Überblick
Dieser Kurs verbindet zwei Zertifizierungen, die in modernen IT-Projekten zunehmend gemeinsam gefragt sind: PRINCE2 Practitioner als international anerkanntes Framework für strukturiertes Projektmanagement und DevOps Master als Qualifikation für die kulturellen und technischen Grundlagen kontinuierlicher Softwarelieferung. PRINCE2 liefert den übergreifenden Steuerungsrahmen — Initiierung, Planung, Kontrollpunkte, Risiko- und Ausnahmemanagement. DevOps ergänzt diesen Rahmen um die operativen Prinzipien, mit denen Teams schneller, stabiler und messbarer liefern. Wer beide Disziplinen kennt, kann IT-Projekte sowohl auf Governance-Ebene steuern als auch die technischen Lieferprozesse aktiv gestalten.
Kursinhalte & Lernziele
Modul A — PRINCE2 7 Grundlagen und Projektsteuerung PRINCE2 7 ist die aktuelle Version des Frameworks, die Axelos in 2023 veröffentlicht hat. Im Vergleich zu früheren Versionen stärkt PRINCE2 7 die Verbindung zu agilen Arbeitsweisen und setzt auf sieben Praktiken statt auf die früheren sieben Themen. Dieses Modul legt das vollständige konzeptionelle Fundament.
- Die 7 PRINCE2-Prinzipien: Business Justification, Lernkultur, Rollen, Managementphasen, Management by Exception, Produktfokus, Anpassung
- Praktiken: Business Case, Organisation, Qualität, Planung, Risikomanagement, Änderungssteuerung, Fortschrittskontrolle
- PRINCE2-Prozesse: Starting Up, Initiating, Directing, Controlling, Managing Product Delivery, Managing Stage Boundary, Closing
- Projektmanagement-Produkte: Project Initiation Document, Stage Plan, Risk Register, Exception Report
- Rollen im PRINCE2-Projektboard: Executive, Senior User, Senior Supplier, Project Manager, Team Manager
- Anpassung von PRINCE2 an unterschiedliche Projektgrößen und -kontexte
Modul B — PRINCE2 Practitioner Szenariobasierte Anwendung Der Practitioner-Level verlangt, PRINCE2 nicht nur zu kennen, sondern in komplexen Projektsituationen begründet anzuwenden. In diesem Block werden Fallstudien und Szenarien bearbeitet, die die Prüfungsstruktur direkt widerspiegeln.
- Business Case bewerten und Projektwürdigkeit im Projektverlauf überprüfen
- Phasenpläne aufstellen, Kontrollpunkte definieren und Toleranzen festlegen
- Risikoregister führen, Risikomaßnahmen auswählen und dokumentieren
- Ausnahmeberichte auslösen und das Eskalationsverfahren steuern
- Qualitätsnachweise planen und Abnahmekriterien festlegen
- Änderungsanträge strukturiert bearbeiten und dem Board vorlegen
- PRINCE2-Prinzipien auf untypische Projektkonstellationen anwenden
- Prüfungsrelevante Dokumente unter Zeitdruck erstellen und bewerten
Modul C — DevOps Grundlagen CALMS-Framework und Kulturwandel DevOps beginnt nicht mit Tools, sondern mit einer Haltungsänderung. Dieses Modul behandelt die kulturellen und organisatorischen Voraussetzungen für DevOps-Transformation: wie Silos aufgebrochen werden, wie gemeinsame Verantwortung entsteht und wie Feedback-Schleifen in der gesamten Organisation verankert werden.
- Was DevOps bedeutet: Zusammenführung von Entwicklung und Betrieb
- CALMS-Framework: Culture, Automation, Lean, Measurement, Sharing als Orientierungsmodell
- Three Ways of DevOps: Flow, Feedback, Kontinuierliches Lernen
- Value-Stream-Mapping: Engpässe und Verschwendung in Lieferprozessen sichtbar machen
- Psychologische Sicherheit und Blameless-Kultur als Voraussetzung für Lernorganisationen
- DevOps-Reifegradbewertung: Wo steht ein Team, was ist der nächste Schritt
Modul D — Continuous Delivery, Infrastructure as Code und hybrides Projektmanagement Im technischen Teil geht es um die konkreten Praktiken, mit denen Teams schnell und stabil liefern. Continuous Integration, automatisierte Tests und Infrastructure as Code sind die Bausteine einer modernen Lieferpipeline — und lassen sich direkt mit PRINCE2-Kontrollpunkten verzahnen.
