Überblick
Kleinsteuerungen sind in Industrie, Gebäudetechnik und Maschinenbau allgegenwärtig. Sie steuern Belüftungsanlagen, überwachen Maschinenabläufe, regeln Pumpen und koordinieren einfache Automatisierungsaufgaben — platzsparend, kostengünstig und zuverlässig. Wer diese Systeme programmieren und konfigurieren kann, ist in elektrotechnischen Berufen ein gefragter Fachmann. Diese Weiterbildung legt den Schwerpunkt auf die Siemens LOGO! als repräsentative Kleinsteuerungsplattform und vermittelt alle notwendigen Kompetenzen — von den digitaltechnischen Grundlagen bis zur Verarbeitung analoger Signale und zur Inbetriebnahme.
Kursinhalte & Lernziele
Der Kurs gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Themenblöcke, die von den theoretischen Grundlagen bis zur praktischen Programmierung führen. Grundlagen der Digitaltechnik und SPS-Technik: Ohne solide Grundlagen in der Digitaltechnik lassen sich Steuerungsprogramme weder verstehen noch entwickeln. Dieser Block vermittelt das notwendige Fundament — von binären Signalen über logische Verknüpfungen bis zum Aufbau einer SPS-Steuerung.
- Binäre und digitale Signale: Grundbegriffe, Pegel, Logikzustände
- Boolesche Algebra und Grundverknüpfungen: UND, ODER, NICHT, Kombinationen
- Grundaufbau einer speicherprogrammierbaren Steuerung
- Unterschied zwischen Relaissteuerung und SPS-Steuerung
- Aufbau und Funktion von Ein- und Ausgangsmodulen
- Signalverarbeitung im SPS-Zyklus (Lesen, Verarbeiten, Schreiben)
LOGO!-Steuerung: Aufbau, Konfiguration und Soft Comfort: Dieser Block führt direkt in die LOGO!-Plattform ein. Die Teilnehmenden lernen die Hardware kennen, richten die Entwicklungsumgebung ein und schreiben ihre ersten Programme.
- Hardwareaufbau der LOGO!: Grundgerät, Erweiterungsmodule, Display
- Anschluss von Sensoren, Aktoren und Spannungsversorgung
- Soft Comfort installieren, einrichten und bedienen
- Programmierumgebung: FBD (Funktionsbausteinsprache) in Soft Comfort
- Einfache Ein-/Ausgangs-Verknüpfungen erstellen und simulieren
- Programm auf die LOGO! übertragen und testen
Digitale Programmierung: Funktionen, Speicher und Zeitglieder: Dieser Block vertieft die Programmierung mit digitalen Signalen. Im Mittelpunkt stehen die wichtigsten Funktionsbausteine der LOGO! — Selbsthalterelais, Zeitglieder und Zähler.
- Selbsthalterelais (RS-Flipflop) und Impulsgeber programmieren
- Zeitfunktionen: Einschaltverzögerung, Ausschaltverzögerung, Taktgeber
- Zählermodule: Vorwärts-, Rückwärts- und Bidirektionalzähler
- Vergleichsfunktionen für digitale Anwendungen
- Melderelais und Alarmfunktionen aufbauen
- Typische Maschinensteuerungen (z. B. Förderband, Pumpensteuerung) realisieren
Analogtechnik und Inbetriebnahme: Kleinsteuerungen werden in der Praxis oft auch für die Verarbeitung analoger Messwerte eingesetzt — Temperaturregelung, Drucküberwachung, Füllstandsmessung. Dieser Block vermittelt die notwendigen Kenntnisse zur Analogverarbeitung.
- Aufbau analoger Eingangsmodule für die LOGO!
- Skalierung von Analogwerten (z. B. 4–20 mA auf physikalische Einheit)
- Analogvergleiche und Schwellwertfunktionen
- PID-Regelung (Grundkonzept, Anwendung in der LOGO!)
- Diagnose und Fehlersuche in Analogkreisen
- Inbetriebnahme-Checkliste und Sicherheitscheck vor dem Start
Praxisübungen und Anwendungsaufgaben — alle theoretischen Inhalte werden in realitätsnahen Übungsszenarien direkt umgesetzt, die typische Aufgaben aus dem Betriebsalltag widerspiegeln.
