Überblick
Technische Dokumentation ist weit mehr als das Aufschreiben von Bedienungsanleitungen. Sie ist rechtlich relevante Produktbegleitung, Kommunikationsschnittstelle zwischen Hersteller und Anwender und ein wesentlicher Bestandteil der Produktsicherheit. Diese Weiterbildung bereitet strukturiert und praxisnah auf die Tätigkeit als Technische Redakteurin bzw. Technischer Redakteur vor – und schließt mit der externen tekom-Zertifizierung auf dem Level Professional ab. Die tekom (Gesellschaft für technische Kommunikation) ist der weltweit größte Fachverband für Technische Kommunikation; ihr Professional-Zertifikat gilt in der Branche als anerkannter Kompetenznachweis.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Rechtliche und normative Grundlagen Technische Redakteure tragen Mitverantwortung für die rechtliche Konformität eines Produkts. Dieses Modul vermittelt, welche Produktsicherheitsgesetze, EU-Richtlinien und Normen die technische Dokumentation rahmen. Besonders behandelt werden die Instruktionspflicht des Herstellers, die Rechtsfolgen mangelhafter Anleitungen und das Urheber- sowie Nutzungsrecht an technischen Texten.
- Produktsicherheitsgesetz, CE-Kennzeichnung und EU-Maschinenrichtlinie
- Instruktionspflicht: Umfang, Grenzen und Haftungsrisiken
- Rechtsfolgen von Dokumentationsmängeln (Produkthaftung, Rückruf)
- Urheberrecht, Nutzungsrechte und Open-Content-Lizenzen
- Datenschutz und Daten-/IT-Sicherheit in der technischen Dokumentation
Modul 2 – Informationsdesign und Zielgruppenanalyse Gute technische Dokumentation beginnt mit dem Verstehen der Zielgruppe. Dieses Modul behandelt Methoden zur Zielgruppenanalyse, die Ableitung von Informationsbedarf und die Gestaltung verständlicher, konsistenter Informationsprodukte. Außerdem werden länderspezifische und kulturelle Anforderungen bei internationalen Anleitungen thematisiert.
- Zielgruppenanalyse: Persona-Methode, Nutzungsszenarien, Vorwissensbeschreibungen
- Informationsbedarf identifizieren und Gliederungskonzepte ableiten
- Lesbarkeit: Satzlänge, Aktiv/Passiv, Handlungsanweisungen vs. Beschreibungen
- Länderspezifische und rechtliche Anforderungen (USA, Japan, China)
- Layoutkonzept und typografische Grundprinzipien für technische Publikationen
Modul 3 – Strukturierung, Terminologie und Standardisierungsmethoden Konsistenz und Wiederverwendbarkeit sind Kernziele moderner technischer Redaktion. Dieses Modul führt in Strukturierungsansätze wie Funktionsdesign, PI-Klassifikation und DITA-ähnliche Topicarchitektur ein. Terminologiearbeit als Basis für Übersetzbarkeit und Konsistenz wird systematisch behandelt.
