Überblick
Dieser Kurs vermittelt die steuerungsbezogene CNC-Programmierung für Siemens Sinumerik 840D — eine der im deutschen und europäischen Maschinenbau am häufigsten eingesetzten Hochleistungssteuerungsplattformen. Im Unterschied zu einem allgemeinen CNC-Kurs steht hier die Sinumerik-spezifische Befehlswelt im Mittelpunkt: die DIN-Programmierung nach Siemens-Dialekt, die grafischen ShopTurn- und ShopMill-Benutzeroberflächen, Siemens-eigene Bearbeitungszyklen wie CYCLE97 für Gewindeschneiden sowie die Besonderheiten der Parameterübergabe und Unterprogrammtechnik auf 840D-Steuerungen. Wer bereits grundlegende CNC-Kenntnisse mitbringt und diese gezielt auf die Sinumerik-Plattform anwenden will, findet hier eine präzise auf diese Steuerung ausgerichtete Qualifizierung.
Kursinhalte & Lernziele
Sinumerik 840D: Steuerungsarchitektur und Bediensystem Dieser Block vermittelt das notwendige Hintergrundwissen zur Sinumerik-Plattform: Die 840D kombiniert eine PLC-basierte Maschinensteuerung (Simatic S7) mit dem eigentlichen NC-Kern und einer modernen Bedienoberfläche (HMI Advanced oder Operate). Die Teilnehmenden lernen, wie das System aufgebaut ist, wie Betriebsarten (MDA, Auto, Jog, REF) aktiviert werden und wo welche Informationen auf den Bildschirmmasken abgerufen werden.
- Aufbau der Sinumerik 840D: NC, PLC und HMI
- Betriebsarten und Maskenstruktur der 840D
- Werkzeugverwaltung und Magazinliste im Sinumerik-Betrieb
- Programme speichern, laden und über V24/USB/Netzwerk übertragen
- Referenzfahrt und Nullpunktsetzen
- Sinumerik-Alarmsystem und Diagnosewerkzeuge
DIN-Programmierung im Sinumerik-Dialekt Die Sinumerik 840D unterstützt die DIN-66025-Programmiersprache, erweitert diese aber um zahlreiche Siemens-spezifische Befehle und Syntaxelemente. Dieser Block vermittelt die Sinumerik-spezifische Programmsyntax vollständig: von den Adressbuchstaben und Satzstrukturen über spezielle Vorschubbefehle bis zu Konturverrundung und Fasenprogrammierung nach Siemens-Eigenheiten.
- Programmsyntax der Sinumerik 840D: Adressen, Sätze, Labels
- Absolute (G90) und inkrementale (G91) Maßeingabe
- Vorschubbefehle und Siemens-spezifische Funktionen
- Geradeninterpolation und Kreisinterpolation mit CIP-Parameter
- Konturverrundung (RND) und Fasenprogrammierung (CHF/CHR)
- Werkzeugradius-Korrektur G41/G42 mit KONT-Anwahl
Sinumerik-Bearbeitungszyklen Siemens hat für die 840D eine umfangreiche Zyklen-Bibliothek entwickelt, die weit über Standard-G-Code-Festzyklen hinausgeht. Dieser Block behandelt die praxisrelevantesten Dreh- und Fräszyklen, darunter CYCLE95 (Abspanzyklus), CYCLE97 (Gewindedrehen), CYCLE93 (Einstechzyklus) sowie die Bohrzyklenfamilie (CYCLE81, CYCLE83, CYCLE840). Besonderes Augenmerk liegt auf der korrekten Parameterübergabe.
- CYCLE95: Schrupp- und Schlichtbearbeitung an Drehteilen
- CYCLE97: Gewindeschneiden — Steigung, Einzugslänge, Auslauflänge, Schnittanzahl
- CYCLE93: Einstechen und Freistechen
- CYCLE81/83/840: Bohren, Tieflochbohren, Gewindebohren
- Achsparalleles Bohren an Dreh- und Frästeilen
- Siemens-Musterprogramme aus der Zyklen-Dokumentation lesen und anpassen
Unterprogrammtechnik und ShopTurn/ShopMill Sinumerik bietet mit ShopTurn (für Drehen) und ShopMill (für Fräsen) eine grafikorientierte Programmieroberfläche, die ohne explizite G-Code-Kenntnis vollständige Programme erzeugt und dabei im Hintergrund validen DIN-Code produziert. Dieser Block behandelt die ShopTurn/ShopMill-Oberfläche und verknüpft sie mit der DIN-Programmierung. Die Unterprogrammtechnik — zentrales Element für Serienprogramme — wird ebenfalls vertieft.