- Einfache Treppenhaus-Lichtsteuerung programmieren
- Pumpensteuerung mit Füllstandsüberwachung aufbauen
- Motoranlaufsteuerung mit Zeitverzögerung realisieren
- Alarmfunktion mit Quittierung programmieren
- Analoge Temperaturmessung einlesen und Grenzwerte setzen
- Schaltplan eines typischen Automatisierungsauftrags in Software-Logik übersetzen
- Fehler in einem vorgegebenen Programm systematisch suchen und beheben
- Programm dokumentieren und kommentieren (Instandhaltungsfreundlichkeit)
- Simulation in Soft Comfort vor der Übertragung auf Echtgeräte nutzen
- Inbetriebnahme eines vollständigen kleinen Automatisierungsprojekts begleiten
- Ergebnis präsentieren und typische Fragen der Instandhaltung beantworten
- Systemgrenzen erkennen: wann reicht LOGO!, wann braucht es größere SPS-Systeme
Nach den Übungseinheiten verfügen die Teilnehmenden über eine persönliche Programmierpraxis und ein Grundverständnis für die Fehlersuche in realen Anlagen — beides essentiell für die tägliche Arbeit als Automatisierungsfachkraft. Gerade die Fehlersuche in bereits laufenden Anlagen ist eine Fähigkeit, die sich nicht aus Handbüchern, sondern nur durch wiederholtes Üben an konkreten Szenarien aufbaut. Wer die Übungsaufgaben des Kurses durchlaufen hat, kann danach eigenständig beurteilen, welche Steuerungslogik hinter einer bestehenden Anlage steckt — eine wichtige Grundlage für Wartungs- und Entstörungsaufgaben im Betrieb.
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung sind die Teilnehmenden in der Lage, folgende Aufgaben in der Steuerungspraxis zu bewältigen.
- Grundlegende Konzepte der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) erklären und einordnen
- Die LOGO!-Steuerung von Siemens konfigurieren und in Betrieb nehmen
- Programme in Soft Comfort (LOGO! Software) erstellen, testen und optimieren
- Digitale Eingangs- und Ausgangssignale verarbeiten und verschalten
- Analoge Messwerte einlesen, skalieren und weiterverarbeiten
- Selbsthalterelais und Flipflop-Schaltungen in der LOGO! realisieren
- Zeitfunktionen, Zähler und Vergleichsfunktionen programmieren
- Schaltpläne lesen und in SPS-Programmlogik übersetzen
- Fehlerquellen in Steuerungsprogrammen systematisch lokalisieren und beheben
- Einfache Automatisierungsaufgaben aus der Praxis eigenständig umsetzen
- Die Abgrenzung von Kleinsteuerungen zu komplexen SPS-Systemen einschätzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen mit technischem Hintergrund, die im Bereich Steuerungstechnik und Automatisierung tätig sind oder werden wollen.
- Elektrofachkräfte, die ihre Steuerungstechnik-Kenntnisse gezielt auf SPS und LOGO! erweitern
- Techniker und Mechatroniker aus Industrie und Anlagenbau
- Fachkräfte aus der Gebäudeautomation und Haustechnik
- Quereinsteiger in technische Berufe mit abgeschlossener Ausbildung im technischen Bereich
- Servicetechniker, die mit LOGO!-Anlagen arbeiten oder diese warten müssen
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder vergleichbare Berufspraxis im technischen Bereich sowie solide PC-Kenntnisse, da die Programmierumgebung Soft Comfort auf Windows-Rechnern läuft. Grundkenntnisse in Elektrotechnik und Schaltplanerstellung sind hilfreich, um den Übertragungsschritt von Schaltplänen in Software-Logik nachvollziehen zu können.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet kompakten Theorieunterricht mit einem hohen Anteil an praktischer Programmierarbeit. Alle Programmierübungen werden zunächst in der Simulation von Soft Comfort erarbeitet und anschließend — soweit organisatorisch möglich — auf reale LOGO!-Geräte übertragen. Typische Anlagenszenarien dienen als Ausgangspunkt für die Übungsaufgaben, sodass der Bezug zur betrieblichen Praxis durchgängig gewahrt bleibt. Die Gruppengrößen sind bewusst klein gehalten, damit individuelle Fragen zur eigenen Anlage oder zum konkreten Anwendungsfall besprochen werden können.
