Überblick
In der Praxiswerkstatt „Import managen mit ATLAS" bearbeiten die Teilnehmenden Importvorgänge, wie sie im Zoll- und Außenhandelsalltag tatsächlich anfallen: Wareneinfuhr anmelden, Zolltarifnummern ermitteln, Einfuhrabgaben berechnen und Vorgänge im ATLAS-System (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungssystem) abwickeln. Statt reiner Theorie zu Zollverfahren steht die Simulation eines Fachbereichs Import im Mittelpunkt, in dem anstehende Aufgaben eigenständig bearbeitet werden – so nah wie möglich am realen Arbeitsalltag einer Importsachbearbeitung.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen des Importgeschäfts und Zollrechts Der Einstieg vermittelt das rechtliche und begriffliche Fundament, auf dem die spätere praktische Arbeit aufbaut: welche Akteure am Importprozess beteiligt sind, welche Vorschriften gelten und wie der Unionszollkodex den Rahmen für alle nachfolgenden Verfahren setzt.
- Grundbegriffe des Außenhandels: Einfuhr, Ausfuhr, Durchfuhr, freier Verkehr
- Aufbau und Bedeutung des Unionszollkodex für die tägliche Praxis
- Akteure im Importprozess: Einführer, Spediteur, Zollbehörde, Vertreter
- Unterschied zwischen direkter und indirekter Zollvertretung
- Grundlagen der Zolltarifierung und des Harmonisierten Systems
- Überblick über gängige Zollverfahren bei der Wareneinfuhr
Modul 2 – Zolltarifierung und Abgabenberechnung Ein zentraler Teil der Importsachbearbeitung ist die korrekte Einreihung von Waren und die daraus resultierende Abgabenberechnung. Dieses Modul übt beides an konkreten Warenbeispielen.
- Systematik der Kombinierten Nomenklatur und Zolltarifnummern
- Recherche und Zuordnung von HS-Codes zu Warenbeschreibungen
- Berechnung von Zollsätzen auf Basis von Warenwert und Tarifnummer
- Einfuhrumsatzsteuer und weitere Abgaben bei der Einfuhr
- Präferenzregelungen und Ursprungsnachweise im Warenverkehr
- Umgang mit verbindlichen Zolltarifauskünften
Modul 3 – Dokumentenprüfung und Abwicklung im ATLAS-System Hier verschiebt sich der Fokus auf die konkrete Systemarbeit: Wie werden Importvorgänge im ATLAS-System erfasst, welche Dokumente müssen vorliegen und wie wird eine Anmeldung plausibilisiert, bevor sie abgeschickt wird.
- Aufbau und Bedienlogik des ATLAS-Systems für Einfuhranmeldungen
- Prüfung von Handelsrechnung, Packliste und Frachtdokumenten auf Vollständigkeit
- Erfassung einer Einfuhranmeldung Schritt für Schritt im System
- Umgang mit Ursprungszeugnissen und Präferenznachweisen in der Anmeldung
- Plausibilitätsprüfung vor der elektronischen Übermittlung
- Nachbearbeitung bei Rückfragen oder Beanstandungen der Zollbehörde
Modul 4 – Besondere Verfahren und Störfallmanagement Nicht jeder Importvorgang läuft nach Standardablauf. Dieses Modul behandelt besondere Zollverfahren sowie den Umgang mit Abweichungen, wie sie im Tagesgeschäft regelmäßig vorkommen.
- Zolllagerverfahren, aktive und passive Veredelung im Überblick
- vorübergehende Verwendung und Nichterhebungsverfahren
- Umgang mit Kontrollen, Beschauen und Nachforderungen
- Kommunikation mit Spedition und Zollbehörde bei Unstimmigkeiten
- Fristenmanagement bei mehreren parallel laufenden Importvorgängen
- Dokumentation von Abweichungen für die interne Nachverfolgung
Praxisnahe Arbeit im Kurs Die Praxiswerkstatt ist um ein durchgehendes Fallszenario im Fachbereich Import eines fiktiven Logistikunternehmens aufgebaut, in dem die Teilnehmenden eigenständig anfallende Importaufgaben bearbeiten.
