Überblick
Die sachgerechte Bewertung von Immobilien ist eine Kernkompetenz, die in Zeiten dynamischer Immobilienmärkte mehr denn je gefragt ist. Fehler bei der Wertermittlung können erhebliche Haftungsrisiken nach sich ziehen und sowohl Auftraggeber als auch Sachverständige teuer zu stehen kommen. Diese Weiterbildung vermittelt das methodische, rechtliche und bautechnische Wissen, das für eine professionelle, marktgerechte und rechtssichere Immobilienbewertung erforderlich ist. Sie lernen, normierte und nicht-normierte Wertermittlungsverfahren anzuwenden, fachgerechte Gutachten zu erstellen und Ihren Auftraggebern gegenüber die Ergebnisse fundiert zu begründen. Der Kurs richtet sich an Menschen, die sich für eine Tätigkeit als Immobilienbewerter:in qualifizieren oder vorhandene Kenntnisse in diesem Bereich systematisch vertiefen möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Block legt die rechtliche, standesrechtliche und marktbezogene Grundlage für die Immobilienbewertung. Sie lernen, was einen Sachverständigen rechtlich ausmacht, welche Haftungsrisiken bestehen und wie sich der deutsche Immobilienmarkt strukturiert. Diese Grundlagen sind unverzichtbar, um die methodischen Inhalte des Kurses einordnen und anwenden zu können.
- Definition und Rolle eines Sachverständigen: rechtliche Stellung, Unabhängigkeit, Objektivität
- Arten von Sachverständigen: öffentlich bestellt und vereidigt, zertifiziert, freier Sachverständiger
- Standesrechtliche Regelungen, Werbung und Berufsethik für Sachverständige
- Aufgaben eines Schiedsgutachters und Abgrenzung zum regulären Gutachten
- Überblick über den deutschen Immobilienmarkt: Segmente, Marktteilnehmer, Preisentwicklungen
- Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht für Sachverständige: Haftungsrisiken und Sorgfaltspflichten
Im zweiten Block werden die vertraglichen und rechtlichen Grundlagen der Bewertungspraxis vertieft. Sie lernen, wie Gutachtenaufträge rechtssicher formuliert werden, was der Verkehrswertbegriff bedeutet und welche Rechtsquellen für die Immobilienbewertung maßgebend sind.
- Vertragliche Grundlagen: Werkvertrag, Honorarvereinbarung, Auftragsumfang
- Verkehrswertbegriff gemäß § 194 BauGB und Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV)
- Bestimmung des wahren Wertes einer Immobilie: Einfluss von Markt, Lage, Zustand, Nutzung
- Grundlagenrecherche: Grundbuchauszug, Flurkarte, Baulastenverzeichnis, Bebauungsplan, Altlastenkataster
- Unterlagenbeschaffung und Plausibilitätsprüfung vor der Bewertung
- Dokumentationspflichten und Nachweisführung im Gutachten
Der dritte Block widmet sich den normierten Wertermittlungsverfahren als Kerninhalt der Weiterbildung. Sie erlernen alle drei anerkannten Verfahren und verstehen, wann und wie sie situationsgerecht einzusetzen sind.
- Sachwertverfahren: Berechnung von Gebäudewert, Bodenwert, Außenanlagen, Alterswertminderung
- Vergleichswertverfahren: Auswahl und Anpassung von Vergleichspreisen, Bodenwertermittlung
- Ertragswertverfahren: Rohertrag, Bewirtschaftungskosten, Liegenschaftszinssatz, Vervielfältiger
- Grundsätze der Wertermittlung: Marktanpassung, Korrekturfaktoren, Besonderheiten
- Nicht-normierte Wertermittlungsverfahren: Residualwertmethode, Discounted Cashflow (DCF)
- Synthese der Verfahrensergebnisse zum Verkehrswert und Begründung der Gewichtung
Im vierten Block lernen Sie, wie Ortsbesichtigungen professionell vorbereitet und durchgeführt werden, und wie ein vollständiges Gutachten erstellt wird. Die Erstellung von Gutachten ist die zentrale Leistung eines Immobilienbewerters und erfordert sowohl bautechnisches als auch rechtliches und kommunikatives Geschick.
- Vorbereitung und Durchführung von Ortsterminen und Objektaufnahmen
- Bautechnische Mängel und Besonderheiten erkennen und dokumentieren
- Schätzung von Instandhaltungsrückstau und Modernisierungsbedarf
- Struktur und Aufbau eines rechtssicheren Gutachtens
- Sprache und Formulierung im Gutachten: Präzision, Verständlichkeit, Haftungsbewusstsein
- Erstellung von Gutachten für unterschiedliche Immobilientypen (Wohnimmobilien, Gewerbeobjekte)
Praxis-Block — Neben den Lehreinheiten wenden Sie die erlernten Methoden an realistischen Aufgaben an.
