Überblick
Wenn Anwendungen, Datenflüsse und Infrastrukturen zu einem belastbaren Gesamtsystem zusammenwachsen sollen, braucht es mehr als technisches Know-how – es braucht Projektmanagement, das mit der Komplexität von Schnittstellen umgehen kann. Diese Weiterbildung verbindet methodische Steuerung (PRINCE2 und Scrum hybrid) mit technischen Grundlagen aus dem Azure-Umfeld und richtet sich ausdrücklich an Fachkräfte, die Integrationsprojekte planen, koordinieren und im Betrieb verantworten. Anhand durchgängiger Praxisbeispiele – von der API-Gateway-Einführung bis zum Incident-Management – wird der gesamte Lifecycle eines Integrationsprojekts greifbar gemacht.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul widmet sich der Architektur und den Integrationsszenarien. Bevor ein Integrationsprojekt starten kann, müssen die Beteiligten ein gemeinsames Verständnis davon entwickeln, welche Systeme wie miteinander verbunden werden sollen und welche Muster dabei belastbar sind. Ein Praxisbeispiel zeigt die Umstellung von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auf eine API-Gateway-Architektur mit standardisierten Schnittstellen und klaren Service Level Agreements.
- Überblick Integrationsszenarien: ERP-CRM, DWH-Anbindung, Legacy-Ablösung
- Integrationsmuster im Vergleich: REST-API, Webhooks, ETL, Event-Streaming (MQ)
- Architekturprinzipien: lose Kopplung, Observability, API-First
- Rollen und Verantwortlichkeiten im Integrationsprojekt
- Governance-Modelle für Schnittstellen und SLAs
- Praxisbeispiel: API-Gateway-Einführung und Standardisierung bestehender Integrationen
Das zweite Modul behandelt Projektplanung und Anforderungsmanagement. Integrationsanforderungen entstehen nicht im Vakuum, sondern aus Geschäftsprozessen heraus – und sie tragen oft verborgene technische Implikationen (Latenz, Durchsatz, Sicherheit). Dieses Modul zeigt, wie man Anforderungen systematisch ableitet, priorisiert und in einer Roadmap verbindlich macht. Das Praxisbeispiel verdeutlicht, wie ein ERP-Migrationsplan mit Parallelbetrieb, Datenübernahme und Fallback-Konzept aufgebaut wurde.
- Business Analysis und Requirements Engineering für Integrationsprojekte
- Funktionale vs. nichtfunktionale Anforderungen (Latenz, Durchsatz, Security)
- Backlog-Pflege und Priorisierung mit MoSCoW
- Release-Planung und Roadmapping für Integrationsvorhaben
- Datenqualitätsanforderungen und Mapping-Konzepte
- Praxisbeispiel: ERP-Migration mit Parallelbetrieb und Datenübernahme
Das dritte Modul konzentriert sich auf Methodik und Steuerung – also die hybride Projektführung. PRINCE2 liefert Governance, klare Phasengrenzen und einen Business-Case-Rahmen; Scrum sorgt für iterative Lieferung und schnelles Feedback. Wie beides in der Praxis eines Integrationsprojekts zusammenwirkt, zeigt ein Beispiel, in dem ein Integrationslayer in zweiwöchigen Sprints geliefert und über PRINCE2-Managementphasen gesteuert wurde.
- PRINCE2-Grundstruktur: Business Case, Phasen, Rollen und Stage-Gates
- Scrum-Rahmen: Rollen, Events und Artefakte in technischen Teams
- Hybride Governance: Sprint-Berichte in PRINCE2-Highlight-Reports überführen
- Steering-Committee-Kommunikation und Eskalationswege
- Risikomanagement in hybriden Integrationsprojekten
- Praxisbeispiel: Steuerung eines Integrationslayers über hybride Governance
Das vierte Modul befasst sich mit technischen Grundlagen – Azure, Netzwerke und Automatisierung. IT-Projektmanager für Integrationsprojekte müssen nicht tief coden, aber sie müssen Cloud-Ressourcen und Netzwerkkonzepte so weit durchdringen, dass sie Deployment-Entscheidungen bewerten und im Betriebskonzept verankern können. Das Praxisbeispiel zeigt die Einführung eines zentralen Monitoring-Stacks mit Alerting entlang der Integrationspfade.
- Azure-Administration: Identitäten, Ressourcenmodell, RBAC (AZ-104-Grundkonzepte)
- Azure-Netzwerk: Routing, VPN, ExpressRoute und Zero-Trust-Prinzipien (AZ-700-Grundkonzepte)
- Prozessautomatisierung mit Power Automate für wiederkehrende Integrationsschritte
- CI/CD-Konzepte im Kontext von Integrationsdeployments
- Monitoring-Architektur für integrierte Plattformen
- Praxisbeispiel: Aufbau eines Monitoring-Stacks mit Alerting und Eskalationslogik
Das fünfte Modul schließt mit Qualität, Sicherheit und Kommunikation. Integration ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Betrieb – und genau dort entscheidet sich, ob die Architektur wirklich trägt. Datenqualitätsprüfungen, Security-by-Design und strukturierte Incident-Prozesse sind keine Extras, sondern Kernbestandteile einer professionellen Integrationsstrategie. Das Praxisbeispiel zeigt, wie Incident-Runbooks und Postmortems die mittlere Wiederherstellungszeit (MTTR) messbar gesenkt haben.
