Überblick
Relationale Datenbanken stoßen bei bestimmten Anwendungsklassen an strukturelle Grenzen – sei es bei der horizontalen Skalierung, bei schemaflexiblen Datenmodellen oder bei extrem schnellen Lese-/Schreiboperationen für Caching-Szenarien. Genau hier setzen NoSQL-Datenbanken an. Dieser Kurs vermittelt die technischen Grundlagen und praktischen Fähigkeiten für zwei der wichtigsten NoSQL-Systeme: MongoDB als dokumentenorientierte Datenbank für flexible, skalierbare Datenspeicherung, und Redis als In-Memory-Datenspeicher für Caching, Session-Management und Echtzeit-Datenzugriffe. Wer diesen Kurs abschließt, kann beide Systeme in modernen IT-Projekten eigenverantwortlich einrichten, betreiben und für den jeweiligen Anwendungsfall sinnvoll einsetzen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen von NoSQL und Einführung in MongoDB Bevor die Werkzeuge in den Händen liegen, braucht es ein klares Verständnis dafür, was NoSQL-Datenbanken sind, welche Probleme sie lösen und warum sie sich von relationalen Systemen grundlegend unterscheiden.
- Entstehung und Motivation von NoSQL: CAP-Theorem, Skalierungsanforderungen und Schemaflexibilität
- NoSQL-Typen im Überblick: dokumentenorientiert, spaltenorientiert, schlüssel-wertbasiert und graphbasiert
- MongoDB-Architektur: Datenbank, Collections, Dokumente, BSON-Datenformat
- Installation und Grundkonfiguration von MongoDB auf Linux und Windows
- MongoDB Compass (grafische Benutzeroberfläche) und mongosh (Shell) kennenlernen
- Vergleich MongoDB vs. PostgreSQL/MySQL: wann welche Lösung die richtige ist
Modul 2 – MongoDB im Detail: Abfragen, Indizes und Performance Das Herzstück der MongoDB-Ausbildung ist die Arbeit mit der Query Language und das Verständnis, wie Indizes die Performance maßgeblich beeinflussen.
- CRUD-Operationen: insertOne/insertMany, find, updateOne/updateMany, deleteOne/deleteMany
- Abfrage-Operatoren: Vergleichsoperatoren ($eq, $gt, $lt), logische Operatoren ($and, $or, $not)
- Aggregation Pipeline: $match, $group, $sort, $project und $lookup für komplexe Auswertungen
- Indextypen: Single-Field-Index, Compound-Index, Text-Index und Geospatial-Index
- Explain-Plan analysieren: IXSCAN vs. COLLSCAN und Optimierungsstrategien
- Datenprojektionen, Cursor-Operationen und Paginierung bei großen Datenmengen
Modul 3 – MongoDB-Replikation, Backup und Betrieb Ein produktiv betriebenes MongoDB-System braucht Hochverfügbarkeit und eine verlässliche Datensicherungsstrategie. Dieses Modul behandelt Replikation, Backup und Recovery.
- Replica Sets: Konfiguration, Wahl des Primary, Failover-Verhalten und Delayed Replicas
- Lese- und Schreibpräferenzen in Replica Sets: Lastverteilung und Konsistenz abwägen
- mongodump und mongorestore: vollständige und inkrementelle Backups
- Zeitpunktbezogene Wiederherstellung mit Oplog-Backups
- Monitoring mit mongostat und mongotop: Lastindikatoren verstehen und interpretieren
- Sharding-Konzept: Grundprinzip der horizontalen Skalierung in MongoDB
Modul 4 – Redis: Architektur, Datentypen, Persistenz und Replikation Redis löst einen anderen Problemtyp als MongoDB: minimale Latenz bei Lese- und Schreiboperationen, Caching und strukturierte In-Memory-Daten. Dieses Modul vermittelt das Redis-Universum von der Architektur bis zur Produktionskonfiguration.
