Überblick
Ab 2024 gilt für einen wachsenden Kreis von Unternehmen die Berichtspflicht nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – mit steigendem Anwendungsbereich in den Folgejahren. Die Anforderungen sind komplex: Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) umfassen thematische Standards zu Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, und die doppelte Wesentlichkeitsanalyse muss methodisch sauber durchgeführt werden. Dieses Bootcamp bereitet Nachhaltigkeitsfachkräfte gezielt auf diese Anforderungen vor – nicht durch abstrakte Überblicksvorträge, sondern durch schrittweise Vertiefung in die Original-ESRS und eigenständige Fallbearbeitung bis hin zur Erstellung einer vollständigen Nachhaltigkeitserklärung.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Standards der Nachhaltigkeitsberichterstattung und Begriffswelt Wer Nachhaltigkeitsberichte erstellt, muss die unterschiedlichen Rahmenwerke und ihre Verhältnisse zueinander kennen. Dieser Einstiegsblock schafft Orientierung in einem Feld, das von Abkürzungen, Überlappungen und schneller Gesetzgebungsveränderung geprägt ist.
- Repetitorium zentraler Begriffe: ESG, CSR, Nachhaltigkeit, SDGs
- Übersicht über internationale Rahmenwerke: GRI, TCFD, IFRS S1/S2, EMAS
- Verortung der ESRS im europäischen Rechtsrahmen
- Verhältnis CSRD zu bisheriger NFRD-Berichtspflicht
- Anwendungsbereich der CSRD: Wer ist wann betroffen?
- Zeitplan der schrittweisen CSRD-Einführung bis 2028
Modul 2 – CSRD und ESRS im Detail Die ESRS sind das Herzstück des neuen Berichtssystems. Dieser Block arbeitet sich systematisch durch die Querschnittsstandards (ESRS 1 und 2) sowie die thematischen Standards – von ökologischen Themen über soziale Aspekte bis zur Unternehmensführung.
- ESRS 1: Allgemeine Anforderungen, Berichtsstruktur, qualitative Merkmale
- ESRS 2: Allgemeine Angaben – welche Informationen jedes Unternehmen offenlegen muss
- Umweltstandards (E1–E5): Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wasser, Biodiversität, Ressourcen
- Soziale Standards (S1–S4): Eigene Belegschaft, Wertschöpfungskette, Betroffene Gemeinschaften, Verbraucher
- Governance-Standard (G1): Unternehmensführung, Risikokultur, Korruptionsbekämpfung
- EU-Taxonomie als ergänzendes Klassifizierungssystem und Schnittmenge mit ESRS
Modul 3 – Doppelte Wesentlichkeitsanalyse als Fundament des Berichts Die Wesentlichkeitsanalyse ist keine Formalität, sondern die inhaltliche Grundlage jedes CSRD-konformen Berichts. Nur wer versteht, welche Themen für das eigene Unternehmen wesentlich sind – in beiden Richtungen – kann einen belastbaren Bericht erstellen.
- Konzept der doppelten Wesentlichkeit (Impact Materiality und Financial Materiality)
- Methodisches Vorgehen: Stakeholderidentifikation, Themenerhebung, Bewertungsmatrix
- Unterschied zu traditionellen Wesentlichkeitsanalysen (GRI-Ansatz)
- Dokumentation und Nachvollziehbarkeit der Analyse
- Typische Fehler bei der Wesentlichkeitsanalyse und deren Vermeidung
- Übungseinheit: Wesentlichkeitsmatrix für ein fiktives Unternehmen entwickeln
Praxisblock – Fallbearbeitung, Berichtserstellung und Vergleich mit realem Bericht Der Praxisblock ist das Unterscheidungsmerkmal dieses Bootcamps. Anstatt Theorie zu wiederholen, erstellen Teilnehmende in Gruppen und individuell eine vollständige Nachhaltigkeitserklärung für ein Fallunternehmen – und vergleichen das Ergebnis anschließend mit einem veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht.
