Überblick
Die Microsoft Power Platform hat einen neuen Berufstyp entstehen lassen: den Citizen Developer – eine Fachkraft, die tief in Geschäftsprozessen verwurzelt ist und gleichzeitig in der Lage ist, digitale Werkzeuge für sich und ihr Team zu bauen. Keine klassische Softwareentwicklung, kein Programmierstudium – aber ein gutes Verständnis davon, wie Daten fließen, welche Schritte automatisiert werden können und wie eine benutzerfreundliche Oberfläche aussieht. Dieser Kurs vermittelt genau diese Kompetenz, strukturiert über zwei Zertifizierungsstufen: PL-900 als Plattformüberblick und PL-100 als tiefergehende App-Maker-Qualifikation. Das Teams-Modul zeigt, wie entwickelte Apps direkt in den Arbeitsalltag integriert werden.
Kursinhalte & Lernziele
PL-900: Power Platform Fundamentals Bevor die eigentliche App-Entwicklung beginnt, verschafft das PL-900-Modul Orientierung im Power-Platform-Ökosystem. Wer die Beziehungen zwischen den Diensten versteht – was Power Apps kann, was Power Automate übernimmt, wozu Power BI dient –, trifft bessere Entscheidungen beim Lösungsdesign.
- Power Apps: Canvas Apps und Model-Driven Apps im Überblick
- Power Automate: Cloud-Flows, Desktop-Flows, Genehmigungsprozesse
- Power BI: Daten visualisieren und teilen
- Power Virtual Agents: Chatbots konfigurieren ohne Code
- Dataverse als zentrale Datenplattform der Power Platform
- Microsoft 365 und Azure als Hintergrundinfrastruktur
- Prüfungsvorbereitung und Examen PL-900
PL-100: App-Entwicklung mit Power Apps Das Kernmodul der Weiterbildung behandelt die praktische App-Entwicklung auf zwei Wegen: Canvas Apps für freie, screen-basierte Gestaltung und Model-Driven Apps für datenbankgetriebene Unternehmensanwendungen. Beide Ansätze haben ihre Stärken – und erfahrene App Maker wissen, wann welcher Weg der richtige ist.
- Canvas Apps: Screens, Controls, Formeln und Navigation
- Datenbindung: SharePoint-Listen, Excel, Dataverse, SQL als Datenquellen
- Delegation und Performance-Überlegungen bei großen Datensätzen
- Model-Driven Apps: Formulare, Ansichten, Dashboards und Diagramme
- Dataverse: Tabellen, Spalten, Beziehungen, Geschäftsregeln, Sicherheitsrollen
- App-Lifecycle: Versionierung, Lösungen und Umgebungen
Prozessautomatisierung mit Power Automate Power Automate ist der Beschleuniger hinter vielen Power-Apps-Lösungen: Er übernimmt die Aufgaben, die sonst manuell erledigt werden müssten – E-Mail-Benachrichtigungen senden, Genehmigungen einholen, Daten zwischen Systemen bewegen. Dieses Modul behandelt die wichtigsten Flow-Typen und deren Verknüpfung mit Power Apps.
- Trigger und Aktionen: Sofortflows, geplante Flows, automatisierte Flows
- Genehmigungsworkflows mit Bearbeiterkette und Eskalationslogik
- Fehlerbehandlung und Wiederholungslogik in Flows
- Variablen, Bedingungen und Schleifen in Power Automate
- Desktop-Flows für Legacy-Systeme ohne API (Robotic Process Automation)
- Verknüpfung von Flows mit Power Apps per Connector und Button
Microsoft Teams: App-Integration und Zusammenarbeit Power Apps und Power Automate lassen sich nahtlos in Microsoft Teams einbetten. Dieses Modul zeigt, wie Apps direkt in Teams-Kanälen bereitgestellt werden, wie Flows auf Teams-Events reagieren und wie Chatbots via Power Virtual Agents in Teams integriert werden.
