Überblick
Scrum ist heute in agilen Projekten weit verbreitet — aber wer als Berufseinsteiger:in in agile Teams einsteigt, muss mehr können als die Zeremonien auswendig kennen. Es geht darum, Backlogs zu strukturieren, Sprints sauber zu planen, Stakeholder einzubinden und die Arbeit mit digitalen Tools nachvollziehbar zu machen. Diese Weiterbildung vermittelt genau dieses Handwerkszeug — in einem Teilzeit-Lerntempo, das auch bei laufenden Verpflichtungen funktioniert. Das Curriculum deckt das Scrum-Framework von Grundlagen bis zu erweiterten Techniken ab, ergänzt durch eine Einführung in PRINCE2 7 und in die Tool-Arbeit mit Excel und MS Project. Der Abschluss ist ein trägerinternes Zertifikat — „Junior Scrum Experte m/w/d" ist kein offizieller Scrum.org-Titel. Für externe Zertifizierungen (PSM I, PRINCE2 7 Foundation) schafft das Programm eine solide inhaltliche Basis.
Kursinhalte & Lernziele
Agilität ist eine Haltung, bevor sie eine Methode ist. Das erste Modul gibt einen konzeptionellen Einstieg: Was unterscheidet agiles von klassischem Projektmanagement, und warum sind iterative Ansätze in bestimmten Projekten überlegen?
- Vier Werte und zwölf Prinzipien des Agilen Manifests mit Alltagsbezug
- Klassisches Wasserfallmodell: Stärken, Grenzen, typische Einsatzgebiete
- Agile Grundidee: frühe Lieferung, kontinuierliches Feedback, Anpassungsfähigkeit
- Überblick über verbreitete agile Ansätze (Scrum, Kanban, SAFe)
Das Scrum-Framework ist das Kernstück der Weiterbildung. Alle drei Rollen, alle Artefakte und alle Zeremonien werden so erklärt, dass die Teilnehmenden danach in der Lage sind, einen Sprint von Anfang bis Ende eigenständig zu begleiten.
- Product Owner: Backlog-Hoheit, Anforderungsklärung, Stakeholder-Kommunikation
- Scrum Master: Teamentwicklung, Impediment-Management, Zeremonienmoderation
- Entwicklungsteam: Selbstorganisation, Aufgabenteilung, gemeinsame Qualitätsverantwortung
- Product Backlog aufbauen: User Stories schreiben, Akzeptanzkriterien definieren, Items verfeinern
- Sprint Backlog: aus dem Product Backlog ableiten, Aufgaben herunterbrechen, Fortschritt tracken
- Sprint Planning: Sprintziel formulieren, Kapazität einschätzen, Tasks zuweisen
- Daily Scrum: fokussierter Austausch über Fortschritt und Hindernisse
- Sprint Review: Arbeitsfortschritt demonstrieren, Stakeholder-Feedback einholen
- Retrospektive: Teamdynamik analysieren, Verbesserungsmaßnahmen ableiten und verfolgen
Erweiterte Scrum-Techniken helfen dabei, mit wachsender Routine präziser zu schätzen und komplexere Backlog-Strukturen zu managen.
- Planning Poker: Fibonacci-Karten, Konsensregeln, Umgang mit Ausreißern
- T-Shirt Sizing für schnelle Grobschätzungen bei großen Backlogs
- MoSCoW: Prioritätsklassen definieren und im Team kalibrieren
- WSJF: Kosten der Verzögerung gegen Aufwand abwägen
- Kanban-Board: Spaltendesign, WIP-Limits, Durchlaufzeitmessung
- ScrumBan als Übergangsformat zwischen reinem Scrum und Kanban
PRINCE2 7 steht für eine klassisch-strukturierte Methode, die in vielen öffentlichen und internationalen Projekten eingesetzt wird. Das Modul gibt einen Überblick, der die Scrum-Kenntnisse sinnvoll ergänzt.
- Sieben Prinzipien von PRINCE2: kontinuierliche Projektrechtfertigung, definierte Rollen, Lernen aus Erfahrungen u. a.
- Sieben Themen: Business Case, Projektorganisation, Qualitätssteuerung, Pläne, Risiken, Änderungen, Fortschrittsüberwachung
- Prozesse: Projektvorbereitung, Initiierung, Phasensteuerung, Produktlieferung, Phasenübergang, Projektabschluss
- PRINCE2 Agile: flexible Verzahnung von PRINCE2-Strukturen mit agiler Liefermethodik
- Anpassung von PRINCE2 an unterschiedliche Projektgrößen
Die folgenden Übungen vertiefen alle Themenbereiche durch direkte Anwendung in realistischen Projektsituationen.
