Überblick
Technische Redaktion und Medienkonzeption sind Berufsfelder, in denen Sprachgefühl, strukturelles Denken und gestalterische Kompetenz zusammenkommen. Wer Handbücher, Online-Hilfen, UX-Texte oder multimediale Medienprodukte konzipiert und gestaltet, muss Zielgruppen verstehen, Informationen logisch strukturieren und Inhalte für unterschiedliche Kanäle und Formate aufbereiten. Dieser Kurs vermittelt genau diese Kombination — von der Grundlage der Informationsarchitektur bis zu konkreten UX-Methoden und barrierefreier Gestaltung.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der Medienkonzeption ist der erste thematische Block. Gute Medienprodukte entstehen nicht zufällig — sie folgen einem durchdachten Konzept, das Zielgruppe, Inhalt, Format und Kanal aufeinander abstimmt. Dieser Block legt das konzeptuelle Fundament: Was ist ein Medienkonzept, wie entsteht es, und welche Werkzeuge helfen dabei?
- Was ist ein Medienkonzept? Ziele, Zielgruppen, Kanäle und Formate definieren
- Zielgruppenanalyse: Personas entwickeln und nutzen
- Content-Strategie: Was soll wann wo erscheinen?
- Redaktionelle Planung: Themenfindung, Strukturierung, Zeitplanung
- Medienformate im Vergleich: Print, Web, Video, App, E-Learning
- Briefing und Konzeptpräsentation: Ideen überzeugend kommunizieren
Informationsarchitektur und technische Redaktion ist der zweite Block. Technische Redakteure strukturieren Wissen so, dass Nutzerinnen und Nutzer schnell das finden, was sie brauchen. Gute Informationsarchitektur ist unsichtbar — sie fällt nur auf, wenn sie fehlt. Dieser Block zeigt, wie man Inhalte sinnvoll gliedert, beschriftet und vernetzt.
- Informationsmodelle: Hierarchien, Sequenzen, Netzwerke
- Topic-basiertes Schreiben: Konzepte, Aufgaben, Referenzen trennen
- Navigationsstrukturen für Online-Hilfen und Dokumentationsportale
- Metadaten und Taxonomien: Inhalte auffindbar machen
- Versionierung und Pflege technischer Dokumente
- XML-basierte Dokumentation: Grundlagen DITA und strukturiertes Schreiben
Typografie und visuelle Gestaltung ist der dritte inhaltliche Schwerpunkt. Technische Dokumente müssen nicht trocken aussehen — und schlechte Typografie verschlechtert die Lesbarkeit erheblich. Dieser Block führt in die Grundprinzipien typografischer Gestaltung ein und zeigt, wie sie auf redaktionelle Medienprodukte angewendet werden.
- Typografische Grundregeln: Schriftauswahl, Zeilenabstand, Satzbreite
- Hierarchien mit Schrift aufbauen: Überschriften, Fließtext, Marginalien
- Layoutraster für Print-Dokumentationen und Online-Medien
- Farbe als Informationsträger: Sinnvoll einsetzen, nicht dekorieren
- Infografiken und Diagramme: Wann und wie sie Texte sinnvoll ergänzen
- Gestaltungsstandards in der technischen Dokumentation
UX-Methoden und barrierefreie Gestaltung bilden den vierten Block. Technische Redakteure, die digitale Medienprodukte gestalten, bewegen sich zunehmend im UX-Umfeld. Sie müssen verstehen, wie Nutzerinnen und Nutzer mit Produkten interagieren, und sicherstellen, dass niemand ausgeschlossen wird.
- UX-Grundbegriffe: Usability, Accessibility, User Experience
- Usability-Tests durchführen und auswerten
- User Journeys und Szenarien für technische Produkte entwickeln
- WCAG 2.1-Richtlinien: Barrierefreiheit in der Praxis
- Prototyping-Tools: Wireframes und klickbare Prototypen erstellen
- Barrierefreie PDFs und Online-Hilfen: Technische Anforderungen
Im Praxisteil des Kurses entstehen vollständige Medienprojekte.
- Medienkonzept für eine fiktive Produktdokumentation entwickeln
- Informationsarchitektur für ein Online-Hilfe-System entwerfen
- Persona und User Journey für eine technische Zielgruppe erstellen
- Typografisches Layout für ein zwölfseitiges Handbuch gestalten
- Barrierefreiheits-Audit eines bestehenden Web-Dokuments durchführen
- Prototyp einer interaktiven Hilfefunktion erstellen
- Technischen Text zielgruppengerecht umformulieren
- Inhaltsstruktur für eine App-Dokumentation entwickeln
- Präsentation eines Medienkonzepts vor der Gruppe
- Peer-Feedback zu einem fremden Konzept formulieren
Nach dem Praxisteil stehen die Präsentation der eigenen Projekte und die gegenseitige Bewertung im Mittelpunkt. Das schult den kritischen Blick für Medienkonzepte — eine Kompetenz, die im Berufsalltag von technischen Redakteuren täglich gefragt ist, wenn man Konzepte von Kolleginnen und Auftraggebern bewerten muss.
Lernziele:
- Informationsarchitektur für komplexe Dokumentationen und Medienprodukte entwickeln
- Typografische Regeln für Print und Web anwenden und begründen
- Medienkonzepte für unterschiedliche Zielgruppen und Kanäle erarbeiten
- UX-Methoden wie Personas, User Journeys und Usability-Tests anwenden
- Prototypen für digitale Medienprodukte erstellen und testen
- Barrierefreie Gestaltung nach WCAG-Richtlinien umsetzen
- Technische Dokumentationen strukturieren und verständlich schreiben
- Redaktionelle Qualitätsstandards für unterschiedliche Medienformate einhalten
- Content für Web, App und Print aus einem Quellsystem heraus aufbereiten
- Zielgruppengerechte Sprache in technischen Kontexten anwenden
- Grundprinzipien des Single-Source-Publishing und der Content-Strukturierung verstehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit redaktioneller Grundkompetenz oder technischem Interesse, die in der Medienkonzeption und technischen Redaktion Fuß fassen möchten.
