Überblick
Die Qualifizierung zur elektrotechnisch unterwiesenen Person (EuP) nach DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) vermittelt das sicherheitsrelevante Grundwissen, das Beschäftigte in gewerblich-technischen Berufen benötigen, um einfache elektrotechnische Arbeiten unter Aufsicht einer Elektrofachkraft fachgerecht und regelkonform auszuführen. Der Kurs richtet sich an Personen ohne elektrotechnische Berufsausbildung, die jedoch im Betriebsalltag regelmäßig mit elektrischen Anlagen, Maschinen oder Geräten in Berührung kommen. Innerhalb weniger Wochen werden die Teilnehmenden in die Lage versetzt, grundlegende Installationsarbeiten, Wartungsaufgaben und einfache Fehlersuchen sachgerecht durchzuführen, Gefahren des elektrischen Stroms zu erkennen und Schutzmaßnahmen zu benennen. Das Lernformat kombiniert Präsenz- und Online-Phasen im Blended-Learning-Format, sodass theoretisches Hintergrundwissen flexibel erarbeitet und in Präsenztagen praktisch vertieft werden kann.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul legt das rechtliche und konzeptionelle Fundament für die gesamte Qualifizierung. Die Teilnehmenden erarbeiten sich die Vorschriften der DGUV Vorschrift 3, die Definitionen der verschiedenen Personengruppen in der Elektrosicherheit sowie die zentralen Begriffe aus Normenwelt und Unfallverhütungsvorschriften. Ohne dieses Wissen sind betriebliche Verantwortlichkeiten nicht klar abgrenzbar.
- Rechtsgrundlagen: DGUV Vorschrift 3, BetrSichV, VDE-Normen
- Unterscheidung zwischen Laien, EuP und Elektrofachkräften
- Begriffsklärungen: Spannung, Strom, Widerstand, Leistung
- Pflichten der Unternehmen gegenüber EuP
- Unterweisungspflichten und Dokumentationsanforderungen
- Haftung und Versicherungsschutz bei Verstößen
Das zweite Modul behandelt die physikalischen Grundlagen der Elektrogefährdung sowie die Erkennungsmerkmale fehlerhafter Anlagen. Die Teilnehmenden lernen, wie Strom auf den menschlichen Körper wirkt, welche Spannen als besonders gefährlich einzustufen sind und welche typischen Defekte in Leitungen, Steckvorrichtungen und Betriebsmitteln auftreten können.
- Wirkung des elektrischen Stroms auf den menschlichen Körper
- Gefährliche Körperdurchströmungen und Grenzwerte
- Brandgefahr durch Überströme und Kontaktfehler
- Erkennungsmerkmale verschlissener Leitungen und Steckvorrichtungen
- Leitungsschutzeinrichtungen: Funktion und Auslösecharakteristik
- Prüfung und Sichtinspektion elektrischer Betriebsmittel
Das dritte Modul konzentriert sich auf die praktische Ausführung häufig anfallender Arbeiten als EuP. Besonderer Wert wird auf das strukturierte Vorgehen bei Messungen, den Umgang mit Mess- und Prüfgeräten sowie die sichere Vorgehensweise bei der Instandsetzung gelegt.
- Grundlagen der Spannungs- und Widerstandsmessung mit Multimeter
- Isolationswiderstandsmessungen nach VDE 0100
- Aufbau und Wartung von Beleuchtungsanlagen
- Prüfung und Instandsetzung von Schützschaltungen
- Grundlagen und Typen von Antriebsmotoren
- Motorschutzschalter und Überlastschutzeinrichtungen
In einem durchgehenden Praxisteil werden alle Inhalte an realen Aufgaben geübt. Typische Übungen sind
- Sicheres Freischalten und Spannungsfreiheitsprüfung nach den 5 Sicherheitsregeln
- Wechseln von Leuchtmitteln und Leuchtstoffröhren unter Schutzmaßnahmen
- Ersetzen von Gerätesicherungen und Leitungsschutzschaltern
- Verdrahtung und Prüfung einfacher Steckdosenstromkreise
- Messung von Betriebsströmen an laufenden Maschinen
- Dokumentation von Prüfungsergebnissen im Prüfprotokoll
- Einfache Fehlersuche an Schützschaltungen mit Stromlaufplan
- Austausch defekter Steckvorrichtungen und Kupplungen
- Überprüfung der Schutzleiterverbindung mit geeigneten Prüfgeräten
- Sichtprüfung und Reinigung von Verteilergehäusen
- Erkennen und Melden sicherheitsrelevanter Mängel
- Einweisung in betriebsspezifische Freischaltprozeduren
Die praktischen Übungen erfolgen in einer realitätsnahen Lernumgebung, die Werkstatt- und Laboranteile umfasst. Trainer begleiten die Teilnehmenden während aller Praxiseinheiten und korrigieren Fehler unmittelbar, sodass sicherheitskritische Verhaltensweisen von Anfang an korrekt eingeübt werden. Der Kurs schließt mit einer abschließenden Lernerfolgskontrolle, die sowohl theoretische Wissensfragen als auch die Demonstration praktischer Fertigkeiten umfasst. Erst nach erfolgreich bestandener Kontrolle erhalten die Teilnehmenden das trägerinterne Zertifikat als elektrotechnisch unterwiesene Person.