- Informationsarchitektur: Topic-basiertes Schreiben, Modularisierung
- Informationsstrukturierung 1+2: Standardisierung von Handlungsanweisungen und Beschreibungen
- Terminologieverwaltung: Glossar, Terminologiedatenbanken, Termextraktion
- Metadaten: Zugriff, Verfügbarkeit, Zuordnung und Retrieval
- Standardisierungsmethoden im Überblick: Funktionsdesign und PI-Klassen
Praxisblock – Dokumentations-Tools und Projektarbeit Die Arbeit mit branchtypischen Werkzeugen und das Verfassen vollständiger Dokumentationsprojekte stehen im Mittelpunkt dieses Blocks. Themen sind unter anderem
- Dokumenterstellung in MS Word: Formatvorlagen, Dokumentvorlagen, Absatz- und Zeichenstile
- XML-Grundkenntnisse: Struktur, Tags, Attribute und Validierung
- Content-Management-Systeme: Anforderungen, Systemtypen und Auswahlkriterien
- Cross-Media-Publishing: Single Source, Ausgabekanäle (PDF, Online-Hilfe, App)
- Redaktionssystem-Demonstration: Authoring-Umgebung und Workflowmanagement
- Sicherheits- und Warnhinweise nach ANSI Z535 und ISO 3864 formulieren und einfügen
- Vollständige Betriebsanleitung für ein technisches Gerät erstellen
- Peer-Review und redaktionelles Qualitätsmanagement
- Abschlussprojekt: vollständige Produktdokumentation von der Konzeption bis zur Ausgabe
- Dokumentationsprojekt planen und archivieren
- Korrekturlesen, Konsistenzprüfung und Terminologieabgleich
- Vorbereitung auf die tekom-Professional-Prüfung: Prüfungsstruktur und Kompetenzfelder kennenlernen
Lernziele:
Die Weiterbildung vermittelt und prüft folgende Kernkompetenzen
- Rechtliche Grundlagen der Technischen Dokumentation kennen und anwenden (CE-Kennzeichnung, Maschinenrichtlinie, Instruktionspflicht)
- Normative Anforderungen an Anleitungen einhalten (DIN EN 82079-1, ISO/IEC 82079-1)
- Zielgruppen analysieren und zielgruppengerechte Informationsprodukte konzipieren
- Informationsarchitektur und Informationsstrukturierung systematisch planen
- Terminologiearbeit nach Normen durchführen und Glossare aufbauen
- XML-basierte Strukturdokumentation und Redaktionssysteme einsetzen
- Standardisierungsmethoden wie Funktionsdesign und PI-Klassifikation anwenden
- Sicherheits- und Warnhinweise nach ANSI Z535 und ISO 3864 korrekt formulieren
- Technische Inhalte verständlich, präzise und normkonform in Deutsch verfassen
- Content-Management-Systeme und Cross-Media-Publishing-Workflows verstehen
- Projekte in der technischen Redaktion planen, steuern und dokumentieren
- Die tekom-Professional-Prüfung erfolgreich ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung ist für Personen geeignet, die eine fundierte, zertifizierte Qualifikation in der technischen Kommunikation anstreben – sei es als Einstieg in das Berufsbild oder als strukturierter Weg vom Quereinsteiger zur anerkannten Fachkraft.
- Absolventinnen und Absolventen technischer oder naturwissenschaftlicher Studiengänge
- Sprachlich affine Personen mit Ausbildungsabschluss, die in die technische Redaktion einsteigen möchten
- Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher mit erster redaktioneller oder technischer Erfahrung
- Quereinsteiger aus Berufsfeldern wie IT, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Übersetzung
- Fachkräfte, die ihre dokumentarischen Tätigkeiten durch ein offizielles Zertifikat untermauern möchten
Vorausgesetzt werden ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie erste Erfahrungen in einem redaktionellen, technischen oder sprachnahen Bereich. Ausgeprägte Sprachkompetenz in Deutsch und ein grundlegendes Interesse an der Beschreibung technischer Sachverhalte sind unerlässlich. Gute PC-Kenntnisse und Erfahrung mit Textverarbeitung (Word) werden erwartet; XML- oder Redaktionssystemvorkenntnisse sind von Vorteil, aber nicht Pflicht.
Ablauf & Abschluss
Theoretische Grundlagen werden durch praktische Dokumentationsprojekte direkt erlebbar gemacht. Teilnehmende erarbeiten im Laufe der Weiterbildung vollständige Anleitungen von der Zielgruppenanalyse über die Strukturkonzeption bis zur abschließenden Ausgabe. Digitale Lernmaterialien, Videosequenzen, interaktive Übungen und begleitende Foren unterstützen das selbstgesteuerte Lernen. Tutorinnen und Tutoren aus der Praxis stehen für Fachfragen zur Verfügung.
Die Weiterbildung ist auf eine Vollzeitdurchführung ausgelegt und umfasst mehrere Monate intensives Lernen. Genaue Angaben zu Unterrichtsstunden und Prüfungsterminen erhalten Interessierte beim gewählten Anbieter. Die externe tekom-Prüfung wird separat terminiert und kann nach dem Kursabschluss abgelegt werden.
Die Weiterbildung schließt mit einer externen Prüfung der tekom (Gesellschaft für technische Kommunikation e. V.) ab. Bei Bestehen erhalten Teilnehmende das anerkannte Zertifikat „Technische/-r Redakteur/-in (tekom)" auf dem Niveau Professional. Zusätzlich stellen die Anbieter ein trägerinternes Zertifikat aus. Das tekom-Professional-Zertifikat ist branchenweit anerkannt und dokumentiert gegenüber Arbeitgebern in Industrie, Maschinenbau, IT und Medizintechnik eine fundierte, normkonforme Dokumentationskompetenz.
