Überblick
Die Kombination aus Klasse D und Klasse DE ermöglicht es, sowohl Standardbusse als auch Gelenkbusse und Fahrzeugkombinationen mit Anhänger zu führen. Dieser Kurs vermittelt aufbauend auf dem Klasse-B-Vorbesitz beide Führerscheinklassen in einer zusammenhängenden Ausbildung. Wer die Klassen D und DE gleichzeitig erwirbt, ist in der Lage, das gesamte Spektrum des öffentlichen und privaten Personenverkehrs abzudecken — vom Stadtlinienbus bis zum Reisebus mit Anhänger.
Kursinhalte & Lernziele
Block 1 — Rechtliche Grundlagen und Personenbeförderungsrecht Der erste Block legt das Fundament in Verkehrs- und Beförderungsrecht. Die Teilnehmenden lernen die einschlägigen Rechtsvorschriften für die gewerbliche Personenbeförderung kennen und verstehen, welche besonderen Sorgfaltspflichten beim Umgang mit Fahrgästen gelten. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Unterschiede zwischen Linienverkehr und Gelegenheitsverkehr gelegt sowie auf Haftungsfragen bei Zwischenfällen.
- Personenbeförderungsgesetz (PBefG) und Fahrerlaubnis-Verordnung
- Betriebspflichten und Fahrplanpflichten im Linienverkehr
- Fahrgastrechte und Fahrgastsicherheit
- Verhalten und Kommunikation bei Unregelmäßigkeiten
- Rechtliche Anforderungen bei Gelegenheits- und Reiseverkehr
- Führungszeugnis und besondere Zulassungsvoraussetzungen für Busfahrer
Block 2 — Fahrzeugtechnik: Bus und Gespann Wer Klasse D und DE gleichzeitig erwirbt, muss sowohl die Technik eines Standardbusses als auch die Systemtechnik von Anhängern und Gelenkverbindungen beherrschen. Dieser Block gibt einen strukturierten Überblick über alle relevanten Fahrzeugkomponenten und deren Zusammenspiel im Gespannbetrieb.
- Antrieb, Bremse und Fahrwerk eines Reise- oder Linienbusses
- Anhängerkupplung, Luftleitungen und elektrische Verbindungen
- Bremssystem im Gespann (Druckluft, ABS, EBS)
- Spiegel- und Kamerasysteme für den erweiterten Sichtbereich
- Signal- und Beleuchtungsanlage am Anhänger
- Fahrzeugkontrolle und Wartungsintervalle für Bus und Anhänger
Block 3 — Physikalische Grundlagen des Gespannfahrens Das Fahren mit Anhänger verlangt ein tiefes Verständnis der wirkenden Kräfte. Bremsverhalten, Schlingerbewegungen und die Hebelwirkung des Anhängers unterscheiden sich grundlegend vom Fahren ohne Hänger. Dieser Block befähigt die Teilnehmenden, kritische Fahrsituationen frühzeitig zu erkennen und durch vorausschauendes Fahren zu verhindern.
- Bremsweg- und Lastwechselverhalten im Gespann
- Pendeln und Schlingern bei Überladung oder Schlechtwetter
- Kurvenfahrt mit großem Überhang bei Gelenkbus-Konfiguration
- Windanfälligkeit bei hohen, leichten Anhängern
- Fahrstabilisierung durch Gasgeben und Bremstechnik
Block 4 — Praktische Fahrausbildung Klasse D: Grundfahraufgaben und Sonderfahrten Die praktische Fahrausbildung für die Klasse D beginnt systematisch auf abgesperrten Flächen und steigert sich bis zu anspruchsvollen Straßensituationen. Die Teilnehmenden sammeln Fahrstunden im Stadt-, Überland- und Autobahnverkehr sowie bei Dunkelheit.
