum ist so ausgelegt, dass beide Zertifizierungen inhaltlich vollständig vorbereitet werden, ohne dass eines der Rahmenwerke auf Kosten des anderen zu kurz kommt.
Der Kurs schließt mit einer trägerinternen Teilnahmebescheinigung ab. Darüber hinaus bereitet er auf die externen PRINCE2-Prüfungen — Foundation und Practitioner — sowie auf Scrum-Zertifizierungsprüfungen vor. PRINCE2 Foundation ist zeitlich unbegrenzt gültig; PRINCE2 Practitioner muss alle drei Jahre durch ein Update-Examen verlängert werden. Scrum-Zertifizierungen (z. B. PSM I, Scrum Foundation Professional) sind ebenfalls zeitlich unbegrenzt. Alle Prüfungen werden bei akkreditierten Prüfungsorganen extern abgelegt.
Nutzen & Perspektiven
Hybride Projektumgebungen sind keine Ausnahme mehr — sie sind der Standard in vielen mittleren und großen Organisationen. Dort, wo das Management PRINCE2-strukturiert denkt und die Entwicklungsteams Scrum-basiert arbeiten, braucht es Brückenbauer: Menschen, die beide Sprachen sprechen und zwischen den Welten übersetzen können. Genau diese Fähigkeit ist das Ergebnis dieses Kurses. Der Doppelabschluss — Scrum und PRINCE2 — eröffnet berufliche Möglichkeiten, die eine Einzelzertifizierung nicht bietet. In Ausschreibungen für Projektleitende, die hybrides PM verantworten, gehört die Kombination aus PRINCE2 Practitioner und Scrum-Kompetenz zunehmend zum erwarteten Qualifikationsprofil. Dieser Kurs ist der direkteste Weg dorthin. Darüber hinaus ist das konzeptionelle Verständnis, das durch die Integration beider Rahmenwerke entsteht, an sich wertvoll: Wer weiß, warum PRINCE2 Stage-Gates einführt und warum Scrum dagegen auf kontinuierliche Auslieferung setzt, kann für jedes Projekt die richtige Kombination wählen — statt dogmatisch einem einzigen Rahmen zu folgen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist die Kombination Scrum und PRINCE2 besonders sinnvoll?
Für Projektleitende und Teamleitende, die in Organisationen arbeiten, in denen Projektsteuerung nach PRINCE2 läuft, die Lieferteams aber agil arbeiten. Wer beide Rahmenwerke versteht, kann zwischen Projektgremium und agilem Team vermitteln — eine zunehmend gefragte Fähigkeit.
Wie viele Prüfungen kann ich nach diesem Kurs ablegen?
Inhaltlich bereitet der Kurs auf PRINCE2 Foundation, PRINCE2 Practitioner sowie Scrum-Zertifizierungsprüfungen vor. Ob und welche Prüfungen abgelegt werden, liegt bei den Teilnehmenden. Der Kursabschluss selbst ist eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung.
Ist PRINCE2 auf Englisch oder Deutsch?
PRINCE2-Prüfungen werden auf Englisch (oder in anderen Sprachen, abhängig vom Prüfungsanbieter) abgelegt. Die Prüfungsunterlagen sind primär englischsprachig. Der Kurs selbst wird auf Deutsch durchgeführt; für die Prüfungen werden Englischkenntnisse auf B2-Niveau empfohlen.
Was ist der Unterschied zwischen PRINCE2 Foundation und Practitioner?
Foundation prüft das grundlegende Verständnis der PRINCE2-Methodik und ist unbefristet gültig. Practitioner geht darüber hinaus: Er testet, ob Kandidaten PRINCE2 auf reale Projektsituationen anwenden können. Practitioner muss alle drei Jahre durch ein Update-Examen verlängert werden.
Ist es sinnvoll, zuerst Scrum zu lernen und dann PRINCE2?
In diesem Kurs werden beide Rahmenwerke von Anfang an gemeinsam erarbeitet — mit bewusstem Fokus auf die Verbindungspunkte. Dieser integrierte Ansatz ist effektiver als sequentielles Lernen, weil er das Verständnis für hybride Projektrealitäten von Beginn an schärft.
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