- Grundlagenrecherche für ein Mustergebäude: Grundbuchauszug, Bebauungsplan, Bodenrichtwerte
- Berechnung des Sachwerts für ein Einfamilienhaus mit vorgegebenen Grunddaten
- Anwendung des Vergleichswertverfahrens anhand einer Vergleichspreisliste
- Ertragswertberechnung für ein Mehrfamilienhaus mit vorgegebenen Mieterträgen
- Ortsbesichtigung und Mängelprotokoll für ein Beispielobjekt
- Auswahl und Begründung des geeigneten Bewertungsverfahrens für unterschiedliche Objekttypen
- Abwägung zwischen normierten und nicht-normierten Verfahren
- Entwurf eines vollständigen Gutachtens für ein Wohngebäude
- Korrekturcheckliste: typische Fehler in Gutachten erkennen und vermeiden
- Simulation eines Schiedsgutachter-Auftrags mit Meinungsverschiedenheit zwischen Parteien
- Berechnung von Haftungsrisiken bei einer fehlerhaften Wertermittlung
- Abschlussfallstudie: vollständige Bewertung einer Gewerbeimmobilie von der Recherche bis zum Gutachten
Fallstudien ermöglichen es, alle Kursbestandteile zu integrieren und die Verbindung zwischen Recherchearbeit, Bewertungsmethodik, bautechnischem Urteil und Gutachtenerstellung zu erleben. Abschließend erhalten Teilnehmende Empfehlungen zu weiterführenden Qualifizierungen, zum Beispiel im Hinblick auf öffentliche Bestellung und Vereidigung oder Spezialisierung auf bestimmte Immobilientypen.
Lernziele:
- Sie kennen die Definition und Rolle eines Sachverständigen im deutschen Rechts- und Wirtschaftssystem und können zwischen verschiedenen Arten von Sachverständigen unterscheiden.
- Sie verstehen die rechtlichen Grundlagen der Immobilienbewertung, insbesondere den Verkehrswertbegriff gemäß Baugesetzbuch und die relevanten Verordnungen (ImmoWertV).
- Sie kennen Ihre Haftungsrisiken als Bewerter:in und wissen, welche Sorgfaltspflichten bei der Gutachtenerstellung gelten.
- Sie führen Grundlagenrecherchen durch, beschaffen relevante Unterlagen (Grundbuchauszug, Baulastenverzeichnis, Bauakten) und bereiten Ortsbesichtigungen professionell vor.
- Sie wenden die normierten Wertermittlungsverfahren (Sachwertverfahren, Vergleichswertverfahren, Ertragswertverfahren) korrekt und situationsgerecht an.
- Sie kennen nicht-normierte Verfahren und wissen, in welchen Situationen diese ergänzend eingesetzt werden können.
- Sie berechnen den Verkehrswert einer Immobilie unter Berücksichtigung aller wertbeeinflussenden Faktoren.
- Sie führen Ortsbesichtigungen und Objektaufnahmen fachgerecht durch und dokumentieren Mängel und Besonderheiten korrekt.
- Sie erstellen vollständige, rechtssichere Gutachten, die den fachlichen und formalen Anforderungen genügen.
- Sie kennen die Grundzüge des straf- und ordnungswidrigkeitsrechtlichen Rahmens für Sachverständige und wissen, welche Fallstricke in der Praxis zu vermeiden sind.
- Sie verstehen den Immobilienmarkt in seinen wesentlichen Segmenten und können marktbezogene Einflüsse auf den Wert einer Immobilie einschätzen.
- Sie können als Schiedsgutachter agieren und wissen, welche besonderen Anforderungen diese Funktion mit sich bringt.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an eine breite Zielgruppe aus dem Immobiliensektor und verwandten Bereichen, die eine professionelle Qualifikation in der Immobilienbewertung erwerben möchte.
- Immobilienfachleute (Makler:innen, Verwalter:innen, Finanzierungsberater:innen), die ihre Kompetenzen um die Bewertungsmethodik erweitern möchten
- Quereinsteiger aus Bauwesen, Architektur, Finanzwesen oder Rechtsberufen, die eine neue berufliche Perspektive in der Immobilienbewertung suchen
- Berufs- und Quereinsteiger, die sich gezielt auf eine Tätigkeit als freie Sachverständige qualifizieren möchten
- Personen, die bereits als Gutachter tätig sind und ihre Methodik und Dokumentation systematisch verbessern wollen
- Fachkräfte aus Kreditinstituten oder Versicherungen, die Immobilienbewertungen fachkundig beurteilen müssen
Für die Teilnahme werden gute PC-Kenntnisse sowie solide Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch vorausgesetzt. Ein Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung wird erwartet. Berufserfahrung im Immobiliensektor oder in verwandten Bereichen wie Bauwesen, Architektur oder Finanzwesen ist von Vorteil. Grundkenntnisse im Immobilienbereich und ein Verständnis für Bewertungsgrundlagen sind hilfreich, aber nicht zwingend. Eine starke Motivation und ein ausgeprägtes Interesse an der Immobilienbewertung sind wichtige Voraussetzungen für den Lernerfolg.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet als Combined Learning statt und kombiniert Lehrvorträge, Fallstudienarbeit und eigenständige Berechnungsübungen. Die Durchführung in Vollzeit ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit allen Themenbereichen innerhalb von einem bis drei Monaten. Rechtliche, methodische und bautechnische Inhalte werden abwechselnd und in enger Verbindung miteinander vermittelt, um die Zusammenhänge in der Bewertungspraxis zu verdeutlichen. Gutachtenbeispiele aus der Praxis dienen als Analysematerial und Orientierung für eigene Entwürfe. Regelmäßige Berechnungsübungen sichern die Anwendungsfähigkeit der normierten Verfahren.
