Überblick
Erfahrene Projektmanagerinnen und Projektmanager stehen vor anderen Herausforderungen als Berufseinsteiger: Sie leiten nicht einzelne Projekte, sondern koordinieren parallele Vorhaben, vertreten Projekte in Lenkungsgremien, treffen Entscheidungen unter Unsicherheit und führen Teams in komplexen, oft hybriden Organisationsstrukturen. Dieser Kurs setzt genau dort an, wo operative Grundausbildung endet. Portfolio- und Programmmanagement, hybride Methodenkombinationen, Skalierungsrahmen wie SAFe und LeSS, strategisches Risikomanagement und der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Projektcontrolling sind die zentralen Themenfelder – konzipiert für Fachkräfte, die Projektmanagement auf strategischer Ebene gestalten.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Strategisches Portfolio- und Programmmanagement Portfoliomanagement entscheidet darüber, welche Projekte überhaupt gestartet werden – und welche nicht. Dieser Block behandelt die Methoden, mit denen Unternehmen ihr Projektportfolio mit der Unternehmensstrategie abgleichen, Kapazitäten priorisiert einsetzen und den Gesamtbeitrag von Programmen zum strategischen Wert messen.
- Portfolio-Governance: Rollen, Entscheidungsgremien, Eskalationswege
- Strategische Ausrichtung: von der Unternehmensstrategie zur Portfolio-Roadmap
- Priorisierungsmodelle: Scoring, Nutzwertanalyse, strategischer Fit
- Programmmanagement: Interdependenzen zwischen Projekten steuern
- Benefits Realization Management: Nutzenmessung auf Programm- und Portfolioebene
- Portfolio-Reviews und Stage-Gate-Prozesse gestalten
Modul 2 – Hybrides Projektmanagement in komplexen Organisationen Klassisches Wasserfallmodell und agile Sprints schließen sich nicht aus – moderne Projekte kombinieren beide Welten. Dieser Block zeigt, wie hybride Ansätze strategisch gestaltet werden: Wann welche Methode dominiert, wie Schnittstellen zwischen Phasen und Teams definiert werden und wie Skalierungsrahmen wie SAFe und LeSS den Übergang von Einzelteam-Agile zur unternehmensweiten Agilität ermöglichen.
- Hybrides PM: Entscheidungskriterien für klassisch vs. agil vs. hybrid
- PRINCE2 im hybriden Kontext: Flexibilisierung der Prozesse und Themen
- Scrum und Kanban in Enterprise-Umgebungen: Anpassungen und Grenzen
- SAFe (Scaled Agile Framework): PI Planning, ARTs, Solution Trains
- LeSS (Large-Scale Scrum): Grundprinzipien, Koordination ohne Zwischenhierarchie
- Governance-Modelle für hybride Programme: Steuerungsrhythmen, Artefakte, Eskalation
Modul 3 – Strategisches Risikomanagement und Entscheidungen unter Unsicherheit Auf Programm- und Portfolioebene hat Risikomanagement eine andere Qualität: Es geht nicht mehr um einzelne Projektverzögerungen, sondern um strategische Bedrohungen für das Gesamtportfolio. Dieser Block behandelt fortgeschrittene Risikoidentifikations- und Bewertungsmethoden sowie Entscheidungsmodelle, die in Lenkungsausschüssen und Portfoliogremien eingesetzt werden.
- Risikoidentifikation auf Programm- und Portfolioebene: Techniken und Workshops
- Quantitative Risikobewertung: Monte-Carlo-Simulation, Erwartungswert-Methode
- Risikostrategie: Vermeidung, Minderung, Transfer, Akzeptanz auf Portfolioebene
- Interdependente Risiken in Multi-Projekt-Umgebungen erkennen
- Entscheidungsmodelle unter Unsicherheit: Entscheidungsbaum, Real Options
- Kommunikation von Risiken gegenüber Vorstand und Lenkungsausschuss
Modul 4 – Künstliche Intelligenz im strategischen Projektmanagement KI verändert, wie Projektdaten interpretiert und Entscheidungen vorbereitet werden. Dieser Block geht über den Einsatz einzelner Tools hinaus und behandelt die strategische Integration von KI-Verfahren in Controlling, Ressourcenmanagement und Risikofrüherkennung auf Programm- und Portfolioebene.
