Überblick
Persona Development ist die Methode, mit der Produktteams aus verstreuten Beobachtungen über Nutzerinnen und Nutzer ein greifbares, arbeitsfähiges Modell bauen. Dieser Kurs vermittelt, wie aus Interviews, Verhaltensdaten und Marktbeobachtung belastbare Personas entstehen, die im Alltag eines Produktdesign-Teams tatsächlich benutzt werden – nicht als Hochglanz-Poster, sondern als Entscheidungsinstrument. Teilnehmende lernen den gesamten Weg: Forschung planen, Muster erkennen, Personas verdichten, im Team kommunizieren und über die Zeit aktuell halten.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen und Zweck von Personas Der Kurs beginnt mit der Frage, warum Personas in der Produktentwicklung überhaupt gebraucht werden und wann sie eher schaden als nutzen. Es geht um die Herkunft der Methode aus dem nutzerzentrierten Design und um die Abgrenzung zu verwandten Werkzeugen wie Zielgruppensegmenten oder Buyer-Profilen aus dem Marketing.
- Entstehung und Zweck von Personas im Produktdesign-Prozess
- Abgrenzung Persona vs. Marktsegment vs. Buyer-Persona
- Anatomie einer wirksamen Persona: Ziele, Kontext, Verhalten, Frustrationen
- Typische Fallstricke: Stereotypisierung, Erfindung ohne Datenbasis, „Karteileichen"-Personas
- Wann sich Persona-Arbeit lohnt und wann leichtere Formate ausreichen
- Einordnung von Personas im Zusammenspiel mit anderen UX-Artefakten
Modul 2 – Nutzerforschung als Datenbasis Eine Persona ist nur so gut wie die Forschung dahinter. Dieses Modul behandelt, wie man Forschung plant, die tatsächlich verwertbare Erkenntnisse für Personas liefert, statt oberflächlicher Meinungsabfragen.
- Auswahl geeigneter Forschungsmethoden je nach Fragestellung und Ressourcenlage
- Aufbau eines Interviewleitfadens mit Fokus auf Verhalten statt Meinungen
- Durchführung von Nutzerinterviews und kontextuellen Beobachtungen
- Umgang mit kleinen Stichproben und begrenztem Zeitbudget
- Einbindung quantitativer Daten wie Nutzungsstatistiken oder Supportanfragen
- Dokumentation und Strukturierung von Rohdaten für die spätere Auswertung
Modul 3 – Synthese und Persona-Erstellung Aus einem Berg an Notizen, Zitaten und Beobachtungen wird eine handhabbare Anzahl an Personas destilliert. Der Fokus liegt auf nachvollziehbaren, wiederholbaren Synthese-Schritten statt Bauchgefühl.
- Affinitätsdiagramme zur Musterbildung aus Forschungsdaten
- Clustering von Verhaltensweisen und Zielen zu Persona-Kandidaten
- Formulierung von Zielen, Aufgaben und Frustrationen je Persona
- Priorisierung: primäre, sekundäre und Negativ-Personas unterscheiden
- Erstellung eines konsistenten Persona-Formats für das eigene Team
- Validierung der entstandenen Personas gegen die ursprünglichen Rohdaten
Modul 4 – Kommunikation, Nutzung und Pflege Eine Persona, die niemand benutzt, war umsonst erstellt. Dieses Modul widmet sich der Verankerung im Produktalltag: wie Personas in Meetings ankommen, wie sie Entscheidungen tatsächlich beeinflussen und wie sie über Produktzyklen hinweg aktuell bleiben.
- Aufbereitung von Personas für unterschiedliche Zielgruppen im Unternehmen (Design, Produktmanagement, Entwicklung)
- Einsatz von Personas in Priorisierungs- und Roadmap-Diskussionen
- Verknüpfung von Personas mit User Journeys und Szenarien
- Nutzung von Personas bei konkreten Design-Entscheidungen und Usability-Prüfungen
- Aufbau eines Rhythmus zur Aktualisierung von Personas bei neuen Erkenntnissen
- Umgang mit widersprüchlichen Signalen zwischen bestehenden Personas und neuer Forschung
Praxisnahe Arbeit im Kurs Ein Großteil des Kurses findet an einem durchgängigen Fallbeispiel statt, an dem die Teilnehmenden von der ersten Forschungsfrage bis zur fertigen Persona arbeiten.
