Überblick
Kanban ist mehr als ein buntes Board an der Wand. Als vollständiges Methoden-System steuert es Wissensarbeit durch Visualisierung, Work-in-Progress-Limits, Pull-Prinzipien und kontinuierliche Verbesserung auf einer Weise, die Scrum ergänzt und für bestimmte Arbeitsumgebungen besser geeignet ist als zeitgebundene Sprints. Der EXIN Kanban F. Expert Kurs führt von den agilen Grundlagen über die Kernkonzepte der Kanban-Methode bis zur Expert-Prüfungsvorbereitung. Anhand von Kanban-Simulationen und konkreten Metrik-Werkzeugen wie dem Cumulative Flow Diagram lernen Teilnehmende, wie Kanban in der Praxis eingeführt, gesteuert und kontinuierlich verbessert wird. Das Ziel ist das international anerkannte EXIN Kanban Expert Zertifikat.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul behandelt die agilen Grundlagen und die Herkunft von Kanban. Kanban verstehen bedeutet, seine Wurzeln zu kennen: Lean Manufacturing, Toyota Production System und die Verbindung zu agilen Werten. Wer versteht, warum Kanban entwickelt wurde, kann die Methodik gezielter einsetzen.
- Agile Grundprinzipien: Werte, Manifesto und agile Denkweise als Kontext für Kanban
- Herkunft von Kanban: vom Toyota-Produktionssystem zur Wissensarbeit
- Lean-Prinzipien: Wertstrom-Orientierung, Verschwendungsvermeidung und Fluss
- Abgrenzung von Kanban zu Scrum: wann welches Rahmenwerk sinnvoller ist
- Grundbegriffe des Kanban-Systems: Flow, Throughput, Lead Time, Cycle Time
- Übersicht über das David-J.-Anderson-Kanban-System als Referenzrahmen
Das zweite Modul führt in die Kernelemente der Kanban-Methode ein. Visualisierung und WIP-Limits sind die bekanntesten Kanban-Werkzeuge – dieses Modul zeigt, wie sie richtig eingesetzt werden und warum falsch eingesetzte WIP-Limits mehr schaden als nützen.
- Visualisierung: Kanban-Board aufbauen, Spalten definieren, Arbeitstypen unterscheiden
- Karten, Swimlanes und visuelle Signale für verschiedene Arbeitskategorien
- Pull vs. Push: warum Push-Systeme Engpässe erzeugen und wie Pull-Systeme Fluss schaffen
- Work-in-Progress-Limits: Definition, Begründung und Anpassung an reale Teams
- Theory of Constraints (TOC): Engpässe in Kanban-Systemen identifizieren und beheben
- Serviceklassen als Steuerungsinstrument für Dringlichkeit und Prioritäten
Das dritte Modul behandelt Metriken, Verbesserung und Kanban-Simulation. Kanban ohne Metriken ist Blindflug. Das CFD, Lead Time Distributions und Durchsatzdiagramme machen Prozessverhalten sichtbar und ermöglichen datengestützte Entscheidungen. Die Kanban-Simulation ist das zentrale Übungsformat, das alle Konzepte greifbar macht.
- Cumulative Flow Diagram (CFD): Erstellung, Lesbarkeit und Interpretation für Prozessanalyse
- Lead Time und Cycle Time messen und als Steuerungsgrundlage nutzen
- Durchsatz-Metriken und ihre Aussagekraft für Kapazitätsplanung
- Kaizen: Prinzipien kontinuierlicher Verbesserung und ihre Anwendung auf Kanban-Systeme
- Kanban-Simulation: spielerisches Erleben von WIP-Limits, Engpässen und Flow-Effekten
- Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen aus Metrik-Auswertungen
Das vierte Modul befasst sich mit Scrumban, der Einführungsstrategie und der Expert-Prüfungsvorbereitung. Scrumban kombiniert die Zeitstruktur von Scrum mit dem Flow-orientierten Ansatz von Kanban. Die Einführung von Kanban in bestehenden Teams ist eine eigene Kompetenz, die über die reine Methodenkenntnis hinausgeht.
- Scrumban: Kombination von Scrum-Zeremonien und Kanban-Steuerung in der Praxis
- Wann Scrumban besser geeignet ist als reines Scrum oder reines Kanban
- Kanban erfolgreich starten: evolutionäre Einführung und erste Schritte im Team
- Stakeholder-Kommunikation bei der Kanban-Einführung
- Reifegrade eines Kanban-Systems und nächste Entwicklungsschritte
- Strukturierter Überblick über Prüfungsinhalte und Aufgabenformate der EXIN Expert-Zertifizierung
Die Praxisaufgaben verbinden alle vier Module und schärfen das Verständnis durch eigenständige Analyse und Simulation.
