Überblick
Der internationale Warenverkehr erfordert Fachleute, die Zollvorschriften, Außenhandelsrecht, Logistikprozesse und Lieferkettensteuerung gleichermaßen beherrschen. Diese Weiterbildung bündelt vier aufeinander abgestimmte Themenbereiche: Außenhandel und Zollabwicklung mit ATLAS, spezialisierte Beschaffungs- und Distributionslogistik, Außenwirtschaft mit internationalem Zahlungsverkehr und abschließend das strategische Supply Chain Management. Sie wird im Combined-Learning-Format in Vollzeit durchgeführt und dauert mehr als drei bis zu sechs Monate.
Kursinhalte & Lernziele
Außenhandel und Zollabwicklung mit ATLAS (ca. 4 Wochen) Dieser Block legt das rechtliche und operative Fundament für die Arbeit im Import/Export. Sie lernen, wie die deutsche Zollverwaltung strukturiert ist, welche Grundsätze das Außenhandelsrecht bestimmen und wie Einfuhr- sowie Ausfuhrverfahren korrekt durchgeführt werden.
- Grundprinzipien des Außenhandels und der Zollverwaltung in Deutschland und der EU
- Versandverfahren, Zolllagerverfahren und deren Abwicklung
- Zollanmeldungen mit dem deutschen Zollinformationssystem ATLAS
- Überblick über ATLAS-Einfuhrvorgänge und anwendbare Abgaben
- Regelungen zur vorübergehenden Verwahrung von Waren
- Zollbehandlungsformen und Sonderverfahren im Überblick
- Elektronischer Zolltarif (EZT) und TARIC der Europäischen Union
- Veredelungsverfahren im Zollrecht (aktive und passive Veredelung)
Logistikspezialist: Beschaffungs- und Distributionsprozesse (ca. 4 Wochen) Dieser Abschnitt vertieft die operative Ebene der Lieferkette zwischen Zulieferern und Kunden. Im Vordergrund stehen die Planung effizienter Beschaffungsstrukturen sowie die Steuerung von Distributionswegen.
- Aufbau und Steuerung von Beschaffungs- und Produktionslogistik
- Strategisches und operatives Sourcing: Make-or-Buy, Single/Multiple Sourcing
- E-Procurement-Plattformen und digitale Bestellprozesse
- Qualitätsmanagement in logistischen Prozessen und Lieferantenbewertung
- Distributionskonzepte und Lagernetzoptimierung
Produkt- und Außenwirtschaft / Außenhandel (ca. 8 Wochen) Der umfangreichste Kursabschnitt beleuchtet die kaufmännischen und regulatorischen Rahmenbedingungen des internationalen Handels. Dazu gehören neben dem Warenrecht auch Zahlungsabwicklung und Frachtorganisation.
- Außenwirtschaftsrechtliche Systeme: Exportkontrolle, Embargovorschriften
- Internationaler Zahlungsverkehr: Akkreditiv, Inkasso, SWIFT-Verfahren
- Frachtabwicklung: Incoterms, Spediteurverträge, multimodale Transportketten
- Zollverfahren im Vergleich: EU-Gemeinschaftsversandverfahren, Carnet ATA
- Warenursprung und Präferenzkalkulation für tarifliche Vorteile
Supply Chain Management (ca. 4 Wochen) Der abschließende Block hebt die operative Lieferkettenarbeit auf die strategische Ebene. Analysewerkzeuge, digitale Technologien und Nachhaltigkeitsanforderungen stehen im Mittelpunkt.
