Überblick
Dieser Kurs vermittelt die steuerungsbezogene CNC-Programmierung im Fanuc-Dialekt — konkret für die weit verbreiteten Steuerungsgenerationen Fanuc 0i und Fanuc 30i, die in zahlreichen Dreh- und Bearbeitungszentren des deutschen und internationalen Maschinenbaus eingesetzt werden. Im Unterschied zu allgemeinen CNC-Kursen steht hier nicht ein generisches G-Code-Grundwissen im Vordergrund, sondern die präzise Kenntnis der Fanuc-spezifischen Befehls- und Parameterwelt: Wie werden Konturfolgebewegungen im Fanuc-Dialekt formuliert? Welche Adressformate, Zyklen und Maschinenparameter sind Fanuc-spezifisch? Diese Fragen beantwortet der Kurs in einem praxisnahen Format, das direkt auf den Betrieb realer Fanuc-Steuerungen vorbereitet.
Kursinhalte & Lernziele
Fanuc-Systemarchitektur und Steuerungsumgebung Der Einstiegsblock vermittelt ein solides Verständnis der Fanuc-Plattform: Wie ist das Bedienfeld aufgebaut, welche Anzeigemodi gibt es, wie navigiert man durch die Maskenstruktur? Die Teilnehmenden lernen die Fanuc-typische Parameterstruktur kennen, verstehen den Unterschied zwischen Maschinen- und Anwenderparametern und erhalten einen Überblick über die gebräuchlichsten Fanuc-Steuerungsgenerationen im deutschen Maschinenpark.
- Bedienfeld und Softkey-Struktur der Fanuc-Steuerung
- Betriebsarten (MDA, Auto, Jog, Reference) und Moduswechsel
- Programmspeicher und Programmnummern in Fanuc-Systemen
- Fanuc-Parameterstruktur und Unterschied zwischen 0i und 30i
- DNC-Schnittstelle: Programme übertragen, sichern und laden
- Fanuc-Alarmtexte und erste Diagnoseschritte
Konturprogrammierung im Fanuc-Dialekt Der Kernblock widmet sich der geometrischen Konturprogrammierung, wie sie in Fanuc-Systemen formuliert wird. Ausgehend von der absoluten/inkrementalen Maßangabe (G90/G91) werden Geradeninterpolation (G0/G1) und Kreisinterpolation (G2/G3) — jeweils mit den Fanuc-typischen I/J/K-Parametern und dem R-Parameter — detailliert erarbeitet. Auch die Fanuc-spezifische Kantenverrundung (G01 mit Chamfer/Corner-R) wird behandelt.
- Geradeninterpolation G0 und G1 im Fanuc-Format
- Kreisinterpolation G2/G3: Mittelpunktangabe über I/J/K und Radius über R
- Absolute (G90) vs. inkrementale (G91) Maßeingabe
- Werkzeugradius-Korrektur G41/G42 und Aufhebung G40
- Fanuc-Konturverrundung (Corner-R) und Fasenautomatik
- Beschreibung von Außenkonturen und Innenkonturen an Dreh- und Frästeilen
Festzyklen und Bearbeitungszyklen in Fanuc Fanuc stellt eine umfangreiche Zyklenbibliothek bereit, die standardisierte Bearbeitungsfolgen in einem einzigen Programmaufruf kapselt. Dieser Block vermittelt die vollständige Handhabung der Dreh-Festzyklen (G71 Schruppen, G70 Schlichten, G76 Gewinde) sowie der Bohr- und Fräszyklen (G81–G89). Besonderes Gewicht liegt auf den Parameterübergaben, die im Fanuc-Dialekt andere Adressfelder als bei anderen Steuerungen verwenden.
- Schruppdrehzyklus G71 und Schlichtdrehzyklus G70
- Gewindedrehzyklus G76 und G32 (einfacher Gewindeschnitt)
- Einstechen und Abstechen mit Fanuc-Zyklen
- Bohrzyklus G81, Tieflochbohren G83, Gewindebohren G84
- Parametrische Übergabe von Tiefe, Vorschub und Zustellung
- Zyklus-Rückzugsebene (R-Ebene) und Sicherheitsabstände in Fanuc
Praktische Fanuc-Programmieraufgaben und Konsolenarbeit Im Abschlussblock programmieren die Teilnehmenden vollständige Bearbeitungsprogramme für typische Werkstücke auf Basis von Fertigungszeichnungen. Die Programme werden an der Fanuc-Steuerungsoberfläche (oder in einer zertifizierten Fanuc-Simulation) eingegeben, getestet und optimiert. Der Block übt auch den Umgang mit Fehlersituationen: falsche Adressen, fehlende M30-Endanweisung, Kollisionswarnungen.
