Überblick
Moderne CNC-Dreh-Fräszentren kombinieren klassisches Drehen mit angetriebenen Werkzeugen zum Bohren, Fräsen und Gewindeschneiden in einer einzigen Aufspannung. Das senkt Rüstzeiten drastisch und erhöht die Maßhaltigkeit – setzt aber eine Programmierkompetenz voraus, die über das konventionelle Drehen weit hinausgeht. Dieser Kurs vermittelt systematisch die Grundlagen und Techniken der CNC-Programmierung mit angetriebenen Werkzeugen: von der Wahl der Bearbeitungsebene über polare Programmierung bis hin zum Einsatz moderner Fräszyklen und der Mantelflächen-Transformation.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Dreh-Fräszentren: Maschinenkunde und C-Achse Angetriebene Werkzeuge erfordern ein Grundverständnis der Maschinenkinematik. Dieses Modul behandelt den Aufbau typischer Dreh-Fräszentren mit C-Achse, die Achsbezeichnungen und die Referenzpunktfahrten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Unterscheidung zwischen Hauptspindel (Drehteil) und Werkzeugspindel (angetriebenes Werkzeug) sowie den daraus resultierenden Besonderheiten in der Programmstruktur.
- Maschinenkonzepte: Revolverdrehmaschine mit Gegenspindel vs. Dreh-Fräszentrum
- C-Achse: Funktion, Auflösung, Genauigkeitsanforderungen und Parametrierung
- Werkzeugschnittstelle: VDI-Halter, HSK und Schnellwechselsysteme
- Koordinatensysteme: Werkstück-Nullpunkt setzen und Nullpunktverschiebungen G54–G59 anwenden
- Werkzeugverwaltung und Längenkorrektur für Bohr- und Fräswerkzeuge
Modul 2 – Bearbeitungsebenen und polare Programmierung Die richtige Wahl der Bearbeitungsebene ist das A und O bei angetriebenen Werkzeugen. G17 (XY-Ebene, Stirnfläche), G18 (XZ-Ebene, Längsdrehen) und G19 (YZ-Ebene, Mantelflächenbearbeitung) werden mit ihren jeweiligen Programmierkontexten vorgestellt. Polare Koordinaten erlauben die elegante Programmierung von Lochrasterbildern und Teilungskonturen ohne aufwendige kartesische Umrechnung.
- Ebenenauswahl G17/G18/G19 und typische Anwendungsfälle
- Polare Koordinatenprogrammierung mit G111/G112 (Siemens) bzw. RP/AP (FANUC)
- Lochkreise, gleichmäßig und ungleichmäßig verteilte Bohrbilder
- Nutenfräsen auf der Stirnfläche: Programmbeispiele mit polaren Bezugspunkten
- Übergang zwischen polaren und kartesischen Koordinaten im gleichen Programm
Modul 3 – Mantelflächen-Transformation und Fräszyklen Für die Bearbeitung von Nuten, Taschen oder Bohrungen auf der Mantelfläche eines Drehteils wird die CNC-Steuerfunktion Mantelflächen-Transformation eingesetzt (TRACYL bei Siemens, G07.1 bei FANUC). Dieser Abschnitt vermittelt den Aktivierungsablauf, die Parametrierung und typische Anwendungen. Außerdem werden die wichtigsten Bohr- und Fräsfestzyklen für angetriebene Werkzeuge behandelt.