- ShopTurn: Konturerfassung, Prozessplanung und Zyklenauswahl grafisch
- ShopMill: Taschen, Konturen und Bohrbilder interaktiv programmieren
- Übergang zwischen Shop-Oberfläche und DIN-Programmieransicht
- Unterprogramme mit PROC/ENDPROC anlegen und mit CALL aufrufen
- Variablen und R-Parameter in Sinumerik-Programmen
- Vollständige Werkstückprogramme mit Unter- und Hauptprogrammstruktur
- Simulation: 3D-Materialabtragsdarstellung auf der 840D-Oberfläche
- Fehleranalyse und systematisches Debuggen von Sinumerik-Programmen
- Transfer fertiger Programme auf Produktionsmaschinen
- Typische Anwendungsfälle aus Drehereipraxis und Fräserei
- Vergleich DIN-Programmierung vs. Shop-Oberfläche: Effizienz und Fehleranfälligkeit
- Abschlussprojekt mit vollständigem Drehbauteil auf Sinumerik 840D
Lernziele:
- den Aufbau und die Bedienstruktur der Sinumerik 840D-Steuerung sicher zu navigieren
- Programme in der DIN/ISO-Programmiersprache im Sinumerik-Dialekt zu erstellen und zu editieren
- Außenkonturen und Innenkonturen nach Sinumerik-Konturprogrammiersyntax vollständig zu beschreiben
- Unterprogramme in Sinumerik anzulegen, zu benennen und mit CALL aufzurufen
- achsparallele Bohroperationen mit den entsprechenden Sinumerik-Bohrzyklen zu programmieren
- den Gewindezyklus CYCLE97 mit allen relevanten Parametern (Steigung, Tiefe, Anzahl der Schnitte) korrekt einzusetzen
- Einstech- und Abstechzyklen für Drehbearbeitungen auf der 840D anzuwenden
- Werkzeugkorrekturdaten in der Sinumerik-Werkzeugverwaltung einzupflegen und zu aktivieren
- ShopTurn und ShopMill als interaktive Programmieroberflächen zu nutzen
- Programme zwischen Sinumerik-Steuerung und Programmiercomputer zu übertragen
- Simulationsfunktionen der 840D zur Verifikation von Bearbeitungsprogrammen zu verwenden
- Alarmmeldungen der Sinumerik zu lesen und systematisch zu beheben
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit CNC-Grundkenntnissen, die spezifisch für den Einsatz an Sinumerik-840D-Steuerungen qualifiziert werden wollen. Er eignet sich ebenso für Fachkräfte, die bislang auf Fanuc- oder Heidenhain-Steuerungen gearbeitet haben und nun in Betrieben mit Sinumerik-Maschinen eingesetzt werden sollen.
- Maschinenführer und Einrichter an Sinumerik-gesteuerten Dreh- und Fräszentren
- CNC-Programmierer, die von anderen Steuerungen (Fanuc, Heidenhain) auf Sinumerik wechseln
- Zerspanungsmechaniker, die ihre Programmierfähigkeiten auf 840D-Ebene ausbauen
- Techniker in der Fertigungsvorbereitung, die Sinumerik-Programme erstellen und pflegen müssen
- Auszubildende und Berufsanfänger, die nach einer technischen Grundausbildung spezialisiert werden
Grundlagenkenntnisse in der CNC-Programmierung — Kenntnis der G-Code-Konzepte, des Programmaufbaus und der Koordinatensysteme — sind erforderlich. Eigene Programmiererfahrung an beliebigen CNC-Steuerungen ist hilfreich. Praktische Berufserfahrung an CNC-Maschinen erleichtert das Verständnis der Maschinenspezifika. Gute PC-Kenntnisse werden für die Arbeit mit der ShopTurn/ShopMill-Software und die Programmübertragung vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Das Kurskonzept wechselt zwischen der strukturierten Einführung neuer Sinumerik-Befehle und Zyklen sowie deren direkter Anwendung in Programmierübungen. Als zentrales Werkzeug dient die Sinumerik-Steuerungssimulation bzw. — je nach Anbieter — echte 840D-Maschinen oder zertifizierte Simulationsumgebungen. Die Shop-Oberflächen ShopTurn und ShopMill werden in eigenen Praxisblöcken eingeführt und im Vergleich zur klassischen DIN-Programmierung bewertet. Der Kurs findet in kleinen Gruppen statt, um individuelle Fragen aus dem jeweiligen Einsatzkontext der Teilnehmenden zu berücksichtigen.