- Kanban-Board für ein fiktives Softwareteam vollständig aufsetzen inklusive Serviceklassen
- WIP-Limits für ein Team mit fünf Personen und drei parallelen Arbeitskategorien begründen
- Cumulative Flow Diagram aus Beispieldaten erstellen und Engpass benennen
- Kanban-Simulation in Kleingruppe durchführen und Effekte dokumentieren
- Pull-Prinzip und Push-Prinzip anhand eines Alltagsbeispiels erklären
- Kaizen-Workshop für ein Team-Retrospektiven-Format konzipieren
- TOC-Analyse an einem Prozess-Beispiel: Engpass identifizieren und Gegenmaßnahme formulieren
- Scrumban-Setup für ein Team, das zwischen Sprint-Rhythmus und Flow-Steuerung wechseln möchte, entwerfen
- Lead-Time-Verteilung aus Beispieldaten auswerten und für Planungszwecke nutzen
- Einführungsplan für Kanban in einer bestehenden Scrum-Umgebung skizzieren
- Prüfungsaufgaben aus dem EXIN Kanban Expert Curriculum bearbeiten
- Abschlusspräsentation: Kanban-System für eine Beispielorganisation entwerfen und begründen
Lernziele:
Wer diese Weiterbildung abschließt, versteht die agilen Grundlagen, auf denen Kanban aufbaut, und kann Kanban in den breiteren Kontext agiler Methodik einordnen. Herkunft von Kanban aus dem Lean Manufacturing und der Toyota-Produktionssystemphilosophie sind erklärbar. Kanban-Boards werden strukturiert aufgebaut und für verschiedene Arbeitstypen konfiguriert. Das Pull-Prinzip und seine Auswirkungen auf Flow und Wartezeiten sind verständlich. Work-in-Progress-Limits werden gesetzt, begründet und angepasst. Die Theory of Constraints (TOC) wird auf Prozesse angewendet und Engpässe werden identifiziert. Das Cumulative Flow Diagram wird erstellt, gelesen und für Prozesssteuerung genutzt. Kaizen als kontinuierlicher Verbesserungsprozess wird auf Kanban-Systeme angewendet. Scrumban als Verbindung von Kanban und Scrum wird beschrieben und angewendet. Kanban-Simulationen werden eigenständig durchgeführt und ausgewertet. Eine erfolgreiche Kanban-Einführung wird von Anfang an geplant. Die EXIN Kanban Expert Prüfungsanforderungen werden vollständig abgedeckt.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die in Projekt- und Teamumgebungen mit Kanban arbeiten oder Kanban einführen wollen und das EXIN Expert Zertifikat als formalen Nachweis anstreben.
- IT-Projektleiterinnen und Projektleiter, die agile Methoden vertiefen wollen
- Scrum Master und agile Coaches, die Kanban als ergänzendes Rahmenwerk kennenlernen möchten
- Teamleiterinnen und Teamleiter in Wissensarbeitsumgebungen
- Fachkräfte aus IT und anderen Bereichen, die Prozessverbesserung mit Kanban gestalten wollen
- Personen, die eine internationale Kanban-Zertifizierung auf Expert-Niveau anstreben
Grundlegende Kenntnisse agiler Methoden sind hilfreich, aber keine strenge Voraussetzung – das Modul zu agilen Grundlagen schafft den notwendigen Kontext. Grundlegende Computerkenntnisse und gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind erforderlich. Englischkenntnisse erleichtern die Arbeit mit Fachliteratur und ermöglichen die Prüfung auf Englisch, falls bevorzugt. Berufserfahrung in Projekt- oder Teamarbeit erleichtert die Praxisübertragung der Inhalte.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet konzeptionelle Wissensvermittlung mit simulationsbasierten Übungen. Die Kanban-Simulation ist ein didaktisches Kernelement: Teilnehmende erleben die Auswirkungen von WIP-Limits, Engpässen und Pull-Systemen direkt und können die Erkenntnisse auf ihre eigene Arbeitssituation übertragen. Metriken werden an realen Datensätzen geübt. Das Combined-Learning-Format wechselt zwischen betreuten Phasen und eigenständiger Vertiefung.
Die Weiterbildung deckt das vollständige EXIN Kanban Expert Curriculum ab. Sie ist kompakt genug für Vollzeitformate über wenige Wochen, kann aber auch als teilzeitbegleitende Maßnahme durchgeführt werden. Genaue Dauer variiert je nach Anbieter und Format.
Teilnehmende erhalten ein trägerinternes Abschlusszertifikat. Der Kurs bereitet auf die offizielle EXIN Kanban Expert Prüfung vor, die bei einem akkreditierten EXIN-Testanbieter abgelegt wird. Das international anerkannte Expert-Zertifikat bestätigt fortgeschrittene Kanban-Kompetenz und wird nach bestandener externer Prüfung ausgestellt.
