Überblick
Dieser Kurs vermittelt die wissenschaftlichen und anwendungsorientierten Grundlagen des maschinellen Lernens mit Python. Er ist Teil des Studiengangs Business Analytics der Technischen Hochschule Ulm und verbindet algorithmische Theorie mit direkter Implementierung in Python. Im Zentrum stehen überwachte und unüberwachte Lernverfahren, deren korrekte Evaluation sowie die kritische Einordnung von Modellergebnissen – Kompetenzen, die in datengetriebenen Berufsfeldern heute unverzichtbar sind.
Kursinhalte & Lernziele
Einführung in maschinelles Lernen und Lernparadigmen Der Kurs beginnt mit einem Überblick über das Feld des maschinellen Lernens: Worin unterscheidet sich ML von klassischer regelbasierter Programmierung? Welche Kategorien von Lernproblemen gibt es, und welche Algorithmen eignen sich für welchen Anwendungsfall? Dieser Block schafft das konzeptuelle Fundament für alle nachfolgenden Module.
- Überblick über Lernparadigmen: überwacht, unüberwacht, bestärkend
- Taxonomie von ML-Aufgaben: Klassifikation, Regression, Clustering, Dimensionsreduktion
- Datenmengen und ihre Rollen: Training, Validierung, Test
- Bias-Varianz-Kompromiss und Generalisierungsprinzip
- Einführung in den Python-ML-Stack: scikit-learn, NumPy, pandas, matplotlib
Überwachte Lernverfahren Der Schwerpunkt liegt auf Algorithmen, bei denen gelabelte Trainingsdaten vorliegen. Die Teilnehmenden lernen klassische und moderne Verfahren kennen, verstehen ihre Annahmen und setzen sie an realen Datensätzen um.
- Lineare und logistische Regression: Modellstruktur, Annahmen, Grenzen
- Entscheidungsbäume und Random Forests: Aufbau, Hyperparameter, Interpretierbarkeit
- Support Vector Machines: Kernel-Trick, Regularisierung, Anwendungsszenarien
- k-Nearest Neighbors: distanzbasiertes Lernen ohne explizites Training
- Gradient Boosting (XGBoost, LightGBM): Ensembles und ihre Stärken
- Modellauswahl und Hyperparameter-Optimierung mit Grid Search und Kreuzvalidierung
Unüberwachte Lernverfahren und Dimensionsreduktion Wenn keine Labels vorliegen, sind unüberwachte Verfahren gefragt. Dieser Block behandelt Clustering und Dimensionsreduktion – Techniken, die aus rohen Daten Struktur sichtbar machen.
- k-Means-Clustering: Algorithmus, Initialisierung, Elbow-Methode
- Hierarchisches Clustering: Dendrogramme und Linkage-Strategien
- DBSCAN: dichtebasiertes Clustering für irregulär geformte Gruppen
- Hauptkomponentenanalyse (PCA): Varianzmaximierung, Scree-Plot, Interpretation
- t-SNE und UMAP zur Visualisierung hochdimensionaler Daten
Datenaufbereitung und Modellevaluation in der Praxis Ohne saubere Daten scheitert jedes Modell. Dieser Praxisblock behandelt die gesamte Prozesskette – von der Rohdatenanalyse bis zur aussagekräftigen Evaluierung des fertigen Modells.