- Redis-Architektur: Single-threaded Event-Loop, RDB-Snapshots und AOF-Logging
- String-Datentyp: SET/GET, EXPIRE, INCR/DECR und typische Caching-Szenarien
- Hashes: Strukturierung von Objekt-ähnlichen Daten ohne Overhead
- Lists, Sets und Sorted Sets: Anwendungsfälle für Warteschlangen, eindeutige Sammlungen und Ranglisten
- Redis-Persistenz konfigurieren: RDB vs. AOF, Kompromiss zwischen Performance und Datensicherheit
- Redis Replication und Sentinel-Grundlagen für Hochverfügbarkeit
- Redis-CLI und grafische Tools (RedisInsight): Daten inspizieren, Schlüssel-Metriken abrufen
- Typische Redis-Anwendungsfälle: Session-Speicher, Rate Limiting, Leaderboards und Pub/Sub
Praktische Übungen und Projekte
- Installation und Grundkonfiguration einer MongoDB-Instanz auf einem Linux-Server
- Schreiben und Ausführen von CRUD-Operationen und Aggregation Pipelines gegen eine Beispiel-Collection
- Aufbau eines Replica Sets mit drei Knoten und Simulation eines Failover-Szenarios
- Erstellen von Indizes und Analyse der Query-Performance mit Explain-Plänen
- Durchführung eines vollständigen MongoDB-Backups mit mongodump und anschließende Wiederherstellung
- Konfiguration von Redis mit persistenter Datensicherung (AOF-Modus)
- Einsatz verschiedener Redis-Datentypen für reale Anwendungsfälle (Caching, Sorted Sets für Ranglisten)
- Redis-CLI-Übungen: Schlüssel setzen, Ablaufzeiten definieren, Informationen abrufen
- Einsatz von RedisInsight zur visuellen Inspektion der In-Memory-Daten
- Aufsetzen einer Redis-Replikation mit Master/Replica-Konfiguration
- Gegenüberstellung: wann MongoDB, wann Redis, wann beide gemeinsam in einer Architektur?
- Entscheidungsmatrix erstellen: für einen vorgegebenen Anwendungsfall die geeignete NoSQL-Lösung begründen
Ergänzend werden im Kurs die Grenzen beider Systeme ehrlich thematisiert: Redis verliert im ungünstigsten Fall Daten zwischen Snapshots, MongoDB ist für ACID-konforme Transaktionen über viele Dokumente hinweg komplexer als relationale Systeme. Diese Kenntnisse sind für eine verantwortungsvolle Architekturentscheidung unverzichtbar.
Lernziele:
- Unterschiede zwischen relationalen und NoSQL-Datenbanken erklären und für konkrete Anforderungen einschätzen
- Die Architektur von MongoDB – Collections, Dokumente, BSON-Format, Replica Sets – vollständig überblicken
- MongoDB lokal und auf einem Server installieren und konfigurieren
- Replikationsmechanismen in MongoDB einrichten und überwachen
- Abfragen und Datenmanipulation mit der MongoDB Query Language schreiben
- Indizes in MongoDB gezielt anlegen und ihre Wirkung auf die Performance analysieren
- Backup-Strategien für MongoDB konzipieren und einen Wiederherstellungsprozess durchführen
- Die Architektur von Redis und seine verschiedenen Datentypen (Strings, Hashes, Lists, Sets, Sorted Sets) einsetzen
- Redis-Persistenz konfigurieren: RDB-Snapshots und AOF-Logging
- Redis Replication und grundlegende Hochverfügbarkeitskonzepte einrichten
- Redis-CLI sicher bedienen und grafische Redis-Clients nutzen
- Für einen gegebenen Anwendungsfall die geeignete NoSQL-Lösung begründet auswählen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an technisch versierte Personen, die entweder einen Berufseinstieg als Datenbankentwickler oder -administrator anstreben oder ihre bestehenden Datenbankskenntnisse um NoSQL-Systeme erweitern möchten.
- Entwickler mit SQL-Erfahrung, die NoSQL-Technologien für skalierbare Anwendungen erlernen möchten
- Datenbankadministratoren, die ihr Portfolio um MongoDB und Redis erweitern wollen
- Backend-Entwickler, die Caching- und Session-Lösungen mit Redis eigenständig umsetzen möchten
- IT-Systemadministratoren, die Datenbankserver betreiben und absichern sollen
- Personen, die den beruflichen Einstieg oder -aufstieg im Datenbankumfeld planen
Eine abgeschlossene Ausbildung im IT-Bereich oder ein Studium – auch ein abgebrochenes – ist formale Grundvoraussetzung. Fundierte PC-Kenntnisse und Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind Pflicht; gute Englischkenntnisse erleichtern das Lesen von Tool-Dokumentationen, die überwiegend englischsprachig sind. Grundkenntnisse in SQL und relationalen Datenbankkonzepten sind hilfreich, um die Unterschiede zu NoSQL-Systemen sinnvoll einordnen zu können. Erfahrungen mit Linux-Kommandozeile und grundlegenden Serveradministrationsaufgaben sind von Vorteil.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format durchgeführt und verbindet Online-Präsenzphasen mit betreutem Selbststudium. Technische Konzepte werden zunächst erklärt und unmittelbar danach in Laborübungen erprobt. Beide Datenbanksysteme werden auf eigenen Serverinstanzen eingerichtet und über die Laufzeit des Kurses in wachsender Komplexität genutzt. Da der Kurs in Vollzeit absolviert wird, ermöglicht das Tempo ein tiefes Eintauchen in beide Systeme ohne monatelange Wartezeit zwischen Theorie und Anwendung.
