Überblick
Die industrielle Automatisierung stützt sich heute in weiten Teilen auf das Siemens Totally Integrated Automation Portal – kurz TIA-Portal. Wer Anlagen steuert, überwacht oder instandhält, kommt an dieser Softwareplattform kaum vorbei. Diese Weiterbildung vermittelt fundierte Kenntnisse der Analogtechnik im Kontext des TIA-Portals: von der physikalischen Messkette bis zur Verarbeitung analoger Signale in speicherprogrammierbaren Steuerungen der SIMATIC-Reihe. Ziel ist es, reale Automatisierungsaufgaben sicher und effizient lösen zu können – von der Signalkonfiguration über die Programmierung bis zur Fehlerdiagnose.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen der Analogtechnik und Signalverarbeitung Die Analogtechnik bildet das Fundament jeder prozessnahen Regelung. Im ersten Modul werden die physikalischen Grundlagen analoger Messsignale behandelt: Strom- und Spannungssignale, Widerstandsmessung sowie Thermoelement- und PT100-Gebertechnik. Teilnehmende verstehen, wie reale Prozessgrößen wie Druck, Temperatur oder Durchfluss in elektrische Signale gewandelt werden.
- Grundbegriffe der analogen Mess- und Regelungstechnik
- Geberarten und ihre typischen Ausgangssignale (0–10 V, 4–20 mA, ±10 V)
- Signalumformer und Trennverstärker im industriellen Einsatz
- Grenzwertbetrachtung und Toleranzbudgets in der Messkette
- Störquellen und Maßnahmen zur Entstörung
Modul 2 – TIA-Portal: Projektaufbau und Hardware-Konfiguration Das TIA-Portal vereint Engineering, Programmierung und Diagnose in einer Umgebung. Dieses Modul führt strukturiert in die Projektanlage ein und zeigt, wie SIMATIC S7-1200 und S7-1500 mit ihren Analogbaugruppen konfiguriert werden. Der Fokus liegt auf der korrekten Kanalparametrierung und der Gebertyp-Zuweisung.
- Projektnavigator, Gerätekatalog und Hardwarekonfiguration im TIA-Portal
- Analogeingabe- und Ausgabebaugruppen einrichten (SM 1231, SM 1232, SM 1234)
- Kanalparameter: Messbereich, Glättung, Diagnosealarme und Überlaufverhalten
- Online-Diagnose: Modulfehler erkennen und beheben
- Versionsverwaltung und Projektsicherung im TIA-Portal
Modul 3 – SPS-Programmierung analoger Werte Mit den konfigurierten Baugruppen gilt es, analoge Rohwerte softwareseitig zu verarbeiten. Dieses Modul zeigt, wie Normierung und Skalierung funktionieren, wie Grenzwerte überwacht werden und wie analoge Regelkreise in Structured Control Language und Kontaktplan formuliert werden.
- Normierungsbausteine NORM_X und SCALE_X korrekt einsetzen
- Eigenentwickelte Skalierungsfunktionen als Funktionsbaustein (FB) anlegen
- Grenzwert- und Alarmfunktionen für analoge Prozessgrößen programmieren
- PID-Kompaktregler (PID_Compact) parametrieren und inbetriebnehmen
- Rezeptur- und Batch-Verwaltung einfacher Analogprozesse
Praxisblock – Anwendungsszenarien und Fehlersuche In praxisnahen Übungsaufgaben werden reale Anlagenszenarien nachgebaut und Störungen gezielt herbeigeführt, um Diagnosekompetenz zu entwickeln. Themen des Praxisblocks sind unter anderem
- Aufbau einer vollständigen Temperaturregelung mit PT100-Geber
- Konfiguration eines Durchflusskontrollkreises mit 4–20-mA-Transmitter
- Simulation analoger Geberfehler und Auswertung der TIA-Diagnosemeldungen
- Inbetriebnahme eines analogen Stellausgangs für ein Regelventil
- Testprotokoll erstellen: Gegenüberstellung Sollwert, Normwert und Istwert
- Integration der Analogwerte in ein WinCC-Basic-Prozessabbild
- Optimierung von Glättungszeiten bei verrauschten Analogsignalen
- Erstellung einer lückenlosen Online-Dokumentation für anlagenspezifische Analoggruppen
- Systematisches Vorgehen bei Kabelbruch- und Bereichsunterschreitungsalarm
- Messbrücken-Offset kalibrieren und im Programm kompensieren
- Gebereingang temporär deaktivieren und Ersatzwert schalten
- Abschlussprojekt: Vollständige Analogaufgabe planen, realisieren und testen
Das praktische Arbeiten mit dem TIA-Portal steht durchgängig im Vordergrund. Nach jedem Themenblock wenden die Teilnehmenden das Gelernte unmittelbar an. Am Ende der Weiterbildung haben alle Teilnehmenden mindestens eine vollständige Analogaufgabe von der Hardwarekonfiguration bis zur Visualisierung selbst umgesetzt.