Die Weiterbildung ist auf etwa zwei Monate Kursdauer ausgelegt. Angeboten wird sie in Vollzeit- und Teilzeitformaten; genaue Stundenrahmen variieren je nach Anbieter. Da Grundlagenwissen bereits mitgebracht wird, entfällt der reine Basisblock — der Kurs konzentriert sich vollständig auf die Sinumerik-spezifische Vertiefung.
Der Kurs endet mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung, die die Sinumerik-spezifischen Programmierkenntnisse dokumentiert. Eine externe Zertifizierung durch Siemens ist nicht Bestandteil des Kurses. Das trägerinterne Dokument ist ein gültiger Qualifikationsbeleg bei der Stellensuche in fertigungsnahen Berufsfeldern.
Nutzen & Perspektiven
Siemens Sinumerik 840D ist die meistgenutzte hochwertige CNC-Steuerungsplattform in der europäischen Fertigungsindustrie. Von modernen Dreh-Fräszentren über 5-Achs-Bearbeitungszentren bis hin zu Großwerkzeugmaschinen — überall dort, wo Präzision und Flexibilität gefragt sind, findet sich die 840D. Wer diese Steuerung programmiertechnisch beherrscht, ist in einer Vielzahl von Branchen und Betrieben einsetzbar: Automotive-Zulieferer, Luft- und Raumfahrtfertigung, Medizintechnik und allgemeiner Maschinenbau nutzen alle dieselbe Steuerungsplattform. Der entscheidende Vorteil einer steuerungsbezogenen Qualifizierung ist die Tiefe: Allgemeine CNC-Kurse vermitteln oft G-Code-Grundwissen, das auf alle Steuerungen irgendwie zutrifft, aber bei der Arbeit an einer konkreten 840D-Maschine immer wieder zu Lücken führt. Wer CYCLE97 mit seinen Parameterfeldern kennt, wer weiß, wie ShopTurn eine Konturfolge aufzeichnet und in DIN-Code übersetzt, und wer Sinumerik-Alarme selbstständig diagnostizieren kann, ist vom ersten Einsatztag produktiver als jemand, der das Allgemein-Wissen erst mühsam auf die Plattform übertragen muss. Für Betriebe, die neu auf Sinumerik-Maschinen umstellen oder ihre bestehende Belegschaft auf aktuellen Stand bringen wollen, ist dieser Kurs eine zielgenaue Investition: keine Zeit mit Inhalten verbringen, die die eigenen Maschinen nicht betreffen, sondern direkt in die Sinumerik-Welt einsteigen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet Sinumerik-Programmierung von Fanuc-Programmierung?
Beide nutzen DIN-66025-basierte G-Codes, unterscheiden sich aber in der Befehlserweiterung, Zyklenbenennung und Bedienoberfläche erheblich. Sinumerik 840D bietet mit ShopTurn und ShopMill grafikorientierte Programmieralternativen und Siemens-eigene Zyklen (z. B. CYCLE97), die andere Parameterfelder als Fanuc-Zyklen verwenden. Die Steuerungsarchitektur und Menüstruktur sind komplett verschieden.
Was ist ShopTurn und muss ich es können?
ShopTurn ist die grafische Dialogprogrammier-Oberfläche von Sinumerik für Drehanwendungen, ShopMill das Pendant für Fräsen. Beide werden im Kurs behandelt. Sie sind besonders für die Erstellung einfacherer bis mittlerer Bearbeitungsprogramme effizient und ergänzen die klassische DIN-Programmierung sinnvoll.
Welche Vorkenntnisse benötige ich für diesen Kurs?
Grundlagenkenntnisse in der CNC-Programmierung (G-Code-Konzepte, Koordinatensysteme) werden vorausgesetzt. Praktische Erfahrung an CNC-Maschinen ist hilfreich. Wer noch nie mit CNC-Systemen gearbeitet hat, sollte zunächst einen allgemeinen CNC-Grundkurs absolvieren.
Ist der Kurs auch für Fräsanwendungen geeignet?
Ja. Sinumerik 840D ist eine universelle Steuerung für Drehen und Fräsen. Der Kurs behandelt sowohl Drehanwendungen (ShopTurn, Drehzyklen) als auch Fräsanwendungen (ShopMill, Bohr- und Fräszyklen). Wer ausschließlich Fräsen benötigt, kann den Schwerpunkt je nach Anbieter anpassen.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Der Kurs endet mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung über die Sinumerik-spezifischen Programmierkenntnisse. Eine Siemens-eigene Zertifizierungsprüfung ist nicht Bestandteil des Kurses.
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