Überblick
Technische Redaktion entwickelt sich rasant in Richtung code-naher Arbeitsweisen. Wer heute Produktdokumentation, API-Referenzen oder strukturierte Inhalte für moderne Softwareprodukte erstellt, kommt an grundlegenden Programmierkenntnissen nicht mehr vorbei. Dieser Kurs richtet sich an erfahrene und angehende technische Redakteure, die ihre Arbeit mit Markup-Sprachen, Automatisierungswerkzeugen und agilen Entwicklungsprozessen auf ein neues Niveau heben wollen. Im Mittelpunkt steht nicht das klassische Programmieren als Selbstzweck, sondern der konkrete Nutzen für den redaktionellen Alltag: schnellere Publikationsprozesse, konsistentere Ausgaben und eine engere Zusammenarbeit mit Entwicklungsteams.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Grundlagen der Programmierung für Redakteure Technische Redakteure arbeiten heute in einer Welt, in der Dokumentation und Softwareentwicklung eng verzahnt sind. Dieses Modul legt das konzeptionelle Fundament: Wie funktionieren Programmiersprachen strukturell, welche Paradigmen gibt es und welche sind für die Dokumentationsarbeit relevant? Der Fokus liegt nicht auf dem Schreiben von Anwendungscode, sondern auf dem Verstehen von Konzepten, die in Automatisierungs-Skripten, Transformations-Stylesheets und Build-Prozessen wiederkehren.
- Aufbau und Eigenschaften von Programmiersprachen im Überblick
- Variablen, Kontrollstrukturen und Funktionen in Scripting-Sprachen
- Unterschied zwischen imperativen, deklarativen und markup-basierten Sprachen
- Einsatz einfacher Skripte zur Automatisierung repetitiver Redaktionsaufgaben
- Einführung in die Kommandozeile und Shell-Grundlagen für Redakteure
- Fehlersuche und Debugging bei Automatisierungsprozessen
Modul 2: HTML, CSS und Markup-Sprachen in der Medienproduktion Strukturiertes Schreiben bildet die Grundlage jeder professionellen technischen Dokumentation. Dieses Modul behandelt die zentralen Markup-Sprachen, die im Berufsalltag technischer Redakteure vorkommen. Angefangen bei HTML und CSS für webbasierte Ausgaben bis hin zu XML, DITA und Markdown für single-source-fähige Dokumentationsarchitekturen lernen Teilnehmende, Inhalte technisch sauber zu strukturieren und für unterschiedliche Zielformate aufzubereiten.
- HTML5: semantische Auszeichnung, Dokumentstruktur und Barrierefreiheit
- CSS: Layout, Typografie und medienspezifische Gestaltung von Dokumentationsausgaben
- XML: Wohlgeformtheit, Validierung gegen Schemata und Namensräume
- DITA: Topic-Konzepte (task, concept, reference), Maps und Conditional Processing
- Markdown und lightweight DITA für agile und entwicklernahe Workflows
- Konvertierung zwischen Markup-Formaten mit Pandoc und ähnlichen Werkzeugen
Modul 3: API-Dokumentation und OpenAPI-Standard API-Dokumentation ist eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder moderner technischer Redakteure. Entwicklungsteams erwarten präzise, aktuell gehaltene Referenzdokumentationen, die aus dem Code selbst ableitbar oder zumindest eng daran angelehnt sind. Dieses Modul erklärt den Aufbau von REST-APIs, den OpenAPI/Swagger-Standard und die Werkzeuge, die API-Dokumentation effizient und wartbar machen.
- REST-APIs verstehen: Endpunkte, HTTP-Methoden, Request/Response-Strukturen
- OpenAPI Specification 3.x: YAML/JSON-Struktur, Schemata, Beispiele und Security-Definitionen
- Swagger UI, Redoc und ähnliche Werkzeuge zur Darstellung und Verwaltung von API-Dokumenten
- Automatisierte Generierung von API-Referenzdokumentation aus Codekommentaren
- Strukturiertes Schreiben von Tutorials und Guides ergänzend zur API-Referenz
- Changelog-Management und Versionierung von API-Dokumentationen
Modul 4: Docs-as-Code, Automatisierung und Publikationspipelines Moderne technische Dokumentation wird in Entwicklungsworkflows integriert: mit Git verwaltet, per CI/CD-Pipeline gebaut und wie Software versioniert. Dieses Modul vermittelt die praktischen Werkzeuge und Konzepte hinter Docs-as-Code. Teilnehmende verstehen, wie statische Site-Generatoren, Build-Skripte und Automatisierungstools die Publikationsarbeit beschleunigen und Qualität sichern.
