Überblick
Conversational User Interfaces sind eine der faszinierendsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Gestaltungsaufgaben im UX Design. Anders als bei grafischen Oberflächen gibt es keine sichtbaren Buttons, keine fixe Navigation und keine visuellen Affordanzen, die Nutzende durch eine Anwendung führen. Stattdessen entfaltet sich die Interaktion allein durch Sprache und Text — und genau deshalb gelten für Dialogsysteme andere Designprinzipien als für klassische Screens. Dieser Kurs vermittelt UX Designern die spezifischen Methoden, Werkzeuge und Best Practices für die Gestaltung von Chatbots, Voice Assistants und KI-gestützten Interfaces. Teilnehmende lernen, wie Conversational User Interfaces nutzerzentriert entwickelt, getestet und in bestehende Produktstrategien integriert werden.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Themenblock schafft die Grundlagen. Conversational Interfaces existieren in sehr unterschiedlichen Formen: regel-basierte Chatbots mit festem Entscheidungsbaum unterscheiden sich fundamental von lernenden KI-Systemen, und Voice-Schnittstellen stellen wiederum ganz andere Anforderungen als textbasierte Chats. Teilnehmende lernen diese Typen zu unterscheiden, ihre jeweiligen Stärken und Grenzen zu verstehen und aktuelle Trends im Markt einzuordnen.
- Taxonomie konversationaler Interfaces: Chatbots, Voice Assistants, KI-Copiloten, Mixed-Modal
- Historische Entwicklung von Conversational UI: von ELIZA zu modernen LLM-Assistenten
- Aktuelle Einsatzbereiche: Customer Service, interne Tools, Accessibility-Anwendungen
- Unterschiede in Nutzererwartungen je nach Kanaltyp (Text vs. Voice vs. hybrid)
- Metriken für konversationale Systeme: Containment Rate, Task Completion, Drop-Off
Der zweite Themenblock behandelt Dialogdesign und UX Writing. Der Dialog ist das eigentliche Interface — und er muss so gestaltet sein, dass er sich für Nutzende natürlich anfühlt, ohne dabei die Grenzen des Systems zu verbergen. Teilnehmende erarbeiten Prinzipien für guten Dialogflow und üben, konversationale Texte zu schreiben, die klar, freundlich und präzise sind.
- Conversation Flow Design: Flussdiagramme, State-Maschinen, Entscheidungsbäume
- Persona-Entwicklung für Conversational Interfaces: Ton, Persönlichkeit, Markenstimme
- UX Writing für konversationale Kontexte: knappe Antworten, Bestätigungen, Rückfragen
- Onboarding-Flows in Chatbots: Nutzende orientieren ohne zu überfordern
- Microcopy-Details: Platzhaltertexte, Fehlerhinweise, Empfehlungs-Prompts
Der dritte Themenblock widmet sich Prototyping, Testing und Fehlerbehandlung. Conversational Interfaces sind schwer mit statischen Mockups zu testen — sie müssen erlebt werden. Teilnehmende lernen, mit Tools wie Voiceflow oder Botmock funktionsfähige Prototypen zu bauen und systematisch mit echten Nutzenden zu testen. Ein besonderer Fokus liegt auf Fehlerszenarien: Was passiert, wenn das System eine Eingabe nicht versteht? Wie hält man Nutzende im Gespräch?
- Low-Fidelity Conversation Mapping: Paper Prototyping für Dialogflows
- Prototyping-Tools für Conversational Interfaces: Voiceflow, Botmock, Figma-Plugins
- Nutzertests für Chatbots: spezifische Herausforderungen und Auswertungsmethoden
- Fehlerbehandlung und Fallback-Strategien: graceful degradation im Dialog
- Iterationszyklen: wie man aus Testfeedback konkrete Überarbeitungen ableitet
Der vierte Themenblock beleuchtet die technischen Grundlagen und Barrierefreiheit. UX Designer müssen keine KI-Ingenieure sein, aber ein konzeptionelles Verständnis der Technologien hinter Conversational Interfaces hilft dabei, realistische Systemgrenzen einzuschätzen und bessere Design-Entscheidungen zu treffen. Außerdem behandelt dieser Block Barrierefreiheit — ein besonders relevantes Thema bei Voice Interfaces.
