Überblick
Digitale Transformation ist kein einmaliges IT-Projekt, das nach der Abnahme endet — sie ist ein fortlaufender Prozess, der Strategieverständnis, Methodenkompetenz und Umsetzungsstärke auf mehreren Ebenen gleichzeitig verlangt. Unternehmen benötigen Personen, die digitale Vorhaben nicht nur ankündigen, sondern strukturiert planen, in gemischten Teams umsetzen und in eine funktionierende Betriebsumgebung überführen können. Diese Weiterbildung qualifiziert Sie für genau diese Schnittstellenrolle: als Digitalisierungs- und Transformationsmanager kombinieren Sie agile Projektmethodik (Scrum), strukturiertes Programmmanagement (PRINCE2), IT-Service-Management (ITIL 4) und prozessanalytische Kompetenz (Business Analysis nach BABOK). MS Project ergänzt das Portfolio als Planungswerkzeug für die Programmebene, auf der Workstreams, Ressourcen und Meilensteine übergreifend gesteuert werden müssen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Digitale Transformation — Konzepte, Strategien und Wirkungsebenen Transformation beginnt mit Verstehen: Was treibt den digitalen Wandel? Welche Dimensionen einer Organisation werden berührt? Dieses Modul legt den konzeptionellen Rahmen, auf den alle Methodenmodule aufbauen. Ohne dieses strategische Fundament bleibt Methodenkompetenz ein Werkzeugkasten ohne Anwendungskontext.
- Technologieschübe, Marktveränderungen und Kundennachfrage als Treiber des digitalen Wandels
- Transformationsdimensionen: Geschäftsprozesse, Geschäftsmodelle, Organisationsstrukturen und Unternehmenskultur
- Digitale Reifegradmodelle: Standortbestimmung für Organisationen auf dem Weg zur Digitalstrategie
- Von der digitalen Vision zum konkreten Transformationsprojekt: Strategie und Umsetzung verbinden
- Change Management in Transformationsprogrammen: Widerstände erkennen, Veränderungsbereitschaft fördern, Kommunikation gestalten
- Typische Fallstricke in Digitalisierungsprojekten und methodische Schutzmaßnahmen
Modul 2: Agile Methoden — Scrum als iterativer Delivery-Rahmen Digitale Transformationsvorhaben sind selten vollständig planbar — sie entwickeln sich iterativ. Scrum liefert den Rahmen, der Anpassungsfähigkeit und nachweisbaren Fortschritt verbindet. Dieses Modul arbeitet das Scrum-Framework vollständig aus und verknüpft es mit typischen Transformationsszenarien.
- Scrum-Rollen im Transformationskontext: Product Owner als Transformations-Anwalt, Scrum Master als Hindernisbeseitiger
- Sprint-Rhythmus und Increment als Nachweis von Transformationsfortschritt
- Backlog-Aufbau für Digitalisierungsvorhaben: User Stories für Prozessveränderungen formulieren
- MoSCoW-Priorisierung: schnelle Gewinne (Quick Wins) identifizieren und in frühen Sprints liefern
- Sprint Review als Steuerungsinstrument: Stakeholder-Feedback direkt in das Backlog überführen
- Skalierungsmuster für größere Transformationsprogramme mit mehreren Teams
Modul 3: PRINCE2 — strukturiertes Transformationsmanagement auf Programm-Ebene Wo Transformationsvorhaben politisch sichtbar, regulatorisch anforderungsreich oder budgetintensiv sind, braucht es mehr als iterative Delivery. PRINCE2 liefert das Steuerungsgerüst für die Programmebene. Die sieben PRINCE2-7-Prinzipien schaffen Klarheit über Verantwortlichkeiten, Phasen und Ausnahmesituationen.
- PRINCE2-7-Prinzipien als Leitlinie für Transformationsprogramme: kontinuierliche Rechtfertigung, definierte Rollen, Phasensteuerung, Ausnahmenmanagement
- Business Case für ein Digitalisierungsvorhaben: Nutzenargumentation, Investitionsrechnung und Risikobewertung strukturieren
- Projektorganisation: Sponsor, Lenkungsausschuss, Projektleitung und Lieferteam — Rollen und Entscheidungsbefugnisse
- Änderungssteuerung in PRINCE2: neue Anforderungen kontrolliert in laufende Transformationsprojekte integrieren
- Phasenübergänge: Freigabeentscheidungen, Highlight Reports und Ausnahmeberichte in der Transformationspraxis
- PRINCE2 Agile: Verbindung von PRINCE2-Governance auf Programmebene mit Scrum auf der Lieferebene
Modul 4: ITIL 4 — Transformation aus IT-Service-Perspektive Digitale Transformation und IT-Service-Management sind untrennbar verbunden. ITIL 4 strukturiert, wie neue digitale Services konzipiert, eingeführt und in den Betrieb überführt werden. Das Service Value System (SVS) von ITIL 4 — mit Guiding Principles, Governance, Service Value Chain, Practices und Continual Improvement — ist grundlegend anders organisiert als der frühere ITIL-v3-Lebenszyklus und spiegelt die Realität moderner, schnell iterierender IT-Organisationen besser wider.
