Überblick
Der Kurs Barrierefreies Design in der Web- und Medienentwicklung vermittelt die fachlichen Grundlagen, um digitale Angebote so zu gestalten, dass sie für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen nutzbar sind. Im Zentrum stehen die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1) und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) als die beiden maßgeblichen Fachstandards für barrierefreie Websites, Anwendungen und digitale Medien in Deutschland. Ergänzend werden Grundlagen zum Einsatz von KI-Werkzeugen in der Medienproduktion sowie Aspekte der Barrierefreiheit in E-Learning-Angeboten behandelt. Der Kurs richtet sich an Personen mit Vorerfahrung in Bild-, Video- oder Audiogestaltung, die ihr Profil um das Thema digitale Zugänglichkeit erweitern möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Der Kurs ist in vier inhaltliche Blöcke gegliedert, die aufeinander aufbauen und die zentralen Aspekte barrierefreier Web- und Medienentwicklung abdecken. Modul 1 — Grundlagen der Barrierefreiheit: Der Einstieg schafft ein gemeinsames Verständnis dafür, was digitale Barrierefreiheit bedeutet, welche Nutzergruppen betroffen sind und warum Zugänglichkeit kein Zusatzmerkmal, sondern integraler Bestandteil guter Gestaltung ist.
- Formen von Einschränkungen (visuell, auditiv, motorisch, kognitiv) und ihre Auswirkungen auf die Mediennutzung
- Grundprinzipien wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust nach WCAG
- Aufbau und Struktur der WCAG 2.1 mit ihren Erfolgskriterien
- Konformitätsstufen A, AA, AAA und ihre praktische Bedeutung
- Unterschied zwischen WCAG als internationalem Standard und BITV 2.0 als deutscher Rechtsverordnung
- typische Zugänglichkeitsprobleme in bestehenden Websites erkennen und benennen
Modul 2 — Rechtliche und ethische Aspekte: Digitale Zugänglichkeit ist in Deutschland und der EU rechtlich verankert. Dieses Modul ordnet die wichtigsten Regelwerke ein und vermittelt, warum barrierefreie Gestaltung auch eine gesellschaftliche Verantwortung ist.
- Geltungsbereich und Anforderungen der BITV 2.0 für öffentliche Stellen
- Zusammenhang zwischen europäischer Richtlinie und nationaler Umsetzung
- Rolle von Feststellungsverfahren und Erklärungen zur Barrierefreiheit
- ethische Dimension digitaler Teilhabe und Ausgrenzung durch schlechte Zugänglichkeit
- Verantwortung von Entwicklerinnen und Entwicklern sowie Gestaltenden im Entstehungsprozess
- Grenzfälle und Zielkonflikte zwischen Gestaltungsfreiheit und Zugänglichkeit
Modul 3 — Barrierefreie Gestaltung von Inhalten: Im Zentrum dieses Moduls steht die praktische Umsetzung der WCAG-Kriterien bei Bild-, Text-, Video- und Audioinhalten sowie in Dokumenten.
- Alternativtexte für Bilder und komplexe Grafiken formulieren
- Farbkontraste berechnen und für Text sowie Bedienelemente sicherstellen
- Untertitel und Transkripte für Videoinhalte erstellen
- Audiodeskription als Zugang zu visuellen Informationen für blinde Nutzende
- semantische Auszeichnung von Überschriften, Listen und Tabellen
- Grundlagen barrierefreier PDF-Dokumente und alternativer Dateiformate
Modul 4 — Technologie, Werkzeuge und KI-Anwendungen: Das letzte inhaltliche Modul widmet sich den technischen Hilfsmitteln, mit denen Barrierefreiheit umgesetzt und geprüft wird, sowie aktuellen Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz.
- Screenreader und andere assistive Technologien im Testalltag
- automatisierte und manuelle Prüfwerkzeuge für WCAG-Konformität
- Grundlagen von ARIA-Attributen zur Verbesserung der Bedienbarkeit
- Einsatzmöglichkeiten von KI-Werkzeugen bei der Erstellung von Alternativtexten und Untertiteln
- Grenzen automatisierter Lösungen und die Notwendigkeit menschlicher Prüfung
- Ausblick auf Barrierefreiheit in E-Learning-Umgebungen und digitalen Lernplattformen
Im Praxisteil wenden die Teilnehmenden die erlernten Kriterien direkt auf Beispielseiten und eigene Medienprojekte an, unter anderem in folgenden Übungen.
