Überblick
Change Management bedeutet fast immer: Verhandeln. Mit dem Vorstand über den Business Case, mit Fachabteilungen über Ressourcen, mit Lieferanten über Leistungsvereinbarungen, mit Widerstand leistenden Kolleginnen und Kollegen über die Notwendigkeit einer Transformation. Dieser Kurs verbindet vier international anerkannte Methoden-Zertifizierungen mit einem praxisorientierten Verhandlungstraining und der Prozessvisualisierung mit Microsoft Visio. Das Verhandlungstraining ist kein aufgesetztes Zusatzmodul — es ist inhaltlich eng mit den Methodenbausteinen verknüpft, denn jede Zertifizierung beinhaltet Situationen, die Verhandlungs- und Überzeugungsarbeit erfordern: PRINCE2-Lenkungskreise, ITIL-Service-Review-Meetings, Anforderungsworkshops nach BABOK.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Scrum Foundation: Konsens als Teamprinzip Das Scrum-Framework setzt von Anfang an auf kollektive Entscheidungen: Das Team schätzt gemeinsam, der Product Owner priorisiert unter Einbeziehung von Stakeholdern, und der Scrum Master schützt das Team vor externen Störungen. Dieses Modul beleuchtet die Entscheidungs- und Konsensmechanismen im Scrum-Alltag und zeigt, wie Interessenkonflikte — etwa zwischen Product Owner und Entwicklungsteam über den Sprint-Scope — produktiv gelöst werden.
- Backlog Refinement als Verhandlungsprozess: Priorisierung bei begrenzten Ressourcen
- Sprint-Planung und Kapazitätsgrenzen: Wie sagt das Team Nein, ohne den Sprint zu gefährden?
- Impediments als Verhandlungsauftrag für den Scrum Master: Eskalation und Lösungssuche
- Sprint Review als Feedback-Loop: Erwartungen justieren und neue Prioritäten einigen
- Konfliktmoderation in der Retrospektive: sachlich bleiben, wenn Emotionen hochkommen
Modul 2 — PRINCE2 Foundation: Governance als Verhandlungsrahmen PRINCE2 ist kein starres Regelwerk, sondern ein konfigurierbares Steuerungssystem. Seine Stärke liegt darin, dass es Entscheidungskompetenzen klar zuordnet und damit Verhandlungsprozesse rationalisiert. Dieses Modul macht deutlich, wie PRINCE2-Mechanismen wie Toleranzgrenzen, Change Budgets und Exception Reports dazu beitragen, Konflikte zu lösen, bevor sie eskalieren — und welche Verhandlungsspielräume innerhalb des Frameworks bestehen.
- Toleranzgrenzen verhandeln: Wieviel Abweichung toleriert das Project Board?
- Change Control im Projekt: Wie werden Scope-Erweiterungen bewertet und genehmigt?
- Vertragspartner und Lieferanten in PRINCE2-Projekte integrieren: externe Stakeholder steuern
- Lessons Learned als Instrument für zukünftige Verhandlungen: Was war der tatsächliche Business Value?
- Pläne revidieren: Wann ist eine neue Abweichungsempfehlung besser als ein Nachverhandeln?
Modul 3 — ITIL 4 Foundation: Service Level Agreements verstehen und gestalten ITIL 4 ist nicht nur ein Rahmenwerk für den IT-Betrieb, sondern auch eine Sprache, in der IT-Provider und Fachbereiche über Services, Verantwortlichkeiten und Qualitätsniveaus sprechen. Dieses Modul erläutert die Grundlagen des IT-Service-Managements im Kontext von Partnerbeziehungen und Leistungsvereinbarungen — ein Terrain, auf dem Verhandlungsgeschick täglich gefragt ist.
- Supplier Management in ITIL 4: Wie externe Partner in die Service Value Chain eingebettet werden
- Service Level Management: OLAs, SLAs und UCs — Verhandlungsgegenstände und -grenzen
- Change Enablement: Wer hat Einfluss auf welche Änderungen, und wie werden diese koordiniert?
- Problem Management und Workarounds: intern verhandelte Lösungen unter Zeitdruck
- Continual Improvement: Wie werden Verbesserungsvorschläge priorisiert und genehmigt?
Modul 4 — Business Analysis, Requirements Engineering und MS Visio In der Business Analysis ist Verhandeln Alltag: Wenn fünf Abteilungen fünf verschiedene Vorstellungen von einem System haben, ist der Business Analyst derjenige, der einen gemeinsamen Nenner findet. Dieses Modul vermittelt die Techniken der Anforderungserhebung und -priorisierung und verbindet sie direkt mit dem Verhandlungsmodul. Microsoft Visio wird eingesetzt, um Konfliktfelder, Stakeholder-Interessen und Anforderungslandkarten so zu visualisieren, dass sie als gemeinsame Basis für Einigungen dienen können.
