Überblick
Agiles Projektmanagement hat sich als Reaktion auf die Grenzen klassischer Wasserfall-Planung entwickelt und ist heute in IT-Projekten, Produktentwicklungen und zunehmend auch in nicht-technischen Bereichen weit verbreitet. Dieser Einführungskurs legt das konzeptionelle Fundament für agiles Arbeiten und nutzt das Scrum-Framework als zentrales Lehrbeispiel, um Prinzipien, Vorteile und Herausforderungen agiler Methoden konkret zu erfahren. Der Kurs orientiert sich an der Terminologie und den Definitionen des Scrum Guide 2020.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Einstieg in agile Methoden und das Agile Manifest Agilität ist kein Werkzeug, sondern eine Denk- und Arbeitsweise. Dieses Modul legt die konzeptionellen Grundlagen und erklärt, warum agile Ansätze entstanden sind und welche Situationen sie besonders gut geeignet sind.
- Entstehungsgeschichte agiler Methoden: vom Wasserfall-Modell zur iterativen Entwicklung
- Die vier Werte des Agilen Manifests und ihre praktische Bedeutung
- Die zwölf Prinzipien hinter dem Agilen Manifest im Überblick
- Überblick über verbreitete agile Methoden: Scrum, Kanban, Extreme Programming
- Anwendungsbereiche: Wo funktioniert Agilität, wo stößt sie an Grenzen?
- Abgrenzung zu klassischen Projektmanagementansätzen
Modul 2: Mythen, Herausforderungen und Vorteile von Agilität Agile Einführungen scheitern häufig an falschen Erwartungen oder mangelndem Verständnis der tatsächlichen Anforderungen. Dieses Modul räumt gängige Missverständnisse auf und zeigt realistische Bedingungen für erfolgreiche agile Arbeit.
- Verbreitete Mythen über Agilität: "kein Plan", "kein Prozess", "keine Dokumentation"
- Herausforderungen bei der organisationalen Einführung agiler Praktiken
- Widerstände, Rollenunklarheiten und kulturelle Hürden in der Praxis
- Messbare Vorteile: Liefergeschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kundennähe
- Wann Agilität geeignet ist — und wann andere Ansätze besser passen
- Agile Werte als Grundlage für psychologische Sicherheit im Team
Modul 3: Das Scrum-Framework — Rollen und Artefakte Scrum ist das am weitesten verbreitete agile Framework. Dieses Modul erklärt die drei Rollen, drei Artefakte und die strukturellen Grundlagen des Frameworks auf Basis des aktuellen Scrum Guide 2020.
- Product Owner: Verantwortung für das Product Backlog und Wertmaximierung
- Scrum Master: Dienende Führung, Moderation und Beseitigung von Impediments
- Developers: Selbstorganisiertes Team, verantwortlich für das Increment je Sprint
- Product Backlog: Geordnete Liste aller bekannten Anforderungen und Verbesserungen
- Sprint Backlog: Auswahl und Plan für den laufenden Sprint
- Increment: Das kumulierte, potenziell auslieferbare Ergebnis nach jedem Sprint
- Definition of Done als Qualitätsstandard für das Increment
Modul 4: Scrum-Ereignisse — die fünf Events laut Scrum Guide 2020 Scrum definiert laut Scrum Guide 2020 genau fünf offizielle Ereignisse: den Sprint selbst, Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review und Sprint Retrospective. Wichtig zur korrekten Einordnung: Backlog Refinement gehört nicht zu diesen fünf Ereignissen — es ist eine kontinuierliche Aktivität, die das Scrum-Team im Verlauf des Sprints durchführt, ohne dass der Scrum Guide dafür ein festes Zeitformat vorschreibt. Dieses Modul behandelt alle fünf Ereignisse und den Status des Backlog Refinements.