- TRACYL / G07.1: Transformationsparameter, An- und Abwählen
- Geradnut auf dem Mantel: vollständiges Programmierbeispiel
- Fräszyklen: Rechteck-Tasche, Kreis-Tasche, Langloch auf Stirn- und Mantelfläche
- Bohren mit Festzyklen G81/G83/G84 in C-Achse-Stellung
- Überlagerte Bearbeitungen: simultanes Drehen und Fräsen mit Synchronaktionen
Praxisblock – Programmierung und Simulation vollständiger Werkstücke Die praktischen Aufgaben steigern sich von einfachen Teilefamilien bis hin zu mehrfach umgespannten Bauteilen mit Stirn- und Mantelbearbeitung. Typische Programmierszenarien des Praxisblocks
- Welle mit Querbohrung: Bearbeitungsebene G17 und G81-Zyklus programmieren
- Flanschscheibe mit Lochkreis: Polarprogrammierung mit G111
- Exzenter-Nut auf der Mantelfläche: TRACYL/G07.1 aktivieren und Werkzeugweg prüfen
- Verzahnung-Ersatz: Nuten gleichmäßig auf Manteloberfläche verteilen
- Gegenspindel-Übergabe: Programmstruktur für Zweiseitenbearbeitung
- Postprozessor-Unterschiede Siemens 840D / FANUC 0i-TF identifizieren und übertragen
- Kollisionssimulation: Simulationssoftware nutzen und kritische Werkzeugwege bereinigen
- Schnittdatenoptimierung für HSS-Co- und VHM-Schaftfräser im Teilebetrieb
- Maßabweichung durch Durchmesserkorrektur im Programm kompensieren
- Einrichteblatt und Spannungsplan für die Serienfertigung erstellen
- Komplexes Abschlussbauteil: alle gelernten Techniken in einem Programm kombinieren
- Fertigungszeitberechnung: Vorschubwege, Schnittzeiten und Nebenzeiten kalkulieren
Die Simulation am CNC-Emulator begleitet alle Programmieraufgaben. Damit lassen sich Werkzeugwege, Kollisionen und Maßabweichungen frühzeitig erkennen, bevor ein Programm auf einer realen Maschine getestet wird.
Lernziele:
Der Kurs baut folgende Kompetenzen auf
- Dreh-Fräszentren mit C-Achse und angetriebenen Werkzeugen systematisch programmieren
- Bearbeitungsebenen G18, G17 und G19 korrekt zuweisen und wechseln
- Polare Koordinaten für Lochkreise, Nuten und unregelmäßige Bohrbilder einsetzen
- Die Mantelflächen-Transformation für radiale und axiale Bearbeitung aktivieren und parametrieren
- Genormte Bohr- und Fräszyklen (Festzyklen) auf angetriebene Werkzeuge anwenden
- Geometrieachsen in verschiedenen Bearbeitungsebenen bestimmen und korrekt adressieren
- Kollisionsfreiheit durch strukturierte Werkzeugwegplanung sicherstellen
- Komplexe Konturen durch Kombination von Dreh- und Frässtrategien effizient fertigen
- Schnittdaten für angetriebene Werkzeuge im Teilebetrieb berechnen und anpassen
- Programmfehler durch Simulation am CNC-Emulator erkennen und beheben
- Fertigteile messtechnisch prüfen und Korrekturen am NC-Programm ableiten
- Dokumentation von Programmen und Einrichteblättern für die Serienfertigung erstellen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an CNC-Fachkräfte mit Grundkenntnissen in der konventionellen CNC-Programmierung, die ihre Kompetenz gezielt auf Dreh-Fräszentren mit angetriebenen Werkzeugen ausweiten möchten.
- Zerspanungsmechaniker und CNC-Dreher mit Grundkenntnissen in der DIN/ISO-Programmierung
- NC-Programmierer, die von reinen Drehanwendungen auf Dreh-Fräszentren umsteigen
- Einrichter und Maschinenführer, die eigene NC-Programme erstellen oder anpassen möchten
- Techniker und Meister in der Zerspanung, die Produktionsprozesse optimieren wollen
- Quereinsteiger mit solider CNC-Grundausbildung und guten PC-Kenntnissen
Zwingend vorausgesetzt werden Grundlagenkenntnisse in der CNC-Programmierung (mindestens DIN-66025-Grundprogrammierung am Drehteil oder Fräsen) sowie ein sicherer Umgang mit dem PC. Kenntnisse der Werkzeugschneidentechnik und ein Grundverständnis der Zerspanung (Drehzahl, Vorschub, Schnitttiefe) erleichtern den Einstieg erheblich. Eigene Berufspraxis als Dreher oder Fräser ist von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig.
Ablauf & Abschluss
Im Mittelpunkt des Kurses steht das handlungsorientierte Lernen an realitätsnahen Werkstücken. Theorieinhalte werden direkt mit Programmierbeispielen verknüpft; jede neue Funktion wird unmittelbar in einer eigenen Übungsaufgabe angewendet. Die Simulation am virtuellen CNC-Controller gibt sofortiges Feedback zu Werkzeugwegen und Fehlern. Dieser iterative Ansatz – Erklären, Programmieren, Simulieren, Korrigieren – sichert den nachhaltigen Lernerfolg auch bei komplexen Themen wie Mantelflächen-Transformation und Simultanbearbeitung.
