Überblick
Wer eine Programmiersprache wie Java, C++, C#, PHP oder JavaScript erlernen möchte, sollte die theoretischen Grundlagen der Softwareentwicklung kennen, bevor er mit der eigentlichen Sprachsyntax beginnt. Dieses Modul bereitet systematisch auf einen Programmiersprachenkurs vor und vermittelt das konzeptionelle Fundament, auf dem alle gängigen Programmiersprachen aufbauen. Programmierung bezeichnet die Tätigkeit, Computerprogramme zu schreiben — das umfasst die Umsetzung eines Softwareentwurfs in Quellcode und, je nach Sprache, dessen Übersetzung in Maschinensprache. Wer versteht, wie Programme prinzipiell aufgebaut sind, wie Probleme analysiert und in Ablaufstrukturen visualisiert werden, und welche grundlegenden Sprachelemente in fast allen Programmiersprachen vorkommen, lernt anschließend jede konkrete Sprache deutlich schneller und nachhaltiger. Das Modul ist sprachunabhängig konzipiert und legt damit eine Basis, die für alle nachfolgenden Programmiersprachenkurse gilt.
Kursinhalte & Lernziele
Das Modul ist klar in inhaltliche Blöcke gegliedert, die aufeinander aufbauen und gemeinsam das sprachunabhängige Fundament der Softwareentwicklung abdecken. Der erste Block führt in die Grundlagen von Programmen und Programmiersprachen ein. Bevor Algorithmen entworfen oder Strukturen gezeichnet werden, muss man verstehen, was ein Programm überhaupt ist und wie es entsteht.
- Was ist ein Programm? Unterschied zwischen Quellcode, Objektcode und ausführbarer Datei
- Überblick über Programmiersprachen: Maschinensprache, Assembler, höhere Programmiersprachen
- Kompilierter versus interpretierter Code: wie Compiler und Interpreter funktionieren
- Der Softwareentwicklungsprozess: Anforderung, Entwurf, Implementierung, Test, Wartung
- Einführung in Werkzeuge der Softwareentwicklung: Editoren, IDEs, Debugger, Versionskontrolle
Der zweite Block widmet sich der Problemanalyse und der grafischen Darstellung von Ablaufstrukturen. Bevor eine Zeile Code geschrieben wird, muss das Problem verstanden und der Lösungsweg visualisiert sein.
- Problemanalyse: Problemstellung verstehen, in Teilprobleme zerlegen, Lösungsschritte definieren
- Darstellung von Ablaufstrukturen nach DIN: Programmablaufplan (PAP) und Struktogramm
- Struktogramme (Nassi-Shneiderman-Diagramme): Aufbau, Symbole, praktische Erstellung
- Programmablaufpläne: Symbole, Konventionen, Erstellung einfacher Abläufe
- Vergleich beider Darstellungsformen: Einsatzbereiche und Vor- und Nachteile
Der dritte Block behandelt grundlegende Sprachelemente, die in allen gängigen Programmiersprachen vorkommen — die eigentliche Grammatik des Programmierens, unabhängig von der konkreten Syntax.
- Datentypen: Ganzzahlen, Gleitkommazahlen, Zeichen, Zeichenketten, Wahrheitswerte
- Variablen und Konstanten: Deklaration, Initialisierung, Gültigkeitsbereiche
- Operatoren: arithmetisch, logisch, vergleichend — und ihre Prioritäten
- Kontrollstrukturen: Sequenz, bedingte Verzweigung (if/else), Mehrfachverzweigung (switch)
- Schleifen: Zählschleife, bedingungsgesteuerte Schleifen (while, do-while) und ihre Anwendungsfälle
Der vierte Block führt in Prozeduren, Funktionen und Algorithmen ein — die Bausteine strukturierter und modularer Software.
- Prozeduren und Funktionen: Unterschied, Parameterübergabe, Rückgabewerte
- Modularisierung: warum Code in wiederverwendbare Einheiten zerlegt wird
- Einführung in klassische Algorithmen: Suchen, Sortieren, einfache Berechnungsalgorithmen
- Algorithmenanalyse: Korrektheit, Effizienz, Terminierung
- Übergang zur konkreten Sprache: wie die abstrakten Konzepte in Java, C# oder Python aussehen
Praxis-Übungen festigen alle Konzepte durch konkrete Aufgaben.