Lernziele:
Die Weiterbildung vermittelt folgende Kompetenzen (Auswahl)
- Aufbau und Funktionsprinzip analoger Signalverarbeitung in SPS-Umgebungen erläutern
- Analogeingabe- und Analogausgabebaugruppen der SIMATIC S7-Reihe konfigurieren
- Mess- und Gebersignale (Strom, Spannung, Widerstand) korrekt auswählen und auswerten
- Analoge Signalwerte im TIA-Portal normieren, skalieren und weiterverarbeiten
- Fehlerdiagnose an analogen Messketten systematisch durchführen
- Steuerungsprogramme in AWL, KOP und FUP für analoge Prozessgrößen schreiben
- Baustein-Bibliotheken für wiederkehrende Analogauswertungen anlegen und einsetzen
- Visualisierungen in WinCC Basic für analoge Prozesswerte erstellen
- Sicherheitsaspekte bei der analogen Steuerungstechnik erkennen und berücksichtigen
- Änderungen an bestehenden SIMATIC-Projekten nachvollziehbar dokumentieren
- Troubleshooting-Methoden für Störungen in der Analogtechnik anwenden
- Eigenständig neue Automatisierungsaufgaben mit dem TIA-Portal umsetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte, die in der industriellen Automatisierungstechnik arbeiten oder dorthin wechseln möchten und ihre SPS-Kompetenz gezielt auf Analogtechnik und TIA-Portal ausweiten wollen.
- Elektrotechniker und Elektroniker mit Berufserfahrung in Steuerungsanlagen
- Automatisierungstechniker, die das TIA-Portal als Arbeitsumgebung einsetzen
- Techniker und Meister aus Maschinenbau, Verfahrenstechnik und Fertigungstechnik
- Quereinsteiger mit IT- oder Ingenieursabschluss und steuerungstechnischen Praxiskenntnissen
- SPS-Programmierer, die von älteren SIMATIC-Generationen auf die TIA-Plattform migrieren
Vorausgesetzt werden ein technischer, elektrotechnischer oder IT-Studienabschluss bzw. eine entsprechende Berufsausbildung oder nachweisliche Berufspraxis in der Steuerungstechnik. Kenntnisse der Grundelektrotechnik (Ohmsches Gesetz, Signalpegel, Schutzklassen) sind ebenso Voraussetzung wie ein sicherer Umgang mit dem PC und Windows-Betriebssystemen. Wer bereits mit klassischen SIMATIC-S5- oder S7-300/400-Projekten gearbeitet hat, kann von diesem Vorkenntnisstand profitieren; zwingend erforderlich ist es jedoch nicht.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet Theoriephasen zur Vermittlung von Grundlagen mit intensiven praktischen Übungseinheiten direkt am TIA-Portal. Softwareseitig wird mit einem vollständigen Siemens-TIA-Portal-Installationspaket gearbeitet; Simulatoren (PLCSIM) ermöglichen das Üben ohne reale Hardwareanbindung. Begleitende Lernmaterialien – strukturierte Handouts, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Musterprojekte – stehen für das selbstgesteuerte Nacharbeiten zur Verfügung. Tutorien und Fachforen ermöglichen den Austausch mit anderen Teilnehmenden und dem Lehrpersonal.
