Überblick
Wer in Handwerks-, Bau- oder Gartenbaubetrieben tätig ist oder dort künftig arbeiten möchte, kommt am Transport von Anhängern kaum vorbei: Arbeitsgeräte, Gerüstbauteile, fertige Produkte wie Treppen oder Geländer, große Mengen Grünschnitt oder Jungbäume müssen sicher von A nach B gebracht werden. Während die Fahrerlaubnis der Klasse B nur Anhänger bis 750 Kilogramm beziehungsweise im Gespann bis 3.500 Kilogramm Gesamtgewicht erlaubt, öffnet die Klasse BE die Tür zu schweren Anhängern und Sattelanhängern bis 3.500 Kilogramm. Dieser Kurs führt Inhaberinnen und Inhaber der Fahrerlaubnis Klasse B in rund zwei Wochen zur Fahrerlaubnis Klasse BE und vermittelt dabei sowohl die notwendige Theorie als auch die praktische Fahrsicherheit im Gespann.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Themenblock vermittelt die theoretischen Grundlagen der Fahrerlaubnisklasse BE und schafft ein klares Verständnis davon, was sich im Vergleich zur bereits vorhandenen Klasse B ändert.
- Rechtliche Einordnung der Fahrerlaubnisklasse BE
- Zulässige Gesamtgewichte von Zugfahrzeug und Anhänger
- Unterschiede zwischen Anhänger und Sattelanhänger
- Relevante Verkehrsregeln und Beschränkungen für Gespannfahrten
- Technische Grundlagen von Anhängerkupplung und Bremssystemen
Im zweiten Block steht die Unterweisung am Fahrzeug im Mittelpunkt, bei der die Teilnehmenden lernen, ein Gespann sicher vorzubereiten und die notwendigen Kontrollen vor Fahrtantritt durchzuführen.
- Ankuppeln und Sichern von Anhänger und Sattelanhänger
- Kontrolle von Beleuchtung, Bremsen und Kupplung vor der Fahrt
- Ladungssicherung und gleichmäßige Gewichtsverteilung
- Einschätzen der veränderten Fahrdynamik im Gespann
- Grundlegende Fahrübungen auf dem Übungsplatz
Der dritte Block widmet sich den besonderen Ausbildungsfahrten, die für die Fahrerlaubnis Klasse BE vorgeschrieben sind, insbesondere Überland- und Autobahnfahrten sowie Fahrten unter erschwerten Sichtbedingungen.
- Überlandfahrten mit unterschiedlichen Streckenprofilen
- Autobahnfahrten mit Gespann und Spurwechseltraining
- Fahrten bei Dämmerung und Dunkelheit
- Verhalten bei Wind, Nässe oder eingeschränkter Fahrbahnbeschaffenheit
- Sicheres Überholen und Einordnen mit Anhänger
Der vierte Block bündelt die praktische Rangierfahrt sowie die gezielte Vorbereitung auf die Prüfungsfahrt und rundet die Ausbildung mit einer intensiven Übungsphase ab.
- Rückwärtsfahren und Rangieren mit Anhänger in engen Situationen
- Ein- und Ausparken von Gespannen
- Wenden mit Anhänger auf begrenztem Raum
- Simulation typischer Prüfungsaufgaben
- Individuelle Rückmeldung zur Fahrpraxis vor der Prüfung
- Praxisübung: Ankuppeln und Sicherheitscheck vor jeder Übungsfahrt
- Praxisübung: Rückwärtsfahren in eine markierte Parklücke
- Praxisübung: Wendemanöver mit Anhänger auf dem Übungsplatz
- Praxisübung: Überlandfahrt mit wechselnden Geschwindigkeitsbereichen
- Praxisübung: Autobahnauffahrt und -abfahrt mit Gespann
- Praxisübung: Fahrt in der Dämmerung mit reduzierter Sicht
- Praxisübung: Notbremsung und Reaktion auf Schlingerbewegungen
- Praxisübung: Spurwechsel und Überholvorgang mit Anhänger
- Praxisübung: Rangieren in einer engen Hofeinfahrt
- Praxisübung: Prüfungssimulation der kompletten Fahrstrecke
- Praxisübung: Abschließende Kontrollfahrt vor der amtlichen Prüfung
Die Ausbildungsfahrten sind so aufgebaut, dass die Teilnehmenden zunächst auf ruhigen Strecken Sicherheit gewinnen, bevor anspruchsvollere Situationen wie Autobahnfahrten oder Dämmerungsfahrten hinzukommen. So wächst die Fahrpraxis mit dem Gespann kontinuierlich und ohne Überforderung. Am Ende der rund zweiwöchigen Ausbildung verfügen die Teilnehmenden über die notwendige Routine, um ein Gespann aus Zugfahrzeug und schwerem Anhänger sicher im gesamten Straßenverkehr zu führen.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses beherrschen die Teilnehmenden folgende Fertigkeiten.