- Git-Grundlagen für Redakteure: Branches, Commits, Pull Requests und Merge-Strategien
- Docs-as-Code-Workflow: Dokumentation im selben Repository wie der Code führen
- Statische Site-Generatoren (Hugo, MkDocs, Docusaurus) für technische Dokumentation
- XSLT-Transformationen: Ausgabe technischer Inhalte in HTML, PDF und weitere Formate
- CI/CD-Pipelines: Automatisierter Build, Linkprüfung und Deploy von Dokumentationsprojekten
- Qualitätssicherung: Linting, Prose-Checking und Style-Guide-Enforcement in der Pipeline
Die praktischen Übungen umfassen unter anderem folgende Aufgaben —
- Erstellen einer strukturierten DITA-Dokumentation für ein fiktives Softwareprodukt
- Schreiben einer OpenAPI-Spezifikation für eine einfache REST-API
- Aufbau eines statischen Dokumentationsportals mit MkDocs oder ähnlichem Werkzeug
- Einrichten eines lokalen Git-Repositories für ein Dokumentationsprojekt mit Branches
- Entwicklung eines einfachen XSLT-Stylesheets für die HTML-Ausgabe eines XML-Dokuments
- Automatisierung eines Publish-Skripts für die Mehrkanal-Ausgabe eines Redaktionsprojekts
- Einsatz von Linting-Tools zur automatisierten Sprachprüfung im Docs-as-Code-Workflow
- Analyse und Nachbau einer vorhandenen API-Dokumentationsstruktur
- Konvertierung eines Word-basierten Dokuments in eine DITA-Topic-Struktur
- Implementierung eines Conditional-Processing-Konzepts in einer DITA-Map
- Erstellung eines CI-Pipeline-Entwurfs für ein reales Dokumentationsprojekt
- Präsentation und Peer-Review eines selbst erstellten Dokumentationsprojekts
Abschließend erarbeiten die Teilnehmenden ein vollständiges Dokumentationsprojekt, das alle Kursbestandteile integriert: von der Strukturierung über die automatisierte Pipeline bis zur finalen Ausgabe. Die Projektergebnisse werden gemeinsam besprochen und nach fachlichen Kriterien bewertet. Die Kursstruktur ist so aufgebaut, dass auch Teilnehmende ohne Vorerfahrung in der Programmierung den Einstieg finden, während Personen mit Grundkenntnissen zügig zu den fortgeschrittenen Modulen vorarbeiten können.
Lernziele:
- Grundlegende Konzepte von Programmiersprachen im Kontext der technischen Dokumentation erläutern
- HTML und CSS für die strukturierte Inhaltsdarstellung und Webseitenausgabe einsetzen
- Markup-Sprachen wie XML, DITA und Markdown zielgerichtet für strukturiertes Schreiben nutzen
- API-Dokumentation nach dem OpenAPI/Swagger-Standard erstellen und pflegen
- Automatisierungsmethoden in Erstellungs- und Publikationsprozessen planen und umsetzen
- Agile Methoden der Dokumentationsentwicklung in Scrum- und DevOps-Umgebungen anwenden
- Docs-as-Code-Workflows mit Git und Versionskontrolle aufbauen und betreiben
- Qualitätssicherungsmaßnahmen für Dokumentationsprojekte systematisch durchführen
- XSLT-Transformationen für die Ausgabe in verschiedene Zielformate konfigurieren
- Publikationspipelines für die automatisierte Mehrkanal-Ausgabe konzipieren
- Redaktionssysteme und Content-Management-Ansätze im technischen Umfeld einordnen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an technische Redakteure und Technical Writers, die ihre Kenntnisse im Bereich code-naher Werkzeuge systematisch ausbauen wollen. Er ist auch für Quereinsteiger geeignet, die aus dem Journalismus, dem Lektorat oder anderen schreibenden Berufen in die technische Dokumentation wechseln.
- Technische Redakteure mit Erfahrung in klassischen Redaktionssystemen oder Office-Tools
- Studienabsolventen aus sprach-, kommunikations- oder informationswissenschaftlichen Fächern
- Quereinsteiger mit redaktionellem Hintergrund und Interesse an softwaregetriebener Dokumentation
- Entwickler, die Verantwortung für die Dokumentation ihres Projekts übernehmen
- Content Engineers und Docs-as-Code-Einsteiger ohne formale Programmierkenntnisse
Teilnehmende sollten über eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium sowie erste praktische Erfahrung im Schreiben oder in der inhaltlichen Aufbereitung komplexer Themen verfügen. Technische Vorkenntnisse in der Programmierung sind nicht erforderlich; ein grundlegendes Verständnis davon, wie Computer und Betriebssysteme grundsätzlich funktionieren, ist jedoch hilfreich. Komfort im Umgang mit Textdateien, Dateipfaden und dem Arbeiten ohne grafische Oberfläche ist von Vorteil. Auch Studienabbrecher mit relevantem Hintergrund und Quereinsteiger aus verwandten Feldern sind ausdrücklich willkommen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet theoretische Einführungen mit unmittelbaren Praxisübungen. Jedes Modul schließt mit Hands-on-Aufgaben, bei denen das Gelernte direkt in kleinen Dokumentationsprojekten angewendet wird. Der Unterricht findet online oder in Präsenz statt — je nach Anbieter — und arbeitet durchgehend mit realen Werkzeugen aus dem Berufsfeld: Git, Markup-Editoren, Build-Tools und Swagger-Editor. Musterlösungen und Peer-Feedback zwischen Teilnehmenden ergänzen die Kursleiterbegleitung.