- Durchführung eines vollständigen Zugänglichkeits-Checks einer bestehenden Website anhand der WCAG-Erfolgskriterien
- Erstellung von Alternativtexten für eine Sammlung unterschiedlicher Bildtypen
- Nachvertonung eines kurzen Videos mit Untertiteln und Transkript
- Kontrastprüfung eines Farbschemas und Ableitung von Korrekturvorschlägen
- Aufbau einer semantisch strukturierten Beispielseite mit korrekter Überschriftenhierarchie
- Test einer Anwendung ausschließlich per Tastatur zur Prüfung der Bedienbarkeit
- Umwandlung eines einfachen Dokuments in ein barrierefreies PDF
- Einsatz eines KI-Werkzeugs zur Erstellung von Bildbeschreibungen und kritische Bewertung der Ergebnisse
- Simulation eines Screenreader-Durchlaufs auf einer Beispielseite
- Erarbeitung einer kurzen Erklärung zur Barrierefreiheit nach BITV-Vorbild
- Analyse eines Zugänglichkeitsproblems aus dem Bereich E-Learning und Entwicklung eines Lösungsvorschlags
- Abschlusspräsentation eines barrierefreien Konzepts für ein selbst gewähltes Medienprojekt
Der Kurs verzahnt fachliche Grundlagen konsequent mit Praxisübungen, sodass die Teilnehmenden nicht nur die Kriterien der WCAG 2.1 und BITV 2.0 kennen, sondern sie auch selbstständig auf reale Gestaltungsaufgaben anwenden können. Der Umgang mit Prüfwerkzeugen und assistiven Technologien wird dabei ebenso eingeübt wie das Formulieren nachvollziehbarer Begründungen für Gestaltungsentscheidungen.
Lernziele:
Die Teilnehmenden bauen ein fundiertes Verständnis für die technischen, gestalterischen und rechtlichen Dimensionen barrierefreier Web- und Medienangebote auf. Nach Abschluss des Kurses können sie Folgendes leisten.
- die vier Prinzipien der WCAG 2.1 (wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust) erläutern und auf konkrete Gestaltungsentscheidungen anwenden
- die Konformitätsstufen A, AA und AAA der WCAG unterscheiden und begründen, welche Stufe für welchen Anwendungsfall angemessen ist
- die Anforderungen der BITV 2.0 einordnen und von den WCAG-Kriterien abgrenzen, auf denen sie aufbaut
- Bilder, Grafiken und Videos mit alternativen Textbeschreibungen, Untertiteln und Audiodeskription barrierefrei aufbereiten
- Farbkontraste nach den WCAG-Vorgaben prüfen und für ausreichende Lesbarkeit sorgen
- semantisch korrektes HTML und ARIA-Attribute zur Unterstützung von Screenreadern einsetzen
- Tastaturbedienbarkeit als zentrales Zugänglichkeitskriterium erkennen und in Entwürfen berücksichtigen
- barrierefreie PDF- und Dokumentenformate von nicht barrierefreien unterscheiden und Optimierungsschritte benennen
- gängige Prüfwerkzeuge und Testmethoden für Barrierefreiheit anwenden und Prüfergebnisse dokumentieren
- rechtliche und ethische Grundlagen digitaler Teilhabe einordnen, einschließlich der Bedeutung von BITV 2.0 für öffentliche Stellen
- Möglichkeiten und Grenzen von KI-gestützten Werkzeugen bei der barrierefreien Medienproduktion einschätzen
- ein barrierefreies Konzept für eine eigene Web- oder Medienanwendung entwickeln und begründen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs eignet sich für Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem Studium, die bereits über Grundlagenkenntnisse in der Bild-, Video- oder Audiogestaltung verfügen und sich für digitale Zugänglichkeit als Zukunftsthema interessieren.
- Webentwicklerinnen und -entwickler, die ihre Angebote WCAG-konform gestalten möchten
- UX/UI-Designerinnen und -Designer mit Interesse an inklusiver Gestaltung
- Personen aus der Medienproduktion, die Videos, Bilder oder Audioinhalte barrierefrei aufbereiten möchten
- angehende Accessibility-Consultants, die sich fachlich auf eine Beratungstätigkeit vorbereiten
- Quereinsteigende mit technischem oder gestalterischem Hintergrund, die sich für neue Technologien im Medienbereich öffnen
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium, auch ohne Abschluss. Teilnehmende sollten Grundlagenkenntnisse in der Bild-, Video- oder Audiogestaltung mitbringen, idealerweise im Umgang mit gängiger Kreativsoftware. Zusätzlich sind sichere Kenntnisse gängiger Office-Anwendungen sowie Grundkenntnisse der englischen Sprache erforderlich, da Fachbegriffe und Dokumentationen im Bereich Webentwicklung häufig auf Englisch vorliegen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet fachliche Einführungen mit angeleiteten Übungen an konkreten Beispielinhalten. Theoretische Einheiten zu Standards und rechtlichen Grundlagen wechseln sich mit praktischen Aufgaben ab, in denen die Teilnehmenden Bilder, Videos und Textinhalte selbst barrierefrei aufbereiten. Prüfwerkzeuge und assistive Technologien werden im Kurs demonstriert und von den Teilnehmenden im eigenen Tempo ausprobiert, sodass ein direkter Bezug zwischen Kriterium und praktischer Umsetzung entsteht.