- Strategien und Organisationsstrukturen im Supply Chain Management
- Digitale Lieferketten und E-SCM: Plattformen, Tracking, automatisierte Nachschubsteuerung
- Nachhaltigkeit in der Supply Chain: CO₂-Bilanzierung, Kreislaufwirtschaft, ESG-Reporting
- Prozesskostenrechnung und Lean-Methoden zur Effizienzsteigerung
- SCM-Kennzahlen: Perfect Order Rate, Total Cost of Ownership, Fill Rate
Der praktische Anteil des Kurses zieht sich durch alle Module. Dazu gehören das Ausfüllen von Zollanmeldungen anhand realer Warenbeispiele in ATLAS-Simulationen, die Ermittlung von EZT-Tarifnummern für unterschiedliche Warengruppen, die Begründung von Sourcing-Entscheidungen mit quantitativen Vergleichsmatrizen und die Analyse von Außenhandelsverträgen auf Klauseln und Risiken. Frachtkosten für multimodale Lieferketten werden ebenso kalkuliert wie Zahlungssicherungsinstrumente für Auslandsgeschäfte ausgewählt und verglichen. Lieferkettenszenarien mit SCM-Kennzahlen werden ausgewertet und Optimierungsvorschläge erarbeitet. Exportkontroll-Klassifizierungen für sensible Güter, die Integration von Nachhaltigkeitskennzahlen in Berichte sowie die Arbeit mit digitalen SCM-Dashboards runden das praxisorientierte Aufgabenspektrum ab. Einzelne Fallstudien zu Lieferkettenunterbrechungen trainieren das Denken in Alternativszenarien und Reaktionsstrategien. Der Kurs ist nach AZAV zugelassen; bei Vorliegen der persönlichen Voraussetzungen kommt eine vollständige Kostenübernahme über einen Bildungsgutschein (Agentur für Arbeit bzw. Jobcenter) oder durch Rentenversicherungsträger in Betracht. Die Prüfungskomponenten sind in die jeweiligen Module eingebettet. Als Abschluss erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat über die vollständige Weiterbildung.
Lernziele:
- Grundlegende Zollverfahren und Außenhandelsregelungen verstehen und anwenden
- Einfuhranmeldungen und Ausfuhranmeldungen im deutschen Zollsystem ATLAS bearbeiten
- Den Elektronischen Zolltarif (EZT) und das EU-TARIC-System gezielt nutzen
- Versand-, Zolllager- und Veredelungsverfahren rechtssicher handhaben
- Beschaffungs- und Produktionslogistik mit modernen Sourcing-Strategien planen
- E-Procurement-Werkzeuge und qualitätssichernde Prozesse in der Logistik einsetzen
- Außenwirtschaftssysteme, internationale Frachtabwicklung und Zahlungsverkehr organisieren
- Supply-Chain-Strategien entwickeln und auf digitale Lieferketten (E-SCM) anwenden
- Nachhaltigkeitsziele und Ressourceneffizienz in Lieferkettenentscheidungen einbeziehen
- SCM-Kennzahlen und Controlling-Instrumente zur Leistungssteuerung interpretieren
- Kosten im Beschaffungs- und Distributionsbereich strukturiert analysieren und senken
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Menschen, die eine berufliche Neu- oder Umorientierung in Richtung Außenhandel, Logistik oder Supply Chain Management anstreben. Geeignet sind sowohl Berufseinsteiger mit grundlegenden kaufmännischen Kenntnissen als auch Quereinsteiger aus anderen Branchen.
- Personen, die eine Stelle im Import- oder Exportbereich anstreben
- Kaufmännische Fachkräfte, die ihr Wissen um Zoll- und Außenhandelsthemen erweitern möchten
- Arbeitssuchende, die mit Förderung durch die Agentur für Arbeit oder ein Jobcenter qualifiziert werden
- Logistikmitarbeitende, die ihre Kenntnisse in Richtung strategisches SCM ausbauen wollen
- Quereinsteiger mit Interesse an internationalen Handelsprozessen
Der Kurs setzt gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift voraus. Ein kaufmännischer Grundbildungsabschluss oder vergleichbare Berufserfahrung ist hilfreich, aber keine formale Bedingung. Vor Kursbeginn findet ein persönliches Eignungsgespräch im Rahmen einer Fachberatung statt, in dem individuelle Vorkenntnisse und berufliche Ziele besprochen werden. Bei öffentlich geförderter Teilnahme gelten zusätzlich die Zugangsvoraussetzungen des jeweiligen Kostenträgers.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs läuft im Combined-Learning-Format in Vollzeit: Betreute Online-Lernphasen in einer digitalen Lernumgebung wechseln sich mit Präsenz- oder Live-Online-Unterrichtssequenzen ab. Dieser Wechsel aus geführtem Lernen und selbstständiger Bearbeitung von Fallaufgaben ist auf die Anforderungen eines breiten, modularen Themenspektrums zugeschnitten. Praktische Übungen — etwa ATLAS-Simulationen oder Kalkulationsaufgaben zu Frachtkosten und Tarifnummern — sorgen dafür, dass theoretische Inhalte direkt angewandt werden. Lernfortschritte werden durch modulbegleitende Wissensüberprüfungen gesichert.
Die Weiterbildung umfasst insgesamt vier Themenblöcke im Volumen von mehr als drei bis zu sechs Monaten in Vollzeit. Der größte Einzelblock „Produkt- und Außenwirtschaft" erstreckt sich über ca. 8 Wochen; die übrigen drei Module dauern je ca. 4 Wochen. Die genaue Lage der Starttermine sowie etwaige flexible Einstiegsmöglichkeiten sind beim Anbieter zu erfragen.