- Einarbeitung in ein simuliertes Import-Tagesgeschäft mit realistischen Vorgängen
- eigenständige Zuordnung von Zolltarifnummern zu vorgegebenen Warenpositionen
- Berechnung der Einfuhrabgaben für mehrere Beispielsendungen
- Prüfung eingereichter Handelsdokumente auf Vollständigkeit und Plausibilität
- Erfassung mehrerer Einfuhranmeldungen im ATLAS-System
- Bearbeitung eines simulierten Störfalls mit unvollständigen Unterlagen
- Auswahl des passenden Zollverfahrens für unterschiedliche Warensendungen
- Lesen und Auswerten englischsprachiger Handelskorrespondenz
- Priorisierung mehrerer gleichzeitig anstehender Importvorgänge
- Abstimmung fiktiver Rückfragen mit einer simulierten Zollbehörde
- Zusammenstellung eines vollständigen Vorgangs von Anmeldung bis Abschluss
- Abschlussbesprechung der bearbeiteten Fälle mit Fehleranalyse
Der Praxisteil bildet den größten zeitlichen Anteil der Werkstatt, da Importsachbearbeitung eine Tätigkeit ist, die sich nur begrenzt aus reiner Theorie erschließt. Die wiederholte Bearbeitung ähnlicher, aber nicht identischer Vorgänge trainiert die Routine, die im späteren Berufsalltag gefragt ist.
Lernziele:
- den Ablauf einer Einfuhrabfertigung im ATLAS-System von der Anmeldung bis zum Abschluss nachvollziehen
- Zolltarifnummern nach dem Harmonisierten System (HS-Code) für konkrete Warenpositionen ermitteln
- Einfuhrabgaben (Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, ggf. Verbrauchsteuern) korrekt berechnen
- Ursprungsregeln und Präferenznachweise bei der Wareneinfuhr einordnen
- erforderliche Begleitdokumente einer Importsendung (Handelsrechnung, Ursprungszeugnis, Frachtpapiere) prüfen und zuordnen
- typische Zollverfahren wie die Überführung in den freien Verkehr von besonderen Verfahren wie Zolllager oder aktiver Veredelung unterscheiden
- eine Einfuhranmeldung im ATLAS-System strukturiert erfassen und plausibilisieren
- mit Störfällen im Importprozess umgehen, etwa fehlenden Angaben, Beanstandungen oder Rückfragen der Zollbehörde
- die Schnittstellen zwischen Importsachbearbeitung, Spedition und Zollbehörde im Tagesgeschäft einordnen
- englischsprachige Handelsdokumente und Korrespondenz im Importkontext lesen und verstehen
- Fristen und Meldepflichten im Importprozess einhalten und dokumentieren
- eigenständig Prioritäten setzen, wenn mehrere Importvorgänge gleichzeitig anstehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs eignet sich für Personen, die im Bereich Import und Export arbeiten möchten und dafür praktische Systemkenntnisse im ATLAS-Verfahren sowie ein solides Verständnis der Zollabwicklung aufbauen wollen.
- Angehende Importsachbearbeiter:innen und Zollsachbearbeiter:innen
- Logistikfachkräfte mit Schwerpunkt Import
- Außenhandelsfachkräfte, die ihre ATLAS-Kenntnisse vertiefen möchten
- Berufserfahrene aus Spedition oder Zollabwicklung, die sich systematisch weiterbilden wollen
- kaufmännische Fachkräfte mit Interesse an einer Spezialisierung im Zoll- und Außenhandelsbereich
Für die Teilnahme wird ein kaufmännischer Berufsabschluss vorausgesetzt. Erwartet werden außerdem grundlegende Kenntnisse der Im- und Exportprozesse sowie Zahlenaffinität, da die Abgabenberechnung ein fester Bestandteil der Übungen ist. Da Handelsdokumente im internationalen Warenverkehr regelmäßig auf Englisch vorliegen, werden sehr gute Englischkenntnisse vorausgesetzt, um Frachtpapiere, Handelsrechnungen und Korrespondenz sicher lesen zu können.