Der Kurs ist modular aufgebaut und deckt die vier beschriebenen Themenblöcke in aufeinander aufbauender Reihenfolge ab. Der zeitliche Umfang richtet sich nach dem gewählten Kursformat und den individuellen Vorkenntnissen der Teilnehmenden. Die einzelnen Module lassen sich sowohl im Block als auch berufsbegleitend bearbeiten.
Der Kurs schließt mit einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung des Kursanbieters ab, die die behandelten Themenblöcke und erworbenen Kompetenzen im Bereich barrierefreies Web- und Mediendesign dokumentiert. Ein externes Herstellerzertifikat ist mit diesem Kurs nicht verbunden.
Nutzen & Perspektiven
Digitale Barrierefreiheit gewinnt durch gesetzliche Vorgaben und wachsendes gesellschaftliches Bewusstsein zunehmend an Bedeutung für Websites, Anwendungen und digitale Medien. Wer die Kriterien der WCAG 2.1 und der BITV 2.0 sicher anwenden kann, bringt eine Kompetenz mit, die in Entwicklungs-, Design- und Redaktionsteams zunehmend gefragt ist und sich von rein gestalterischem oder technischem Fachwissen deutlich abhebt. Der Kurs vermittelt dieses Wissen nicht abstrakt, sondern anhand konkreter Übungen an Bildern, Videos, Texten und Dokumenten, sodass die Teilnehmenden nach Abschluss in der Lage sind, eigenständig Zugänglichkeitsprüfungen durchzuführen und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. Das macht das erworbene Wissen unmittelbar auf reale Projekte übertragbar, unabhängig davon, ob die Teilnehmenden aus der Entwicklung, dem Design oder der Medienproduktion kommen. Darüber hinaus schärft der Kurs den Blick für die ethische und rechtliche Dimension digitaler Teilhabe und zeigt, wie sich barrierefreie Gestaltung mit aktuellen Werkzeugen, einschließlich KI-gestützter Hilfsmittel, sinnvoll verbinden lässt. Damit ist der Kurs sowohl für Personen geeignet, die sich fachlich neu positionieren möchten, als auch für alle, die Barrierefreiheit als festen Bestandteil ihrer bisherigen Tätigkeit etablieren wollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen WCAG 2.1 und BITV 2.0?
Die WCAG 2.1 sind ein internationaler technischer Standard für barrierefreie digitale Inhalte. Die BITV 2.0 ist die deutsche Rechtsverordnung, die für öffentliche Stellen gilt und sich inhaltlich an den WCAG-Kriterien orientiert. Der Kurs behandelt beide Regelwerke im Zusammenhang.
Benötige ich Programmierkenntnisse für den Kurs?
Tiefgehende Programmierkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich, da der Schwerpunkt auf Gestaltung, Inhalten und Prüfkriterien liegt. Grundlagenkenntnisse in Bild-, Video- oder Audiogestaltung sowie im Umgang mit Office-Anwendungen werden jedoch vorausgesetzt.
Werden auch Videos und Audioinhalte behandelt, nicht nur Websites?
Ja. Der Kurs deckt neben Webinhalten auch die barrierefreie Aufbereitung von Bildern, Videos mit Untertiteln und Audiodeskription sowie Dokumenten ab.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Der Kurs schließt mit einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung des Kursanbieters ab, die die behandelten Inhalte dokumentiert. Ein externes Herstellerzertifikat ist nicht Bestandteil dieses Kurses.
Für wen eignet sich der Kurs besonders?
Der Kurs richtet sich an Webentwicklerinnen und -entwickler, Designerinnen und Designer sowie Personen aus der Medienproduktion, die digitale Zugänglichkeit als festen Bestandteil ihrer Arbeit etablieren möchten.
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