Nutzen & Perspektiven
Das Berufsbild der Technischen Redakteurin und des Technischen Redakteurs ist in Deutschland dauerhaft gefragt: Maschinenbauunternehmen, Medizintechnikhersteller, Softwareunternehmen und Automobilzulieferer benötigen qualifizierte Fachkräfte, die technische Informationen rechtssicher und verständlich aufbereiten können. Mit dem tekom-Professional-Zertifikat weisen Absolventen nach, dass sie nicht nur schreiben können, sondern die rechtlichen, normativen und methodischen Grundlagen des Fachs beherrschen. Ein weiterer Vorzug dieser Weiterbildung liegt in der systematischen Methodenorientierung. Wer Strukturierungsansätze, Terminologieverwaltung und XML-gestützte Content-Management-Systeme beherrscht, kann in modernen Dokumentationsabteilungen unmittelbar produktiv mitarbeiten – und ist zugleich gerüstet für die zunehmende Automatisierung von Dokumentationsprozessen durch KI-gestützte Textsysteme. Auch Unternehmen, die Translation-Memory-Systeme und maschinengestützte Übersetzung einsetzen, profitieren von Redakteuren, die Texte von Anfang an terminologisch sauber und strukturiert anlegen. Nicht zuletzt öffnet das tekom-Zertifikat die Tür zur internationalen Fachgemeinschaft. Die tekom vernetzt Technische Redakteure europaweit, bietet Fachtagungen, Weiterbildungsveranstaltungen und eine Jobbörse speziell für Technische Kommunikation an. Dieses Netzwerk ist für den weiteren Karriereweg wertvoll und ermöglicht den Austausch mit erfahrenen Fachkolleginnen und Fachkollegen – von der Frage nach dem richtigen Redaktionssystem bis zur Diskussion neuer Normen und KI-gestützter Schreibhilfen, die das Berufsfeld gegenwärtig verändern. Mit dem Professional-Abschluss steht der Weg auch zu weiterführenden tekom-Zertifizierungsstufen offen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die tekom-Zertifizierung und warum ist sie wichtig?
Die tekom ist der weltweit größte Fachverband für Technische Kommunikation. Ihr Professional-Zertifikat belegt gegenüber Arbeitgebern, dass Fachkräfte die rechtlichen, normativen und methodischen Grundlagen der technischen Dokumentation beherrschen. Es gilt in Industrie, Maschinenbau, Medizintechnik und IT als anerkannter Qualifikationsnachweis.
Muss ich technisches Vorwissen haben, um an der Weiterbildung teilzunehmen?
Nein. Wichtiger als technisches Tiefenwissen ist die Fähigkeit, technische Sachverhalte verstehen und präzise in Sprache übersetzen zu wollen. Quereinsteiger aus Sprach-, Geistes- oder IT-Bereichen sind ebenso willkommen wie Fachkräfte mit technischer Ausbildung.
Wie läuft die tekom-Prüfung ab?
Die tekom-Professional-Prüfung ist eine externe Prüfung, die unabhängig vom Bildungsanbieter abgelegt wird. Details zu Prüfungsformat, Prüfungsorten und Anmeldefristen stellt die tekom direkt bereit. Der Kurs bereitet systematisch auf die Prüfungskompetenzen vor.
Welche Tools lerne ich im Kurs zu bedienen?
Im Kurs wird mit MS Word für die Dokumenterstellung gearbeitet; außerdem werden XML-Grundlagen, Content-Management-Systeme und Cross-Media-Publishing-Workflows behandelt. Konkrete Softwaretools hängen vom jeweiligen Anbieter ab.
Welche Berufsaussichten haben Absolventen mit tekom-Zertifikat?
Technische Redakteure sind in vielen Industriezweigen gesucht: Maschinenbau, Medizintechnik, Automotive und Softwarebranche schreiben die Stelle in Stellenanzeigen regelmäßig aus. Mit dem tekom-Professional-Zertifikat können Absolventen von Beginn an strukturierte Dokumentationsaufgaben übernehmen.
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