Die durchschnittliche Kursdauer beträgt etwa zehn Wochen. Die genaue Struktur variiert je nach Anbieter und Lernformat: Vollzeit-Intensivformate können kürzer sein, berufsbegleitende Varianten mit reduziertem Wochenstundenumfang entsprechend länger. Der Gesamtaufwand umfasst neben der angeleiteten Unterrichtszeit auch eigenständige Projektarbeiten, in denen Teilnehmende das Gelernte anwenden und vertiefen.
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab. Da es sich um keine staatlich geregelte Prüfung handelt, ist der Abschluss ein Nachweis über die absolvierten Lerninhalte, der in beruflichen Qualifikationsportfolios eingesetzt werden kann. Einige Anbieter ergänzen den Abschluss durch Portfolio-Arbeiten, die gegenüber Arbeitgebern aus der Tech-Branche den praktischen Kenntnisstand dokumentieren.
Nutzen & Perspektiven
Technische Redakteure, die Programmierwerkzeuge beherrschen, werden in der Softwarebranche zunehmend als vollwertige Mitglieder von Entwicklungsteams betrachtet. Wer Docs-as-Code-Workflows versteht und umsetzt, kann Dokumentationsaufgaben direkt in den Entwicklungsprozess einbetten, ohne auf manuelle Übergaben oder Schnittstellenkommunikation angewiesen zu sein. Das spart Zeit, reduziert Fehler und verbessert die Konsistenz der Inhalte über alle Ausgabekanäle hinweg. Darüber hinaus öffnet das Wissen aus diesem Kurs den Weg zu Positionen, die über die klassische Redakteursrolle hinausgehen: Content Engineer, API Writer, Developer Advocate oder Docs Lead. Diese Positionen sind in der Softwarebranche gefragt und werden in der Regel deutlich besser vergütet als traditionelle Redaktionsstellen. Der Kurs legt dafür eine solide, direkt anwendbare Grundlage. Auf lange Sicht profitieren Teilnehmende davon, dass die hier vermittelten Werkzeuge und Denkweisen nicht an bestimmte Produkte oder Technologiegenerationen gebunden sind. Wer strukturiertes Schreiben, Versionskontrolle und Automatisierungskonzepte einmal durchdrungen hat, kann sich schnell auf neue Werkzeuge und Plattformen übertragen — und bleibt damit auch in einem sich rasch verändernden Berufsfeld dauerhaft employable.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Programmierkenntnisse für diesen Kurs?
Nein. Der Kurs setzt keine Vorkenntnisse in der Programmierung voraus. Der Fokus liegt auf Werkzeugen und Methoden, die technische Redakteure in ihrer täglichen Arbeit einsetzen — nicht auf der Entwicklung von Anwendungssoftware. Ein grundlegendes Verständnis von Computern und Dateisystemen ist ausreichend.
Was ist der Unterschied zwischen diesem Kurs und einem klassischen Programmierkurs?
Ein klassischer Programmierkurs zielt darauf ab, vollständige Softwareanwendungen zu entwickeln. Dieser Kurs vermittelt dagegen die Programmiermethoden, die speziell für die technische Dokumentation relevant sind: Markup-Sprachen, Automatisierungsskripte, API-Dokumentationsstandards und Docs-as-Code-Workflows. Das Lernziel ist eine effizientere, codebasierte Redaktionsarbeit — kein Wechsel in die Softwareentwicklung.
Welche Werkzeuge werden im Kurs verwendet?
Der Kurs arbeitet mit praxisrelevanten Werkzeugen wie Git, Markdown-Editoren, dem Swagger Editor für API-Dokumentation, statischen Site-Generatoren wie MkDocs oder Hugo sowie XML-Editoren für DITA-basierte Dokumentation. Die genaue Werkzeugauswahl kann je nach Anbieter variieren.
Welche Berufsfelder erschließt dieser Kurs?
Neben der klassischen technischen Redaktion öffnet der Kurs den Weg zu Positionen wie Content Engineer, API Writer, Developer Advocate oder Docs Lead. Diese Rollen sind in Software- und Tech-Unternehmen gefragt und verlangen genau die Kombination aus redaktionellen und code-nahen Fähigkeiten, die hier vermittelt werden.
Wie wird der Kurs abgeschlossen?
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat oder einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab. Einige Anbieter ergänzen dies durch Portfolio-Projekte, mit denen Teilnehmende ihre erworbenen Fähigkeiten gegenüber Arbeitgebern nachweisen können.
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