- Einführung in die Fallbearbeitung: Ausgangssituation und Unternehmensprofil
- Befassung mit ESRS-Kategorien im Kontext des Fallunternehmens
- Auswahl berichtspflichtiger Themen auf Basis der Wesentlichkeitsanalyse
- Erstellung von Nachhaltigkeitsinformationen zu ausgewählten ESRS
- Aufbau einer vollständigen Nachhaltigkeitserklärung
- Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards im konkreten Berichtskontext
- Bewertung der eigenen Fallbearbeitung im Plenum
- Vergleich mit einem realen Nachhaltigkeitsbericht: Was haben professionelle Teams anders gemacht?
- Einsatz von KI-Tools bei Recherche und Formulierungsunterstützung
- Diskussion: Wo stoßen KI-Tools im Nachhaltigkeitsberichtskontext an Grenzen?
- Abschlussgespräch: Welche Schritte folgen im eigenen Unternehmen?
- Ausblick auf die Weiterentwicklung der ESRS und kommende Regulierung
Lernziele:
Nach Abschluss des Bootcamps sind die Teilnehmenden in der Lage –
- die Rechtslage und den politischen Kontext der CSRD korrekt einzuordnen
- Begrifflichkeiten im Nachhaltigkeitsumfeld präzise zu differenzieren (ESG, CSR, SDGs, ESRS, GRI)
- die Strukturlogik der ESRS (Querschnitts- und thematische Standards) zu erläutern
- die EU-Taxonomie im Zusammenspiel mit ESRS-Berichtsanforderungen anzuwenden
- eine Wesentlichkeitsanalyse nach dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit eigenständig durchzuführen
- qualitative Merkmale von Nachhaltigkeitsinformationen (Vergleichbarkeit, Verlässlichkeit) zu beurteilen
- ESRS-Kategorien (E, S, G) und deren jeweilige Berichtsanforderungen konkret anzuwenden
- eine Nachhaltigkeitserklärung strukturiert aufzubauen und zu formulieren
- reale Nachhaltigkeitsberichte auf Konformität mit ESRS-Anforderungen zu analysieren
- KI-Tools unterstützend in Rechercheaufgaben und Formulierungsprozesse einzubinden
- den eigenen Bericht mit einem Referenzbericht aus der Praxis zu vergleichen
- Unternehmen durch die transformativen Anforderungen der CSRD inhaltlich zu begleiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Bootcamp richtet sich ausschließlich an Fachkräfte mit bereits fundierter Nachhaltigkeitskompetenz. Die Eingangsvoraussetzungen sind bewusst anspruchsvoll gesetzt, damit der Kurs tatsächlich auf Vertiefungsniveau arbeiten kann. Der folgende Überblick zeigt den typischen Teilnehmerkreis.
- Nachhaltigkeitsmanager und -managerinnen, die zum ersten Mal CSRD-konform berichten müssen
- ESG-Referenten, die ihre Unternehmen bei der Einführung der CSRD-Berichtspflicht begleiten
- CSR-Fachkräfte, die ihr bestehendes GRI-Wissen auf ESRS überführen wollen
- Umweltmanagementbeauftragte aus EMAS- oder ISO-14001-Kontexten
- Consultants und Berater, die Unternehmen bei der CSRD-Implementierung unterstützen
Der Einstieg setzt voraus: Hochschulabschluss (Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft, Umweltwissenschaften o. ä.) oder nachgewiesenen Schwerpunkt im Studium; Berufserfahrung als Nachhaltigkeitsmanagerin oder geprüfte CSR-Kompetenz durch Weiterbildung; grundlegende digitale Skills; sehr gute Deutschkenntnisse. Personen ohne Nachhaltigkeits-Hintergrund sollten zunächst einen Einsteigerkurs in CSR oder Nachhaltigkeitsmanagement absolvieren.