- Lenkübungen und Schaltübungen im Schonraum
- Stop-and-Go im Stadtverkehr mit Bushaltestellen-Simulationen
- Einparken längs und quer mit dem Bus
- Rückwärtsfahren um Kurven in enge Bereiche
- Gefahrenbremsung aus verschiedenen Geschwindigkeiten
- Überlandfahrten auf Bundes- und Landesstraßen
- Autobahnfahrten unter realen Bedingungen
- Nachtfahrten zur Schulung bei schlechter Sicht
- Abfahrtskontrolle vor Fahrtantritt
Block 5 — Praktische Fahrausbildung Klasse DE: Gespannführung Die Grundausbildung DE umfasst neun Pflichtfahrten von jeweils mindestens 45 Minuten. Diese Einheiten sind vollständig auf die spezifischen Anforderungen der Gespannführung ausgerichtet — vom korrekten Ankuppeln bis zum selbstsicheren Rückwärtsfahren mit einem Anhänger unter realen Straßenverhältnissen.
- Ankuppeln und Abkuppeln des Anhängers
- Abfahrtskontrolle für das Gespann (Beleuchtung, Bremsen, Verbindungen)
- Geradeausfahrt und Kurvenfahrt mit Hänger
- Rückwärtsfahren mit Anhänger in verschiedene Positionen
- Überland- und Sonderfahrten als Gespann
- Fahrt auf der Autobahn mit Anhänger
Die Theorie- und Fahrprüfungen beider Klassen werden gesondert bei der amtlich anerkannten Prüfstelle abgelegt. Der Prüfungsstoff für DE umfasst zusätzlich zur D-Prüfung die gesamten Gespann-spezifischen Inhalte aus Theorie und Praxis.
Lernziele:
Die Qualifizierung für Klasse D und DE schließt folgende Kompetenzen ein, die nach Kursende sicher und selbstständig angewendet werden können.
- Einen Bus der Klasse D sicher im Straßenverkehr führen
- Gespannkombinationen der Klasse DE zuverlässig steuern
- Rückwärtsfahrmanöver mit Anhänger sicher und kontrolliert ausführen
- Anhängertechnik und Koppelvorgänge fachgerecht handhaben
- Fahrgäste sicher befördern und in Notlagen korrekt handeln
- Physikalische Besonderheiten von Gespannen einordnen und vorausschauend reagieren
- Nachtfahrten mit Gespann eigenständig und regelkonform durchführen
- Gefahrenbremsungen mit Anhänger einschätzen und sicher umsetzen
- Abfahrtskontrolle für Fahrzeug und Anhänger vollständig durchführen
- Verkehrsrechtliche Vorschriften für die Personenbeförderung kennen und einhalten
- Besonderheiten bei Linien- und Reisebusverkehr differenzieren
- Das erweiterte Führungszeugnis als berufliche Anforderung einordnen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die im gewerblichen Personenverkehr tätig werden wollen und dabei von Anfang an die volle Bandbreite an Fahrzeugkombinationen abdecken möchten. Arbeitssuchende und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen, die eine stabile berufliche Perspektive im Busverkehr suchen, profitieren besonders von der kombinierten Doppelqualifizierung.
- Quereinsteiger mit Klasse-B-Fahrpraxis, die beruflich auf Busse umsteigen wollen
- Personen mit Erfahrung im Pkw-Fahrdienst ohne Busführerschein
- Berufsanfänger im Bereich öffentlicher Personennahverkehr
- Arbeitssuchende mit Interesse an Transport und Mobilität
Erforderlich sind der Führerschein Klasse B seit mindestens zwei Jahren sowie der ordentliche Wohnsitz in Deutschland. Die Mindestaltersgrenzen entsprechen denen der Klasse D: 24 Jahre als Regel, mit abgestuften Ausnahmen bei Grundqualifikation oder einschlägiger Berufsausbildung. Für Bewerber unter 24 Jahren ist eine MPU vorgeschrieben. Zusätzlich zur Klasse D sind für die DE-Kombination ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis sowie eine ärztliche Eignungsbescheinigung einzureichen. Ausreichende Deutschkenntnisse auf B1-Niveau sind ebenfalls Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet als Vollzeit-Präsenzkurs statt. Der Theorieunterricht wird klassisch im Unterrichtsraum durchgeführt; die praktischen Fahrstunden beginnen auf einem abgesperrten Übungsgelände und führen schrittweise in den öffentlichen Straßenverkehr — zunächst ohne, dann mit Anhänger. Jede Fahreinheit wird durch ein strukturiertes Feedback-Gespräch abgeschlossen, das die individuelle Entwicklung der Fahrkompetenz unterstützt.