Der Kurs ist als Vollzeit-Weiterbildung konzipiert und umfasst mehrere Wochen intensiven Lernens. Die genaue Kursdauer richtet sich nach dem gebuchten Anbieter; Angaben zum konkreten Zeitrahmen erhalten Interessierte bei der Anmeldung. Die Weiterbildung ist in der Regel als Präsenz-, Online- oder kombinierte Lernform buchbar.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung bzw. ein trägerinternes Zertifikat. Dieses dokumentiert die erworbenen Kenntnisse in Analogtechnik und SPS-Programmierung mit dem Siemens TIA-Portal und kann bei Arbeitgebern in der Automatisierungsbranche vorgelegt werden. Die Weiterbildung ist keine offizielle Siemens-Zertifizierung, bereitet aber auf einschlägige Eignungsanforderungen in Stellenanzeigen der industriellen Automatisierungstechnik vor.
Nutzen & Perspektiven
Siemens SIMATIC-Steuerungen sind in deutschen Produktions- und Prozessanlagen nach wie vor Marktführer – von der Lebensmittelindustrie über den Maschinenbau bis zur Energieversorgung. Wer das TIA-Portal sicher bedient und Analogsignale kompetent verarbeitet, ist in der Lage, Anlagen eigenständig in Betrieb zu nehmen, Optimierungen durchzuführen und Stillstandzeiten durch schnelle Fehlerdiagnose zu minimieren. Das macht diese Qualifikation zu einem konkreten Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus schließt der Kurs eine Lücke, die viele Berufspraktiker kennen: Digitale Steuerlogik beherrschen sie, doch der Umgang mit der analogen Messkette – Normierung, Skalierung, Gebertypen – bleibt oft unsystematisch. Diese Weiterbildung schafft ein solides, reproduzierbares Fundament für genau diesen Bereich und ermöglicht es, auch komplexere Regelaufgaben wie Temperatur- und Druckregelung strukturiert anzugehen. Nicht zuletzt liefert die Weiterbildung eine klare Orientierung für den praktischen Alltag: Diagnosemeldungen werden nicht mehr geraten, sondern gezielt ausgewertet; Projekte werden nachvollziehbar dokumentiert; und der Wechsel von älterer S7-Technik zur TIA-Umgebung gelingt strukturiert statt durch Trial-and-Error. Wer systematisch gelernt hat, Analogbaugruppen zu konfigurieren und Skalierungsbausteine einzusetzen, kann auch unbekannte Aufgaben mit demselben Schema angehen – das schafft Sicherheit in der täglichen Arbeit und schützt vor kostspieligen Fehlern bei der Inbetriebnahme.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich das TIA-Portal bereits kennen, um teilnehmen zu können?
Vorkenntnisse im TIA-Portal sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Wichtiger sind steuerungstechnische Grundkenntnisse und Berufspraxis in der Elektro- oder Automatisierungstechnik. Der Kurs führt systematisch in die TIA-Oberfläche ein.
Kann ich das TIA-Portal auch ohne echte SIMATIC-Hardware üben?
Ja. Mit dem Siemens PLCSIM-Softwaresimulator lassen sich S7-Steuerungen vollständig simulieren. Viele Übungen des Kurses sind daher ohne physische Hardware durchführbar. Der Anbieter stellt das notwendige Softwarepaket zur Verfügung.
Welche Berufsfelder profitieren von dieser Weiterbildung besonders?
Besonders gefragt ist die Kombination aus TIA-Portal und Analogtechnik in der Prozessindustrie (Chemie, Lebensmittel, Energie), im Maschinenbau und in der Fertigungstechnik. Typische Stellen sind SPS-Programmierer/in, Inbetriebnehmer/in und Steuerungstechniker/in.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung bzw. ein trägerinternes Zertifikat. Es handelt sich nicht um ein offizielles Siemens-Herstellerzertifikat, aber das Dokument ist auf dem Arbeitsmarkt anerkannt.
Ist der Kurs auch als Online-Variante verfügbar?
Je nach Anbieter ist der Kurs als Präsenz-, Online- oder Blended-Learning-Variante buchbar. Details zur Kursform und zu den Durchführungsterminen erhalten Interessierte direkt beim gewählten Anbieter.
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