Überblick
Agile Transformation ist kein einzelnes Projekt, sondern eine organisationale Reise — von starren Prozessen zu adaptiven, selbstorganisierten Teams, die kontinuierlich liefern und lernen. Scrum ist das meistgenutzte Framework für diese Reise: strukturiert genug, um Transparenz zu schaffen; flexibel genug, um sich an verändernde Anforderungen anzupassen. Jira ist das digitale Werkzeug, das Scrum-Praxis im Teamalltag sichtbar macht — von der Backlog-Pflege über die Sprint-Planung bis zum Fortschrittsbericht für Stakeholder. Dieses Seminar bringt beide Elemente zusammen: Es vermittelt die Prinzipien und Praktiken von Scrum, macht die Rollen von Scrum Master und Product Owner konkret fassbar und zeigt, wie Jira-Boards und Backlogs genutzt werden, um Teamkollaboration zu fördern und kontinuierliche Verbesserung sicherzustellen. Der Kurs eignet sich für Teams und Einzelpersonen, die agile Arbeitsweisen einführen oder eine bestehende agile Praxis auf ein neues Niveau heben wollen.
Kursinhalte & Lernziele
Agile Grundlagen und Scrum-Framework Bevor Teams Scrum einführen können, brauchen sie ein gemeinsames Verständnis davon, was agil eigentlich bedeutet. Das agile Manifesto von 2001 formuliert vier Werte und zwölf Prinzipien, die seither die Grundlage aller agilen Methoden bilden — von Scrum über Kanban bis XP. Dieser Moduleblock stellt diese Grundlagen dar und verbindet sie mit dem konkreten Scrum-Framework.
- Agiles Manifesto: vier Werte (Individuen und Interaktionen vor Prozessen und Werkzeugen, funktionierende Software vor umfassender Dokumentation, Zusammenarbeit mit dem Kunden vor Vertragsverhandlungen, Reagieren auf Veränderungen vor dem Befolgen eines Plans) und ihre praktische Bedeutung
- Zwölf agile Prinzipien und ihre Konsequenzen für die Teamorganisation
- Empirische Prozesssteuerung als Kern von Scrum: Transparenz, Überprüfung und Anpassung als Regelkreis
- Das Scrum-Framework: drei Rollen, fünf Events, drei Artefakte im Überblick
- Abgrenzung von Scrum zu Kanban und anderen agilen Methoden
Scrum-Rollen — Verantwortung und Zusammenarbeit Scrum verteilt Verantwortung bewusst auf drei klar abgegrenzte Rollen. Diese Klarheit ist ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren des Frameworks — und gleichzeitig eine häufige Quelle von Verwirrung, wenn Rollen verwischt werden.
- Product Owner: Produktvision als Orientierungspunkt; Product Backlog als zentrales Steuerungsinstrument; Priorisierungslogik und Stakeholder-Ausrichtung
- Scrum Master: Servant Leadership als Führungsverständnis; Facilitation der Scrum-Events; Impediments erkennen, kommunizieren und systematisch abbauen
- Development Team: Selbstorganisation als Prinzip; cross-funktionale Zusammensetzung; Definition of Done als Qualitätsstandard
- Zusammenspiel der Rollen in Sprint-Zyklen: wer ist wann für was verantwortlich?
- Häufige Rollenkonflikte und wie man sie auflöst
Scrum-Events — Sprint-Rhythmus und kontinuierliche Verbesserung Die fünf Scrum-Events strukturieren den Sprint-Zyklus und schaffen die Regelmäßigkeit, die agile Teams benötigen, um zu lernen und sich anzupassen.
- Sprint: Definition, Länge, Sprint-Ziel und Umgang mit Unterbrechungen
- Sprint Planning: wie das Team Arbeit aus dem Backlog in den Sprint aufnimmt und ein Increment definiert
- Daily Scrum: Zweck, Format und häufige Fehler im Daily-Standup
- Sprint Review: Demonstration des Increments vor Stakeholdern; Feedback aufnehmen und verarbeiten
- Sprint Retrospective: strukturierte Reflexion über Prozess und Zusammenarbeit; Maßnahmen ableiten und verfolgen
Jira für agile Projektsteuerung — Boards, Backlogs und Berichte Jira ist das Werkzeug, das Scrum-Theorie in beobachtbare Praxis übersetzt. Dieser Block führt Jira von der Grundkonfiguration bis zu produktiven Dashboards ein, mit direktem Bezug auf Scrum-Strukturen.