- Der Sprint als Container: Timebox, Ziel und Stabilität
- Sprint Planning: Festlegung des Sprint-Ziels und Auswahl der Sprint-Backlog-Einträge
- Daily Scrum: 15-minütiger Check-in der Developers zur Inspektion des Fortschritts
- Sprint Review: Inspektion des Increments mit Stakeholdern, Adaptation des Product Backlogs
- Sprint Retrospective: Reflexion des Teams über Prozess, Zusammenarbeit und Verbesserungsmaßnahmen
- Backlog Refinement: Kontinuierliche Aktivität zur Detaillierung und Schätzung von Backlog-Einträgen — kein offizielles Scrum-Ereignis, aber essenziell für reibungslose Sprint-Planung
Praxisblock: Scrum in simulierten Sprint-Zyklen Der Praxisblock ermöglicht es, das Scrum-Framework in verkürzten, simulierten Sprint-Zyklen selbst anzuwenden. Ziel ist es, das theoretische Wissen in konkretes Handeln zu überführen.
- Anlage und Priorisierung eines Product Backlogs für ein fiktives Projekt
- Formulierung von User Stories mit Akzeptanzkriterien
- Schätzung mit Story Points und Planning Poker
- Sprint Planning: Sprint-Ziel definieren, Backlog-Einträge auswählen
- Simulation eines Daily Scrum: Strukturierter Check-in in der Übungsgruppe
- Sprint Review vorbereiten und durchführen: Ergebnis präsentieren und Feedback integrieren
- Sprint Retrospective strukturiert durchführen: Was lief gut? Was verbessern?
- Backlog Refinement als laufende Aktivität: Einträge konkretisieren und verfeinern
- Velocity berechnen und für die nächste Sprint-Planung verwenden
- Burndown-Chart lesen und interpretieren
- Impediments identifizieren und Eskalationswege beschreiben
- Abschlussbesprechung: Reflexion über Stärken und Lernfelder im Scrum-Prozess
Lernziele:
- Grundwerte und Prinzipien des Agilen Manifests benennen und erklären
- Unterschiede zwischen agilen und klassischen Vorgehensmodellen einordnen
- Die drei Scrum-Rollen (Product Owner, Scrum Master, Developers) in ihrer Verantwortung beschreiben
- Die fünf offiziellen Scrum-Ereignisse laut Scrum Guide 2020 kennen und voneinander abgrenzen
- Product Backlog, Sprint Backlog und Increment als Scrum-Artefakte verstehen
- User Stories und Akzeptanzkriterien formulieren
- Story-Point-Schätzungen und Techniken wie Planning Poker anwenden
- Velocity und Burndown-Charts als Steuerungsinstrumente lesen und interpretieren
- Backlog Refinement als kontinuierliche Aktivität korrekt einordnen
- Typische agile Missverständnisse und Mythen erkennen und ausräumen
- Herausforderungen bei der Einführung agiler Methoden in Organisationen benennen
- Erste Schritte zur Anwendung des Scrum-Frameworks in einem realen Projektkontext skizzieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs eignet sich für alle, die agile Projektarbeit verstehen und im eigenen Umfeld anwenden möchten — unabhängig von der Branche.
- Projektmitarbeitende, die in agile Teams einsteigen
- Projektleiter und Koordinatoren, die auf agile Methoden umsteigen möchten
- Personen, die die Rolle des Scrum Masters oder Product Owners anstreben
- IT-Fachkräfte, die strukturierte Einblicke in Scrum-Abläufe gewinnen möchten
- Führungskräfte und Teamleads, die agile Transformationen begleiten
Es sind keine spezifischen Fachkenntnisse im Projektmanagement notwendig. Grundlegende Berufserfahrung in Teamprojekten ist hilfreich, aber kein Muss. Der Kurs richtet sich explizit an Einsteiger in agile Methoden.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet strukturierte Wissensvermittlung mit praktischen Simulationen und Gruppenübungen. Theorieblöcke werden durch moderierte Diskussionen ergänzt, in denen Teilnehmende Erfahrungen und Fragen einbringen. Die Sprint-Simulationen im Praxisblock ermöglichen echtes Ausprobieren in einem sicheren Lernrahmen. Der Unterricht findet im Combined-Learning-Format statt — Vollzeit und Teilzeit sind möglich.