- API-Contract-Testing: Vertragsbasierte Qualitätssicherung für Schnittstellen
- Resilience-Patterns: Circuit Breaker, Retry-Strategien und Rollback
- Security-by-Design in Integrationsprojekten: Zugriff, Verschlüsselung, Logging
- Canary-Releases und blaue/grüne Deployments für risikoarme Rollouts
- Incident-Runbooks erstellen und Notfallprozesse dokumentieren
- Stakeholder-Kommunikation in Krisensituationen und nach Incidents
- Praxisbeispiel: Incident-Runbooks und Postmortem-Prozesse zur MTTR-Reduktion
- Typische Kommunikationsfehler in Integrationsprojekten und wie man sie vermeidet
- Abschlussreview: vom Entwurf zur betrieblichen Integrationsarchitektur
- Risikoregister pflegen und in Projektberichten kommunizieren
- Verankerung von Qualitätsmetriken in Projektsteuerungs-Dashboards
- Lessons Learned und kontinuierliche Verbesserung im Integrationsbetrieb
Integrationsprojekte scheitern häufig nicht an der Technik, sondern an unklaren Verantwortlichkeiten, fehlender Dokumentation und mangelnder Stakeholder-Abstimmung. Die praktischen Übungen in diesem Abschnitt bereiten genau auf diese realen Projektsituationen vor: Wie kommuniziert man einen Deployment-Stopp ans Steering Committee? Wie dokumentiert man eine Schnittstellenänderung für alle betroffenen Teams? Wie entscheidet man, ob ein Rollback nötig ist? Am Ende dieses Moduls steht ein Gesamtbild: Teilnehmende kennen die gesamte Kette von der ersten Integrationsanforderung bis zum stabilen Betrieb und können diese Kette als Projektverantwortliche aktiv gestalten.
Lernziele:
Teilnehmende können typische Integrationsszenarien (ERP-CRM-DWH, Legacy-Migration, Event-Streaming) einordnen und passende Architekturen empfehlen. Sie kennen gängige Integrationsmuster wie REST-APIs, Webhooks und Messaging-Queues und können deren Einsatzbereiche begründen. Anforderungen aus Geschäftsprozessen werden systematisch erhoben, als funktionale und nichtfunktionale Anforderungen dokumentiert und für Backlogs aufbereitet. Der hybride Einsatz von PRINCE2-Stage-Gates und agilen Scrum-Iterationen wird für Integrationsprojekte situationsgerecht angepasst. Azure-Ressourcen und Netzwerkkomponenten werden aus Projektleiterperspektive verstanden und in Deployment-Planungen eingebettet. Monitoring-Konzepte für integrierte Plattformen lassen sich beschreiben und in Betriebskonzepte überführen. API-Contract-Testing und Canary-Release-Verfahren werden als Qualitätssicherungsmaßnahmen eingesetzt. Incident-Runbooks werden erstellt und Postmortem-Prozesse methodisch begleitet. Stakeholder-Kommunikation für technisch komplexe Integrationsvorhaben wird strukturiert und zielgruppenadäquat gestaltet. Rollback-Strategien und Notfallprozesse werden für kritische Integrationspfade geplant und dokumentiert. Typische Projektrisiken bei Legacy-Ablösung und Parallelbetrieb werden identifiziert und adressiert.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte mit technischem oder kaufmännischem Hintergrund, die Integrationsprojekte leiten oder steuern wollen – nicht primär an Entwickler, die Code schreiben.
- IT-Projektmanagerinnen und -manager, die in Schnittstellen- und Migrationsprojekte einsteigen
- Technical Project Manager und Solution Architect in spe
- Systemintegratoren mit Interesse an methodischer Projektsteuerung
- Business Analysts in IT-Projekten mit Integrationsschwerpunkt
- Fachkräfte aus IT-Administration oder Infrastruktur, die in Projektleitungsrollen wechseln
Teilnehmende sollten grundlegende IT-Kenntnisse mitbringen – etwa Verständnis von Netzwerken, Datenbankkonzepten oder API-Schnittstellen auf Anwendungsebene. Eine abgeschlossene Ausbildung oder einschlägige Berufserfahrung im IT-Umfeld ist sinnvoll. Methoden wie Scrum oder PRINCE2 müssen nicht bereits bekannt sein; der Kurs erarbeitet die relevanten Konzepte aus dem Integrations-Blickwinkel. Deutschkenntnisse in Wort und Schrift werden vorausgesetzt, da Dokumentation und Kommunikation im deutschen Berufsumfeld auf Deutsch erfolgen. Vorkenntnisse in Azure oder Power Automate sind hilfreich, aber keine Bedingung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist im Combined-Learning-Format angelegt: Betreute Lernphasen – ob Präsenz oder synchron online – wechseln sich mit eigenverantwortlichen Erarbeitungsphasen ab. Dabei wird durchgehend mit Praxisbeispielen gearbeitet, die einen vollständigen Integrationsprojekt-Lifecycle abbilden. Jeder thematische Block enthält eine Demonstrations- und eine Anwendungsphase, sodass Konzepte nicht nur gehört, sondern in simulierten Projektsituationen angewendet werden. Vollzeit- und Teilzeit-Durchführungen sind möglich.