- Scrum-Board in Excel nachbauen: Spalten, Tickets, Sprint-Burndown-Diagramm
- MS Project nutzen: Ressourcenpläne anlegen, Meilensteine setzen, Fortschritt visualisieren
- Fallstudie Backlog-Aufbau: Von der Produktidee zu priorisierten User Stories
- Sprint-Simulation: Planning durchführen, Daily Standup moderieren, Review strukturieren
- Retrospektive: Bewertungsformate ausprobieren (Start/Stop/Continue, 4L-Retrospektive)
- Stakeholder-Gespräch simulieren: Anforderungen klären, im Backlog verankern
- Risikoregister nach PRINCE2-Vorlage anlegen und befüllen
- Hybrid-Szenario durcharbeiten: Scrum-Sprints innerhalb eines PRINCE2-Projektrahmens
- Skalierungskonzept skizzieren: Abhängigkeiten zwischen zwei Teams koordinieren
- Excel-Dashboard bauen: Velocity-Chart und Kapazitätsplanung für mehrere Sprints
- Peer-Review: Sprint-Planungsdokument eines anderen Teilnehmers beurteilen
- Verbesserungsmaßnahme aus einer Retrospektive in ein konkretes Backlog-Item überführen und tracken
Die Übungen orientieren sich an realen Arbeitssituationen und sind bewusst so gestaltet, dass sie sich auf ganz unterschiedliche Branchen übertragen lassen. Das Teilzeittempo gibt den Teilnehmenden zwischen den Einheiten mehr Raum, Inhalte zu verarbeiten und auf die eigene Situation anzuwenden.
Lernziele:
- Agiles Denken und die Prinzipien des Agilen Manifests auf konkrete Projektsituationen anwenden
- Den Unterschied zwischen sequenziell-plangetriebenem und iterativ-agilem Vorgehen erklären
- Scrum-Rollen (Product Owner, Scrum Master, Entwicklungsteam) und ihre jeweilige Verantwortung klar benennen
- Product Backlog und Sprint Backlog anlegen, befüllen und aktiv pflegen
- Alle Scrum-Events strukturiert durchführen — von Sprint Planning bis Retrospektive
- Agile Schätzmethoden (Planning Poker, T-Shirt Sizing) in Teamsituationen einsetzen
- Backlogs mit MoSCoW und WSJF strategisch priorisieren
- Kanban-Boards als visuelle Flusssteuerung verstehen und einrichten
- PRINCE2 7-Prinzipien, Themen und Kernprozesse in Grundzügen beschreiben
- Projektpläne und Sprintberichte mit Excel und MS Project erstellen
- Agile Praktiken in bestehende Organisationsstrukturen einbetten
- Erste Erfahrungen mit skalierten agilen Ansätzen sammeln
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die neben bestehenden Verpflichtungen eine methodische Grundlage im agilen Projektmanagement aufbauen möchten.
- Beschäftigte, die im Unternehmen in agile Prozesse eingebunden werden und strukturiertes Hintergrundwissen brauchen
- Berufswechsler:innen, die den Übertritt ins Projektmanagement mit einem Teilzeit-Lernrhythmus vereinbaren möchten
- Personen in Eltern- oder Pflegezeit, die ihre Qualifikationen gezielt erweitern
- Kaufmännische Fachkräfte, die agile Koordinationsaufgaben übernehmen wollen
- Quereinsteiger:innen aus Berufen mit Planungs- und Organisationsaufgaben
Grundkenntnisse in Office-Anwendungen — insbesondere Excel — sind hilfreich für die Praxisübungen. Kenntnisse im Projektmanagement sind keine Voraussetzung; die Weiterbildung beginnt mit den Grundlagen. Die Teilzeitstruktur erlaubt es, parallel in Teilzeit beschäftigt zu bleiben oder familienbedingte Verpflichtungen zu verbinden.
Ablauf & Abschluss
Das Combined-Learning-Format kombiniert angeleitete Online-Lernphasen mit strukturierten Präsenz- oder Videokonferenzterminen. Das Teilzeittempo gibt den Teilnehmenden zwischen den Lerneinheiten mehr Zeit, Inhalte zu verarbeiten und auf den eigenen Arbeitskontext zu übertragen. Fallstudien und Gruppenübungen sind so gestaltet, dass sie auch asynchron vorbereitet und dann synchron besprochen werden können. Der längere Rhythmus gegenüber der Vollzeitvariante erlaubt es, praktische Erfahrungen aus dem eigenen beruflichen Umfeld in den Unterricht einzubringen.
