Überblick
Moderne technische Redaktion arbeitet nicht mehr mit Textverarbeitung und Ordnerstrukturen. Wer professionell dokumentiert, nutzt komponentenbasierte Content-Management-Systeme (CCMS), strukturiert Inhalte nach Industriestandards wie DITA und sorgt durch systematisches Terminologiemanagement dafür, dass Fachbegriffe konsistent und übersetzbar bleiben. Dieser Kurs vermittelt die Kernkompetenzen dieser modernen Redaktionsarbeit: von den technischen Grundlagen gängiger XML-basierter Redaktionssysteme über die Modularisierung von Inhalten bis hin zu Terminologiedatenbanken und Normen für technische Dokumentation. Er richtet sich an Personen, die in die technische Redaktion einsteigen oder ihre bestehende Praxis auf ein systematischeres, professionelleres Fundament stellen möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: XML-Grundlagen und Standards für technische Dokumentation XML ist die technologische Basis der meisten professionellen Redaktionssysteme. Dieses Modul legt das Verständnis für Struktur, Logik und Einsatz von XML in der Dokumentationsarbeit — auch für Personen ohne Programmierhintergrund.
- Was ist XML? Aufbau von Tags, Attributen, Elementen und Verschachtelung
- XML als Speicherformat: Trennung von Inhalt und Format
- DTD und XML-Schema: Validierungsregeln für Dokumentstrukturen
- Namespaces, XSLT-Grundlagen und die Verarbeitungskette von XML-Dateien
- Standards und Normen in der Technischen Kommunikation (DIN EN 82079, VDI 4500, tekom-Leitlinien)
- Einführung in HTML als vereinfachte Markup-Sprache im Vergleich zu XML
Modul 2: DITA und komponentenbasiertes Authoring DITA ist heute einer der meistgenutzten XML-Standards in der professionellen technischen Dokumentation, vor allem für modulare, wiederverwendbare Inhalte. Dieses Modul erklärt Konzept, Aufbau und praktische Anwendung.
- DITA-Architektur: Topic-Typen (Task, Concept, Reference, Glossary Entry)
- Maps und Bookmaps: Strukturierung von Inhalten oberhalb des Topic-Levels
- Content Reuse: Conref, Keyref und modulare Wiederverwendungsstrategien
- Conditional Processing: Profiling und Filterbedingungen für unterschiedliche Zielgruppen
- Metadaten und Klassifikation in DITA
- Ausgabeformate aus DITA: DITA Open Toolkit, PDF, WebHelp, HTML5
Modul 3: Terminologiemanagement und Konsistenz Konsistente Terminologie ist in der technischen Redaktion nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern auch eine Voraussetzung für effiziente Übersetzung und Lokalisierung. Dieses Modul führt in die Terminologiearbeit als eigenständige Disziplin ein.
- Grundlagen der Terminologie: Term, Begriff, Definition, Konzept
- Terminologiedatenbanken: Aufbau, Felder, Pflege und Abfrage
- Terminologiearbeit im Redaktionsprozess: Wann und wie Begriffe festgelegt werden
- Terminologieextraktion: manuell und mit Softwareunterstützung
- Normen für Terminologiearbeit (ISO 704, DIN 2342)
- Terminologie und maschinelle Übersetzung: warum konsistente Terminologie Übersetzungskosten senkt
Modul 4: Redaktionssysteme (CCMS) und Informationsfluss Dieser Abschnitt gibt einen strukturierten Überblick über gängige CCMS-Architekturen, den Redaktionsworkflow im System und die Integration der Dokumentation in breitere Content-Operations.
- Was ist ein CCMS? Unterschied zu CMS, DMS und Textverarbeitung
- Marktübersicht: gängige Redaktionssysteme (Überblick ohne Herstellerbindung)
- Informationsfluss im Redaktionssystem: Einpflegen, Versionieren, Freigeben, Publizieren
- Übersetzungsworkflow: Übergabe an Translation-Memory-Systeme (TMS)
- Single-Source-Publishing: ein Quellinhalt, viele Ausgabekanäle
- Reviewprozesse, Kommentarfunktionen und Genehmigungsworkflows
Praxisblock Die Vertiefungseinheiten stellen den Transfer der theoretischen Grundlagen in die Praxis sicher. Anhand typischer Redaktionsszenarien üben die Teilnehmenden den Umgang mit Strukturen, Terminologie und Systemlogik.