- Entwicklung einer Forschungsfrage für ein reales oder simuliertes Produktproblem
- Führen und Auswerten mehrerer Nutzerinterviews im Kursverlauf
- Aufbau eines Affinitätsdiagramms in Kleingruppen
- Formulierung von mindestens zwei vollständigen Personas mit Zielen und Frustrationen
- Peer-Feedback zu den erstellten Personas anhand eines Kriterienrasters
- Übertragung einer Persona in eine konkrete Produktentscheidung (z. B. Feature-Priorisierung)
- Aufbau eines Persona-Steckbriefs in einem wiederverwendbaren Format
- Übung zur Unterscheidung belegter Aussagen von Annahmen im eigenen Persona-Entwurf
- Erstellung einer kurzen User Journey auf Basis einer entwickelten Persona
- Präsentation der eigenen Persona vor der Gruppe inklusive Herleitung aus den Rohdaten
- Diskussion, wie die Persona in einem echten Sprint- oder Projektkontext eingesetzt würde
- abschließende Einordnung von Stärken und Schwächen des eigenen Forschungsvorgehens
Der Praxisteil ist bewusst so aufgebaut, dass die Teilnehmenden am Ende nicht nur die Theorie kennen, sondern ein eigenes, aus echten Interviews abgeleitetes Persona-Set mitnehmen, das sich auf eigene Projekte übertragen lässt. Die Arbeit in Kleingruppen sorgt dafür, dass unterschiedliche Forschungsansätze verglichen und diskutiert werden können.
Lernziele:
- den Unterschied zwischen einer datenbasierten Persona und einer reinen Annahme-Figur benennen und in eigenen Projekten anwenden
- ein Nutzerforschungsdesign entwerfen, das für die Persona-Entwicklung geeignete Daten liefert
- qualitative Interviews zu Nutzungsverhalten, Zielen und Frustrationen führen und auswerten
- quantitative Signale (z. B. Nutzungsstatistiken, Supportanfragen, Analytics) mit qualitativen Erkenntnissen verknüpfen
- aus rohem Forschungsmaterial über Affinitätsdiagramme und Clustering wiederkehrende Verhaltensmuster herausarbeiten
- eine Persona so verdichten, dass sie Ziele, Kontext, Frustrationen und Erfolgskriterien statt bloßer demografischer Merkmale abbildet
- den Unterschied zwischen Proto-Personas, qualitativen Personas und datengetriebenen Personas einordnen und situativ die passende Variante wählen
- Personas visuell und sprachlich so aufbereiten, dass sie in Meetings, Roadmap-Diskussionen und Design-Reviews tatsächlich verwendet werden
- Personas an konkrete Produktentscheidungen koppeln, etwa bei Priorisierung, Feature-Scoping oder Screen-Design
- ein Vorgehen zur Pflege und Aktualisierung von Personas etablieren, damit sie nicht veralten
- typische Fehlerquellen bei der Persona-Arbeit erkennen, etwa Stereotypisierung, zu kleine Stichproben oder Personas ohne Verhaltensbezug
- Personas in bestehende Design- und Produktprozesse wie Jobs-to-be-Done, User Journeys oder Story Mapping einbetten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit Interesse an UX- und Produktdesign, die Nutzerforschung und Persona-Arbeit von Grund auf oder strukturierter lernen möchten. Das Format eignet sich sowohl für den Einstieg in das Berufsfeld als auch für die Vertiefung vorhandener Design-Kenntnisse.
- Angehende und praktizierende Produktdesigner:innen
- UX-Designer:innen, die ihre Forschungsmethodik systematisieren möchten
- User Researcher, die Personas als Kommunikationswerkzeug für Teams schärfen wollen
- Quereinsteiger:innen mit digitalem Interesse, die sich Richtung UX/UI orientieren
- Berufsrückkehrer:innen und Studienabbrecher:innen mit Vorwissen in digitalen Tools
Für die Teilnahme werden Grundkenntnisse im Umgang mit digitalen Tools sowie Deutschkenntnisse auf mindestens B2-Niveau vorausgesetzt. Ein grundlegendes Interesse an UX/UI-Design ist hilfreich, da die Übungen direkt auf Design- und Forschungsfragestellungen aufbauen. Vorkenntnisse in konkreten Design-Tools sind nicht zwingend erforderlich, erleichtern aber den Einstieg in die praktischen Übungen. Erfahrung mit Interviews oder Nutzerforschung ist willkommen, aber keine Bedingung, da die Methodik im Kurs von Grund auf vermittelt wird.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet kurze fachliche Inputs mit überwiegend praktischer Arbeit an einem durchlaufenden Fallbeispiel. Statt isolierter Theoriekapitel wird jede Methode direkt angewendet: Interviews werden geführt statt nur besprochen, Affinitätsdiagramme entstehen in Kleingruppenarbeit, Personas werden geschrieben und im Plenum kritisch gegengelesen. Feedback-Schleifen zwischen den Teilnehmenden sind fester Bestandteil, damit unterschiedliche Herangehensweisen an dieselbe Forschungsfrage sichtbar werden.