- Vollständige Dreh-/Fräsprogramme nach Zeichnung erstellen
- Eingabe, Editieren und Suchen in der Fanuc-Konsole
- Simulation und grafische Verifikation des Bearbeitungspfads
- Werkzeugkorrekturtabelle aktualisieren und im Programm aufrufen
- Fehleranalyse: Fanuc-Alarmlisten interpretieren
- Programmstruktur mit Unterprogrammen (M98/M99) für Wiederholkonturen
- Optimierung von Vorschub und Schnittdaten im laufenden Programm
- Hochfahren einer Fanuc-Steuerung nach Referenzfahrt
- Nullpunktverschiebung (G54–G59) setzen und im Programm aktivieren
- Vergleich 0i vs. 30i: Syntaxunterschiede und Funktionserweiterungen
- Transfer von CAM-Ausgaben auf Fanuc-Programme
- Abschlussaufgabe mit vollständigem Drehbauteil inklusive Gewinde und Einstich
Lernziele:
- den grundsätzlichen Programmaufbau einer Fanuc-Steuerung (0i/30i) zu erklären und anzuwenden
- Außenkonturen mit Geradeninterpolation und Kreisinterpolation im Fanuc-Dialekt präzise zu beschreiben
- Innenkonturen, Taschen und Einstiche für Fanuc-Steuerungen korrekt zu programmieren
- Fanuc-spezifische Festzyklen (G80–G89 für Bohrbearbeitungen, G70–G76 für Drehoperationen) sicher aufzurufen
- Werkzeugkorrekturtabellen in Fanuc-Systemen zu verwalten und Korrekturrufnummern korrekt zu adressieren
- M-Funktionen der Fanuc-Steuerung (Spindelbefehle, Kühlmittelfunktionen, Werkzeugwechsel) einzusetzen
- Unterprogramme mit M98/M99 aufzurufen und sinnvoll zu strukturieren
- Programmeingabe und -transfer über die Fanuc-Konsole und per DNC-Schnittstelle durchzuführen
- Fanuc-Alarmmeldungen zu lesen, zu verstehen und erste Diagnosemaßnahmen einzuleiten
- Simulationsfunktionen der Fanuc-Steuerung zur Fehlerprüfung vor dem Bearbeitungslauf zu nutzen
- Programme gezielt auf die Besonderheiten älterer (0i) vs. neuerer (30i) Fanuc-Generationen abzustimmen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die bereits über CNC-Grundlagen verfügen und diese nun auf die Fanuc-Plattform übertragen oder vertiefen wollen. Auch Betriebstechniker, Einrichter und Programmierer, die bislang auf anderen Steuerungen gearbeitet haben, profitieren von der steuerungsspezifischen Fokussierung.
- Maschinenführer und Einrichter an Fanuc-gesteuerten Maschinen
- CNC-Programmierer mit Erfahrung auf anderen Steuerungen (Sinumerik, Heidenhain), die auf Fanuc wechseln
- Zerspanungsmechaniker, die ihre Programmierkenntnisse steuerungsspezifisch ausbauen wollen
- Techniker in der Fertigungsvorbereitung, die Fanuc-Programme erstellen und pflegen
- Quereinsteiger mit CNC-Grundkenntnissen, die auf Fanuc-Maschinen eingesetzt werden
Grundlagenkenntnisse in der CNC-Programmierung — etwa das Verständnis von G-Code-Konzepten, Koordinatensystemen und dem generellen Programmaufbau — werden vorausgesetzt. Eigene Programmiererfahrung an beliebigen CNC-Steuerungen ist von Vorteil. Gute PC-Kenntnisse sind für die Arbeit mit der Programmiersoftware und DNC-Tools erforderlich. Praktische Berufserfahrung an CNC-Maschinen erleichtert den Einstieg erheblich, ist aber keine formale Aufnahmebedingung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist auf steuerungsbezogenes, aktives Programmieren ausgerichtet: Die Lehreinheiten wechseln zwischen der strukturierten Vermittlung neuer Fanuc-Befehle und deren unmittelbarer Anwendung in Übungsaufgaben. Zentrales Lernmittel ist die Fanuc-Steuerungssimulation, an der alle Programmierschritte realitätsnah nachvollzogen werden. Gruppengrößen sind klein gehalten, damit individuelle Fragen aus dem jeweiligen Berufsumfeld beantwortet werden können. Je nach Anbieter werden auch Maschinendemos oder Einblicke in echte Fertigungsumgebungen geboten.