- Einfaches XML-Dokument von Hand strukturieren und validieren
- DITA-Topic im Task-Format schreiben und korrekte Elementhierarchie prüfen
- Terminologieeintrag für einen technischen Begriff vollständig ausfüllen (Benennung, Definition, Kontext, Quelle)
- Terminkonsistenz in einem vorgegebenen Dokument prüfen und Abweichungen markieren
- Modularen Inhalt mit Conref-Verweisen strukturieren
- Profiling-Bedingungen für zwei unterschiedliche Zielgruppen definieren und anwenden
- Metadaten für ein Topic-Set vergeben und nach Taxonomie einordnen
- Informationsarchitektur für eine kleine Bedienungsanleitung skizzieren
- Ausgabeformat-Entscheidung für ein gegebenes Zielpublikum begründen
- DITA-Map für eine dreigliedrige Anleitung aufbauen
- Glossarbegriff in einer Terminologiedatenbank anlegen und Querverweise setzen
- Vergleich zweier Dokumentversionen: Änderungsmanagement im CCMS nachvollziehen
Die Übungssequenzen orientieren sich an Aufgaben, die in der täglichen Arbeit technischer Redakteure tatsächlich anfallen. Sie trainieren nicht nur Werkzeugkompetenz, sondern strukturelles Denken — die wichtigste Fähigkeit in der modernen Dokumentationsarbeit. Der Praxisteil schließt mit einer integrativen Aufgabe, in der die Teilnehmenden ein kleines Dokumentationsprojekt von der Strukturplanung über die Terminologieprüfung bis zur Ausgabe gedanklich durchlaufen.
Lernziele:
- Den Unterschied zwischen klassischen Textverarbeitungssystemen und komponentenbasierten Redaktionssystemen (CCMS) erklären und begründen
- XML als semantisches Auszeichnungsformat für technische Dokumentation verstehen und anwenden
- Die Grundprinzipien der DITA-Architektur (Darwin Information Typing Architecture) kennen und einfache Topic-Typen unterscheiden
- Modulare Inhaltsstrukturen (Component-based Authoring) konzipieren und praktisch umsetzen
- Terminologiearbeit systematisch planen und Terminologiedatenbanken strukturieren
- Relevante Standards und Normen für technische Dokumentation (z. B. DIN EN 82079, tekom-Leitlinien) kennen
- Den Informationsfluss vom Rohdokument über das Redaktionssystem bis zur Ausgabe in verschiedene Formate (PDF, Web, App) nachvollziehen
- Metadaten und Taxonomien für die Inhaltsverwaltung einsetzen
- Übersetzungs- und Lokalisierungsprozesse in Redaktionssystemen verstehen
- Textqualität nach redaktionellen Standards beurteilen und verbessern
- Redaktionsworkflows und Versionsmanagement in CCMS-Umgebungen einordnen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die in die technische Redaktion oder das professionelle Content-Management einsteigen möchten — mit oder ohne redaktionelle Vorerfahrung.
- Personen mit abgeschlossenem Studium (Sprach-, Ingenieur-, Kommunikations- oder Informationswissenschaften) und Interesse an technischen Inhalten
- Personen mit abgeschlossener Ausbildung und erster redaktioneller Berufserfahrung
- Quereinsteiger und Studienabbrecher mit nachweislicher Schreiberfahrung und technischem Interesse
- Bestehende technische Redakteure, die ihre Systemkenntnisse aktualisieren oder auf DITA/CCMS erweitern möchten
- Content-Manager in technischen Unternehmen, die ihre Arbeit strukturierter und skalierbar gestalten wollen
Vorausgesetzt werden ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung — ergänzt um erste redaktionelle Erfahrung im beruflichen oder privaten Kontext. Auch Quereinsteiger und Studienabbrecher können teilnehmen, sofern sie schreiberische Kompetenz und technisches Grundinteresse mitbringen. Kenntnisse in XML oder DITA sind keine Voraussetzung und werden im Kurs von Grund auf aufgebaut. Gute deutsche Sprachkenntnisse sowie sichere PC-Nutzung werden erwartet.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet konzeptionelle Einführungen mit direkter praktischer Anwendung. Statt Theorie und Praxis zu trennen, wird neues Wissen unmittelbar am Beispiel verankert: Ein neues XML-Konzept wird sofort an einem Codebeispiel nachvollzogen, ein Terminologieprinzip direkt in einer Übungsdatenbank angewendet. Digitale Lernmaterialien, kommentierte Beispieldokumente und strukturierte Übungsaufgaben ermöglichen ein selbstgesteuertes, aber klar geführtes Lernen. Die Online-Struktur erlaubt es, Tempo und Reihenfolge der Bearbeitung individuell anzupassen.