- Service Value System im Detail: die Service Value Chain als Kern des SVS
- Die sieben Leitprinzipien von ITIL 4: Fokus auf Mehrwert, iterativer Fortschritt und kollaboratives Arbeiten als Grundhaltung
- Vier Dimensionen des Service Managements: Organisationen und Menschen, Information und Technologie, Partner und Lieferanten, Wertströme und Prozesse
- Service Design für neue digitale Produkte: von der Anforderung zum vollständigen Service-Konzept
- Change Enablement: digitale Veränderungen über standardisierte, risikogerechte Change-Prozesse einführen
- Continual Improvement: Transformation als dauerhafter Zyklus — messen, lernen, optimieren
Modul 5: Business Analysis für Transformationsvorhaben Ohne sorgfältige Anforderungsarbeit entsteht eine Kluft zwischen Fachbereich und IT, die selbst gut organisierte Transformationsprojekte scheitern lässt. Dieses Modul vermittelt die BABOK-basierte Analyse- und Dokumentationskompetenz speziell für Digitalisierungsvorhaben.
- Stakeholder-Identifikation und -Analyse: Interessen, Einfluss und Kommunikationsbedarf systematisch erfassen
- Elicitation: Anforderungen in Workshops, Interviews und strukturierten Beobachtungen erheben
- BPMN-Prozessmodellierung: Ist-Prozesse erfassen, Schwachstellen und Optimierungspotenziale identifizieren, Soll-Prozesse entwerfen
- Gap-Analyse: Was fehlt zwischen dem aktuellen Zustand und dem angestrebten Digitalisierungsgrad?
- Anforderungsdokumentation: funktionale und nicht-funktionale Anforderungen für Transformationsvorhaben strukturiert festhalten
- Requirements Lifecycle: Anforderungsänderungen verfolgen, versionieren und formal abnehmen
Modul 6: MS Project in Transformationsprogrammen Komplexe Transformationsprogramme umfassen parallele Workstreams, mehrmonatige Zeitpläne und geteilte Ressourcen über Abteilungsgrenzen hinweg. MS Project schafft Transparenz auf der Programmebene und verbindet operative Planung mit der Berichtspflicht gegenüber Lenkungsausschüssen.
- Programm-Roadmap anlegen: Workstreams, Meilensteine, Abhängigkeiten und kritischer Pfad
- Ressourcenplanung über mehrere Projektphasen und Teams hinweg
- Basisplan setzen und Ist-Fortschritt erfassen: Planabweichungen frühzeitig sichtbar machen
- Berichtswesen für Steuerungsorgane: Gantt-Export, Statusampeln und Highlight Reports
- Integration von agiler Sprint-Planung und klassischem Programmplan: Roadmap- vs. Sprint-Ebene
- Programmmanagement-Grundlagen: Synergien zwischen Teilprojekten nutzen, Ressourcenkonflikte auflösen
Praxisblock: Transformationsszenario von der Analyse bis zum Statusbericht In durchgängigen Fallaufgaben begleiten Sie ein fiktives mittelständisches Unternehmen durch ein Digitalisierungsvorhaben — von der ersten Standortbestimmung bis zum Statusbericht an den Lenkungsausschuss.