Nutzen & Perspektiven
Kanban ist in der agilen Welt das ergänzende Rahmenwerk zu Scrum, das oft unterschätzt wird, obwohl es für bestimmte Arbeitsumgebungen deutlich besser geeignet ist: In Support-Teams, Operations-Umgebungen, kontinuierlichen Entwicklungs-Workflows oder Wissensarbeit mit stark variierendem Aufgabenmix leistet Kanban mehr als Scrum, weil es nicht auf feste Sprint-Zyklen angewiesen ist. Wer Kanban wirklich beherrscht und durch ein Expert-Zertifikat belegen kann, hat ein Werkzeug in der Hand, das in diesen Kontexten direkt einsetzbar ist. Die Kanban-Simulation ist dabei mehr als eine Übung: Sie macht Prozessphänomene wie Engpässe, Flow-Einbrüche durch zu hohe WIP-Zahlen und die Wirkung von Pull-Prinzipien körperlich erfahrbar. Diese Art von Lernen verankert sich tiefer als reine Theorie – und ermöglicht, Kanban-Einführungen in echten Teams mit dem Wissen zu gestalten, dass man die Effekte kennt, bevor sie auftreten. Wer Kanban einführen will, ohne selbst eine Simulation erlebt zu haben, unterschätzt die Widerstände, die WIP-Limits in Gewohnheitssystemen auslösen. Das EXIN Expert Zertifikat ist als Qualifikation im agilen Projektmanagement für Rollen als Scrum Master, agiler Coach oder IT-Projektleitung relevant. Es ergänzt ein Scrum-Zertifikat um eine zweite agile Methodik und macht das Profil breiter: Wer sowohl Scrum als auch Kanban in seinen Varianten kennt und mit Scrumban umgehen kann, ist in der Lage, Methoden auf den jeweiligen Teamkontext zuzuschneiden, anstatt sie starr anzuwenden. Diese Methodenflexibilität ist in erfahrenen agilen Organisationen das, was Coaches und Projektleiter von Einsteigern unterscheidet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Kanban und Scrum?
Scrum arbeitet mit festen Zeitboxen (Sprints) und klar definierten Rollen. Kanban hat keine festen Iterationen, sondern steuert Arbeit kontinuierlich über ein visuelles Board mit WIP-Limits. Kanban ist besonders gut geeignet für Umgebungen mit stark variierendem Aufgabenmix, bei denen Sprints künstlich wirken – etwa in Support-Teams oder Operations-Umgebungen. Scrumban verbindet beide Ansätze.
Was ist eine Kanban-Simulation und warum ist sie Teil des Kurses?
Die Kanban-Simulation ist eine spielerisch angelegte Gruppenübung, bei der Teilnehmende einen Workflow mit einem Kanban-Board durchlaufen. Sie erleben direkt, was passiert, wenn WIP-Limits zu hoch sind, wie Engpässe entstehen und wie Pull-Systeme den Flow verbessern. Simulation ist das wirksamste Lernformat für diese Effekte, weil man sie nicht nur versteht, sondern körperlich erlebt.
Was ist das Cumulative Flow Diagram und wozu nutzt man es?
Das Cumulative Flow Diagram (CFD) zeigt kumulativ, wie viele Arbeitselemente sich in welchen Prozessschritten befinden, über einen Zeitraum hinweg. Es macht Engpässe, Batch-Effekte und Flow-Unterbrechungen sichtbar – und ist das wichtigste Metrik-Werkzeug für die datengestützte Steuerung von Kanban-Systemen. Der Kurs übt das Erstellen und Lesen des CFD an realen Datensätzen.
Was ist EXIN Kanban Expert und wer stellt das Zertifikat aus?
EXIN Kanban Expert ist eine Zertifizierung der internationalen IT-Zertifizierungsorganisation EXIN. Das Zertifikat bestätigt fortgeschrittene Kanban-Kompetenz auf Expert-Niveau und wird nach bestandener externer Prüfung ausgestellt. Es ist international anerkannt und in der agilen IT-Projektmanagement-Community ein bekannter Qualitätsnachweis.
Was ist Scrumban und für welche Teams ist es geeignet?
Scrumban kombiniert Scrum-Zeremonien (Sprint Planning, Retrospektiven) mit der kontinuierlichen Flow-Steuerung von Kanban. Es ist besonders geeignet für Teams, die zwischen Sprint-Rhythmus und kontinuierlicher Lieferung vermitteln müssen – etwa wenn Produktentwicklung und Support in einem Team stattfinden. Der Kurs behandelt, wann Scrumban sinnvoller ist als reines Scrum oder reines Kanban.
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