Die Kursorganisation ermöglicht sowohl Vollzeit- als auch Teilzeit-Durchführungen. Genaue Stundenzahlen und Zeitpläne werden zu Kursbeginn gemeinsam festgelegt.
Nach Kursabschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Abschlusszertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Der Kurs bereitet konzeptionell auf weiterführende agile Zertifizierungen vor, etwa Certified ScrumMaster (CSM) der Scrum Alliance oder Professional Scrum Master (PSM) von Scrum.org — diese werden jedoch separat über die jeweiligen Organisationen erworben.
Nutzen & Perspektiven
Agile Kompetenz ist in der modernen Arbeitswelt zu einem Basiserwartungswert geworden — wer in IT, Produktentwicklung oder Organisationsentwicklung tätig ist, begegnet Scrum, Kanban oder ähnlichen Ansätzen fast zwangsläufig. Dieser Kurs legt das Fundament, das nötig ist, um in agilen Teams produktiv mitzuarbeiten, statt mit Begriffen und Zeremonien konfrontiert zu werden, die man nicht einordnen kann. Ein besonderer Fokus liegt auf konzeptioneller Klarheit — etwa bei der häufig missverstandenen Frage, was ein offizielles Scrum-Ereignis ist und was nicht. Backlog Refinement, obwohl unverzichtbar für reibungslose Sprints, ist laut Scrum Guide 2020 kein fünftes oder sechstes offizielles Ereignis. Wer diese Unterscheidung versteht, kann in der Praxis präziser kommunizieren und vermeidet gängige Implementierungsfehler. Wer nach diesem Kurs weitermacht, hat eine solide Grundlage für weiterführende Scrum-Kurse, Zertifizierungen wie PSM I oder CSM oder für Trainings in skalierter Agilität (SAFe, LeSS). Der Einstiegskurs ist damit nicht nur Wissensgrundlage, sondern auch Navigationshilfe für den weiteren Lernweg in der agilen Welt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele offizielle Ereignisse hat Scrum laut Scrum Guide 2020?
Scrum definiert laut Scrum Guide 2020 genau fünf Ereignisse: den Sprint selbst, Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review und Sprint Retrospective. Backlog Refinement ist kein offizielles Ereignis, sondern eine kontinuierliche Aktivität, die das Scrum-Team im Verlauf des Sprints durchführt — ohne festes Zeitformat im Scrum Guide.
Was ist der Unterschied zwischen einem Scrum-Ereignis und Backlog Refinement?
Scrum-Ereignisse sind im Scrum Guide definierte, timeboxed Aktivitäten mit klaren Zielen und Teilnehmern. Backlog Refinement hingegen ist eine fortlaufende Teamaktivität, die nicht timeboxed ist und keinen festen Platz im Sprint-Kalender hat. Sie dient dazu, Product-Backlog-Einträge zu verfeinern, zu konkretisieren und zu schätzen — ist aber kein Event im Sinne des Scrum Guide.
Welche Zertifizierungen kann man nach diesem Kurs ablegen?
Der Kurs legt die konzeptionellen Grundlagen für weiterführende Zertifizierungen wie PSM I (Professional Scrum Master) von Scrum.org oder CSM (Certified ScrumMaster) der Scrum Alliance. Diese werden separat über die jeweiligen Organisationen erworben und sind nicht Bestandteil dieses Einführungskurses.
Benötige ich Programmierkenntnisse für diesen Kurs?
Nein. Das Scrum-Framework ist eine Methodik, keine Technologie. Dieser Kurs vermittelt agile Prinzipien und Scrum-Praktiken, die unabhängig von technischen Vorkenntnissen angewendet werden können — in IT-Projekten ebenso wie in anderen Bereichen.
In welchem Format findet der Kurs statt?
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format angeboten, das heißt Live-Präsenz- und Online-Einheiten werden kombiniert. Sowohl Vollzeit- als auch Teilzeit-Optionen sind möglich.
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