- Exploratorische Datenanalyse (EDA): Verteilungen, Ausreißer, Korrelationen
- Umgang mit fehlenden Werten: Imputation, Deletion, Flags
- Feature Engineering: kategorische Kodierung, Normalisierung, Skalierung
- Umgang mit unbalancierten Klassen: SMOTE, class weights, Resampling
- Klassifikationsmetriken: Accuracy, Precision, Recall, F1-Score, ROC-AUC
- Regressionsmetriken: MAE, RMSE, R² und ihre Interpretation
- Konfusionsmatrix lesen und kommunizieren
- Lernkurven und Validierungskurven zur Diagnose von Modellverhalten
- Pipelines in scikit-learn: reproduzierbare, saubere Workflows
- Persistenz von Modellen: Speichern und Laden mit joblib/pickle
- Kritische Einordnung von Modellergebnissen: Kausalität vs. Korrelation
- Ethische Aspekte: Fairness, Diskriminierung, Transparenz bei algorithmischen Entscheidungen
Der Kurs setzt durchgehend auf die Arbeit mit realen oder realistischen Datensätzen. Übungsaufgaben werden in Python-Notebooks (Jupyter) bearbeitet, sodass Lernende unmittelbar die Auswirkungen ihrer Entscheidungen – bei der Vorverarbeitung, der Modellwahl oder der Parametrisierung – beobachten können. Abschließend werden ausgewählte Modellergebnisse in der Kursgruppe diskutiert und in ihrer Aussagekraft hinterfragt. Diese gemeinsame Auswertung schärft das Verständnis dafür, was Modelle leisten können und wo ihre Grenzen liegen.
Lernziele:
- Grundlegende Lernparadigmen des maschinellen Lernens benennen und voneinander abgrenzen
- Algorithmen des überwachten Lernens (Classification, Regression) in Python implementieren
- Unüberwachte Lernverfahren wie Clustering anwenden und interpretieren
- Geeignete Evaluationsmetriken für unterschiedliche Aufgabenstellungen auswählen
- Modellgüte anhand von Kreuzvalidierung und Testmengen korrekt beurteilen
- Overfitting und Underfitting erkennen und durch geeignete Techniken begegnen
- Reale Datensätze bereinigen, transformieren und für ML-Algorithmen aufbereiten
- Python-Bibliotheken wie scikit-learn, NumPy und pandas aufgabengerecht einsetzen
- Ergebnisse von ML-Modellen kritisch einordnen und gegenüber Stakeholdern kommunizieren
- Bias in Daten und Modellen identifizieren und reflektiert damit umgehen
- Ethische und gesellschaftliche Implikationen des Einsatzes maschineller Lernverfahren einschätzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Modul richtet sich an Personen mit einem naturwissenschaftlichen, technischen oder wirtschaftsmathematischen Hochschulabschluss, die den Einstieg in das Feld des maschinellen Lernens anstreben oder vorhandene Programmierkenntnisse gezielt um ML-Kompetenz erweitern möchten.
- Absolventinnen und Absolventen der Informatik, Mathematik, Physik, Elektrotechnik oder vergleichbarer Studiengänge
- Berufstätige aus datennahen Bereichen (BI, Statistik, Softwareentwicklung), die ML-Methoden in ihren Arbeitsalltag integrieren wollen
- Studierende und Berufseinsteiger, die eine fundierte Grundlage für weiterführende KI-Themen aufbauen möchten
- Fachkräfte, die im Rahmen des Business-Analytics-Programms der TH Ulm studieren oder einzelne Module als Zertifikatskurs belegen
Wer das Modul als Teil des Studiengangs Business Analytics belegt, benötigt einen ersten Hochschulabschluss in einem einschlägigen Fach (Informatik, Mathematik, Physik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Wirtschaftsmathematik o. Ä.). Für die Belegung als einzelner Zertifikatskurs genügt ein Hochschulabschluss beliebiger Fachrichtung. Grundlegende Python-Kenntnisse werden vorausgesetzt; wer bisher ausschließlich mit anderen Sprachen gearbeitet hat, sollte sich vorab mit den Python-Grundlagen sowie NumPy und pandas vertraut machen.
Ablauf & Abschluss
Das Modul ist als Teilzeitkurs konzipiert und eignet sich daher gut für Berufstätige, die Studium und Arbeit kombinieren. Der Unterricht verbindet Vorlesungsanteile mit intensiven Übungsphasen in Python-Notebooks. Reale Datensätze sind kein Bonus, sondern das eigentliche Arbeitsmaterial – jedes Konzept wird unmittelbar am konkreten Beispiel erprobt. Die Hochschule stellt eine digitale Lernumgebung bereit; Einzel- und Gruppenübungen wechseln sich ab, sodass sowohl selbstgesteuertes Erarbeiten als auch gemeinsames Problemlösen stattfindet.
