Überblick
Die Weiterbildung Java Objektorientierung vermittelt das zentrale Programmierparadigma, das Java von Grund auf prägt: die objektorientierte Programmierung (OOP). Java ist neben C++ und C# eine der meistgenutzten höheren Programmiersprachen weltweit und gilt als de-facto-Standard für plattformunabhängige Unternehmensanwendungen. Objektorientierung ist das tragende Konzept hinter jedem Java-Programm — wer es nicht versteht, kann keinen wartbaren, erweiterbaren Code schreiben. In diesem Kurs lernen die Teilnehmenden, wie Klassen und Objekte aufgebaut sind, wie Vererbung und Polymorphie für Wiederverwendbarkeit und Flexibilität sorgen, wie Interfaces Schnittstellen zwischen Komponenten definieren und wie Ausnahmebehandlung Programme robuster macht. Der Kurs richtet sich an Entwickler mit ersten Java-Grundkenntnissen, die nun systematisch in die objektorientierte Denkweise eingeführt werden wollen.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Themenblock behandelt die Klassendefinition und Objekte. Das Verständnis von Klassen als Bauplan und Objekten als konkreten Instanzen ist die Grundlage aller objektorientieren Programmierung. Ohne dieses Fundament lassen sich Vererbung und Polymorphie nicht sinnvoll einsetzen.
- Klassen in Java definieren: Felder, Methoden, Zugriffsmodifikatoren
- Objekte instanziieren und mit new erzeugen
- Konstruktoren schreiben: Standard-, Parameter- und Copy-Konstruktoren
- Überladung von Methoden und Konstruktoren nutzen
- Das Schlüsselwort this im Kontext von Konstruktoren und Methodenreferenzen
Der zweite Themenblock widmet sich Konstanten, statischen Komponenten und Kapselung. Objekte sollen nach außen nur das preisgeben, was andere benötigen — Kapselung schützt interne Zustände und macht Code robuster. Statische Elemente hingegen gehören zur Klasse selbst und nicht zu einzelnen Instanzen.
- Datenkapselung: private Felder, getter/setter-Pattern und JavaBeans-Konvention
- Konstanten mit final und static final definieren und einsetzen
- Statische Felder und Methoden verstehen und sinnvoll einsetzen
- Unterschied zwischen Klassen- und Instanzmethoden in realen Szenarien
Der dritte Themenblock umfasst Vererbung, Polymorphie und Interfaces. Vererbung erlaubt die Wiederverwendung und Erweiterung von Code; Polymorphie macht Programme generisch und erweiterbar; Interfaces definieren Verträge zwischen Komponenten. Diese drei Konzepte sind der Kern objektorientierter Architektur.
- Vererbung mit extends: Elternklasse und Kindklasse, Methoden überschreiben
- super-Schlüsselwort: Elternklassen-Konstruktoren und -Methoden aufrufen
- Polymorphie verstehen: Referenz-Typ vs. Objekt-Typ, dynamische Methodenbindung
- Typumwandlung (Upcast und Downcast) und instanceof-Prüfung
- Interfaces mit interface definieren und mit implements in Klassen nutzen
- Abstrakte Klassen: wann Interface, wann abstrakte Klasse?
Die nachstehenden Übungsaufgaben werden durchgehend an der eigenen Entwicklungsumgebung bearbeitet und vertiefen alle Konzepte aus den drei Themenblöcken.