Der Kurs ist als kompaktes Praxisformat konzipiert, das die gesamte Persona-Development-Methodik von der Forschungsplanung bis zur fertigen Persona abdeckt. Der zeitliche Umfang richtet sich nach dem jeweiligen Kurstermin; genaue Daten und Taktung sind der aktuellen Terminübersicht zu entnehmen. Der Aufbau in aufeinander folgenden Modulen erlaubt es, Forschung, Synthese und Anwendung nicht isoliert, sondern im Zusammenhang zu erlernen.
Die Teilnahme wird mit einer Bescheinigung des Kursanbieters mit dem Titel „Persona Development für Produktdesigner" bestätigt. Es handelt sich um eine kursinterne Bestätigung der Teilnahme und erarbeiteten Inhalte, nicht um einen staatlich anerkannten Abschluss oder eine externe Zertifizierungsprüfung.
Nutzen & Perspektiven
Persona Development ist eine der wenigen UX-Methoden, die sich direkt in den Produktalltag übersetzen lässt: Wer belastbare Personas bauen kann, bringt Nutzerperspektive in Priorisierungsgespräche, Feature-Diskussionen und Design-Reviews ein, die sonst leicht von internen Annahmen dominiert werden. Der Kurs vermittelt genau dieses Handwerk, statt bei der reinen Theorie stehenzubleiben. Für den Berufseinstieg in UX- und Produktdesign ist die Fähigkeit, Forschung in handhabbare Artefakte zu übersetzen, ein zentraler Baustein des Portfolios. Wer im Kurs ein eigenes, aus echten Interviews abgeleitetes Persona-Set erarbeitet hat, kann dieses Vorgehen in Bewerbungsgesprächen konkret belegen und auf reale Projekte übertragen. Für bereits im Beruf stehende Designer:innen und Researcher:innen liegt der Mehrwert vor allem in der Systematisierung: Viele Teams arbeiten mit veralteten oder aus der Luft gegriffenen Personas. Der Kurs liefert ein wiederholbares Vorgehen, mit dem sich bestehende Personas überprüfen, aktualisieren oder von Grund auf neu und belastbarer aufbauen lassen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Vorerfahrung in UX-Design, um teilzunehmen?
Nein, der Kurs setzt keine fertigen Design-Kenntnisse voraus. Grundkenntnisse digitaler Tools, Deutsch auf B2-Niveau und Interesse an UX/UI-Design reichen als Einstieg, da die Methodik von Grund auf vermittelt wird.
Arbeiten wir im Kurs an echten Interviews oder nur mit Fallbeispielen?
Der Kurs kombiniert ein durchgängiges Fallbeispiel mit eigenständig geführten Interviews. Teilnehmende führen und werten im Kursverlauf selbst Nutzerinterviews aus, statt nur vorgefertigte Daten zu analysieren.
Welchen Abschluss erhalte ich am Ende?
Sie erhalten eine Teilnahmebescheinigung des Kursanbieters mit dem Titel „Persona Development für Produktdesigner". Es handelt sich nicht um eine staatlich anerkannte Prüfung oder externe Zertifizierung.
Für welche Berufsrollen ist der Kurs besonders relevant?
Der Kurs richtet sich vor allem an Produktdesigner:innen, UX-Designer:innen und User Researcher, ist aber auch für Quereinsteiger:innen geeignet, die sich in Richtung nutzerzentriertes Produktdesign orientieren möchten.
Was unterscheidet die im Kurs vermittelten Personas von reinen Fantasiefiguren?
Der Kurs legt Wert darauf, dass jede Persona aus echten Forschungsdaten – Interviews, Beobachtungen, Nutzungsdaten – abgeleitet wird, statt auf Annahmen zu beruhen. Genau diese Herleitung ist zentraler Bestandteil der Übungen.
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