Das Modul wird in Teilzeit absolviert. Die genaue Stundenzahl richtet sich nach dem Studienplan der TH Ulm beziehungsweise nach der gewählten Zertifikatskursvariante. Teilnehmende sollten neben den Präsenz- und Online-Lernzeiten ausreichend Eigenarbeitszeit für die Übungsaufgaben einplanen, da das Vertiefen der praktischen Implementierungen wesentlich zum Kompetenzerwerb beiträgt.
Wer das Modul erfolgreich abschließt, erhält ein Hochschulzertifikat der Technischen Hochschule Ulm. Wird das Modul im Rahmen des Studiengangs Business Analytics absolviert, fließen die Leistungspunkte in den Gesamtabschluss ein. Als eigenständiger Zertifikatskurs dokumentiert der Abschluss erworbene Kompetenzen im maschinellen Lernen auf akademischem Niveau.
Nutzen & Perspektiven
Maschinelles Lernen ist keine Nischentechnologie mehr – es durchdringt Produktionsplanung, Finanzdienstleistungen, Gesundheitsversorgung und nahezu alle anderen Branchen. Wer die algorithmischen Grundlagen wirklich verstanden hat und nicht nur vorgefertigte Bibliotheksaufrufe kopiert, kann fundierte Entscheidungen über Modellwahl, Datenqualität und Ergebnisinterpretation treffen. Genau diese Tiefe vermittelt das Modul. Die enge Verzahnung von Theorie und Python-Implementierung sorgt dafür, dass Gelerntes unmittelbar anwendbar ist. Absolventen sind in der Lage, eigenständige ML-Projekte zu konzipieren, Datenpipelines aufzubauen und Modellergebnisse gegenüber technischen wie nicht-technischen Gesprächspartnern klar zu kommunizieren – eine Kombination, die auf dem Arbeitsmarkt für Data Scientists und ML Engineers explizit gefragt ist. Die Einbettung in ein Hochschulprogramm gibt dem Abschluss ein akademisches Gewicht, das ein reines Online-Kurs-Zertifikat nicht bieten kann. Gleichzeitig bleibt das Teilzeitformat praktikabel für Berufstätige, die nicht ihr gesamtes Berufsleben pausieren möchten, um sich weiterzubilden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich einen spezifischen Studienabschluss für die Teilnahme?
Als Teil des Business-Analytics-Studiengangs ist ein einschlägiger MINT-Abschluss (Informatik, Mathematik, Physik usw.) erforderlich. Wer das Modul als eigenständigen Zertifikatskurs belegt, kann jeden Hochschulabschluss vorweisen.
Welche Python-Vorkenntnisse sind nötig?
Grundlegende Python-Kenntnisse werden vorausgesetzt. Wer bisher ausschließlich andere Sprachen genutzt hat, sollte sich vor Kursbeginn mit Python-Grundlagen, NumPy und pandas vertraut machen, da der Kurs direkt auf ML-Konzepte aufbaut.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein Hochschulzertifikat der Technischen Hochschule Ulm. Im Studiengangskontext werden Leistungspunkte angerechnet.
Ist der Kurs auch ohne ML-Vorkenntnisse geeignet?
Ja – der Kurs setzt keine Vorkenntnisse im maschinellen Lernen voraus und beginnt mit den Grundprinzipien. Vorausgesetzt werden lediglich Programmiererfahrung in Python und ein Hochschulabschluss.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
IT-Berufe sind seit fünf Jahren der größte Fachkräfteengpass am deutschen Arbeitsmarkt. Der Bestand offener IT-Stellen ist 2024 auf einen Rekordstand gestiegen; AI- und Cloud-Skills werden in den nächsten Jahren weiter überdurchschnittlich nachgefragt.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- CNC-Fachkraft/NC-Anwendungsfachmann / CNC-Fachkraft/NC-Anwendungsfachfrau3.222 Stellen
- Data Scientist653 Stellen
- Technische Informatik (grundständig)406 Stellen
- Machine Learning Engineer141 Stellen
- Kognitionswissenschaft (grundständig)5 Stellen
- KI-Entwickler0 Stellen