- Eigene Klassenhierarchie für ein realistisches Szenario (z. B. Fahrzeuge, Tiere oder Produkte) modellieren
- Konstruktoren und Methodenüberladung in einer vollständigen Klasse implementieren
- Kapselung für eine Benutzerklasse mit Validierung in Settern umsetzen
- Statische Hilfsmethoden für eine Rechner-Klasse schreiben und testen
- Vererbungshierarchie mit mindestens drei Klassen implementieren
- Polymorphie nutzen, um eine Liste verschiedener Objekte einheitlich zu verarbeiten
- Typprüfung mit instanceof und sicheren Downcast demonstrieren
- Ein Interface für eine gemeinsame Schnittstelle mehrerer Klassen definieren
- Checked Exception mit try-catch-finally korrekt behandeln
- Eigene Exception-Klasse erstellen und mit throw in einer Methode auslösen
- Vollständige kleine Anwendung schreiben, die Klassen, Vererbung und Interfaces kombiniert
- Code-Review einer fehlerhaften Implementierung: Fehler identifizieren und korrigieren
Am Ende des Kurses bearbeiten die Teilnehmenden eine integrierte Abschlussaufgabe, in der alle Kernkonzepte des Kurses in einer zusammenhängenden Java-Anwendung umgesetzt werden. Diese Aufgabe kann als persönliches Code-Beispiel für Vorstellungsgespräche und Bewerbungsportfolios genutzt werden.
Lernziele:
Nach Abschluss dieses Kurses definieren und instanziieren Sie Java-Klassen korrekt und verstehen den Unterschied zwischen Klasse und Objekt auf konzeptioneller und praktischer Ebene. Sie schreiben Konstruktoren mit und ohne Parameter und initialisieren Objekte zuverlässig. Sie setzen Datenkapselung mit privaten Feldern und öffentlichen Getter- und Setter-Methoden konsequent um. Sie definieren Konstanten mit dem final-Schlüsselwort und kennen deren Verwendungszweck in der Praxis. Sie nutzen statische Felder und Methoden sinnvoll und verstehen den Unterschied zur instanzgebundenen Funktionalität. Sie implementieren Vererbungshierarchien mit extends und überschreiben Methoden mit @Override korrekt. Sie wenden Polymorphie an, um generischen Code zu schreiben, der mit verschiedenen Objekttypen umgehen kann. Sie unterscheiden Upcast und Downcast und prüfen Typen zur Laufzeit mit instanceof. Sie definieren Interfaces, implementieren sie in Klassen und verstehen den Unterschied zu abstrakten Klassen. Sie schreiben try-catch-finally-Blöcke und behandeln Checked und Unchecked Exceptions korrekt. Sie erstellen eigene Exception-Klassen und werfen Ausnahmen mit throw gezielt aus.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Entwicklerinnen und Entwickler, die erste Java-Grundkenntnisse mitbringen und nun objektorientiertes Denken und Programmieren systematisch erlernen wollen.
- Java-Einsteiger mit Grundkenntnissen in Syntax und einfachen Programmen
- Berufsumsteiger in die IT, die nach einem Java-Grundlagenkurs weitermachen
- Studenten und Auszubildende, die OOP-Konzepte praxisnah vertiefen wollen
- Personen, die sich für Java-Entwickler-Stellen vorbereiten
Für die Teilnahme werden grundlegende Kenntnisse der Java-Syntax vorausgesetzt, etwa aus einem Java-Grundlagenkurs oder eigenen ersten Programmierprojekten. Die Teilnehmenden sollten einfache Java-Programme schreiben, kompilieren und ausführen können. Gute Deutschkenntnisse und sicherer Umgang mit Windows sind notwendig; erste Erfahrungen mit einer Java-Entwicklungsumgebung wie Eclipse oder IntelliJ IDEA sind hilfreich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format in Vollzeit angeboten. Theoretische Konzepte werden zunächst erklärt und an Beispielen veranschaulicht, bevor die Teilnehmenden sie in eigenen Übungsaufgaben anwenden. Live-Coding-Sessions der Trainerinnen und Trainer machen Entwurfsentscheidungen nachvollziehbar und transparent. Regelmäßige Code-Reviews — sowohl durch den Trainer als auch durch Peers — entwickeln die Fähigkeit, Codequalität zu beurteilen. Fehler werden konstruktiv analysiert und als Lernchancen genutzt.
