Überblick
Dieser Kurs widmet sich der CNC-Programmierung speziell für Drehmaschinen nach dem PAL-Standard. PAL (Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle) entwickelt auf DIN 66025 basierende, normierte Programmierumgebungen, die in der Berufsausbildung und Weiterbildung von Zerspanungstechnikern in Deutschland weitverbreitet sind. Der wesentliche Unterschied zu steuerungsspezifischen Kursen wie Heidenhain oder Siemens liegt darin, dass PAL eine standardisierte, herstellerunabhängige Syntax verwendet – einmal erlernt, lässt sich dieses Wissen auf viele CNC-Drehmaschinen übertragen, da PAL eng am DIN/ISO-Grundstandard orientiert ist. Im Kurs steht das Drehen im Mittelpunkt: Plandrehen, Außen- und Innendrehen, Einstichprogrammierung, Gewindeschneiden und die Programmierung von Drehkonturen mit Zyklen. Wer nach diesem Kurs Drehteile von der Zeichnung bis zum fertigen Programm selbst erstellen kann, ist in Zerspanungsbetrieben, Maschinenbauunternehmen und Fertigungswerkstätten direkt einsetzbar.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen der PAL-Programmierung für Drehmaschinen Das erste Modul legt das Fundament für alle weiteren Programmierschritte. Es stellt sicher, dass Teilnehmende die Programmstruktur, die relevanten G-Codes für das Drehen und den Umgang mit dem Koordinatensystem sicher beherrschen, bevor komplexere Zyklen und Werkstückgeometrien angegangen werden.
- Aufbau eines CNC-Drehprogramms nach PAL-Syntax: Programmanfang, Sätze, Programmanschluss
- Koordinatensystem der Drehmaschine: Z-Achse (Längsrichtung), X-Achse (Durchmesserrichtung)
- Absolut- und Inkrementalmaße beim Drehen korrekt verwenden
- G-Codes für Positionierbewegungen: G0 (Eilgang), G1 (Linearinterpolation)
- G-Codes für Kreisbewegungen: G2 und G3 am Drehteil
- M-Codes für Spindel, Kühlmittel und Programmende
- Werkzeugaufruf, Werkzeugkorrekturnummern und Schnittgeschwindigkeit (G96/G97)
- Vorschub konstant und geregelt (G94/G95)
- Eingabe von Taper-Konturen (schräge Drehelemente) im Linearinterpolationssatz
- Arbeiten mit dem PAL-Programmierplatz und der simulationsgestützten Überprüfung
Modul 2 – Einstiche, Gewinde und normierte Geometrieelemente Einstiche und Gewinde sind wiederkehrende Herausforderungen in der Drehprogrammierung, da sie sowohl normenkonforme Geometrieangaben als auch spezifische Zyklen erfordern. Das Tabellenbuch ist dabei ein unverzichtbares Arbeitswerkezeug, das im Kurs gezielt eingeübt wird.
- Einsticharten nach DIN: Freistiche (DIN 509 Form E und F), Einstiche nach DIN 76
- Programmierung von Einstichen: Einstichzyklus und manuelle Programmierung im Vergleich
- Gewindekennwerte: Steigung, Flankendurchmesser, Kernlochmaß – Entnahme aus dem Tabellenbuch
- Außengewindeprogrammierung mit dem Gewindezyklus (G76 oder äquivalenter PAL-Zyklus)
- Innengewindeprogrammierung auf Drehmaschinen mit Gewindehalter
- Gewindeanfang und -auslauf berechnen und berücksichtigen
- Programmierung von Planflächen mit exakter Maßangabe in X und Z
- Konturfolge bei Stufenwellen und Absatzgeometrien
Modul 3 – Zyklen für Schruppen und Schlichten sowie komplexe Konturen Moderne CNC-Drehmaschinen bieten Schrupp- und Schlichtzyklen, die mehrere Durchgänge automatisch steuern. Diese Zyklen sind effizient, müssen aber korrekt parametriert werden. Das Modul vertieft zudem die Programmierung komplexerer Drehkonturen.