- Digitalen Reifegrad der Beispielorganisation bewerten und Handlungsfelder ableiten
- Transformationsziele formulieren und in eine Business-Case-Struktur überführen
- Stakeholder-Map anlegen und Kommunikationsstrategie für das Transformationsprogramm entwickeln
- Ist-Prozess mit BPMN aufnehmen und analysierten Soll-Prozess entwerfen
- Anforderungskatalog erstellen: funktionale und nicht-funktionale Anforderungen für einen digitalen Kernprozess dokumentieren
- Product Backlog für das Digitalisierungsvorhaben aufbauen, mit MoSCoW priorisieren und für den ersten Sprint vorbereiten
- Scrum-Sprint für einen Teilbereich der Transformation planen und Sprint Review simulieren
- PRINCE2 Business Case für das Gesamtvorhaben strukturieren und dem fiktiven Lenkungsausschuss präsentieren
- MS-Project-Roadmap mit Workstreams, Meilensteinen und Ressourcen für das Programm anlegen
- ITIL-Change-Request für eine neue digitale Systemkomponente vorbereiten
- Lenkungsausschuss-Statusbericht (Highlight Report nach PRINCE2-Muster) erstellen
- Transformations-Retrospektive moderieren: Gelerntes festhalten, nächste Schritte ableiten
Die Weiterbildung läuft im Combined-Learning-Format: synchrone Einheiten wechseln sich mit eigenverantwortlichen Arbeitsphasen ab. Das Teilzeitformat ist besonders verbreitet und erlaubt die Verbindung mit beruflichen Verpflichtungen; Vollzeitvarianten stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Kurssprache ist Deutsch; Zertifizierungsunterlagen liegen teilweise auf Englisch vor.
Lernziele:
- Sie beschreiben Treiber, Phasen und Wirkungsebenen digitaler Transformation und erklären, was sich in Prozessen, Geschäftsmodellen und Organisationsstrukturen verändert
- Sie wählen situativ zwischen agilen, klassischen und hybriden Vorgehensmodellen für konkrete Transformationsprojekte
- Sie führen agile Projekte mit Scrum: Backlogs aufbauen, Sprints planen, Sprint-Events moderieren
- Sie strukturieren klassische Transformationsprojekte nach den PRINCE2-7-Prinzipien und passen den Rahmen an Projektgröße und Kontext an
- Sie kennen das ITIL 4 Service Value System mit seiner Service Value Chain, den sieben Leitprinzipien und den vier Dimensionen des Service Managements
- Sie analysieren Geschäftsprozesse mit BPMN-Notation und modellieren Soll-Prozesse für digitalisierte Abläufe
- Sie erheben und dokumentieren Anforderungen für Transformationsvorhaben nach BABOK-Grundsätzen
- Sie entwickeln einen Business Case für ein Digitalisierungsvorhaben: Nutzenargumentation, Investitionsrechnung, Risikobewertung
- Sie nutzen MS Project für Programmroadmaps, Ressourcenzuweisung und Statusberichte an Lenkungsausschüsse
- Sie identifizieren Widerstände in Transformationsprozessen und leiten Change-Management-Maßnahmen ab
- Sie kommunizieren Transformationsvorhaben adressatengerecht an Führungsebene, Fachbereiche und IT
- Sie bewerten den Digitalisierungsreifegrad einer Organisation und leiten konkrete Handlungsfelder ab
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die Digitalisierungsvorhaben strategisch und operativ begleiten möchten — als interne Change-Treiber oder als externe Berater.
- Fachbereichsverantwortliche, die Digitalisierungsprojekte in ihrer Abteilung leiten oder begleiten
- IT-Koordinatoren und Projektleiter, die ihren Horizont auf Transformationsmanagement ausweiten
- Berater und Consultants, die Mandanten bei der Konzeption und Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben unterstützen
- Projektassistenten und Koordinatoren, die in Transformationsrollen mit mehr Gestaltungsverantwortung wachsen möchten
- Berufswechsler, die gezielt in das Wachstumsfeld Digitalisierungsmanagement einsteigen
Berufserfahrung in einem organisatorischen, kaufmännischen oder technischen Umfeld ist hilfreich. Grundlegende PC-Kenntnisse und Leseverständnis englischsprachiger Methoden-Unterlagen werden vorausgesetzt. Vorkenntnisse in PRINCE2, Scrum oder ITIL sind kein Muss — alle Module bauen systematisch von den Grundlagen auf. MS Project ist ein optionales Modul, das nach Bedarf eingeschlossen oder weggelassen werden kann.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet Konzeptvermittlung mit fallstudienbasiertem Arbeiten. Ein fiktives Digitalisierungsszenario zieht sich als roter Faden durch alle Module und ermöglicht, die verschiedenen Methoden integriert und aufeinander bezogen anzuwenden. BPMN-Modellierungsübungen, Sprint-Simulationen, Business-Case-Erstellungen und MS-Project-Planungsaufgaben wechseln sich ab und spiegeln die Vielfalt eines realen Transformationsalltags wider.
Die Weiterbildung wird überwiegend in Teilzeit angeboten; Vollzeitvarianten sind ebenfalls verfügbar. Der Gesamtumfang richtet sich nach der gewählten Modulkombination — mit oder ohne das MS-Project-Modul. Das modulare Design ermöglicht es, Schwerpunkte entsprechend dem eigenen Berufshintergrund zu setzen.