Die Weiterbildung ist auf mehrere Wochen angelegt. Genaue Termine und Wochenstunden hängen vom Anbieter ab; aktuell sind 47 Termine von 2 Anbietern gelistet. Sowohl Vollzeit- als auch Teilzeiteinstieg sind je nach Anbieter möglich.
Die Weiterbildung schließt mit einer trägerinternen Leistungsfeststellung ab. Erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen erhalten ein qualifiziertes Zertifikat bzw. eine Teilnahmebescheinigung, das die erworbenen Kenntnisse in der Programmierung und Konfiguration von Kleinsteuerungen nachweist. Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes Berufsabschlusszeugnis, aber das Zertifikat ist ein praxisnaher Kompetenznachweis für Arbeitgeber in der Automatisierungsbranche.
Nutzen & Perspektiven
Automatisierungsfachkräfte mit SPS-Kenntnissen sind auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft gefragt — in Produktionsbetrieben, im Maschinenbau, in der Gebäudeautomation und bei Serviceunternehmen für Anlagentechnik. LOGO!-Kenntnisse sind dabei besonders wertvoll, weil die Siemens-Kleinsteuerungen zu den verbreitetsten ihrer Klasse gehören und in vielen bestehenden Anlagen verbaut sind. Wer die LOGO! programmieren und konfigurieren kann, ist nicht nur in der Inbetriebnahme neuer Anlagen einsetzbar, sondern auch in der Instandhaltung und Fehlersuche an bestehenden Systemen. Letzteres ist in vielen Betrieben ein Engpass, weil die ursprünglichen Programmierer nicht mehr verfügbar sind und Dokumentationen fehlen — eine Kompetenz, die unmittelbaren betrieblichen Nutzen stiftet. Langfristig bildet die Weiterbildung eine Grundlage für weiterführende SPS-Schulungen auf größeren Siemens-Systemen (z. B. S7-1200 oder S7-1500 mit TIA Portal) oder für Spezialisierungen in der Prozessautomatisierung und Netzwerktechnik in der Fertigung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einer Kleinsteuerung wie LOGO! und einer klassischen SPS?
Kleinsteuerungen wie die Siemens LOGO! sind für einfachere Automatisierungsaufgaben mit überschaubarer Ein-/Ausgangsanzahl konzipiert. Klassische SPS-Systeme (z. B. Siemens S7-1200/1500) bieten mehr Rechenleistung, größere I/O-Kapazitäten und umfangreichere Kommunikationsmöglichkeiten, sind aber auch deutlich komplexer und teurer. Die LOGO! ist die erste Wahl für Gebäudetechnik, einfache Maschinensteuerungen und Kleinanlagen.
Was ist Soft Comfort und brauche ich eine Lizenz?
Soft Comfort ist die offizielle Programmiersoftware von Siemens für die LOGO!-Steuerung. Sie läuft unter Windows und ermöglicht Programmierung, Simulation und Übertragung auf das Gerät. Im Kurs erhalten die Teilnehmenden Zugang zu der Softwareumgebung; die genauen Konditionen hängen vom Anbieter ab.
Welche Programmiersprache wird in der LOGO! verwendet?
Die LOGO! wird in Soft Comfort primär mit der Funktionsbausteinsprache (FBD, Function Block Diagram) programmiert, die grafisch-visuell arbeitet und für Einsteiger gut zugänglich ist. Ergänzend unterstützt Soft Comfort auch die Kontaktplandarstellung (KOP/LAD).
Kann ich nach dem Kurs auch größere SPS-Systeme programmieren?
Die Weiterbildung bereitet auf die Arbeit mit der LOGO! vor, nicht auf vollwertige S7-Systeme mit TIA Portal. Das Verständnis von SPS-Grundkonzepten, das hier aufgebaut wird, ist jedoch eine gute Vorbereitung für weiterführende SPS-Kurse auf komplexeren Plattformen.
Gibt es Fördermöglichkeiten für diese Weiterbildung?
Je nach persönlicher Situation können Weiterbildungsförderungen über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter in Betracht kommen. Auch der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr und die Deutsche Rentenversicherung kommen unter bestimmten Voraussetzungen als Förderer in Frage. Die konkrete Förderfähigkeit muss individuell geprüft werden.
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