Lernziele:
- Die Teilnehmenden kennen die rechtlichen Grundlagen und Pflichten nach DGUV Vorschrift 3 und wissen, welche Tätigkeiten einer EuP gestattet sind
- Sie können die wichtigsten Begriffe aus der Elektrotechnik sicher anwenden und im betrieblichen Kontext korrekt einsetzen
- Sie identifizieren und benennen Gefahren, die vom elektrischen Strom ausgehen, und erläutern deren physikalische Ursachen
- Sie erkennen typische Fehler in elektrischen Anlagen und Installationen und wissen, wie diese sicher gemeldet und behoben werden
- Sie führen einfache elektrotechnische Messungen durch und werten die Ergebnisse sachgerecht aus
- Sie wählen Leitungen und Steckvorrichtungen entsprechend der Einsatzbedingungen und Belastungsgrenzen korrekt aus
- Sie verstehen die Funktion und Bedeutung von Leitungsschutzeinrichtungen wie Sicherungen und Schutzschaltern
- Sie beschreiben den Aufbau und die Funktionsweise von Antriebsmotoren in industriellen Anlagen
- Sie führen die Instandsetzung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung aller Schutzvorschriften durch
- Sie diagnostizieren und beheben Fehler in Schützschaltungen nach Anweisung einer Elektrofachkraft
- Sie wenden strukturierte Methoden zur Fehlersuche an und dokumentieren ihre Ergebnisse nachvollziehbar
- Sie kennen die Grenzen ihrer Befugnis als EuP und sind in der Lage, Aufgaben zu identifizieren, die ausschließlich Elektrofachkräften vorbehalten sind
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die in gewerblich-technischen Berufen tätig sind oder tätig werden möchten und dabei regelmäßig mit elektrischen Geräten, Maschinen oder Anlagen arbeiten, ohne über eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung zu verfügen.
- Hausmeister und Facility-Management-Kräfte, die Beleuchtungsanlagen betreuen
- Wartungstechniker in Produktionsbetrieben, die Maschinen prüfen und einfache Arbeiten ausführen
- Betriebsmitarbeiter im industriellen Umfeld, die unter Aufsicht elektrotechnische Hilfsarbeiten übernehmen
- Quereinsteiger, die den ersten Schritt in Richtung elektrotechnischer Qualifizierung machen möchten
- Berufsrückkehrer aus dem technischen Bereich, die ihr Wissen aktualisieren und formalisieren möchten
Für die Teilnahme sind keine elektrotechnischen Vorkenntnisse erforderlich. Grundlegende Computerkenntnisse werden benötigt, da Lernmaterialien und Kommunikation teilweise digital erfolgen. Deutsche Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 bis B2 sind zwingend notwendig, um Sicherheitsunterweisungen, Normentexte und Prüfprotokolle verstehen und anwenden zu können. In einem vorgelagerten Beratungsgespräch klären Anbieter individuelle Voraussetzungen und etwaige Einschränkungen ab. Körperliche Belastbarkeit und Fingerfertigkeit sind für die Praxisanteile von Vorteil, da Messarbeiten und einfache Installationen in zeitgerechtem Umfang durchgeführt werden sollen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Blended-Learning-Format (Combined Learning) durchgeführt, das Online-Selbstlernphasen mit Präsenztagen verbindet. Theoretische Inhalte werden über eine Lernplattform vermittelt, auf die die Teilnehmenden zeitlich flexibel zugreifen können. In Präsenzveranstaltungen werden praktische Übungen durchgeführt, Fachgespräche geführt und Wissenslücken gezielt geschlossen. Einzel- und Gruppenarbeiten wechseln sich ab. Kompetente Trainer aus der elektrotechnischen Praxis stehen für Fragen zur Verfügung und begleiten die Übungen durchgehend. Alle sicherheitsrelevanten Übungen werden unter enger Aufsicht durchgeführt.