- KI-Technologien hinter Conversational Interfaces: NLU, NLP, Intent-Erkennung, Slot Filling
- Grenzen aktueller KI-Sprachmodelle aus Designperspektive
- Barrierefreiheit bei Voice Interfaces: WCAG-Prinzipien übertragen
- Inklusive Dialoggestaltung: verschiedene Sprach- und Schreibmuster berücksichtigen
- Integration in Produktstrategie: wann lohnt sich ein Conversational Interface?
Übungen begleiten alle Module direkt und machen das Gelernte handhabbar. Teilnehmende bauen eigene Mini-Systeme, testen sie mit Kommiliton:innen und überarbeiten sie auf Basis des Feedbacks.
- Konversationale Analyse: einen bestehenden Chatbot auf Usability-Schwächen untersuchen
- Conversation Flow zeichnen: Dialogbaum für einen definierten Use Case
- Persona schreiben: Ton und Persönlichkeit eines Chatbot-Charakters festlegen
- UX Writing üben: fünf Fehlermeldungen konversational umformulieren
- Prototyp bauen in Voiceflow: einfachen Task-orientierten Chatbot erstellen
- Nutzertest durchführen: Gesprächsprotokoll analysieren und Schwachstellen benennen
- Fallback-Strategie entwickeln: drei Worst-Case-Szenarien für einen Dialogflow lösen
- Voice Interface skizzieren: Onboarding-Dialog für einen Smart-Speaker-Skill
- Barrierefreiheitsprüfung: Dialog auf inklusive Sprache und Nutzbarkeit überprüfen
- KI-Technologie einordnen: technische Systemgrenzen in einem Design-Brief beschreiben
- Peer-Feedback: gegenseitiges Review von Prototypen nach vorgegebenem Raster
- Abschlussprojekt: vollständiger Conversational Interface Design Case mit Dokumentation
Die Trainingseinheiten finden im virtuellen Klassenzimmer statt und verbinden konzeptionelle Inputs mit direkter Designpraxis. Besonderer Wert liegt auf der Entwicklung eines eigenen Qualitätsgefühls für Dialogqualität — eine Fähigkeit, die sich nur durch Ausprobieren und kritisches Überarbeiten entwickelt.
Lernziele:
- Typen von Conversational User Interfaces einordnen: Chatbots, Voice Assistants, KI-Copiloten, hybride Interfaces
- Nutzerbedürfnisse speziell für konversationale Systeme erforschen und dokumentieren
- Dialogflows konzipieren, die natürlich wirken und Nutzerfrustration vermeiden
- UX Writing und Microcopy für konversationale Kontexte entwickeln
- Voice User Interfaces als Sonderform mit eigenen Gestaltungsanforderungen verstehen
- Prototypen für Conversational Interfaces entwickeln und mit Nutzenden testen
- KI-Technologien hinter modernen Chatbots und Voice Assistants konzeptionell einordnen
- Fehlerbehandlung und Fallback-Strategien im Dialogdesign konsequent umsetzen
- Barrierefreiheit und inklusive Gestaltung für konversationale Interfaces berücksichtigen
- Conversational UI-Projekte in bestehende Produktstrategien einbetten
- Bestehende Conversational Interfaces analytisch auf Usability-Schwächen untersuchen
- Eigene Stärken als Conversation Designer durch praktische Projektarbeit nachweisen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an UX Designer, die bereits ein Grundverständnis von nutzerzentrierter Gestaltung mitbringen und ihre Kompetenz gezielt auf das Feld konversationaler Interfaces ausdehnen wollen. Auch UI Designer mit wachsendem Interesse an Dialog- und Sprachinterfaces sind angesprochen.
- UX Designer mit Grundkenntnissen in nutzerzentriertem Design
- UI Designer, die Voice- und Chat-Interfaces gestalten wollen
- Product Designer, die konversationale Features in Produkte integrieren
- Quereinsteiger:innen mit Interesse an UX Design und digitalen Sprachassistenten
- Fachkräfte aus Kommunikation oder Redaktion mit Interesse an konversationalem Design
Grundkenntnisse in der Nutzung digitaler Tools sowie Deutschkenntnisse auf B2-Niveau werden vorausgesetzt. Interesse an UX Design und digitalen Schnittstellen ist wichtiger als spezifische Vorkenntnisse. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich — die verwendeten Prototyping-Tools sind ohne Coding-Erfahrung nutzbar.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im virtuellen Klassenzimmer statt, meist in Vollzeit, teils auch in Teilzeit. Live-Sessions wechseln sich mit eigenständigen Übungsphasen ab. Gruppenarbeiten, Peer-Review und simulative Nutzertests sorgen für einen hohen Praxisanteil. Zentrale Werkzeuge sind Figma, Voiceflow, Botmock und Miro; KI-Tools wie ChatGPT und Claude kommen in Designübungen zum Einsatz.