Die Weiterbildung erstreckt sich über mehr als einen bis maximal drei Monate, wobei die Teilzeitstruktur die tatsächliche Laufzeit im Vergleich zur Vollzeitvariante dehnt. Die inhaltliche Tiefe ist dieselbe wie im Vollzeitkurs; der Rhythmus ist gedehnter und damit besser auf berufsbegleitende Situationen oder andere laufende Verpflichtungen abgestimmt.
Die Weiterbildung schließt mit einem trägerinternen Zertifikat als Junior Scrum Experte m/w/d ab. Dieser Titel ist kein offizielles Scrum.org-Zertifikat — er dokumentiert den Abschluss dieses Weiterbildungsprogramms. Wer anschließend eine externe Zertifizierung anstrebt, hat hier die konzeptionelle Grundlage für Scrum-Foundation- oder PRINCE2-7-Foundation-Prüfungen gelegt.
Nutzen & Perspektiven
Das Teilzeitformat ist für viele Lernende der eigentliche Enabler: Wer eine Familie betreut, in Teilzeit beschäftigt ist oder beruflich gerade in einer Übergangsphase steckt, kann sich so qualifizieren, ohne alle anderen Lebensbereiche unterbrechen zu müssen. Der gedehnere Rhythmus hat zudem einen inhaltlichen Vorteil — zwischen den Lerneinheiten bleibt Zeit, das Gehörte zu verarbeiten, auf eigene Arbeitssituationen zu beziehen und Fragen konkreter zu formulieren. Die methodische Kombination aus Scrum und PRINCE2 gibt den Absolvent:innen eine Sprachfähigkeit in zwei unterschiedlichen Projektmanagement-Welten. Im Bewerbungsprozess ist das ein klarer Vorteil: Viele Unternehmen arbeiten nicht in reinen Scrum-Umgebungen, sondern mit Mischformen — und wer beide Denkweisen kennt, kann sich schneller in bestehende Strukturen einpassen. Mit den Praxisübungen in Excel und MS Project besitzen die Absolvent:innen außerdem eine unmittelbar einsetzbare Werkzeugkompetenz. Gerade in mittelständischen Unternehmen, die noch keine spezialisierten Projektmanagement-Tools wie Jira einsetzen, sind diese Programme die tatsächliche Arbeitsgrundlage — und wer sie agil nutzen kann, hebt sich von anderen Bewerber:innen ab.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diese Variante von der Vollzeit-Version?
Inhaltlich sind beide Kurse identisch — gleiches Curriculum, gleiche Themenbereiche. Der entscheidende Unterschied ist das Format: Diese m/w/d-Variante ist für Teilzeit ausgelegt und richtet sich an Personen, die neben Familie, Beruf oder anderen Verpflichtungen lernen. Der gedehnere Rhythmus gibt mehr Zeit zur Verarbeitung und ermöglicht einen parallelen Alltag.
Ist „Junior Scrum Experte m/w/d" ein offizielles Zertifikat?
Nein. Es handelt sich um einen trägerinternen Programmtitel. Offizielle Scrum.org-Zertifizierungen lauten PSM I/II oder PSPO I/II. Der Kurs schafft inhaltliche Grundlagen für diese Prüfungen, stellt aber selbst ein trägerinternes Abschlusszertifikat aus.
Kann ich den Kurs wirklich neben einem Teilzeitjob absolvieren?
Ja, das ist ausdrücklich das Ziel des Teilzeitformats. Lernphasen und Präsenz- bzw. Online-Termine sind so gestaltet, dass sie mit einer Teilzeitbeschäftigung kombinierbar sind. Genaue Wochenstunden variieren je nach Anbieter; bei Interesse lohnt sich eine direkte Nachfrage beim jeweiligen Träger.
Welche Tools werden im Kurs genutzt?
Excel und MS Project sind feste Bestandteile der Praxisübungen. In Excel werden Scrum-Boards und Sprint-Burndown-Charts aufgebaut; MS Project wird für Ressourcenpläne und Fortschrittsvisualisierungen genutzt. Diese Tools sind bewusst gewählt, weil sie in vielen mittelständischen Unternehmen noch immer die primäre Projektmanagement-Infrastruktur bilden.
Welche externen Zertifizierungen bauen auf diesem Kurs auf?
Die Weiterbildung legt eine inhaltliche Grundlage für die Scrum-Foundation-Zertifizierung sowie für die PRINCE2-7-Foundation-Prüfung (Axelos/PeopleCert). Wer den Scrum-Master-Pfad einschlagen möchte, kann anschließend PSM I von Scrum.org ablegen. Diese externen Prüfungen sind optional und müssen separat angemeldet und abgelegt werden.
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