- Jira-Projekt anlegen: Scrum-Projekt vs. Kanban-Projekt; Projektrollen und Zugriffsrechte
- Issue-Typen in Jira: Epic, Story, Task, Sub-Task — Mapping auf das Scrum-Backlog
- Product Backlog aufbauen: Issues anlegen, User Stories schreiben, Prioritäten setzen
- Sprint in Jira erstellen und starten: Backlog in Sprint ziehen, Sprint-Ziel formulieren
- Scrum-Board im laufenden Sprint: Status-Spalten konfigurieren, In-Progress-Limits, Blocker markieren
- Burn-down-Chart lesen und interpretieren: Was sagt die Kurve über den Sprint-Verlauf aus?
- Sprint-Abschluss in Jira: Nicht fertiggestellte Issues verwalten, Velocity ermitteln
- Jira-Dashboard erstellen: Sprint-Fortschritt, offene Blocker und Backlog-Größe auf einen Blick
- Filter und Abfragen für Retrospektiven: Welche Issues haben wie lange in welchem Status gelegen?
- Roadmap-Ansicht in Jira: Epics über mehrere Sprints hinweg visualisieren
- Kanban-Board als Alternative für kontinuierlichen Flow ohne Sprint-Rhythmus
- Häufige Konfigurationsfehler, die Scrum-Boards unübersichtlich machen
Dieser Praxisteil ist so aufgebaut, dass Teilnehmende eine vollständige Scrum-Simulation in Jira durchlaufen — von der Backlog-Erstellung über mehrere Sprints bis zum Release. Die praktische Simulation macht die theoretischen Konzepte greifbar und erzeugt direkt übertragbare Fähigkeiten für den Berufsalltag. Die Verbindung von Scrum und Jira ist mehr als eine technische Integration. Sie schafft Transparenz, die in traditionellen Projektmanagementumgebungen oft fehlt: Jeder im Team weiß, was gerade läuft, was als nächstes kommt und wo es hakt. Agile Transformation — Einführung und Hindernisse Scrum und Jira einzuführen ist technisch lösbar; die eigentliche Herausforderung liegt in der organisatorischen und kulturellen Dimension. Dieser Block behandelt agile Transformation als Veränderungsprozess.
- Was agile Transformation bedeutet: von lokalen agilen Inseln zu einer agil-organisierten Einheit
- Häufige Transformations-Hindernisse: Führungskultur, Silodenken, Planungslogik und Berichtserwartungen
- Agile Transformation schrittweise einführen: Pilotteam, Feedbackzyklus, Skalierung
- Retrospektiven als Transformationsinstrument: wie Teams ihre eigene Arbeitsweise kontinuierlich verbessern
- Scrum als kultureller Wandel: Selbstorganisation, Vertrauen und psychologische Sicherheit als Voraussetzungen
Lernziele:
- Die Prinzipien und Werte des agilen Manifesto kennen und ihren Bezug zur täglichen Scrum-Praxis herstellen
- Das Scrum-Framework vollständig verstehen: Rollen, Events und Artefakte in ihrer Funktion und ihrem Zusammenspiel
- Die Rolle des Scrum Master operativ verstehen: Facilitation, Impediment-Beseitigung und Organisation von Scrum-Events
- Die Rolle des Product Owner klären: Produktvision kommunizieren, Backlog aufbauen und priorisieren
- Sprint-Zyklen vollständig planen, durchführen und reviewen
- Jira-Projekte anlegen und für Scrum oder Kanban konfigurieren
- Agile Boards in Jira einrichten: Scrum-Board mit Sprint-Ansicht und Kanban-Board für kontinuierlichen Flow
- Product Backlog und Sprint Backlog in Jira verwalten: Issues anlegen, priorisieren, in Sprints aufnehmen
- Sprint-Dashboards und Burn-down-Charts in Jira interpretieren und für Stakeholder aufbereiten
- Jira-Filter und Abfragen für Fortschrittsberichte und Retrospektiven nutzen
- Hindernisse für agile Transformation erkennen: kulturelle, strukturelle und operative Widerstände identifizieren
- Kontinuierliche Verbesserung als Prozess verstehen: Retrospektiven führen und Erkenntnisse systematisch umsetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Seminar richtet sich an Einzelpersonen und Teams, die aktiv an der Einführung oder Optimierung agiler Arbeitsweisen beteiligt sind oder diese Verantwortung übernehmen wollen.