- den rechtlichen Unterschied zwischen den Fahrerlaubnisklassen B und BE erläutern
- die zulässigen Gesamtgewichte und Kombinationsmöglichkeiten von Zugfahrzeug und Anhänger korrekt einschätzen
- ein Gespann aus PKW oder Kombi und schwerem Anhänger sicher ankuppeln und kontrollieren
- die Beladung eines Anhängers fachgerecht sichern und verteilen
- das veränderte Fahrverhalten eines Gespanns im Vergleich zum Solofahrzeug einschätzen
- sicher rückwärtsfahren und mit dem Gespann rangieren
- Überlandfahrten und Autobahnfahrten mit Anhänger souverän bewältigen
- Fahrten bei Dämmerung und Dunkelheit mit einem Gespann sicher durchführen
- typische Gefahrensituationen im Gespannbetrieb, etwa Schlingerbewegungen, vermeiden
- die für die Klasse BE relevanten Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen anwenden
- die Prüfungsanforderungen der Fahrerlaubnisprüfung Klasse BE kennen
- sich sicher auf die praktische Prüfungsfahrt vorbereiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die in Handwerks-, Bau- oder Gartenbaubetrieben tätig sind oder dort künftig arbeiten möchten und regelmäßig Materialien, Geräte oder Grünschnitt mit einem Anhänger transportieren müssen. Er eignet sich für alle, die ihre vorhandene Fahrerlaubnis Klasse B um die Anhängerberechtigung erweitern wollen.
- Beschäftigte in Handwerksbetrieben mit regelmäßigem Materialtransport
- Mitarbeitende in Bau- und Gerüstbaubetrieben
- Personen im Garten- und Landschaftsbau mit Bedarf an Anhängertransporten
- Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, die ihre Einsatzmöglichkeiten im Fahrbereich erweitern möchten
Einzige Zugangsvoraussetzung ist der bereits vorhandene Führerschein der Klasse B. Weitere fachliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, da der Kurs gezielt auf den bestehenden Fahrkenntnissen aufbaut und diese um die Besonderheiten des Gespannfahrens erweitert.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs kombiniert eine kompakte theoretische Unterweisung mit einer intensiven Praxisphase aus Übungsfahrten, die schrittweise an Schwierigkeit zunehmen. Die Ausbildung findet als Präsenzunterricht statt, überwiegend in Vollzeit, teils auch in Teilzeit, sodass sich der Umfang an bestehende berufliche Verpflichtungen anpassen lässt. Die Fahrausbildung erfolgt in kleinen Gruppen oder im Einzeltraining am Fahrzeug, um individuelles Feedback direkt während der Übungsfahrten zu ermöglichen. Die im Regelwerk vorgesehenen besonderen Ausbildungsfahrten – Überland, Autobahn sowie Dämmerung und Dunkelheit – werden dabei nicht als einmalige Pflichtübung abgehakt, sondern jeweils so oft wiederholt, bis das Gespann sicher beherrscht wird.
Die Ausbildung umfasst rund zwei Wochen mit 20 Unterrichtseinheiten einschließlich der abschließenden Prüfungsfahrt. Dieser kompakte Zeitrahmen ist möglich, weil die Teilnehmenden bereits über die Fahrerlaubnis Klasse B verfügen und der Kurs sich gezielt auf die zusätzlichen Anforderungen des Gespannfahrens konzentriert. Die 20 Einheiten verteilen sich auf die theoretische Unterweisung, die Unterweisung am Fahrzeug sowie die besonderen Ausbildungsfahrten und schließen unmittelbar mit der Prüfungsfahrt ab.