- Stakeholder-Analyse: Interessen, Einfluss und potenzielle Konflikte frühzeitig erkennen
- MoSCoW-Priorisierung als Verhandlungsinstrument: Must, Should, Could, Won't einigen
- Anforderungs-Workshops moderieren: Widersprüche aufdecken, ohne Lager zu bilden
- Anforderungs-Traceability: Warum eine spätere Anforderung zugelassen oder abgelehnt wurde, nachvollziehbar machen
- Prozessdiagramme in Microsoft Visio als Verhandlungsgrundlage: Was ist der aktuelle Zustand, was ist das Ziel?
Praxisblock — Strategisches Verhandeln in Projekt- und Change-Kontexten Das Verhandlungstraining ist das Unterscheidungsmerkmal dieses Kurses. Es geht nicht um allgemeine Rhetorik, sondern um Verhandeln in spezifischen Kontexten: Budget-Gespräche mit dem Vorstand, Scope-Verhandlungen mit Lieferanten, Anforderungspriorisierung mit konkurrierenden Fachbereichen, Widerstands-Management in Transformationsprojekten.
- Verhandlungsstrategien im Überblick: distributiv (Verteilungskonflikt) vs. integrativ (Mehrwert schaffen)
- Harvard-Konzept: Personen von Interessen trennen, sachbezogen verhandeln, faire Kriterien nutzen
- BATNA definieren: Was ist die beste Alternative, wenn eine Einigung scheitert?
- Verhandlungsvorbereitung strukturiert durchführen: Ziele, Grenzen, Interessen der Gegenseite
- Machtungleichgewichte erkennen und ausgleichen: Verhandeln mit ranghöheren Stakeholdern
- Manipulationsstrategien identifizieren: Time Pressure, Good Cop/Bad Cop, Anchoring
- Deeskalation in festgefahrenen Verhandlungen: Reframing, gemeinsame Interessen benennen
- Verhandlungsergebnisse dokumentieren: Protokoll, Anforderung, Änderungsantrag
- Rollenspiele zu realen Projektsituationen: Lenkungskreis-Verhandlung, Lieferantenmeeting
- Feedback-Runden nach Simulationen: Was hat funktioniert, wo gab es Verbesserungspotenzial?
- Kulturelle Dimension von Verhandlungen: direkte vs. indirekte Kommunikationsstile
- Zusammenführung: Verhandlungsergebnis in PRINCE2-Änderungsantrag oder BABOK-Spezifikation überführen
Die Verhandlungsübungen dieses Praxisblocks sind auf Szenarien aus dem Change Management und der Business Analysis zugeschnitten. Wer eine Stakeholder-Verhandlung über Anforderungsprioritäten simuliert, festigt dabei gleichzeitig BABOK-Konzepte. Wer eine Lenkungskreis-Eskalation roleplay-basiert durchläuft, verinnnerlicht PRINCE2-Steuerungsmechanismen.
Lernziele:
- Scrum-Rollenmodell und Sprint-Mechanismus so anwenden, dass Stakeholder trotz unterschiedlicher Interessen gemeinsam voranschreiten
- PRINCE2-Grundlagen nutzen, um bei Scope-Konflikten mit Project Boards sachlich und strukturiert zu verhandeln
- Das ITIL-4-Service-Value-System kennen und bei Service-Level-Verhandlungen mit internen und externen Partnern einsetzen
- Anforderungen nach BABOK-Standards erheben und bei konkurrierenden Stakeholder-Interessen priorisierungsbasierte Einigungen herbeiführen
- Grundlegende Verhandlungsstrategien (distributiv vs. integrativ) kennen und situativ anwenden
- Harvard-Konzept und Interest-Based Negotiation als Grundlage für sachbezogenes Verhandeln nutzen
- BATNA-Analysen durchführen und eigene Verhandlungsposition realistisch einschätzen
- Schwierige Verhandlungspartner erkennen — Ablenkungs-, Druck- und Manipulationsstrategien — und deeskalierend reagieren
- Körpersprache und Stimmführung in Verhandlungssituationen bewusst einsetzen
- Prozesse und Vertragsstrukturen mit Microsoft Visio visualisieren, um Verhandlungsgrundlagen transparent zu machen
- Einigungen dokumentieren und in formale Anforderungen oder Projektdokumente überführen
- Kulturelle Unterschiede in Verhandlungen berücksichtigen und internationale Stakeholder einbinden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte, die koordinierende oder steuernde Funktionen übernehmen und in Verhandlungen mit internen wie externen Stakeholdern bestehen müssen.