Der Kurs dauert mehr als eine Woche und bis zu einem Monat in Vollzeit. In dieser Zeit werden alle grundlegenden OOP-Konzepte mit Java systematisch erarbeitet und durch praktische Übungen gefestigt. Das Format erfordert aktives Üben auch außerhalb der Kurszeiten, was durch begleitende Übungsaufgaben unterstützt wird.
Nach Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Dieses Zertifikat dokumentiert den erfolgreichen Abschluss der OOP-Weiterbildung mit Java und dient als Nachweis gegenüber Arbeitgebern in der Softwareentwicklung. Es handelt sich um keinen staatlich anerkannten Abschluss; das Dokument wird aber von IT-Unternehmen als praxisrelevanter Qualifikationsnachweis anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Objektorientierung ist keine optionale Theorie — sie ist das grundlegende Entwurfsprinzip, auf dem Java-Anwendungen aufgebaut sind. Wer Klassen, Vererbung, Polymorphie und Interfaces wirklich versteht, kann nicht nur bestehenden Code lesen und erweitern, sondern auch eigene Anwendungen so strukturieren, dass sie wartbar, testbar und erweiterbar bleiben. Dieser Kurs legt das konzeptionelle Fundament, auf dem alle späteren Spezialkurse — etwa Java Spring Boot, JPA oder Microservices — aufbauen. Für Personen, die in die Java-Entwicklung einsteigen wollen, ist dieser Kurs ein unverzichtbarer Zwischenschritt zwischen dem ersten Programmieren-Lernen und der professionellen Backend-Entwicklung. Java-Entwickler ohne solides OOP-Verständnis stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn sie reale Projekte mit mehreren Klassen, Bibliotheken und Frameworks bearbeiten sollen. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Förderung über den Bildungsgutschein möglich. Das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr sowie Leistungen der Deutschen Rentenversicherung kommen ebenfalls als Förderquellen in Betracht. Für Jobcenter-Kunden und Arbeitsuchende ist dieser Kurs damit in vielen Fällen ohne nennenswerte Eigenkosten zugänglich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist objektorientierte Programmierung (OOP) und warum ist sie wichtig für Java?
OOP ist das zentrale Programmierparadigma in Java. Es beschreibt die Strukturierung von Code in Klassen und Objekte, die miteinander kommunizieren. Java ist von Grund auf objektorientiert aufgebaut — ohne OOP-Kenntnisse kann man keine professionellen Java-Anwendungen schreiben oder verstehen.
Welche Vorkenntnisse werden für diesen Kurs vorausgesetzt?
Sie sollten grundlegende Java-Syntax kennen — Variablen, Datentypen, Schleifen und einfache Methoden. Erste eigene Java-Programme sollten Sie bereits geschrieben haben. Ein Java-Grundlagenkurs vor diesem Aufbaukurs ist empfehlenswert.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs von einem Java-Grundlagenkurs?
Ein Grundlagenkurs behandelt Syntax und einfache Programmstrukturen. Dieser Kurs setzt danach an und behandelt ausschließlich objektorientierte Konzepte: Klassen, Vererbung, Polymorphie, Interfaces und Ausnahmebehandlung. Grundlegende Sprachelemente werden nicht wiederholt.
Kann ich diesen Kurs mit einem Bildungsgutschein finanzieren?
Ja, bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung über den Bildungsgutschein möglich. Auch Qualifizierungschancengesetz, Berufsförderung der Bundeswehr und Leistungen der Deutschen Rentenversicherung kommen in Betracht. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter.
Welche weiteren Kurse bauen auf diesem Kurs auf?
Nach diesem Kurs empfiehlt sich der Java Spring Boot Aufbaukurs, in dem Spring-Boot-Konfigurationen, Datenbankintegration mit JPA und Spring Security behandelt werden. Auch Kurse zu Microservices-Architekturen setzen solide OOP-Kenntnisse voraus.
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