Nach erfolgreichem Abschluss aller Module erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat über die gesamte Weiterbildung „Fachpersonal im Import / Export inkl. Logistik und Supply Chain Management". Das Zertifikat ist kein staatlich anerkannter Berufsabschluss, belegt aber gegenüber Arbeitgebern qualifizierte Kenntnisse in Außenhandel, ATLAS-gestützter Zollabwicklung und Supply Chain Management. Die Maßnahme ist nach AZAV zertifiziert, was die Qualitätssicherung durch eine akkreditierte Fachkundige Stelle nachweist.
Nutzen & Perspektiven
Der sichtbarste Vorteil dieser Weiterbildung liegt im Zusammenspiel der vier Module: Wer Zollverfahren in ATLAS beherrscht, Beschaffungsstrategien kennt, internationalen Zahlungsverkehr versteht und gleichzeitig SCM-Kennzahlen interpretieren kann, deckt eine Bandbreite ab, die in Unternehmen mit internationalen Lieferketten ausgesprochen gefragt ist. Import-/Export-Sachbearbeitung, Zolldeklaration und operative Supply-Chain-Steuerung sind typischerweise auf mehrere Stellen verteilt — wer alle drei Bereiche überblickt, ist als Generalist an der Schnittstelle zwischen Handel, Logistik und Einkauf besonders wertvoll positioniert. Die Verbindung von Zollrecht, Außenwirtschaft und strategischem Lieferkettenmanagement macht Absolventinnen und Absolventen für Speditionen, Industrieunternehmen mit Auslandshandel, Zollagenturen und Handelsunternehmen gleichermaßen attraktiv. Gerade im mittelständischen Export ist die Kombination aus ATLAS-Praxis und SCM-Überblick oft schwer zu finden — diese Weiterbildung schließt diese Lücke in einem einzigen, konsistent strukturierten Lehrgang. Wer die Maßnahme mit einem Bildungsgutschein finanziert, kann die Weiterbildung ohne eigenes Kapitalrisiko absolvieren. Die AZAV-Zertifizierung ist dabei nicht nur förderrechtliche Voraussetzung, sondern auch ein unabhängiges Qualitätsmerkmal, das Arbeitgeber zunehmend bei der Bewerbungsauswahl berücksichtigen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wird die Weiterbildung staatlich gefördert?
Die Maßnahme ist nach AZAV zertifiziert. Personen, die die persönlichen Voraussetzungen erfüllen, können über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden. Auch Rentenversicherungsträger und der Europäische Sozialfonds kommen als Kostenträger in Betracht. Die individuelle Förderberechtigung wird im Beratungsgespräch mit dem Kostenträger geklärt.
Welche Vorkenntnisse sind notwendig?
Formale Abschlüsse werden nicht zwingend vorausgesetzt, aber kaufmännische Grundkenntnisse oder Berufserfahrung in einem relevanten Bereich sind hilfreich. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind Pflicht. Vor Kursbeginn findet ein Eignungsgespräch statt.
Wie lange dauert der Kurs?
Der Lehrgang umfasst vier Module und dauert in Vollzeit mehr als drei bis zu sechs Monate. Der größte Block (Produkt- und Außenwirtschaft) erstreckt sich auf ca. 8 Wochen; die anderen drei Module dauern je ca. 4 Wochen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat. Das ist kein staatlich anerkannter Berufsabschluss, weist aber qualifizierte Kenntnisse in Außenhandel, Zollabwicklung und Supply Chain Management gegenüber Arbeitgebern nach.
Ist der Kurs auch in Teilzeit möglich?
Die Standardvariante läuft in Vollzeit. Über Teilzeiteinstiegsmöglichkeiten informiert der Anbieter im Rahmen des individuellen Beratungsgesprächs vor Kursbeginn.
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- Fachkraft - Logistik/Materialwirtschaft2.134 Stellen
- Fachpraktiker/Fachpraktikerin im Verkauf (§66 BBiG/§42r HwO)613 Stellen
- Office-Manager/Office-Managerin120 Stellen
- Betriebswirt/Betriebswirtin (doppelt qualifizierende Ausbildung) für Außenhandel59 Stellen
- Betriebswirt/Betriebswirtin (doppelt qualifizierende Ausbildung) für allgemeine Betriebswirtschaft42 Stellen