Der Kurs ist als intensive Fachweiterbildung konzipiert. Der Umfang und die konkrete Kursdauer hängen vom gewählten Anbieter ab. Interessierte erhalten bei der Anmeldung Angaben zu Unterrichtstagen, Tagesstruktur und Lernumfang. Je nach Vorkenntnissen empfiehlt sich ein Vollzeit- oder Teilzeitformat.
Nach Abschluss der Weiterbildung erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die erworbenen Programmierkompetenzen für angetriebene Werkzeuge ausweist. Das Zertifikat eignet sich als Nachweis gegenüber Arbeitgebern in der Zerspanungs- und Fertigungsindustrie.
Nutzen & Perspektiven
Angetriebene Werkzeuge haben sich in der modernen Serienfertigung als Standard etabliert. Wer NC-Programme für Dreh-Fräszentren schreiben kann, ist in der Lage, mehrstufige Zerspanungsaufgaben in einer Aufspannung abzubilden – das verkürzt Fertigungszeiten, reduziert Ausschuss durch Umspannfehler und schafft Möglichkeiten für kleinere Losgrößen bei gleichbleibender Wirtschaftlichkeit. Für Unternehmen wie für Einzelpersonen ist diese Qualifikation ein klares Differenzierungsmerkmal. Gerade in mittelständischen Betrieben, die ihr Maschinenpark sukzessive auf kombinierte Dreh-Fräszentren umgestellt haben, fehlen oft intern ausgebildete Fachkräfte für die erweiterte Programmierung. Wer diesen Kurs abschließt, kann diese Lücke füllen – und übernimmt damit Verantwortung für einen zentralen Engpass im Betrieb. Die erworbene Kompetenz ist darüber hinaus maschinen- und steuerungsübergreifend: Wer Mantelflächen-Transformation und Festzyklen mit angetriebenen Werkzeugen an Siemens 840D verstanden hat, findet sich auch auf FANUC- oder Heidenhain-gesteuerten Maschinen schnell zurecht. Damit bietet der Kurs eine langfristig belastbare Erweiterung des beruflichen Profils.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche CNC-Vorkenntnisse werden konkret erwartet?
Vorausgesetzt werden Grundkenntnisse der DIN-66025-Programmierung – also das Schreiben einfacher Dreh- oder Fräsprogramme mit G- und M-Befehlen. Wer bisher nur als Maschinenführer tätig war, ohne selbst Programme zu schreiben, sollte zunächst einen CNC-Grundlagenkurs absolvieren.
Benötige ich Zugang zu einer echten CNC-Maschine?
Nein. Der Kurs arbeitet mit CNC-Simulationssoftware, die alle relevanten Maschinenfunktionen virtuell abbildet. Für das Erlernen der Programmierung ist die Simulation vollwertig geeignet. Wer bereits Zugang zu einer realen Maschine hat, kann das Gelernte zusätzlich direkt erproben.
Welche Steuerungsfamilien werden im Kurs behandelt?
Der Kurs deckt die wichtigsten Techniken ab und zeigt Unterschiede zwischen Siemens SINUMERIK und FANUC. Da die Grundprinzipien gleich sind, lassen sich die Kenntnisse auf die meisten modernen CNC-Drehzentren übertragen.
Für welche Branchen ist dieser Kurs besonders relevant?
Maschinenbau, Automobilzulieferer, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie allgemeiner Metallverarbeitungsbetrieb sind typische Einsatzfelder. Überall dort, wo Dreh-Fräszentren im Einsatz sind, wird diese Programmierqualifikation nachgefragt.
Kann ich den Kurs auch in Teilzeit absolvieren?
Das hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Einige Anbieter bieten den Kurs auch im Teilzeitformat an. Genaue Informationen zu Kursformat und Terminen erhalten Interessierte bei der Anmeldung.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Fachkraft für Mechatronik2.443 Stellen
- CNC-Fachkraft/NC-Anwendungsfachmann / CNC-Fachkraft/NC-Anwendungsfachfrau701 Stellen
- Produktionstechnik (grundständig)34 Stellen
- Staatlich geprüfter Techniker/Staatlich geprüfte Technikerin Fachrichtung Metallbautechnik (ohne Schwerpunkt)/Bachelor Professional in Technik5 Stellen