Teilnehmende erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers. Externe Zertifizierungsprüfungen werden für Scrum, ITIL 4 Foundation, PRINCE2 Foundation und Practitioner sowie die Business-Analysis-Stufen abgelegt. Der genaue Prüfungsumfang richtet sich nach der gewählten Modulkombination. Alle Zertifikate stammen von internationalen Zertifizierungsorganisationen — darunter Axelos (PRINCE2, ITIL 4) und anerkannte BA-Zertifizierungsstellen.
Nutzen & Perspektiven
Unternehmen aller Branchen suchen Fachkräfte, die den digitalen Wandel nicht nur beschreiben, sondern aktiv gestalten können. Der Digitalisierungs- und Transformationsmanager ist dabei keine spezialisierte IT-Funktion, sondern ein Brückenprofil: methodisch geschult in agiler und klassischer Projektsteuerung, stark in Prozessanalyse und Anforderungsarbeit, kommunikativ in der Lage, Fachbereich und IT zusammenzubringen. Die Methodenbreite ist kein Selbstzweck. Wo ein reiner Scrum-Praktiker an den Grenzen iterativer Lieferung stößt, liefert das PRINCE2-Wissen den Governance-Rahmen für die Programmebene. Wo ein klassischer Projektleiter in iterativen Prozessen die Orientierung verliert, bringt Scrum die nötige Flexibilität und Transparenz. Das ITIL-4-Wissen mit seinem Service Value System verbindet beide Welten aus der IT-Service-Perspektive. Dieses Zusammenspiel zu beherrschen, ist der eigentliche Marktwert dieser Weiterbildung. MS Project als Planungswerkzeug schließt den Bogen zur Praxis: In realen Transformationsprogrammen müssen Meilensteine, Ressourcen und Fortschritte transparent kommuniziert werden — gegenüber Lenkungsausschüssen, Geschäftsführungen und Finanzverantwortlichen. Wer das mit einem professionellen Programmplan belegen kann, erhöht seine Glaubwürdigkeit in jeder Steuerungsrunde und demonstriert die Fähigkeit, Verantwortung auf Programmebene zu übernehmen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Rolle spielt ITIL 4 in diesem Kurs — und warum nicht die ältere ITIL-v3-Version?
ITIL 4 ist die aktuelle Version des IT-Service-Management-Frameworks. Das Service Value System (SVS) mit seinen sieben Leitprinzipien und der Service Value Chain spiegelt moderne, iterative IT-Organisationen besser wider als der klassische ITIL-v3-Lebenszyklus mit Service Strategy, Service Design und Service Transition. Dieser Kurs vermittelt konsequent ITIL 4, da nur diese Version in aktuellen Prüfungen und Stellenausschreibungen gefragt ist.
Wie viele Zertifikate erwerbe ich in dieser Weiterbildung?
Abhängig vom gewählten Modulumfang können Prüfungen für Scrum, ITIL 4 Foundation, PRINCE2 Foundation und Practitioner sowie die Business-Analysis-Stufen abgelegt werden. Alle Zertifikate stammen von internationalen Zertifizierungsorganisationen wie Axelos und sind unabhängig von einzelnen Arbeitgebern anerkannt.
Was unterscheidet den Digitalisierungs- und Transformationsmanager von den Anforderungsmanagement-Kursen?
Der Digitalisierungs- und Transformationsmanager hat einen strategischen Fokus auf den gesamten Transformationsprozess: Reifegradanalyse, Business-Case-Entwicklung, Change Management und Programm-Roadmaps. Die Anforderungsmanagement-Kurse konzentrieren sich vertieft auf die Anforderungsarbeit selbst — User Stories und Backlog (agil) bzw. Lastenheft und Traceability-Matrix (klassisch). Personen, die beides beherrschen möchten, können beide Pfade kombinieren.
Ist MS Project in jedem Fall enthalten?
MS Project ist ein optionales Erweiterungsmodul. Es richtet sich an Personen, die auf Programmebene Roadmaps und Ressourcenpläne erstellen oder Statusberichte für Lenkungsausschüsse aufbereiten. Wer ausschließlich in agilen oder beratenden Rollen tätig ist, kann die Weiterbildung auch ohne dieses Modul vollständig abschließen.
Für wen ist das Teilzeitformat geeignet?
Das Teilzeitformat ist besonders verbreitet und richtet sich an Personen, die die Weiterbildung mit laufender Berufstätigkeit oder familiären Aufgaben verbinden möchten. Synchrone Kurseinheiten wechseln sich mit eigenverantwortlichen Arbeitsphasen ab, die flexibel eingeplant werden können.
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