- Power Apps in Teams-Kanälen und als persönliche App einbetten
- Teams als Trigger in Power Automate-Flows verwenden
- Genehmigungsbenachrichtigungen direkt in Teams senden
- Power Virtual Agents-Bot für Teams konfigurieren
- Teams-App-Richtlinien und Berechtigungen verstehen
- Dataverse für Teams als vereinfachte Datenplattform
Praxisblock: Reale Lösungsszenarien von der Anforderung bis zur fertigen App
- Anforderungserhebung üben: Stakeholder-Interview simulieren und User Stories formulieren
- Canvas App für eine Urlaubsantragserfassung komplett aufbauen
- Genehmigungsflow mit Benachrichtigung per E-Mail und Teams entwickeln
- Model-Driven App für ein einfaches CRM-Szenario erstellen
- Dataverse-Datenmodell für ein Lagerverwaltungsszenario entwerfen
- App in Teams einbetten und für Tester bereitstellen
- Power BI-Bericht auf Basis von Dataverse-Daten aufbauen
- Bug-Report ausfüllen und App iterativ verbessern
- Versionierung: Lösungspaket erstellen und in andere Umgebung importieren
- Power Automate-Flow debuggen und Fehler im Run History analysieren
- Prüfungssimulation PL-900
- Prüfungssimulation PL-100 mit Zeitlimit und Auswertung
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses können die Teilnehmenden eigenständig folgende Aufgaben bewältigen.
- Die Komponenten der Microsoft Power Platform (Power Apps, Power Automate, Power BI, Power Virtual Agents) erklären und sinnvoll einsetzen
- Canvas Apps mit visuellen Designern erstellen und mit Datenquellen verbinden
- Model-Driven Apps auf Basis von Dataverse-Datenmodellen aufbauen
- Power Automate-Flows für Genehmigungsprozesse, Datensynchronisation und Benachrichtigungen entwickeln
- Dataverse-Tabellen, Felder, Beziehungen und Geschäftsregeln definieren
- Einfache UX-Designs erstellen, die für Fachanwender intuitiv bedienbar sind
- Apps in Microsoft Teams einbetten und Teams-Events in Flows auslösen
- Anforderungen aus Fachbereichen in technische Lösungskonzepte übersetzen
- Power BI-Grundberichte auf Basis von Dataverse-Daten erstellen
- Apps testen, Fehler diagnostizieren und Verbesserungen iterativ umsetzen
- PL-900 und PL-100 Examina erfolgreich ablegen
- Einfache Power Virtual Agents-Bots für Teams und Webseiten konfigurieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit Fachwissen in bestimmten Geschäftsbereichen, die digitale Lösungen für ihren Arbeitsalltag und den ihrer Kollegen entwickeln möchten.
- Business-Analysten und Prozessverantwortliche, die Automatisierungspotenziale umsetzen wollen
- Fachkräfte aus kaufmännischen, logistischen oder administrativen Bereichen ohne Entwicklungshintergrund
- IT-nahe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Low-Code-Entwicklung als Spezialisierung aufbauen
- Projektleiter, die für ihr Team schnell einsetzbare Anwendungen erstellen möchten
- Quereinsteiger, die im Bereich digitale Transformation und Prozessautomatisierung Fuß fassen wollen
Programmierkenntnisse sind ausdrücklich keine Voraussetzung. Hilfreich sind ein grundlegendes Verständnis von Geschäftsprozessen, Erfahrung mit Microsoft 365-Tools (insbesondere Excel und SharePoint) und die Bereitschaft, mit visuellen Werkzeugen und Formeln zu experimentieren. Ein Beratungsgespräch vor Kursbeginn stellt sicher, dass der Einstieg zum individuellen Hintergrund passt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet strukturiertes Selbstlernen mit betreuten Entwicklungsphasen. Im Combined-Learning-Format lernen die Teilnehmenden zunächst die Konzepte und Werkzeuge kennen, dann wenden sie sie an praktischen Projekten an – begleitet durch Trainer-Feedback und Peer-Austausch. Die Entwicklungsaufgaben sind so gestaltet, dass sie den Schritt von der abstrakten Prüfungsaufgabe zur realen Unternehmensanwendung erfahrbar machen. Vollzeit- und Teilzeitoptionen stehen zur Verfügung.