- CI/CD-Pipelines: Konzept, Phasen und typische Werkzeuge (z. B. Git, Jenkins, GitHub Actions)
- Automatisiertes Testen: Unit-Tests, Integrationstests, End-to-End-Tests in der Pipeline
- Infrastructure as Code: Grundprinzipien, Idempotenz, deklarative vs. imperative Ansätze
- Container-Grundlagen: Docker und der Weg zu reproduzierbaren Umgebungen
- Monitoring und Observability: Logs, Metriken und Traces als Feedback-Kanal
- DORA-Metriken: Deployment Frequency, Lead Time for Changes, Mean Time to Restore, Change Failure Rate
- Hybrides Projektmanagement: PRINCE2-Kontrollpunkte mit DevOps-Sprints verzahnen
- Site Reliability Engineering (SRE): Error Budgets und SLOs als Steuerungskonzept
- Security in DevOps: DevSecOps-Grundlagen und Shift-Left-Testing
- Release-Strategien: Blue-Green Deployments, Canary Releases, Feature Flags
- Post-Mortems: Lernen aus Vorfällen ohne Schuldzuweisungen
- Werkzeugketten evaluieren und dem Projektkontext anpassen
Lernziele:
- Das PRINCE2-7-Framework mit seinen 7 Prinzipien, Praktiken und Prozessen vollständig beherrschen
- Ein PRINCE2-Projekt von der Initiierung bis zum Abschluss strukturiert steuern
- Projektpläne, Risikoregister und Ausnahmeberichte nach PRINCE2-Standard erstellen
- Rollen und Verantwortlichkeiten im PRINCE2-Projektboard verstehen und besetzen
- DevOps-Grundlagen und das CALMS-Framework (Culture, Automation, Lean, Measurement, Sharing) anwenden
- Continuous Integration und Continuous Delivery konzeptuell und praktisch einordnen
- Infrastructure as Code verstehen und im Projektkontext einsetzen
- DORA-Metriken zur Messung von Deployment-Häufigkeit, Lead Time und Stabilität nutzen
- PRINCE2 und DevOps in hybriden Projektstrukturen kombinieren
- Ausnahme- und Eskalationsprozesse in laufenden Projekten anwenden
- Die Practitioner-Prüfungsanforderungen kennen und szenariobasiert üben
- Reale Projektsituationen anhand beider Methodiken analysieren und bewerten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Lehrgang richtet sich an Projektmanager, IT-Leiter und technische Koordinatoren, die sowohl strukturierte Projektsteuerung als auch DevOps-Kompetenzen aufbauen oder vertiefen möchten.
- Projektmanager, die PRINCE2 Practitioner nachweisen und ihre DevOps-Kenntnisse formalisieren wollen
- IT-Manager und Programmmanager mit Verantwortung für Softwarelieferprozesse
- Agile Coaches und Scrum Master, die das methodische Spektrum um PRINCE2 erweitern
- Entwickler und DevOps-Ingenieure, die Projektmanagement-Perspektive integrieren wollen
- Führungskräfte in IT-Organisationen, die hybride Projekt-Delivery-Modelle einführen
Für den Practitioner-Level ist das bestandene PRINCE2-Foundation-Zertifikat Pflichtvoraussetzung — ohne Foundation ist die Practitioner-Prüfung nicht möglich. Im Kurs wird auf Foundation-Wissen aufgebaut, nicht neu eingeführt. Für den DevOps-Teil sind IT-Grundkenntnisse und Interesse an technischen Lieferprozessen ausreichend; tiefe Programmierkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs arbeitet mit einem Mix aus konzeptuellen Lehreinheiten und prüfungsnahen Fallstudien. Für PRINCE2 Practitioner stehen szenariobasierte Aufgaben im Vordergrund, da die Prüfung selbst eine Fallstudie als Grundlage nutzt. Der DevOps-Anteil verbindet Konzepterklärungen mit Diskussionen realer Pipelines und Werkzeugketten. Lernende bearbeiten Übungsszenarien, die beide Methodiken zusammenführen, um die praktische Kombinierbarkeit von PRINCE2-Governance und DevOps-Delivery zu üben.