- Projektleiterinnen und Projektleiter, die regelmäßig Budget- oder Ressourcengespräche führen
- Business Analysts und Change Manager, die zwischen konkurrierenden Anforderungen vermitteln
- IT-Fachkräfte, die in Consulting, Service Management oder Projektkoordination wechseln möchten
- Teamleiterinnen und Teamleiter in Transformationsprojekten mit hohem Interessenkonflikt-Potenzial
- Beraterinnen und Berater, die methodisches Fundament und Verhandlungskompetenz gemeinsam ausbauen möchten
Vorkenntnisse in einem der vier Zertifizierungsgebiete werden nicht erwartet. Eigene Berufserfahrung — gerade in Situationen, in denen Interessengegensätze aufeinandertreffen — ist ein wertvoller Erfahrungsschatz, der in den Verhandlungsübungen eingebracht werden kann. Grundlegende Deutsch- und Computerkenntnisse sind erforderlich; Kenntnisse in englischer Fachterminologie sind für die ITIL-4-Prüfung hilfreich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs nutzt das Combined-Learning-Format mit einer bewussten Verzahnung von Methodentraining und Verhandlungspraxis. Rollenspiele, Simulationen und Feedback-Runden sind keine isolierten Übungsblöcke, sondern in die regulären Kurseinheiten integriert. Livesessions mit Trainerinput, Gruppenarbeit und eigenständige Lernphasen wechseln einander ab. Angeboten wird der Kurs sowohl in Teilzeit als auch in Vollzeit.
Zwei Anbieter stellen zusammen rund 60 Kurstermine bereit. Der genaue Umfang ist abhängig vom Lernmodus (Vollzeit oder Teilzeit) und dem individuellen Lerntempo. Zu den Livesessions kommen eigenständige Lernphasen und Prüfungsvorbereitungsunterlagen.
Das Programm bereitet auf Scrum Foundation, PRINCE2 Foundation, ITIL 4 Foundation und Business Analysis Foundation vor. Die Abschlüsse werden von den zuständigen Zertifizierungsgebern ausgestellt. Ein trägerinternes Lehrgangszertifikat dokumentiert den gesamten Kursumfang einschließlich des Verhandlungstrainings.
Nutzen & Perspektiven
Vier Zertifizierungen in einem Programm zu kombinieren ist effizient — aber das eigentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Kurses ist das Verhandlungstraining. Change Manager, die methodisch kompetent sind und dennoch in Budgetgesprächen oder Stakeholder-Konflikten scheitern, sind kein seltenes Phänomen. Das Harvard-Konzept, die BATNA-Analyse und die gezielte Vorbereitung auf schwierige Verhandlungspartner schließen eine Lücke, die in rein methodischen Zertifizierungsprogrammen systemisch fehlt. Microsoft Visio schließt eine weitere Lücke: Wer Prozesse, Anforderungslandkarten und Stakeholder-Strukturen visuell aufbereiten kann, hat in Verhandlungen eine stärkere Ausgangslage — weil alle Beteiligten von derselben Grundlage aus diskutieren und nicht aneinander vorbeireden. Zusammen entsteht ein Qualifikationsprofil, das in Change-Management- und Business-Analysis-Positionen unmittelbar einsetzbar ist: methodisch fundiert, kommunikationsstark und in der Lage, auch in konfliktreichen Stakeholder-Konstellationen sachliche Einigungen herbeizuführen. Für Führungsrollen in IT-nahen Bereichen ist diese Kombination aus Governance-Wissen und Verhandlungsgeschick ein echter Wettbewerbsvorteil.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Harvard-Konzept und warum ist es im Kurs enthalten?
Das Harvard-Konzept (Interest-Based Negotiation) ist ein strukturierter Verhandlungsansatz, der Personen von Interessen trennt und auf sachliche Kriterien setzt statt auf Machtpositionen. Im Kontext von Change Management ist es besonders wertvoll, weil Stakeholder-Widerstände oft auf Interessen beruhen, die nicht klar kommuniziert werden.
Was ist eine BATNA und warum ist sie in Projekten relevant?
BATNA steht für Best Alternative to a Negotiated Agreement — die beste Alternative, wenn eine Einigung scheitert. Wer seine BATNA kennt, verhandelt aus einer stärkeren Position und weiß, wann das Verlassen eines Verhandlungstisches sinnvoller ist als ein schlechter Kompromiss.
Wie hängen Verhandlungsführung und Business Analysis zusammen?
Business Analysts vermitteln zwischen konkurrierenden Stakeholder-Anforderungen und müssen Prioritäten einigen, die für alle Beteiligten tragbar sind. Verhandlungsführung ist damit eine Kernkompetenz der Rolle — das Kurs-Programm trainiert beides in verzahnten Übungen.
Kann ich alle vier Zertifizierungen in einem Zug ablegen?
Die vier Zertifizierungen — Scrum Foundation, PRINCE2 Foundation, ITIL 4 Foundation und Business Analysis Foundation — werden im Kursverlauf vorbereitet und können zeitlich nacheinander abgelegt werden. Genaue Prüfungsmodalitäten hängen vom jeweiligen Kursanbieter ab.
Ist der Kurs auch für Personen ohne IT-Hintergrund geeignet?
Ja. Die Methoden Scrum, PRINCE2 und Business Analysis werden branchenübergreifend eingesetzt und setzen keine IT-Kenntnisse voraus. ITIL 4 hat einen IT-Bezug, ist aber auch für Nicht-IT-Fachkräfte in koordinierenden Rollen relevant und gut zugänglich.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Immobilienkaufmann/Immobilienkauffrau5.694 Stellen
- Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen5.543 Stellen
- Bautechnischer Konstrukteur/Bautechnische Konstrukteurin Fachrichtung Architektur3.121 Stellen