- Projektmanager, die von klassischem zu agilem Projektmanagement wechseln
- Scrum Master in Ausbildung oder kurz nach Übernahme der Rolle
- Product Owner, die Backlog-Management und Stakeholder-Kommunikation in Jira systematisieren wollen
- IT-Projektmanager, die Jira bereits kennen und nun das agile Fundament dahinter tiefer verstehen wollen
- Führungskräfte, die agile Transformation in ihrem Team oder ihrer Abteilung anstoßen sollen
Keine formalen Vorkenntnisse in Scrum oder Jira sind erforderlich. Erfahrung in der Teamarbeit oder in Projekten erleichtert den Einstieg und macht Beispiele leichter einzuordnen. Grundlegende Computerkenntnisse werden vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Das Combined-Learning-Format kombiniert Präsenz- und Online-Phasen zu einem strukturierten Lernablauf. Präsenztage sind für Scrum-Simulationen, Retrospektiven-Übungen und Gruppenarbeiten reserviert. Online-Phasen umfassen Jira-Konfigurationsübungen in einer Testumgebung sowie die Vor- und Nachbereitung der Präsenztage. Der Vollzeitmodus ermöglicht es, die Transformation-Simulation über mehrere simulierte Sprint-Zyklen hinweg zu erleben.
Der Kurs erstreckt sich über mehr als drei bis zu sechs Monate im Vollzeitformat. Diese Dauer gibt ausreichend Raum, um Scrum als Arbeitsweise nicht nur zu verstehen, sondern in simulierten Sprints zu erproben und Jira als integriertes Werkzeug einzurichten und zu nutzen.
Nach Kursabschluss erhalten Teilnehmende eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung. Der Kurs bereitet auf externe Scrum-Zertifizierungsprüfungen und Jira-Zertifizierungen vor; die externen Prüfungen werden separat bei den jeweiligen Zertifizierungsstellen abgelegt.
Nutzen & Perspektiven
Agile Transformation ist in vielen Unternehmen keine theoretische Diskussion mehr, sondern operative Realität. Scrum-Kenntnisse und Jira-Praxis sind in Stellenanzeigen für Projektmanagement, Produktentwicklung und IT-Führungsrollen gehäuft gefragt — nicht als nettes Zusatzwissen, sondern als Grundqualifikation. Die Kombination aus Scrum-Methodenwissen und Jira-Werkzeugkompetenz macht Teilnehmende in agilen Teams unmittelbar handlungsfähig: Sie können sowohl in der Scrum-Master- als auch in der Product-Owner-Rolle agieren und Jira-Boards einrichten, die das Team produktiv halten statt mit Konfigurationsaufwand zu beschäftigen. Das reduziert die Anlaufzeit nach Kursabschluss erheblich. Darüber hinaus ist das Verständnis von agiler Transformation als organisationalem Prozess — nicht nur als Team-Methodik — ein Vorteil für alle, die Veränderungen in ihrer Organisation vorantreiben. Wer weiß, welche Widerstände typisch sind und wie man ihnen begegnet, kann Transformationen realistischer einschätzen und mit Geduld statt Frustration begleiten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist agile Transformation und wie unterscheidet sie sich von agilen Projekten?
Agile Transformation bezeichnet den Prozess, durch den eine Organisation ihre Arbeitsweise grundlegend auf agile Prinzipien umstellt — nicht nur einzelne Projekte agil abwickelt, sondern Strukturen, Kultur und Führungsverständnis anpasst. Dieser Kurs behandelt beides: die operative Anwendung von Scrum und Jira sowie die organisatorischen Aspekte der Transformation.
Muss mein gesamtes Team an diesem Kurs teilnehmen?
Das ist nicht zwingend, aber empfehlenswert für Teams, die gemeinsam auf agile Transformation hinarbeiten. Wenn nur einzelne Personen Scrum und Jira kennen, das Team aber traditionell arbeitet, entsteht eine Lücke. Der Kurs ist jedoch auch für Einzelpersonen geeignet, die Veränderungen von innen anstoßen wollen.
Welche Jira-Kenntnisse baue ich in diesem Kurs auf?
Sie lernen, Jira-Projekte einzurichten, agile Boards (Scrum-Boards und Kanban-Boards) zu konfigurieren, Backlogs zu verwalten, Sprints zu planen und zu tracken sowie Dashboards für Fortschrittsberichte zu erstellen. Der Fokus liegt auf der praktischen Nutzung im agilen Projektalltag, nicht auf der Jira-Administration.
Ist der Kurs auch für Unternehmen ohne IT-Hintergrund relevant?
Ja. Scrum und Jira werden zunehmend in nicht-technischen Bereichen eingesetzt — von Marketingteams bis zu HR-Abteilungen. Der Kurs behandelt Scrum als allgemeine Arbeitsweise, und Jira ist mittlerweile in vielen Branchen als Projektmanagement-Tool verbreitet.
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