Die genaue Kursdauer variiert je nach Anbieter. Typische Kombinations-Lehrgänge dieser Art erstrecken sich über mehrere Wochen in Vollzeit oder deutlich länger in Teilzeit. Die konkreten Termine und Stundenzahlen stehen in den jeweiligen Angeboten.
Der Kurs bereitet auf die externe PRINCE2 Practitioner-Prüfung von Axelos/PeopleCert vor. Das Practitioner-Zertifikat ist drei Jahre gültig und muss danach recertifiziert werden. Das DevOps-Master-Zertifikat wird je nach Anbieter durch eine separate Prüfung oder eine Kombination aus Übungsaufgaben und Abschlussbeurteilung erworben. Zusätzlich erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung.
Nutzen & Perspektiven
PRINCE2 Practitioner gehört weltweit zu den bekanntesten Projektmanagement-Zertifizierungen. In Kombination mit DevOps-Kompetenz deckt dieses Zertifikats-Paar eine Lücke ab, die in vielen IT-Organisationen spürbar ist: Projektmanager kennen den Governance-Rahmen, verstehen aber nicht, wie DevOps-Teams ihre Arbeit organisieren — und DevOps-Ingenieure wissen nicht, wie ihre Arbeit in übergeordnete Projektstrukturen eingebettet ist. Wer beide Perspektiven versteht, kann als Bindeglied zwischen Projekt-Steering-Committees und technischen Lieferteams fungieren. Diese Brückenfunktion ist in IT-Transformationsprojekten, in Cloud-Migrationen und in der Einführung neuer Softwareplattformen besonders gefragt. Das Practitioner-Zertifikat signalisiert Arbeitgebern, dass projektmanagerische Entscheidungen nicht nur intuitiv, sondern methodisch fundiert getroffen werden können. Das DevOps-Master-Zertifikat ergänzt dieses Signal um die Fähigkeit, technische Lieferprozesse zu verstehen, zu messen und zu verbessern — eine Kombination, die gerade in mittelgroßen IT-Projekten mit hybriden Strukturen sehr gefragt ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich PRINCE2 Foundation bereits haben, um teilzunehmen?
Ja. Das bestandene PRINCE2-Foundation-Zertifikat ist Pflichtvoraussetzung für die Practitioner-Prüfung bei Axelos/PeopleCert. Ohne Foundation kann die Practitioner-Prüfung nicht abgelegt werden.
Wie lange ist das PRINCE2-Practitioner-Zertifikat gültig?
Das Practitioner-Zertifikat ist drei Jahre gültig und muss danach durch eine Recertification erneuert werden. Das Foundation-Zertifikat ist zeitlich unbegrenzt gültig.
Welche PRINCE2-Version wird gelehrt?
Der Kurs basiert auf PRINCE2 7, der aktuellen Version des Frameworks mit 7 Prinzipien, 7 Praktiken und 7 Prozessen — konsistent mit dem aktuellen Prüfungsstandard von Axelos/PeopleCert.
Brauche ich Programmierkenntnisse für den DevOps-Teil?
Nein. Der DevOps-Master-Anteil behandelt Konzepte, Kultur und Prinzipien. Für die praktischen Übungen zu CI/CD und Infrastructure as Code sind keine tiefen Programmierkenntnisse notwendig — IT-Grundverständnis und Interesse an technischen Lieferprozessen reichen.
Wie hängen PRINCE2 und DevOps in der Praxis zusammen?
PRINCE2 steuert das übergeordnete Projekt auf Governance-Ebene, während DevOps die operative Lieferung innerhalb der Sprints und Deployments organisiert. In modernen IT-Projekten laufen beide Methodiken parallel — wer beide versteht, kann zwischen Steering Committees und Delivery-Teams vermitteln.
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