Der Kurs wird als Online-Weiterbildung angeboten und kann parallel zu einer bestehenden Beschäftigung absolviert werden. Die Laufzeit variiert je nach Anbieter und eigenem Lerntempo, liegt aber typischerweise im Bereich von mehreren Wochen. Der Umfang ist so gestaltet, dass alle vier inhaltlichen Kernbereiche — XML, DITA, Terminologie und CCMS — ausreichend vertieft werden können.
Nach Abschluss aller Modulbestandteile erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers. Diese dokumentiert gegenüber Arbeitgebern die erworbenen Kenntnisse in XML-basierten Redaktionssystemen, DITA-Authoring und Terminologiemanagement. Eine externe Prüfung ist nicht Bestandteil des Kurses.
Nutzen & Perspektiven
Die technische Redaktion hat sich in den letzten Jahren erheblich professionalisiert. Wo früher Word-Dokumente und PDF-Exporte ausreichten, erwarten Unternehmen heute strukturierte Inhalte, die sich automatisiert in verschiedene Ausgabekanäle publizieren, maschinell übersetzen und zentral pflegen lassen. Wer diese Anforderungen versteht und mit den entsprechenden Systemen umgehen kann, ist in einem Berufsfeld beschäftigungsfähig, das durch Digitalisierung und internationalen Content-Bedarf weiter wächst. DITA und CCMS-Kompetenz sind in Stellenausschreibungen für technische Redakteure zunehmend gefragt — nicht als Bonus, sondern als Basiserwartung in vielen Unternehmen mit komplexen Produkten. Wer diese Grundlagen beherrscht, kann zügig in Teams einsteigen, die professionell dokumentieren, und spart die sonst nötige Anlernzeit am Arbeitsplatz. Terminologiemanagement ist darüber hinaus ein Kompetenzbereich, der in Kombination mit Sprachkenntnissen und Lokalisierungserfahrung besonders wertvolle Nischenqualifikationen schafft — in internationalisierten Unternehmen mit mehrsprachiger Dokumentation ist diese Kompetenz kaum zu überschätzen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich programmieren können, um den Kurs zu verstehen?
Nein. Der Kurs setzt keine Programmierkenntnisse voraus. XML und DITA werden von Grund auf eingeführt — als Strukturierungs- und Auszeichnungsformate, nicht als Programmiersprachen. Das Ziel ist das Verständnis und die Anwendung der Dokumentationslogik, nicht die Entwicklung von Software.
Was ist DITA und warum ist es wichtig?
DITA (Darwin Information Typing Architecture) ist ein XML-basierter Standard für modulare technische Dokumentation. Er erlaubt es, Inhalte in kleine, wiederverwendbare Einheiten (Topics) zu gliedern, die flexibel zu verschiedenen Ausgabedokumenten zusammengestellt werden können. DITA ist in der technischen Redaktion weit verbreitet — vor allem in Unternehmen mit komplexen Produkten und internationaler Dokumentation.
Was ist der Unterschied zwischen einem CCMS und einem normalen CMS?
Ein klassisches CMS (Content Management System) verwaltet ganze Seiten oder Dokumente. Ein CCMS (Component Content Management System) verwaltet einzelne Inhaltsbausteine (Komponenten), die wiederverwendet, kombiniert und in verschiedene Formate publiziert werden können. In der technischen Redaktion ermöglicht ein CCMS effizientes Single-Source-Publishing und reduziert Redundanzen erheblich.
Warum ist Terminologiemanagement in der technischen Redaktion so wichtig?
Inkonsistente Fachbegriffe führen zu Missverständnissen bei Nutzern, Fehlern in der Übersetzung und erhöhten Lokalisierungskosten. Wer Terminologie systematisch in einer Datenbank pflegt, sorgt für konsistente Texte, beschleunigt den Übersetzungsprozess und senkt Kosten — besonders in mehrsprachigen Unternehmen.
Für wen ist der Kurs geeignet — Einsteiger oder Fortgeschrittene?
Der Kurs richtet sich sowohl an Einsteiger in die technische Redaktion als auch an bestehende Fachkräfte, die ihr Systemwissen aktualisieren oder erstmals auf DITA und CCMS erweitern möchten. Vorausgesetzt werden redaktionelle Vorerfahrung und eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium; spezifische System- oder XML-Kenntnisse sind keine Bedingung.
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