Der Kurs hat eine Gesamtdauer von mehr als einer Woche bis zu einem Monat und wird als Vollzeitkurs durchgeführt. Die genaue Dauer variiert je nach Anbieter und Standort. Während dieser Zeit wechseln sich strukturierte Lernphasen mit praktischen Übungseinheiten ab. Die Vollzeitteilnahme stellt sicher, dass alle Inhalte innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens vertieft und die Lernziele nachweislich erreicht werden können.
Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsanbieters. Dieses Dokument bestätigt die Qualifizierung als elektrotechnisch unterwiesene Person nach DGUV Vorschrift 3 und kann dem Arbeitgeber als Nachweis der erfolgten Unterweisung vorgelegt werden. Das Zertifikat ist kein staatlich anerkanntes Prüfungszeugnis und kein Berufsabschluss, hat aber in vielen Betrieben hohen praktischen Wert als betriebliche Berechtigung.
Nutzen & Perspektiven
Wer als elektrotechnisch unterwiesene Person qualifiziert ist, erweitert seinen betrieblichen Einsatzbereich erheblich. Viele Arbeitgeber im produzierenden Gewerbe, in der Immobilienwirtschaft und im Facility Management suchen gezielt Mitarbeitende, die neben ihrer Kernfunktion auch einfache elektrotechnische Aufgaben übernehmen können. Diese Doppelqualifikation erhöht die Beschäftigungsfähigkeit und schützt vor Jobverlust in Zeiten des strukturellen Wandels. Darüber hinaus schützt fundiertes Sicherheitswissen nicht nur andere, sondern in erster Linie die eigene Person. Elektrounfälle gehören zu den schwerwiegendsten Arbeitsunfällen; wer die Gefahren kennt und die Schutzregeln verinnerlicht hat, minimiert das eigene Risiko dauerhaft. Dieser persönliche Sicherheitsgewinn ist ein Wert, der weit über den beruflichen Kontext hinausgeht. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Außerdem kommen je nach individueller Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen zur Rehabilitation sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege in Betracht. Eine Beratung beim zuständigen Leistungsträger klärt, welche Förderung konkret in Anspruch genommen werden kann.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP)?
Eine EuP ist eine Person, die nicht Elektrofachkraft ist, aber durch eine gezielte Unterweisung in die Lage versetzt wurde, einfache elektrotechnische Tätigkeiten unter Aufsicht einer Elektrofachkraft sicher auszuführen. Die Qualifizierung ist in der DGUV Vorschrift 3 geregelt und schützt sowohl die Person selbst als auch andere Beschäftigte vor Elektrounfällen.
Welche Tätigkeiten darf ich nach dem Kurs ausführen?
Als EuP dürfen Sie einfache elektrotechnische Arbeiten ausführen, die Ihnen von einer Elektrofachkraft ausdrücklich übertragen wurden, zum Beispiel Leuchtmittelwechsel, Austausch von Gerätesicherungen oder die Sichtprüfung von Betriebsmitteln. Arbeiten, die Kenntnisse einer Elektrofachkraft erfordern, bleiben weiterhin dieser vorbehalten.
Ist der Kurs mit einem Bildungsgutschein förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen das Qualifizierungschancengesetz sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung und der Bundeswehr in Betracht.
Brauche ich elektrotechnische Vorkenntnisse?
Nein. Der Kurs richtet sich ausdrücklich an Personen ohne elektrotechnische Berufsausbildung. Grundlegende Computerkenntnisse und Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1-B2 reichen als Einstiegsvoraussetzungen aus.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsanbieters, das Ihre Qualifizierung als EuP nach DGUV Vorschrift 3 dokumentiert. Dieses Dokument ist kein staatlich anerkannter Berufsabschluss, wird aber von vielen Arbeitgebern als betriebliche Berechtigung anerkannt.
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