- Schruppzyklus: Zerspanungstiefe, Übermaß und Schnittzahl definieren
- Schlichtprogramm nach Schruppzyklus: Konturprogrammierung für Maßgenauigkeit
- Konturprogrammierung von Drehteilen mit Freistichen, Fasen und Radien
- Nutzung von Zyklen für Plandrehen, Längsdrehen und Konturdrehen im Vergleich
- Werkzeugwechsel im Programm und Berücksichtigung verschiedener Drehwerkzeuge
- Programm-Übergänge zwischen Schruppen und Schlichten ohne Kollisionsgefahr
Praxis-Block: Vollständige Programme von der Zeichnung zum Programm
- Erstellen eines vollständigen Drehprogramms für eine gestufte Welle aus einer Werkstattzeichnung
- Programmierung eines Drehobjekts mit Außengewinde, Freistich und Fase
- Programmierung eines Innengewindes nach vorgegebenem Gewindeprofil aus dem Tabellenbuch
- Einstich-Programm für einen DIN-Freistich Form E und Überprüfung im Simulator
- Schruppzyklus für eine Drehteilkontur mit mehreren Durchmesserstufen
- Schlichtprogramm nach abgeschlossenem Schruppzyklus mit Überprüfung der Maßhaltigkeit
- Fehlersuche in einem vorgegebenen fehlerhaften Drehprogramm
- Programm-Optimierung: Schnittdaten aus Tabellenbuch anpassen und Zyklusparameter korrigieren
- Ausdruck und Dokumentation eines fertiggestellten Drehprogramms
- Vergleich der programmierten Kontur mit der Sollzeichnung im Simulator
- Übungsaufgabe: Komplexere Drehkontur mit Gewinde, Einstich und geschwungener Kontur
- Auswertung typischer Kollisions- und Geometriefehler beim Drehen
Lernziele:
Nach Abschluss dieses Kurses sind die Teilnehmenden in der Lage, folgende Aufgaben sicher auszuführen.
- CNC-Drehprogramme nach PAL-Standard vollständig zu verfassen und zu strukturieren
- Grundlegende G- und M-Codes für Drehmaschinen sicher anzuwenden
- Einstiche in verschiedenen Formen (Freistiche, Rechteckeinstiche) korrekt zu programmieren
- Gewindeprogramme für Außen- und Innengewinde zu erstellen
- Drehkonturen mit Zyklen (Schruppen, Schlichten) zu programmieren
- Tabellenbücher und DIN-Normen als Werkzeug bei der Programmierung einzusetzen
- Gewindekennwerte aus Normentabellen zu entnehmen und in Programme zu übertragen
- Koordinatensysteme und Nullpunktdefinitionen für Drehmaschinen festzulegen
- Werkzeugkorrekturen und Schnittparameter programmseitig zu berücksichtigen
- Programme in einer PAL-Simulationsumgebung zu testen und Fehler zu korrigieren
- Typische Programmierfehler beim Drehen zu erkennen und systematisch zu beheben
- Zeichnungsangaben in maschinenlesbare PAL-Programme zu übersetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit CNC-Grundkenntnissen, die sich auf die Drehmaschinen-Programmierung nach PAL-Standard spezialisieren möchten.
- Zerspanungsmechaniker und Fachkräfte aus Metallberufen, die ihre Programmierkenntnisse auf PAL-Drehtechnik erweitern
- Maschinenbediener, die von reinem Maschinenbedienen zur eigenständigen Programmerstellung wechseln möchten
- CNC-Einrichter, die die PAL-Normierung als Grundlage für maschinenunabhängige Programmierung erlernen wollen
- Techniker und Meister in der Zerspanungsbranche, die Drehprogrammierung gezielt vertiefen
- Personen, die sich für Positionen als CNC-Programmierer in Drehtechnikbetrieben bewerben möchten
Grundlagenkenntnisse in der CNC-Programmierung werden vorausgesetzt – das schließt das Verständnis des Koordinatensystems, grundlegende G-Codes und den prinzipiellen Aufbau eines CNC-Programms ein. Gute PC-Kenntnisse sind für die Arbeit am Programmierplatz notwendig. Technisches Verständnis für Drehprozesse (Zerspanungstechnik, Werkzeugkunde) ist hilfreich. Vorkenntnisse in PAL sind nicht zwingend erforderlich; Grundlagenkenntnisse in DIN 66025 erleichtern jedoch den Einstieg.
Ablauf & Abschluss
Die Programmierkompetenz wird von Anfang an durch aktives Arbeiten am PAL-Programmierplatz entwickelt. Jedes Konzept wird zunächst erklärt, dann direkt in einer Übungsaufgabe umgesetzt und im Simulator auf Korrektheit geprüft. Das Tabellenbuch wird von Beginn an als Standardwerkzeug eingesetzt, wie es in der Praxis üblich ist. Gruppenarbeit an gemeinsamen Programmieraufgaben und die gegenseitige Fehlerüberprüfung fördern das Verständnis.