Die Weiterbildung umfasst einen Zeitraum von mehr als einem Monat bis zu drei Monaten in Vollzeit. Dieser Rahmen wird dem breiten inhaltlichen Spektrum von rechtlichen Grundlagen über drei Wertermittlungsverfahren bis hin zur vollständigen Gutachtenerstellung gerecht. Teilnehmende sollten einplanen, dass eigene Berechnungen und das Studium von Gutachtenbeispielen außerhalb der Kurszeiten weiteren Lernaufwand erfordern.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieses Dokument bestätigt die Teilnahme und die erworbenen Kompetenzen in der Immobilienbewertung. Es handelt sich um keine öffentliche Bestellung oder staatliche Anerkennung als Sachverständiger, sondern um einen Qualifizierungsnachweis, der bei der Bewerbung um Stellen im Immobiliensektor oder als Grundlage für weiterführende Sachverständigen-Zertifizierungen dienen kann.
Nutzen & Perspektiven
Der deutsche Immobilienmarkt ist trotz aller Marktbewegungen einer der größten und komplexesten in Europa. Die sachgerechte Bewertung von Immobilien ist in zahlreichen Situationen erforderlich: bei Kauf und Verkauf, bei Erbschaften, Scheidungen, Finanzierungen oder Erbauseinandersetzungen. Fachkräfte, die Immobilien professionell bewerten können, sind dauerhaft gefragt und können als selbstständige Sachverständige oder angestellt in Banken, Versicherungen, Immobilienunternehmen oder Gutachterbüros tätig sein. Besonders wertvoll ist die Verbindung aus rechtlichem Wissen, Bewertungsmethodik und bautechnischem Verständnis, die dieser Kurs bietet. In der Praxis scheitern viele Gutachten nicht an fehlenden Rechenkenntnissen, sondern daran, dass wichtige Einflussfaktoren übersehen oder rechtliche Anforderungen nicht eingehalten werden. Die Weiterbildung legt genau auf diese Gesamtperspektive besonderen Wert und bereitet Teilnehmende auf eine haftungssichere Praxis vor. Die Weiterbildung ist bei AZAV-zertifizierten Trägern in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach individueller Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege infrage.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Wertermittlungsverfahren werden im Kurs gelehrt?
Der Kurs vermittelt alle drei normierten Verfahren gemäß ImmoWertV: das Sachwertverfahren, das Vergleichswertverfahren und das Ertragswertverfahren. Ergänzend werden nicht-normierte Verfahren wie die Residualwertmethode und der Discounted Cashflow vorgestellt.
Bin ich nach dem Kurs öffentlich bestellt und vereidigt?
Nein. Die öffentliche Bestellung und Vereidigung als Sachverständiger ist ein separates, langwieriges Verfahren, das umfangreiche Berufserfahrung und zusätzliche Prüfungen voraussetzt. Dieser Kurs legt die fachliche Grundlage und kann als Ausgangspunkt für eine spätere Sachverständigen-Zertifizierung dienen.
Welche Unterlagen werden für eine Immobilienbewertung benötigt?
Für eine vollständige Bewertung werden unter anderem Grundbuchauszug, Flurkarte, Baulastenverzeichnis, Bebauungsplan und Altlastenkataster benötigt. Der Kurs vermittelt, wie diese Unterlagen beschafft, auf Plausibilität geprüft und im Gutachten korrekt ausgewertet werden.
Kann der Kurs über einen Bildungsgutschein finanziert werden?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung über einen Bildungsgutschein möglich. Außerdem kommen das Qualifizierungschancengesetz sowie Leistungen der Deutschen Rentenversicherung infrage. Sprechen Sie Ihren Kostenträger direkt an, um die passende Förderung zu klären.
Welche Haftungsrisiken bestehen bei der Immobilienbewertung?
Fehler in der Wertermittlung können zu erheblichen Schadensersatzforderungen führen, insbesondere wenn Gutachten für Kreditentscheidungen oder Erbauseinandersetzungen genutzt werden. Der Kurs behandelt explizit Haftungsrisiken und Sorgfaltspflichten, damit Teilnehmende von Beginn an haftungssicher arbeiten.
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