- Personen mit abgeschlossenem Studium oder Ausbildung und erster redaktioneller Erfahrung
- Quereinsteiger aus technischen oder kommunikationsbezogenen Berufen
- Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher mit Sprachkompetenz und Strukturverständnis
- Berufstätige, die aus dem klassischen Journalismus in technische Redaktion wechseln möchten
- Personen mit Interesse am Schreiben, die technische Themen strukturieren und aufbereiten wollen
Vorausgesetzt werden ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie erste redaktionelle Erfahrung — eigene Texte für Web, Print oder interne Medien zählen ebenso wie Erfahrungen aus Praktika oder Nebentätigkeiten. Der Kurs ist auch für Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher sowie Quereinsteiger mit entsprechendem Grundinteresse geeignet. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich, technisches Grundverständnis ist hilfreich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet theoretische Einführungen mit praxisnahen Gestaltungs- und Schreibaufgaben. Konzeptübungen, Peer-Reviews und die Arbeit an einem durchgängigen Medienprojekt sind zentrale Lernformate. Feedback-Runden machen die eigenen blinden Flecken sichtbar und schulen gleichzeitig die Fähigkeit, konstruktive Kritik zu geben — beides unverzichtbar für den Berufsalltag.
Der genaue zeitliche Umfang hängt vom gewählten Angebot ab. Zwei Anbieter bieten den Kurs mit je 63 verfügbaren Terminen an, was eine flexible Planung ermöglicht. Teilnehmende sollten neben den Unterrichtseinheiten Zeit für eigenständige Projektarbeit einplanen, da die Konzeption und Gestaltung eigener Medienprodukte Erfahrung und Iteration braucht.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die Inhalte, Schwerpunkte und Umfang der Weiterbildung dokumentiert. Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes Zertifikat, ist jedoch als Nachweis gegenüber potenziellen Arbeitgebern gut geeignet. Technische Redaktion ist kein geschützter Berufsname — was zählt, sind konkrete Portfolio-Beispiele, die eigene Kompetenz zeigen.
Nutzen & Perspektiven
Technische Redakteure und Medienkonzeptioner sind in vielen Branchen gefragt — in der Softwareentwicklung, im Maschinenbau, in der Medizintechnik, in der Unternehmenskommunikation und überall dort, wo komplexe Themen verständlich gemacht werden müssen. Die Kombination aus Schreibkompetenz, Strukturverständnis und Gestaltungswissen macht dieses Berufsbild zu einem der vielseitigsten im Medienbereich. UX-Kompetenz und Barrierefreiheit sind dabei keine Extras, sondern zunehmend rechtliche Anforderungen: Die European Accessibility Act-Richtlinie verpflichtet Unternehmen, digitale Produkte barrierefrei zu gestalten — Fachkräfte, die das können, werden überall gebraucht. Wer Medienprodukte nicht nur hübsch, sondern auch nutzbar für alle Menschen macht, liefert echten Mehrwert. Das im Kurs entwickelte Portfolio-Projekt dokumentiert die eigene Kompetenz auf eine Weise, die abstrakte Beschreibungen nicht können. Ein durchdachtes Medienkonzept, ein barrierefreier Prototyp oder eine gut strukturierte technische Dokumentation sagen mehr über die eigene Eignung als ein Zeugnis allein — und sind in Bewerbungsgesprächen für technische Redaktionsstellen oft das entscheidende Gesprächsstück.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist technische Redaktion?
Technische Redakteure erstellen und gestalten Dokumentationen, Handbücher, Online-Hilfen und multimediale Medienprodukte für technische Produkte und Dienstleistungen. Sie strukturieren komplexe Inhalte zielgruppengerecht und bereiten sie für unterschiedliche Formate auf — von gedruckten Handbüchern bis zu interaktiven App-Hilfen.
Welche Vorkenntnisse brauche ich?
Vorausgesetzt werden ein Studien- oder Ausbildungsabschluss sowie erste redaktionelle Erfahrung — das können eigene Texte für Web, Print oder interne Medien sein. Der Kurs ist auch für Quereinsteiger und Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher geeignet, wenn Schreibkompetenz und strukturelles Denken vorhanden sind.
Was ist Barrierefreiheit nach WCAG, und warum ist das relevant?
WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) sind internationale Standards für barrierefrei zugängliche digitale Inhalte. Der European Accessibility Act verpflichtet Unternehmen ab 2025 zunehmend, digitale Produkte barrierefrei zu gestalten. Technische Redakteure, die diese Anforderungen kennen und umsetzen können, werden in vielen Branchen besonders gesucht.
Welche Berufsfelder erschließt dieser Kurs?
Absolventinnen und Absolventen können in technischer Redaktion, UX Writing, Medienkonzeption, Unternehmenskommunikation und Dokumentation arbeiten. Einsatzbereiche finden sich in der Softwarebranche, im Maschinenbau, in der Medizintechnik und überall dort, wo komplexe Inhalte verständlich kommuniziert werden müssen.
Erhalte ich ein anerkanntes Zertifikat?
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die Inhalte und Umfang des Kurses dokumentiert. Technische Redaktion ist kein geschützter Berufsname, daher sind Portfolio-Beispiele aus dem Kurs oft wichtiger als ein formales Zertifikat — sie zeigen konkret, was man kann.
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