Die Kursdauer ist anbieterabhängig. Als Spezialisierungskurs innerhalb einer umfassenderen CNC-Ausbildung oder als eigenständige Weiterbildung hat der Kurs einen Umfang von mehreren Wochen. Vollzeitformat ist üblich; Informationen zu Teilzeitmöglichkeiten erfährt man beim jeweiligen Anbieter.
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab. Die Teilnahmebescheinigung dokumentiert die erworbene Qualifikation in der PAL-Drehprogrammierung und ist in der Zerspanungsbranche ein anerkannter Kompetenznachweis.
Nutzen & Perspektiven
PAL-Programmierung ist in Deutschland ein Lehrstandard, der in der Berufsausbildung und in vielen Weiterbildungsprogrammen für Zerspanungsmechaniker verankert ist. Wer PAL-Drehen beherrscht, verfügt über maschinenunabhängige Programmierkenntnisse, die auf verschiedene Drehmaschinen übertragbar sind, solange diese DIN/ISO-kompatible Steuerungen einsetzen. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber steuerungsspezifischen Kenntnissen, die an eine bestimmte Herstellersteuerung gebunden sind. In der betrieblichen Praxis sind CNC-Programmierer für Drehtechnik gesucht, die nicht nur Maschinen bedienen, sondern eigene Programme von der technischen Zeichnung bis zur fertigen CNC-Datei erstellen können. Dieser Kurs deckt genau diese Lücke: Er führt vom Lesen einer Fertigungszeichnung über die Auswahl der richtigen Zyklen bis zum fehlergeprüften, einsatzfähigen Drehprogramm. Mit diesen Kenntnissen können Absolventinnen und Absolventen direkt in der Arbeitsvorbereitung oder an der Maschine produktiv arbeiten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet PAL-Drehen von Heidenhain- oder Siemens-Kursen?
PAL verwendet eine normierte, herstellerunabhängige Syntax auf Basis von DIN 66025 – das Gelernte ist auf viele DIN/ISO-kompatible Drehmaschinen übertragbar. Heidenhain-Kurse hingegen fokussieren auf die proprietäre Heidenhain-Dialogsteuerung, die vor allem bei Fräsmaschinen eingesetzt wird. Siemens-Kurse richten sich auf SINUMERIK-Steuerungen aus. PAL-Kenntnisse sind ein breites Fundament; steuerungsspezifische Kurse vertiefen eine bestimmte Herstellerumgebung.
Kann ich direkt nach dem Kurs an Drehmaschinen programmieren?
Ja. Der Kurs vermittelt praxisnahe Programmierkompetenz, die direkt an PAL-kompatiblen und DIN/ISO-konformen Drehmaschinen eingesetzt werden kann. Eventuelle maschinenspezifische Besonderheiten müssen in der jeweiligen Arbeitsumgebung noch eingearbeitet werden, die Kernprogrammierkenntnisse sind aber direkt übertragbar.
Was ist das Tabellenbuch und warum wird es im Kurs genutzt?
Das Tabellenbuch (z. B. Europa-Lehrmittel Tabellenbuch Metall) ist das Standardnachschlagewerk der Metallbearbeitung mit Normwerten für Gewindesteigungen, Freistichmaße, Schnittdaten und DIN-Toleranzen. In der betrieblichen Praxis ist es täglich im Einsatz; im Kurs wird es von Anfang an als Werkzeug genutzt, um Gewindekennwerte und Einstichmaße korrekt zu entnehmen.
Für welchen Maschinentyp gilt dieser Kurs?
Der Kurs behandelt ausschließlich Drehmaschinen (CNC-Drehzentren). Die Programmierung erfolgt nach PAL-Standard für Drehoperationen (Plandrehen, Längsdrehen, Gewindeschneiden, Einstechen). Fräsprogrammierung ist nicht Bestandteil; dafür gibt es eigene Kurse wie PAL-Fräsen oder Heidenhain-Fräsen.
Welche Zertifizierung erhalte ich nach dem Kurs?
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab. Eine extern abgenommene Prüfung nach IHK- oder PAL-Standard ist nicht Bestandteil dieses Lehrgangs, kann aber separat angestrebt werden.
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