Überblick
Dieser Kurs vermittelt Entwicklern mit Java-Grundkenntnissen die zentralen Konzepte der Java Enterprise Edition (Java EE) für die serverseitige Web-Programmierung. Im Mittelpunkt stehen JavaServer Pages (JSP), Server Applets (Servlets) und die JSP-Standard Tag Library (JSTL). Teilnehmer lernen, wie Webanwendungen auf einem Anwendungsserver strukturiert, entwickelt und mit Datenbankanbindungen versehen werden. Das Model-View-Controller-Muster (MVC) wird als architektonisches Grundprinzip für saubere, wartbare Webanwendungen eingeführt. Der Kurs richtet sich an Java-Entwickler, die ihre bestehenden objektorientierten Kenntnisse für den Einstieg in die Webentwicklung nutzen möchten, und gibt ihnen ein solides technisches Fundament für den Berufsalltag als Java-Backend-Entwickler/in.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Einführung in Java EE und Serverumgebungen: Java EE (heute Jakarta EE) ist der Standard für unternehmensweite Java-Webanwendungen. Teilnehmer lernen den Aufbau einer Java-EE-Anwendung kennen, verstehen die Rollen von Web-Container und Anwendungsserver und richten eine lokale Entwicklungsumgebung mit einem geeigneten Server (z. B. Apache Tomcat) ein.
- Überblick über die Java-EE-Architekturschichten (Präsentation, Logik, Persistenz)
- Unterschied zwischen Web-Container und vollständigem Anwendungsserver
- Einrichtung und Konfiguration von Apache Tomcat als Entwicklungsumgebung
- Struktur einer Web-Archiv-Datei (WAR)
- Deployment und Starten erster Anwendungen
- HTTP-Grundlagen: Request, Response, Header, Status-Codes
Modul 2 — Servlets: Servlets sind die grundlegende Java-Technologie für die Verarbeitung von HTTP-Anfragen auf dem Server. Teilnehmer implementieren eigene Servlets, verarbeiten GET- und POST-Parameter und lernen, wie der Servlet-Lebenszyklus funktioniert. Session-Management und Weiterleitung von Anfragen werden systematisch behandelt.
- Aufbau und Lebenszyklus eines Servlets (init, service, destroy)
- Verarbeitung von GET- und POST-Anfragen
- Request-Parameter auslesen und validieren
- Sessions und Cookies für zustandsbehaftete Kommunikation
- Weiterleitung mit RequestDispatcher und sendRedirect
- Servlet-Konfiguration via Annotationen und web.xml
Modul 3 — JSP, Expression Language und JSTL: JavaServer Pages erlauben die Einbettung von Java-Code in HTML-Templates und ermöglichen eine sauberere Trennung von Darstellung und Logik. Die Expression Language (EL) vereinfacht den Datenzugriff, während JSTL-Tags häufig benötigte Aufgaben wie Schleifen, Bedingungen und Formatierungen deklarativ abbilden.
- JSP-Grundstruktur und Direktiven
- Scriptlets, Expressions und Deklarationen
- Expression Language (EL) — Variablenzugriff, implizite Objekte
- JSTL Core-Tags (c:forEach, c:if, c:choose, c:out)
- JSTL Formatierungs-Tags für Zahlen und Datum
- Einsatz von Tag Libraries und Custom Tags
Modul 4 — Datenbankintegration und MVC: Webanwendungen benötigen persistente Datenspeicherung. Teilnehmer verbinden ihre Servlets und JSPs über JDBC mit einer relationalen Datenbank und erlernen dabei grundlegende SQL-Abfragen. Abschließend wird das MVC-Muster eingeführt, das als architektonische Leitlinie für wartbare Webanwendungen gilt.
- JDBC-Verbindungsaufbau und Treiber-Konfiguration
- SQL-SELECT, INSERT, UPDATE, DELETE aus Java heraus
- PreparedStatement zur Vermeidung von SQL-Injection
- Verarbeitung von ResultSets und Weitergabe an JSP
- MVC-Muster — Servlet als Controller, JSP als View, JavaBean als Model
- Entwurf eines einfachen CRUD-Beispielprojekts
Praxisblock — Entwicklung einer vollständigen Java-EE-Webanwendung: Im praktischen Teil des Kurses entwickeln Teilnehmer Schritt für Schritt eine lauffähige Webanwendung, die alle erlernten Konzepte integriert.