Die Weiterbildung erstreckt sich in der Regel über etwa zwei Monate. Angeboten wird sie in Vollzeit- und Teilzeitformaten; die genaue Wochenstundenzahl variiert je nach Anbieter. Da der Kurs auf Grundlagenwissen aufbaut, ist er kompakter als ein kompletter CNC-Einstiegskurs — der Schwerpunkt liegt vollständig auf der steuerungsspezifischen Vertiefung.
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab. Dieses Dokument bestätigt die steuerungsspezifischen Programmierkenntnisse auf Fanuc-Systemen. Eine externe Prüfung ist nicht vorgesehen; der Nachweis über bestandene praktische Übungsaufgaben kann als Portfoliobeleg bei Bewerbungen im Fertigungsbereich eingesetzt werden.
Nutzen & Perspektiven
Fanuc ist weltweit eine der meistgenutzten CNC-Steuerungsplattformen — zahllose Dreh-, Fräs- und Bearbeitungszentren in deutschen Produktionsbetrieben laufen mit Fanuc 0i oder 30i. Wer diese Steuerung sicher programmieren kann, ist nicht auf einen einzigen Maschinentyp oder Hersteller festgelegt, sondern in vielen Betrieben direkt einsetzbar. Die steuerungsbezogene Vertiefung ist dabei erheblich effizienter als ein Selbststudium: Fanuc-spezifische Besonderheiten wie der Gewindezyklus G76, die Parameterübergabe in Festzyklen oder die Handhabung der Korrekturregister erschließen sich in strukturierten Kursblöcken deutlich schneller als durch Ausprobieren. Der gezielte Fokus auf Fanuc — statt auf ein generisches CNC allgemein — bedeutet, dass Teilnehmende nach dem Kurs wissen, wie sie eine Fanuc-Konsole bedienen, wo welcher Parameter sitzt und wie sie bei Alarmmeldungen vorgehen. Das ist ein unmittelbarer Produktivitätsgewinn für Unternehmen und Mitarbeitende gleichermaßen. Betriebe, die ihre Belegschaft auf neue Fanuc-Maschinen einarbeiten, finden in diesem Kurs eine zielgenaue Qualifizierungsmaßnahme ohne unnötigen Umweg über Steuerungsplattformen, die im eigenen Betrieb nicht eingesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen Kurs von einem allgemeinen CNC-Kurs?
Dieser Kurs ist ausschließlich auf die Fanuc-Steuerungsplattform (0i und 30i) ausgerichtet. Statt allgemeiner G-Code-Theorie werden die Fanuc-spezifischen Befehlsstrukturen, Zyklen, Parameterkonventionen und Bedienprozeduren vermittelt. Das ist besonders sinnvoll für Personen, die in einem Betrieb mit Fanuc-Maschinen arbeiten.
Werden Fanuc 0i und 30i gleichwertig behandelt?
Beide Generationen werden im Kurs behandelt. Schwerpunkt liegt auf den Gemeinsamkeiten, die den Alltag dominieren. Syntaxunterschiede und funktionale Erweiterungen der 30i-Generation werden explizit herausgearbeitet, sodass Teilnehmende mit beiden Steuerungen sicher umgehen können.
Welche Vorkenntnisse werden erwartet?
Grundlagenkenntnisse in der CNC-Programmierung (G-Code-Konzepte, Koordinatensysteme, Programmaufbau) werden vorausgesetzt. Praktische Erfahrung an CNC-Maschinen ist hilfreich. Wer noch keinerlei CNC-Erfahrung hat, sollte zunächst einen CNC-Grundlagenkurs absolvieren.
Kann ich nach dem Kurs direkt an echten Fanuc-Maschinen programmieren?
Der Kurs bereitet intensiv auf den Praxiseinsatz vor — inklusive Konsolenarbeit und Steuerungssimulation. Der Übergang auf eine echte Maschine erfordert je nach Betrieb eine kurze Eingewöhnungsphase, ist aber mit den im Kurs vermittelten Kenntnissen direkt möglich.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Der Kurs endet mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung, die die steuerungsspezifischen Fanuc-Programmierkenntnisse dokumentiert. Es handelt sich um keine externe Prüfung; der Nachweis eignet sich als Qualifikationsbeleg in fertigungsnahen Stellenbewerbungen.
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