Ablauf & Abschluss
Das Bootcamp arbeitet in einer intensiven Kombination aus Lehreinheiten und unmittelbarer Fallbearbeitung. Jedes Theoriemodul wird durch eine anschließende Anwendungsaufgabe gesichert. Im Praxisblock werden eigenständige Arbeitsphasen durch Feedback-Schleifen im Plenum unterbrochen – typisch für ein Bootcamp-Format, das schnell und tief zugleich arbeitet. Der Einsatz von KI-Tools wird aktiv thematisiert; Teilnehmende lernen, sie gezielt einzusetzen, ohne das eigene inhaltliche Urteilsvermögen zu delegieren. Der Kurs findet im Online-Vollzeitformat statt.
Das Bootcamp-Format ist auf Intensität ausgelegt: In konzentrierter Lernzeit werden die CSRD-Kernanforderungen und die ESRS-Standards systematisch erarbeitet und direkt in der Fallbearbeitung angewendet. Die genaue Wochenanzahl variiert je nach Durchführungsformat und Anbieter.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat, das die intensive Beschäftigung mit CSRD, ESRS und der praktischen Fallbearbeitung dokumentiert. Das Zertifikat ist kein staatlich anerkannter Abschluss, aber ein branchenüblicher Nachweis für die erworbene Reporting-Kompetenz.
Nutzen & Perspektiven
Die CSRD schafft eine neue Realität für Unternehmen, die bisher keine strukturierten Nachhaltigkeitsberichte erstellen mussten. Wer als interne Fachkraft nicht nur die Regulierung kennt, sondern eine Wesentlichkeitsanalyse methodisch sauber durchführen und einen ESRS-konformen Bericht aufbauen kann, ist in einer Schlüsselposition. Dieser Kurs gibt den methodischen Werkzeugkasten: nicht als Überblick, sondern als geübte Kompetenz. Der Vergleich der eigenen Fallbearbeitung mit einem realen Nachhaltigkeitsbericht am Kursende ist dabei besonders aufschlussreich – er zeigt, wo die eigene Analyse bereits belastbar ist und wo noch Lücken bestehen. Für Consultants und externe Berater, die Unternehmen bei der CSRD-Einführung begleiten, schafft dieser Kurs den fachlichen Unterbau für glaubwürdige Beratungsleistung. Die Kenntnisse der Original-ESRS – erarbeitet auf Textbasis, nicht nur als Zusammenfassung – sind dabei die entscheidende Grundlage.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen CSRD, ESRS und EU-Taxonomie?
Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) ist die EU-Richtlinie, die berichtspflichtige Unternehmen definiert. Die ESRS (European Sustainability Reporting Standards) sind die konkreten Berichtsstandards. Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Im Kurs wird das Zusammenspiel aller drei Regelwerke praxisnah durchgearbeitet.
Was ist eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse?
Die doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality) ist das Kernkonzept der CSRD: Unternehmen müssen berichten, wie Nachhaltigkeitsthemen das Unternehmen beeinflussen (finanzielle Wesentlichkeit), und wie das Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft wirkt (Auswirkungswesentlichkeit). Der Kurs übt die Durchführung dieser Analyse anhand realer Fallbeispiele.
Für wen ist dieses Bootcamp geeignet?
Das Bootcamp richtet sich an bereits erfahrene Nachhaltigkeitsfachkräfte mit Hochschulhintergrund oder nachgewiesener CSR-Kompetenz. Es ist kein Einsteigerkurs in das Thema Nachhaltigkeit, sondern eine Vertiefung in die konkreten Reporting-Anforderungen der CSRD und ESRS.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach erfolgreichem Abschluss des Bootcamps erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat. Es handelt sich nicht um eine staatliche oder externe Prüfung. Das Zertifikat dokumentiert die intensive Beschäftigung mit CSRD, ESRS und der praktischen Wesentlichkeitsanalyse.
Welche Rolle spielen KI-Tools in diesem Kurs?
Neben den fachlichen ESRS-Inhalten wird die Anwendung von KI-Tools in praxisnahen Nachhaltigkeitsaufgaben vermittelt. Das reicht von der Recherche zu ESRS-Anforderungen bis zur Unterstützung bei der Formulierung von Berichtsinhalten – als Ergänzung, nicht als Ersatz für das inhaltliche Urteilsvermögen.
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