- Erstellung von fünf Programmablaufplänen für alltägliche Aufgaben (z. B. Loginvorgang, Temperaturberechnung)
- Überführung von PAPs in Struktogramme und umgekehrt
- Analyse von drei vorgegebenen Ablaufstrukturen auf Logikfehler
- Deklaration und Verwendung von Variablen verschiedener Datentypen in Pseudocode
- Erstellung von Verzweigungsstrukturen für praxisnahe Entscheidungsszenarien
- Implementierung von Schleifen für Aufgaben wie Summation, Suche und Filterung
- Zerlegung eines größeren Problems in Funktionen und Prozeduren mit Parameterdefinition
- Beschreibung und Darstellung eines einfachen Sortieralgorithmus in Pseudocode und Struktogramm
- Vergleich von zwei alternativen Algorithmen für dasselbe Problem anhand von Effizienz
- Erstellung eines vollständigen Struktogramms für ein kleines Anwendungsproblem (z. B. Taschenrechner-Logik)
- Analyse eines vorhandenen Pseudocode-Programms und Identifikation von Fehlern
- Diskussion der Frage, wann Interpreter und wann Compiler sinnvoll einzusetzen sind
Nach Abschluss des Moduls sind die Teilnehmenden konzeptionell und methodisch auf den Einstieg in eine konkrete Programmiersprache vorbereitet. Sie wissen, wie Programme gedacht werden — bevor sie geschrieben werden.
Lernziele:
- Die Teilnehmenden verstehen, was ein Computerprogramm ist, wie Programme aufgebaut sind und welche Rolle Programmiersprachen dabei spielen.
- Sie kennen die wichtigsten Grundlagen der Softwareentwicklung: Phasen des Entwicklungsprozesses, Anforderungsanalyse und Entwurf.
- Sie können Probleme strukturiert analysieren und in lösbare Teilschritte zerlegen (Problemanalyse).
- Sie sind in der Lage, Ablaufstrukturen grafisch darzustellen und kennen die Darstellungsformen nach DIN: Struktogramm (Nassi-Shneiderman) und Programmablaufplan.
- Sie kennen die wichtigsten Werkzeuge der Softwareentwicklung (Editoren, IDEs, Versionskontrolle, Debugger) und verstehen deren Funktion.
- Sie beherrschen grundlegende Sprachelemente, die in nahezu allen Programmiersprachen vorkommen: Variablen, Konstanten und Datentypen.
- Sie verstehen Kontrollstrukturen und können Ablaufsteuerung (Sequenz, Verzweigung, Schleife) erklären und anwenden.
- Sie kennen den Unterschied zwischen Prozeduren und Funktionen und verstehen das Prinzip der Modularisierung.
- Sie können einfache Algorithmen beschreiben, darstellen und analysieren.
- Sie verstehen den Unterschied zwischen Interpreter und Compiler und wissen, wie Quellcode in ausführbare Programme umgewandelt wird.
- Sie sind nach dem Modul auf den Einstieg in eine konkrete Programmiersprache gut vorbereitet und können die abstrakten Konzepte auf reale Syntaxstrukturen übertragen.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Modul richtet sich an alle, die Programmierer werden wollen, aber noch keine Kenntnisse in einer konkreten Programmiersprache mitbringen.
- Berufseinsteiger und Quereinsteiger, die eine Karriere in der Softwareentwicklung anstreben
- Personen, die einen Programmiersprachenkurs (Java, C++, C#, Python, JavaScript u. a.) besuchen wollen und sich theoretisch vorbereiten möchten
- IT-interessierte Fachkräfte aus anderen Bereichen, die die Grundlagen des Programmierens verstehen wollen
- Umschüler und Weiterbildungsteilnehmende im IT-Bereich, für die das Modul als Vorbereitung dient
- Jede Person, die die Denkweise der Softwareentwicklung erlernen möchte, bevor sie mit einer Sprache beginnt
Für die Teilnahme werden gute Deutschkenntnisse sowie Sicherheit im Umgang mit Windows vorausgesetzt — das bedeutet, sich in der Ordnerstruktur zurechtzufinden und mit Dateien arbeiten zu können. Programmierkenntnisse oder IT-Fachkenntnisse sind ausdrücklich keine Voraussetzung; das Modul setzt an einem Einsteigerniveau an. Mathematische Grundkenntnisse auf Schulniveau (Grundrechenarten, einfache Logik) sind hilfreich, aber kein formales Erfordernis.