Der Kurs findet in Vollzeit statt. Die Tiefe der Inhalte – Installation, Betrieb, Replikation, Performance-Tuning und Backup für zwei unterschiedliche NoSQL-Systeme – erfordert einen intensiven Lernprozess über mehrere Wochen. Die genaue Kursdauer hängt vom jeweiligen Anbieter und Durchführungsort ab.
Absolventen erhalten ein Trägerzertifikat als Datenbankentwickler – NoSQL mit MongoDB und Redis. Es handelt sich um eine qualifizierte Bescheinigung des Bildungsträgers, keinen staatlich geregelten oder herstellerseitig geprüften Abschluss. Das Zertifikat belegt die Kompetenz, MongoDB- und Redis-Systeme in realen IT-Projekten eigenverantwortlich zu betreiben.
Nutzen & Perspektiven
NoSQL-Kompetenz ist in Unternehmen gefragter denn je: Wer skalierbare Datenbankarchitekturen entwerfen und betreiben kann, ohne auf starre relationale Schemata angewiesen zu sein, ist ein wertvolles Mitglied moderner Entwicklungsteams. MongoDB wird in einem breiten Spektrum von Web-Applikationen, Content-Plattformen und IoT-Projekten eingesetzt; Redis ist in nahezu jeder Hochlast-Architektur als Caching-Layer oder Message-Broker unverzichtbar. Die Kombination beider Systeme in einem Kurs ist dabei kein Zufall: In der Praxis werden MongoDB und Redis häufig zusammen eingesetzt – MongoDB für die persistente, strukturierte Datenhaltung und Redis für blitzschnelle Lese-Operationen im Cache. Wer beide kennt und ihre jeweiligen Stärken und Grenzen einordnen kann, ist in der Lage, fundierte Architekturentscheidungen zu treffen statt blind auf Modetrends zu setzen. Darüber hinaus schaffen die erlernten Betriebskompetenzen – Replikation, Backup, Monitoring und Performance-Tuning – eine solide Grundlage für weiterführende Rollen als Datenbankadministrator oder Cloud-Datenbankingenieur, wo diese Fähigkeiten in skalierten Produktionsumgebungen täglich gefragt sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich SQL können, um diesen Kurs zu machen?
SQL-Grundkenntnisse sind hilfreich, weil sie den Vergleich zwischen relationalen und NoSQL-Systemen erleichtern und das Verständnis für Datenbankkonzepte wie Indizes und Abfrageoptimierung fördern. Sie sind aber keine zwingende Voraussetzung, solange grundlegende IT-Kenntnisse vorhanden sind.
Wofür steht MongoDB und wofür Redis – sind das nicht dasselbe?
Nein, beide haben unterschiedliche Stärken. MongoDB ist eine dokumentenorientierte Datenbank für persistente, strukturierte Datenhaltung mit flexiblem Schema. Redis ist ein In-Memory-Datenspeicher, der primär für Caching, Session-Verwaltung und Echtzeit-Daten eingesetzt wird. In der Praxis werden beide oft gemeinsam eingesetzt – MongoDB für die Datenbasis, Redis als schneller Caching-Layer.
Was ist Replikation und warum ist sie wichtig?
Replikation bedeutet, dass Daten auf mehrere Server-Knoten gespiegelt werden. Bei MongoDB geschieht das über Replica Sets: Fällt der primäre Knoten aus, übernimmt automatisch ein anderer. Das erhöht die Verfügbarkeit und schützt vor Datenverlust. Im Kurs wird die Konfiguration und das Failover-Verhalten praktisch geübt.
Ist Redis eine vollwertige Datenbank oder nur ein Cache?
Redis ist beides – es kann als reiner In-Memory-Cache eingesetzt werden, bietet aber auch Persistenzmechanismen (RDB-Snapshots und AOF-Logging), mit denen Daten dauerhaft gespeichert werden. Die richtige Konfiguration hängt vom Anwendungsfall ab: maximale Performance bei geringerem Datenhaltungsanspruch oder etwas langsamere aber sicherere persistente Speicherung.
Welches Zertifikat bekomme ich nach dem Kurs?
Absolventen erhalten ein Trägerzertifikat als Datenbankentwickler – NoSQL mit MongoDB und Redis. Es ist eine qualifizierte Bescheinigung des Bildungsträgers, kein staatlich geregelter oder herstellerseitig geprüfter Abschluss. Das Zertifikat belegt die praktische Handlungskompetenz für den Einsatz beider NoSQL-Systeme in produktiven Umgebungen.
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