Ablauf & Abschluss
Die Praxiswerkstatt ist als durchgehende Fallsimulation angelegt: Statt Kapitel für Kapitel Theorie zu behandeln, bearbeiten die Teilnehmenden im simulierten Fachbereich Import eines Logistikunternehmens laufend neue, realitätsnahe Vorgänge. Fachliche Grundlagen zu Zolltarifierung, Abgabenberechnung und Verfahrensarten werden dort eingeführt, wo sie für die jeweilige Aufgabe gebraucht werden, und direkt im ATLAS-System angewendet. Diese Verzahnung von Wissensvermittlung und Systemarbeit soll die Routine trainieren, die im späteren Arbeitsalltag zählt.
Der genaue zeitliche Umfang der Praxiswerkstatt richtet sich nach dem jeweiligen Kurstermin und ist der aktuellen Terminübersicht zu entnehmen. Der modulare Aufbau von den rechtlichen Grundlagen über Zolltarifierung und Systemarbeit bis zum Störfallmanagement erlaubt es, die Inhalte je nach Vorwissen der Teilnehmenden unterschiedlich zu vertiefen.
Die Teilnahme an der Praxiswerkstatt wird mit einer Bescheinigung des Kursanbieters bestätigt. Es handelt sich um eine kursinterne Teilnahmebestätigung, keine staatlich anerkannte Prüfung und keine offizielle Zertifizierung durch die Zollverwaltung.
Nutzen & Perspektiven
Wer im Bereich Import arbeiten möchte, muss in der Regel schnell produktiv im ATLAS-System sein – ein Programm, das in der Praxis meist erst on the job gelernt wird und entsprechend Einarbeitungszeit kostet. Die Praxiswerkstatt nimmt diese Einarbeitung vorweg: Teilnehmende verlassen den Kurs nicht nur mit theoretischem Wissen über Zollverfahren, sondern mit praktischer Erfahrung in der Systembedienung. Besonders wertvoll ist der Aufbau als durchgehendes Fallszenario: Statt isolierter Übungsaufgaben simuliert der Kurs den tatsächlichen Arbeitsrhythmus einer Importsachbearbeitung mit mehreren parallel laufenden Vorgängen, Fristendruck und gelegentlichen Störfällen. Genau diese Fähigkeit, unter realistischen Bedingungen den Überblick zu behalten, unterscheidet im Berufsalltag geübte von ungeübten Sachbearbeiter:innen. Für kaufmännische Fachkräfte mit erster Außenhandelserfahrung bietet der Kurs die Möglichkeit, sich gezielt in Richtung Zoll- und Importabwicklung zu spezialisieren – ein Bereich, in dem praktische Systemkenntnisse im ATLAS-Verfahren am Arbeitsmarkt regelmäßig explizit gesucht werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ATLAS und warum steht es im Mittelpunkt des Kurses?
ATLAS ist das automatisierte Zoll-Abwicklungssystem, über das Einfuhranmeldungen in Deutschland elektronisch erfasst werden. Der Kurs übt die praktische Bedienung dieses Systems anhand realitätsnaher Importvorgänge.
Muss ich bereits im Zollbereich gearbeitet haben, um teilzunehmen?
Nein, aber ein kaufmännischer Berufsabschluss sowie grundlegende Kenntnisse der Im- und Exportprozesse werden vorausgesetzt. Die praktische Systemarbeit im ATLAS wird im Kurs von Grund auf vermittelt.
Warum werden sehr gute Englischkenntnisse verlangt?
Handelsrechnungen, Frachtpapiere und Korrespondenz im internationalen Warenverkehr liegen häufig auf Englisch vor. Ohne sichere Englischkenntnisse lassen sich diese Dokumente im Tagesgeschäft nicht zuverlässig prüfen.
Wie praxisnah ist die Arbeit im Kurs wirklich?
Die Werkstatt ist als durchgehendes Fallszenario im simulierten Fachbereich Import eines Logistikunternehmens aufgebaut. Teilnehmende bearbeiten fortlaufend neue Importvorgänge statt isolierter Einzelaufgaben.
Welchen Abschluss erhalte ich am Ende der Praxiswerkstatt?
Sie erhalten eine Teilnahmebescheinigung des Kursanbieters. Es handelt sich nicht um eine staatliche Prüfung oder eine offizielle Zertifizierung durch die Zollverwaltung.
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