Ablauf & Abschluss
Das Modul wird im Combined-Learning-Format durchgeführt, das heißt, Präsenz- und Onlinephasen wechseln einander ab. Theoretische Inputs werden durch praktische Übungsaufgaben ergänzt, bei denen Ablaufstrukturen gezeichnet, Algorithmen beschrieben und Pseudocode-Programme analysiert werden. Gruppenarbeiten und gemeinsame Lösungsbesprechungen fördern das Verständnis und helfen, typische Denkfehler frühzeitig zu korrigieren. Die Vollzeitdurchführung ermöglicht eine konzentrierte Auseinandersetzung mit den Konzepten. Da das Modul sprachunabhängig ist, müssen keine Entwicklungsumgebungen installiert oder konfiguriert werden — der Fokus liegt auf dem Denken, nicht auf der Syntax.
Das Modul dauert mehr als einen Monat und bis zu drei Monate und wird in Vollzeit absolviert. Diese Dauer ermöglicht eine gründliche Auseinandersetzung mit allen Konzepten sowie ausreichend Zeit für Wiederholungen und Vertiefungsübungen. Als Vorbereitungsmodul ist es so konzipiert, dass es nahtlos in einen anschließenden Programmiersprachenkurs überleitet.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieses Zertifikat bestätigt die Teilnahme und den Kompetenzerwerb im Bereich Grundlagen der Softwareentwicklung. Es handelt sich nicht um einen staatlich anerkannten Abschluss; das Dokument dient als Nachweis im Rahmen einer modularen Weiterbildung im IT-Bereich.
Nutzen & Perspektiven
Viele Menschen, die eine Programmiersprache lernen wollen, scheitern nicht an der Syntax — sie scheitern daran, dass sie nicht gelernt haben, wie man ein Problem in lösbare Schritte zerlegt. Genau hier setzt dieses Modul an: Es trainiert die Denkweise der Softwareentwicklung, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird. Wer die Konzepte einmal wirklich verstanden hat — Datentypen, Kontrollstrukturen, Algorithmen, Modularisierung — kann anschließend jede Programmiersprache deutlich schneller erlernen. Das ist kein theoretischer Luxus, sondern praktischer Nutzen: Entwickler, die ihre Programme zuerst strukturiert planen (Struktogramm, PAP) und dann implementieren, schreiben qualitativ besseren Code und machen weniger logische Fehler. Das Modul investiert in genau diese Kompetenz — und legt damit eine Grundlage, die nicht nur für den nächsten Kurs gilt, sondern für die gesamte berufliche Laufbahn in der Softwareentwicklung. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist das Modul über den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach individueller Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Vorkenntnisse in einer Programmiersprache?
Nein, das Modul setzt keinerlei Programmierkenntnisse voraus. Es richtet sich ausdrücklich an Personen ohne Vorerfahrung im Programmieren und dient als Vorbereitung auf einen anschließenden Programmiersprachenkurs.
Für welche Programmiersprachen bereitet das Modul vor?
Das Modul ist sprachunabhängig konzipiert und legt eine Grundlage, die für alle gängigen Sprachen gilt: Java, C++, C#, PHP, JavaScript, Python und andere. Die vermittelten Konzepte — Datentypen, Kontrollstrukturen, Algorithmen — sind in allen diesen Sprachen vorhanden.
Was sind Struktogramme und Programmablaufpläne?
Struktogramme (auch Nassi-Shneiderman-Diagramme) und Programmablaufpläne (PAP) sind standardisierte grafische Darstellungsformen für Programmlogik. Mit ihnen kann man einen Algorithmus oder einen Programmablauf visuell beschreiben, ohne eine konkrete Programmiersprache zu verwenden. Beide Formen sind nach DIN normiert.
Ist das Modul förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist das Modul in der Regel über den Bildungsgutschein förderbar. Daneben kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Bundeswehr-Berufsförderung oder Rehabilitationsleistungen in Betracht. Eine Beratung beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit klärt die individuelle Situation.
Muss ich eine Programmierumgebung installieren?
Nein. Da das Modul sprachunabhängig ist und Konzepte sowie Methoden vermittelt, werden keine Entwicklungsumgebungen (IDEs) oder Compiler installiert. Die Übungen werden mit Papier, Pseudocode und Diagramm-Tools durchgeführt.
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