Die Weiterbildung ist auf drei bis sechs Monate ausgelegt. Die Intensität des Lernens hängt davon ab, ob der Kurs im Vollzeit- oder Teilzeitformat belegt wird. Für die Prototyping-Aufgaben ist eigenständige Übungszeit außerhalb der Live-Sessions einzuplanen.
Nach erfolgreichem Kursabschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „Conversational User Interfaces im UX Design". Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes Zertifikat; das Dokument dient als Nachweis gegenüber Arbeitgebern über die erworbene Spezialisierung im Conversation Design.
Nutzen & Perspektiven
Conversational Interfaces sind kein Nischenthema mehr. Chatbots in Kundenservice-Systemen, KI-Assistenten in SaaS-Tools, Voice Interfaces in Smart Devices — Unternehmen jeder Größe setzen auf konversationale Interaktionsformen, und der Bedarf an Designerinnen und Designern, die diese Interfaces nutzerzentriert gestalten können, wächst rasant. Wer diese Kompetenz heute aufbaut, profitiert von einem Berufsprofil, das in modernen Produktteams gefragt ist. Der Kurs bietet mehr als einen Überblick über Trends: Er vermittelt die konkreten Werkzeuge und Methoden, um Conversational Interfaces von der ersten Skizze bis zum getesteten Prototypen zu entwickeln. Teilnehmende erleben in den Übungseinheiten hautnah, wie sich guter Dialogfluss anfühlt — und wie schnell schlechte Formulierungen oder fehlende Fallbacks ein System für Nutzende unangenehm oder nutzlos machen. Nach dem Kurs sind Absolventen in der Lage, Conversation Design als vollwertige Spezialisierung in ihre UX-Praxis zu integrieren. Sie können eigenständig Dialogflows entwickeln, Chatbots testen und ihre Ergebnisse in Produktteams überzeugend kommunizieren. Das ist eine Kompetenz, die sich direkt auf die Qualität digitaler Produkte auswirkt — und die auf dem Arbeitsmarkt zunehmend nachgefragt wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einem Chatbot und einem Voice Assistant aus UX-Sicht?
Chatbots kommunizieren textbasiert — visuelle Hinweise wie Buttons oder Quick Replies können den Dialog ergänzen. Voice Assistants operieren ausschließlich akustisch, was andere Anforderungen an Sprachrhythmus, Bestätigungslogik und Fehlerbehandlung stellt. Der Kurs behandelt beide Typen mit ihren jeweiligen Designprinzipien.
Welche Tools werden im Kurs verwendet?
Die zentralen Prototyping-Tools sind Voiceflow und Botmock, ergänzt durch Figma und Miro. Für die Analyse bestehender Systeme kommen auch ChatGPT und Claude zum Einsatz. Programmierkenntnisse sind für keines dieser Tools erforderlich.
Für wen ist der Kurs geeignet?
Der Kurs richtet sich an UX und UI Designer, die ihre Kompetenz auf Conversational Interfaces ausweiten möchten. Auch Quereinsteiger:innen mit Interesse an dialogorientiertem Design sind willkommen. Vorkenntnisse in grafischem Design sind kein Muss, aber ein Grundverständnis nutzerzentrierter Methoden ist hilfreich.
Muss ich KI-Entwicklung oder Programmierung verstehen?
Nein. Der Kurs vermittelt ein konzeptionelles Verständnis der Technologien hinter Conversational Interfaces, damit Sie als Designer fundierte Entscheidungen treffen können. Entwicklung oder Programmierung ist nicht Bestandteil des Kurses.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Teilnehmende erhalten ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „Conversational User Interfaces im UX Design". Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes Zertifikat, dokumentiert aber die erworbene Spezialisierung im Conversation Design.
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