Die Weiterbildung wird sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit angeboten. Vollzeitformate erlauben eine verdichtete Lernsequenz über mehrere Wochen; Teilzeitformate strecken den gleichen Inhalt über einen längeren Zeitraum. Der Umfang deckt alle fünf Themenblöcke vollständig ab. Konkrete Stundenzahlen und Kursdauer variieren je nach Anbieter und Durchführungsformat.
Nach erfolgreichem Kursabschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Lehrgangszertifikat. Dieses dokumentiert die vermittelten Kompetenzen im IT-Projektmanagement mit Integrationsschwerpunkt und kann Arbeitgebern als Qualifikationsnachweis vorgelegt werden. Der Kurs bereitet inhaltlich auf die Arbeit in hybriden Projektumgebungen vor, in denen PRINCE2- und Scrum-Konzepte angewendet werden. Wer eine formale PRINCE2-Foundation- oder Scrum-Zertifizierung anstrebt, müsste dafür separate, auf diese Prüfungen ausgerichtete Kurse absolvieren.
Nutzen & Perspektiven
Systemintegrationsprojekte zählen zu den technisch und organisatorisch anspruchsvollsten Vorhaben in der IT. Schnittstellen verbinden nicht nur Systeme, sondern auch Abteilungen, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeitsgrenzen. Wer gelernt hat, diese Komplexität methodisch zu durchdringen – mit einer klaren Anforderungsstruktur, einer angepassten Governance und einem fundierten Technikverständnis –, ist in einer Position, in der viele Projekte tatsächlich den Unterschied zwischen Erfolg und Kostenfalle machen. Die Kombination aus hybridem Projektmanagement und technischen Grundlagen ist auf dem deutschen IT-Arbeitsmarkt besonders gefragt. Fachkräfte, die weder rein methodisch noch rein technisch argumentieren, sondern beides verbinden können, werden in Transformationsprojekten, Merger-IT-Integrationen und Cloud-Migrationen als Brückenbauer eingesetzt. Diese Weiterbildung schafft genau diese Brücke. Wer nach diesem Kurs in ein Integrationsprojekt einsteigt, bringt nicht nur ein Methodenbuch im Kopf mit, sondern ein praxisbezogenes Bild davon, wie Integrationsarchitekturen entstehen, warum sie Qualitätssicherung und Incident-Prozesse brauchen und wie man als Projektverantwortlicher mit allen Beteiligten – von Entwicklern bis zum Steering Committee – auf Augenhöhe kommuniziert. Das ist eine Qualifikation, die in realen Projekten ab dem ersten Tag wirkt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich bereits PRINCE2 oder Scrum kennen?
Nein. Der Kurs erarbeitet beide Methoden aus dem Blickwinkel von Integrationsprojekten und setzt keine Vorkenntnisse voraus. Wer bereits Grundkenntnisse mitbringt, kann diese direkt auf den Integrations-Kontext anwenden.
Welche technischen Vorkenntnisse brauche ich?
Grundlegendes IT-Verständnis – etwa Kenntnisse über Netzwerke, Datenbanken oder Schnittstellen aus der Anwenderperspektive – ist hilfreich. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Kurs richtet sich an Projektverantwortliche, nicht an Entwickler.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Lehrgangszertifikat. Dieses dokumentiert die erworbenen Kompetenzen im IT-Projektmanagement mit Integrationsschwerpunkt gegenüber Arbeitgebern.
Für welche Projekte ist dieses Wissen relevant?
Die Inhalte sind besonders relevant für ERP-Migrationen, API-Plattform-Einführungen, Cloud-Transformationen und alle Vorhaben, bei denen Systeme miteinander verbunden oder abgelöst werden. Integrationsprojekte finden sich in nahezu allen Branchen.
Wird der Kurs in Vollzeit oder Teilzeit angeboten?
Beide Formate sind möglich. Vollzeit erlaubt eine kompakte Lernphase über mehrere Wochen; Teilzeit verteilt denselben Stoff über einen längeren Zeitraum und ist mit Berufstätigkeit vereinbar.
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