Die Kombinationsausbildung D/DE umfasst mehr Pflichtstunden als die alleinige Klasse D, da für die Klasse DE mindestens neun eigenständige Fahreinheiten von je 45 Minuten gesetzlich vorgeschrieben sind. Die genaue Gesamtdauer richtet sich nach der Fahrerlaubnis-Verordnung sowie dem individuellen Lernfortschritt der Teilnehmenden. Der Kurs wird in Vollzeit absolviert.
Wer beide Theorie- und Fahrprüfungen erfolgreich besteht, erhält die staatlich anerkannte Fahrerlaubnis der Klassen D und DE. Klasse D berechtigt zum Führen von Kraftomnibussen zur Personenbeförderung; Klasse DE darüber hinaus zum Fahren mit Anhänger — dies schließt Gelenkbusse und Bustransporte mit Güteranhänger ein. Die Fahrerlaubnis ist EU-weit anerkannt und eröffnet Zugang zum gesamten europäischen Personenbeförderungsmarkt.
Nutzen & Perspektiven
Mit der Kombination aus Klasse D und DE positionieren sich Absolventen für alle gängigen Einsatzbereiche im Personenverkehr — vom Stadtlinienbus über den Fernbus bis hin zum Reisebus mit Gepäckhänger oder Anhänger. Arbeitgeber im öffentlichen Nahverkehr sowie in privaten Busunternehmen honorieren diese Doppelqualifikation, weil sie maximale Einsatzflexibilität sichert: Ein Fahrer, der beide Klassen besitzt, kann ohne Einschränkung allen Dienstplänen zugeordnet werden. Gegenüber dem alleinigen Erwerb der Klasse D bedeutet die DE-Erweiterung nur einen überschaubaren Mehraufwand bei der Ausbildung, aber einen erheblichen Mehrwert auf dem Arbeitsmarkt. Gerade im Reisebussektor, wo Gepäckanhänger und Fahrzeugkombinationen alltäglich sind, ist die Klasse DE faktisch eine Grundvoraussetzung. Die Qualifizierung ist eine solide Investition in Beschäftigungsstabilität: Der Fachkräftemangel bei Busfahrern in Deutschland ist strukturell — nicht konjunkturell. Wer beide Klassen mitbringt, findet in nahezu allen Regionen offene Stellen und profitiert von einem Berufsbild, das tariflich geregelte Löhne, planbare Schichtzeiten und in vielen Fällen eine betriebliche Altersvorsorge bietet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Klasse D und Klasse DE?
Klasse D berechtigt zum Führen von Kraftomnibussen ohne Anhänger. Klasse DE erweitert dies auf Fahrzeugkombinationen mit Anhänger, also z. B. Reisebusse mit Gepäckhänger oder Gelenkbuskombinationen. Wer beide Klassen besitzt, darf alle gängigen Bustypvarianten fahren.
Wie viele Pflichtfahrten sind für die Klasse DE vorgeschrieben?
Die Fahrerlaubnis-Verordnung schreibt für die Klasse DE mindestens neun eigenständige Fahreinheiten von je mindestens 45 Minuten vor. Diese Fahrten umfassen Grundübungen mit Anhänger sowie Sonderfahrten auf Überland- und Autobahnstrecken.
Warum ist für die D/DE-Kombination ein erweitertes Führungszeugnis nötig?
Da Busfahrer bei der Personenbeförderung Verantwortung für Dritte tragen, verlangen die Zulassungsvorschriften für die Klasse D und DE ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Es darf zum Zeitpunkt der Anmeldung nicht älter als drei Monate sein.
Lohnt sich die Kombination D/DE gegenüber der alleinigen Klasse D?
Ja, in den meisten Fällen. Der zusätzliche Ausbildungsaufwand ist vergleichsweise gering, der Mehrwert auf dem Arbeitsmarkt jedoch erheblich. Im Reisebus- und Fernverkehrssektor ist die Klasse DE faktisch Standard; Arbeitgeber bevorzugen Fahrer, die alle Fahrzeugtypen abdecken können.
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