Der Kurs schließt mit der amtlichen Fahrerlaubnisprüfung zur Klasse BE ab. Nach bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmenden den Führerschein der Klasse BE, der zum Führen von Kombinationen aus Fahrzeugen der Klasse B und schweren Anhängern oder Sattelanhängern bis 3.500 Kilogramm berechtigt.
Nutzen & Perspektiven
Für Beschäftigte in Handwerk, Bau und Gartenbau ist die Fahrerlaubnis Klasse BE oft eine praktische Notwendigkeit, um Material und Ausrüstung selbstständig transportieren zu können, statt auf separate Transportlösungen angewiesen zu sein. Wer diese Zusatzqualifikation mitbringt, ist im Betrieb flexibler einsetzbar und übernimmt eigenverantwortlich Transportaufgaben, die sonst an Kolleginnen oder Kollegen mit BE-Berechtigung delegiert werden müssten. Die kompakte Dauer von rund zwei Wochen macht die Erweiterung der Fahrerlaubnis auch neben einer bestehenden Tätigkeit gut planbar, ohne dass eine lange Ausbildungsunterbrechung notwendig wird. Gerade weil die Klasse B als Basis bereits vorhanden ist, entfällt der komplette theoretische Grundstoff zum Straßenverkehrsrecht, und die Ausbildung kann sich vollständig auf das konzentrieren, was beim Fahren mit Anhänger tatsächlich neu ist: Kupplungstechnik, Ladungssicherung, verändertes Brems- und Kurvenverhalten sowie das sichere Rangieren auf engem Raum. Für Betriebe ist die Klasse BE bei Mitarbeitenden ein klarer Vorteil, da Transportfahrten nicht mehr an einzelne Personen mit Anhängerberechtigung gebunden sind. Wer die Fahrerlaubnis selbst erwirbt, erhöht damit auch die eigene Position im Team und die Chancen auf vielseitigere Einsatzbereiche – etwa den eigenständigen Transport von Gerüstbauteilen zur Baustelle, von Grünschnitt zur Deponie oder von fertigen Produkten wie Treppen und Geländern zur Kundschaft, ohne dafür auf einen externen Transportdienst angewiesen zu sein.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Voraussetzung brauche ich für die Fahrerlaubnis Klasse BE?
Einzige Voraussetzung ist der bereits vorhandene Führerschein der Klasse B. Weitere fachliche Vorkenntnisse sind für diesen Kurs nicht erforderlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zur Klasse BE?
Die Ausbildung umfasst rund zwei Wochen mit 20 Unterrichtseinheiten einschließlich der abschließenden Prüfungsfahrt.
Was darf ich mit der Fahrerlaubnis Klasse BE fahren?
Die Klasse BE berechtigt zum Führen von Kombinationen aus einem Fahrzeug der Klasse B und einem schweren Anhänger oder Sattelanhänger bis 3.500 Kilogramm Gesamtgewicht.
Für wen lohnt sich diese Zusatzqualifikation besonders?
Besonders relevant ist die Klasse BE für Beschäftigte in Handwerks-, Bau- und Gartenbaubetrieben, die regelmäßig Arbeitsgeräte, Materialien oder Grünschnitt mit einem Anhänger transportieren müssen.
Welche praktischen Fahrten sind Teil der Ausbildung?
Neben der Unterweisung am Fahrzeug gehören besondere Ausbildungsfahrten wie Überland- und Autobahnfahrten sowie Fahrten bei Dämmerung und Dunkelheit zum praktischen Ausbildungsteil.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Transport- und Logistik-Branche meldet seit Jahren akuten Fahrer- und Disponenten-Mangel. Berufskraftfahrer-Qualifikation (BKrFQG-Module) ist Pflicht; Logistik-Disposition und Lagerlogistik wachsen mit E-Commerce-Volumen stabil.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Fahrer/Fahrerin - Personenbeförderung1.372 Stellen
- Verkehrsüberwacher/Verkehrsüberwacherin / Hilfspolizist/Hilfspolizistin96 Stellen
- Helfer/Helferin für Lagerwirtschaft, Transport65 Stellen
- Lager- und Transportarbeiter/Lager- und Transportarbeiterin51 Stellen
- Prüfer/Prüferin von Luftfahrtgerät / Certifying Staff40 Stellen
- Verkehrsbetriebswirtschaft (grundständig)10 Stellen