Der Kurs dauert zwischen einer und vier Wochen, abhängig vom Lernformat. Im Vollzeitbetrieb können beide Module – PL-900 und PL-100 – einschließlich der Examina in zwei bis drei Wochen abgeschlossen werden. Das Teams-Modul ist in die PL-100-Phase integriert. Im Teilzeitformat verlängert sich die Gesamtdauer entsprechend.
Bei bestandenen Examina erhalten die Teilnehmenden zwei Microsoft-Herstellerzertifikate: PL-900 (Microsoft Power Platform Fundamentals) und PL-100 (Microsoft Power Platform App Maker). Zusätzlich wird ein Lehrgangszertifikat des Bildungsträgers ausgestellt. Microsoft-Zertifikate sind weltweit anerkannte Qualifikationsnachweise und in Stellenausschreibungen für Citizen-Developer-Rollen und Business-Analyst-Positionen zunehmend gelistet.
Nutzen & Perspektiven
Der Fachkräftemangel im IT-Bereich hat dazu geführt, dass Unternehmen zunehmend auf Fachabteilungen setzen, die selbst einfache Digitalisierungsprojekte umsetzen können – anstatt auf knappe IT-Ressourcen zu warten. Die Power Platform ist Microsofts Antwort auf diesen Bedarf: eine Plattform, die Fachanwender zu Lösungsschöpfern macht. Der App Maker ist die Person, die diesen Prozess in der eigenen Abteilung vorantreibt. Wer diesen Kurs abschließt, kommt nicht nur mit zwei Zertifikaten heraus, sondern mit einem Werkzeugkasten, der unmittelbar einsetzbar ist: Genehmigungsworkflows, die sonst per E-Mail laufen, können in Power Automate übersetzt werden. Excel-Tabellen, die als Datenbank missbraucht werden, können in ordentliche Dataverse-Modelle überführt werden. Formulare, die auf Papier ausgefüllt werden, können als Canvas App im Smartphone erscheinen. Mittelfristig ist der PL-100 auch ein Sprungbrett zu weiterführenden Power-Platform-Zertifizierungen: PL-200 (Functional Consultant), PL-400 (Developer) oder PL-600 (Solution Architect) bauen auf den Grundlagen auf und ermöglichen eine vollständige Spezialisierung in einer der dynamischsten Plattformen im Microsoft-Ökosystem.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Programmierkenntnisse für diesen Kurs?
Nein. Der App Maker-Kurs richtet sich an Fachleute mit Prozesswissen, nicht an Entwickler. Power Apps und Power Automate sind Low-Code-Werkzeuge, die mit visuellen Designern und Formeln – ähnlich Excel-Formeln – funktionieren. Programmierkenntnisse sind kein Voraussetzung.
Was ist der Unterschied zwischen PL-900 und PL-100?
PL-900 ist das Fundamentals-Zertifikat: Es vermittelt einen Überblick über die Power Platform (Power Apps, Power Automate, Power BI, Power Virtual Agents). PL-100 ist das Associate-Zertifikat für den App Maker und geht tiefer in die praktische Anwendungsentwicklung.
Was ist ein "Citizen Developer"?
Der Begriff bezeichnet Fachanwenderinnen und Fachanwender, die ohne klassische Programmierausbildung mit Low-Code-Werkzeugen eigene Anwendungen für ihren Arbeitsbereich erstellen. Die Power Platform ist Microsofts führendes Werkzeug für genau diesen Ansatz.
Welche Arten von Apps kann ich nach dem Kurs erstellen?
Sie können Canvas Apps (flexibles, screen-basiertes Design) und Model-Driven Apps (datenbankgetriebene Apps auf Dataverse-Basis) erstellen. Außerdem können Sie mit Power Automate repetitive Prozesse automatisieren – z. B. Genehmigungsworkflows, automatische E-Mail-Benachrichtigungen oder Datensynchronisierungen.
Wie hängen Power Platform und Microsoft Teams zusammen?
Power Apps können direkt in Microsoft Teams eingebettet werden, sodass Nutzer eine App aufrufen, ohne Teams zu verlassen. Power Automate-Flows können Teams-Nachrichten auslösen oder auf Teams-Events reagieren. Das Teams-Modul im Kurs behandelt dieses Zusammenspiel praxisnah.
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