- Einrichtung des Entwicklungsprojekts in Eclipse oder IntelliJ IDEA
- Implementierung einer Registrierungs- und Login-Funktion
- Aufbau eines Servlet-Controllers für mehrere Anwendungsfälle
- Datenbankschema entwerfen und anlegen
- Datenzugriffsobjekte (DAO-Pattern) implementieren
- JSP-Seiten als Views für Listenansicht und Detailansicht erstellen
- EL und JSTL zur Darstellung dynamischer Inhalte einsetzen
- Session-basierte Benutzerverwaltung realisieren
- Formulareingaben serverseitig validieren und Fehler anzeigen
- Deployment der fertigen Anwendung auf dem lokalen Tomcat-Server
- Code-Review und Refactoring im MVC-Kontext
- Abschlusspräsentation und Auswertung des Projektergebnisses
Durch die iterative Projektarbeit sammeln Teilnehmer Erfahrung im gesamten Entwicklungszyklus einer Java-EE-Webanwendung. Das Ergebnis ist eine eigenständige, lauffähige Anwendung, die als persönliches Portfolio-Stück eingesetzt werden kann.
Lernziele:
- Architektur und Konzepte der Java Enterprise Edition (Java EE) erklären und einordnen
- HTTP-Anfragen und -Antworten mit Servlets verarbeiten und kontrollieren
- JavaServer Pages als serverseitige Template-Technologie einsetzen
- Expression Language (EL) für den Datenzugriff in JSP-Seiten nutzen
- JSP-Standard Tag Library (JSTL) zur Trennung von Logik und Darstellung verwenden
- Datenbankverbindungen über JDBC in Webapplikationen integrieren
- SQL-Abfragen aus Java heraus formulieren und Ergebnisse aufbereiten
- MVC-Architekturmuster in Java-EE-Webanwendungen implementieren
- Request-Dispatching und Session-Management handhaben
- Webkonfiguration via web.xml und Annotationen vornehmen
- Typische Sicherheits- und Fehlerbehandlungsszenarien in Webanwendungen erkennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Java-Entwickler, die bereits über solide Grundkenntnisse in der objektorientierten Programmierung mit Java verfügen und nun in die serverseitige Webentwicklung einsteigen möchten. Er eignet sich für Personen, die eine berufliche Umorientierung in Richtung Java-Backend-Entwicklung anstreben, sowie für erfahrene Java-Einsteiger, die ihren Technologie-Stack gezielt erweitern wollen.
- Java-Entwickler/innen mit OOP-Grundkenntnissen
- IT-Fachkräfte, die in die Java-EE-Webentwicklung wechseln möchten
- Junior-Entwickler/innen auf dem Weg zur Backend-Spezialisierung
- Quereinsteiger/innen mit abgeschlossener Java-Grundlagenausbildung
- Software-Entwickler/innen, die ihr Portfolio um serverseitige Webanwendungen erweitern wollen
Für die Teilnahme sind fundierte Kenntnisse in der objektorientierten Programmierung mit Java unabdingbar. Dazu zählen das Verständnis von Klassen, Objekten, Vererbung und Interfaces sowie Erfahrung mit grundlegenden Java-APIs. Gute Deutschkenntnisse und ein sicherer Umgang mit Windows — einschließlich Dateiverwaltung und Programminstallation — sind ebenfalls notwendig. Grundlegende HTML-Kenntnisse erleichtern den Einstieg in JSP-Templates erheblich und sollten vorhanden sein, bevor der Kurs beginnt.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung kombiniert Frontalunterricht mit praktischen Übungen im Combined-Learning-Format. Instruktoren erklären neue Konzepte anhand konkreter Codebeispiele und demonstrieren deren Anwendung direkt in der Entwicklungsumgebung. Anschließend bearbeiten Teilnehmer Aufgaben und Projekte selbstständig oder in kleinen Gruppen und erhalten gezieltes Feedback. Das Vollzeitformat gewährleistet einen intensiven Lernrhythmus, der den Stoff innerhalb weniger Wochen kompakt vermittelt.
Die Weiterbildung dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat im Vollzeitformat. Die tatsächliche Laufzeit variiert je nach Anbieter, liegt aber typischerweise bei zwei bis vier Wochen. Der kompakte Zeitplan erlaubt eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Java EE und stellt sicher, dass alle wesentlichen Themenblöcke in einem zusammenhängenden Lernbogen vermittelt werden.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmer ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Diese bestätigt die Kenntnisse in der serverseitigen Java-Webentwicklung mit Java EE, Servlets, JSP und JSTL. Ein offizieller Oracle- oder Jakarta-EE-Zertifizierungsabschluss ist mit dem Kurs selbst nicht verbunden; dieser Grundlagenkurs kann jedoch als Vorbereitung auf weiterführende Zertifizierungen dienen.
Nutzen & Perspektiven
Java ist seit Jahrzehnten eine der meistgefragten Programmiersprachen in der Unternehmens-IT, und die Nachfrage nach qualifizierten Java-Backend-Entwicklern ist konstant hoch. Mit den in diesem Kurs erworbenen Java-EE-Kenntnissen erweitern Teilnehmer ihr berufliches Profil gezielt und machen sich für Einsatzgebiete im Enterprise-Umfeld attraktiv. Zahlreiche mittelständische Unternehmen und Konzerne betreiben noch immer Systeme auf Basis von Servlets, JSP und JDBC — praktisches Wissen in diesen Technologien ist daher kurzfristig verwertbar. Das MVC-Muster, das in diesem Kurs eingeführt wird, ist in der modernen Softwareentwicklung allgegenwärtig und bereitet Teilnehmer auf das Verständnis neuerer Java-Webframeworks wie Spring MVC oder Jakarta Faces (JSF) vor. Wer die Grundprinzipien versteht, findet sich in modernen Frameworks deutlich schneller zurecht und kann Aufgaben in bestehenden Projekten eigenständig übernehmen. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist dieser Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte, die Berufsförderung (BFD) der Bundeswehr sowie Leistungen der Deutschen Rentenversicherung Bund kommen je nach individueller Situation als Förderinstrument in Betracht. Eine Beratung beim zuständigen Leistungsträger klärt den persönlichen Anspruch.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Java-Kenntnisse brauche ich vor dem Kurs?
Sie benötigen solide Kenntnisse in der objektorientierten Programmierung mit Java — also Klassen, Objekte, Vererbung, Interfaces und den Umgang mit grundlegenden Java-APIs. Reine Anfänger in Java sollten zunächst einen Java-Grundlagenkurs absolvieren, bevor sie mit diesem Kurs beginnen.
Was ist der Unterschied zwischen JSP und Servlets?
Servlets sind Java-Klassen, die HTTP-Anfragen entgegennehmen und verarbeiten. JSP (JavaServer Pages) sind HTML-Seiten, in die Java-Code eingebettet werden kann, um dynamische Inhalte zu erzeugen. Im MVC-Muster übernehmen Servlets die Controllerrolle, JSPs die Darstellung.
Wird Spring oder ein anderes Framework im Kurs behandelt?
Dieser Kurs konzentriert sich auf die Standards der Java Enterprise Edition (Servlets, JSP, JSTL) ohne ein übergeordnetes Framework. Das vermittelte MVC-Wissen ist direkt auf moderne Frameworks wie Spring MVC übertragbar und erleichtert deren Einstieg erheblich.
Kann der Kurs über einen Bildungsgutschein finanziert werden?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist eine Förderung über Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters in der Regel möglich. Auch das Qualifizierungschancengesetz kann für Beschäftigte greifen. Eine individuelle Beratung beim zuständigen Leistungsträger ist empfehlenswert.
Welche Entwicklungsumgebung wird im Kurs genutzt?
Überwiegend kommen Eclipse oder IntelliJ IDEA zum Einsatz, kombiniert mit Apache Tomcat als Webserver. Die konkrete Lernumgebung kann je nach Anbieter variieren; Informationen dazu erhalten Sie direkt beim gewählten Bildungsträger.
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