- KI-gestützte Projektanalyse: Mustererkennung in historischen Projektdaten
- Prognosemodelle: Termintreue- und Kostenprognosen mit maschinellem Lernen
- KI im Ressourcenmanagement: Kapazitätsprognosen und Bedarfsplanung
- Risikobewertung mit KI: automatisierte Frühwarnsignale aus Projektdaten
- Einsatzgrenzen und ethische Überlegungen: wo KI Urteile nicht ersetzen kann
- Strategische KI-Roadmap für projektgetriebene Organisationen
Praxisblock – Strategische Szenarien und Gruppenaufgaben
- Portfolio-Priorisierung: zehn Projektanträge nach strategischem Fit und Ressourcenverfügbarkeit bewerten
- SAFe-PI-Planning-Simulation: Team-Objectives, Abhängigkeiten und Risiken für ein Programm-Inkrement planen
- Hybride Projektarchitektur entwerfen: klassische Entwicklungsphasen mit Scrum-Sprints verbinden
- Risikomatrix auf Programmebene aufbauen und Interdependenzen zwischen Projekten analysieren
- KI-Prognosemodell für Termintreue aus Beispieldaten interpretieren und für Managemententscheidungen aufbereiten
- Benefits-Realization-Plan für ein strategisches Programm entwickeln
- Entscheidungsbaum für eine Portfolio-Entscheidung unter Ressourcenknappheit ausarbeiten
- Stage-Gate-Prozess für ein Innovationsportfolio entwerfen
- Change-Management-Plan für eine agile Transformation in einem klassisch geführten Unternehmen skizzieren
- Führungskräfte-Briefing: Portfoliostatus und strategische Empfehlung in zehn Minuten präsentieren
- LeSS-Koordinationsstruktur für ein skaliertes Produktentwicklungsprogramm planen
- KI-gestützte Risikofrühwarnung in ein bestehendes Governance-Modell integrieren
Die Gruppenaufgaben werden in praxisnahen Szenarien aus der Industrie, der IT und dem öffentlichen Sektor durchgeführt. Diskussionen und kollegiale Kritik der Lösungsansätze sind fester Bestandteil jeder Einheit.
Lernziele:
- Projektportfolios unter strategischen Gesichtspunkten priorisieren und steuern
- Governance-Strukturen für Programme und Portfolios konzipieren und umsetzen
- Klassische und agile Methoden in komplexen Organisationen hybrid kombinieren
- Skalierungsrahmen SAFe und LeSS auf Unternehmensebene einsetzen
- KI-gestützte Analysewerkzeuge für Prognosemodelle und Risikoidentifikation nutzen
- Programm-Roadmaps entwickeln und mit Unternehmenszielen ausrichten
- Strategisches Risikomanagement auf Programm- und Portfolioebene betreiben
- Führungskompetenz in Multiprojektumgebungen und matrixorganisierten Teams aufbauen
- Ressourcenentscheidungen auf Portfolioebene treffen und Priorisierungskonflikte moderieren
- Leistungskennzahlen für Programme und Portfolios definieren und in Management-Reports übersetzen
- Veränderungsprozesse (Change Management) in projektgetriebenen Organisationen strategisch begleiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an erfahrene Projektmanagerinnen und Projektmanager, die Verantwortung über einzelne Projekte hinaus tragen oder anstreben.
- Senior-Projektmanagerinnen und -projektmanager mit mehrjähriger Projektleitungserfahrung
- Programmmanagerinnen und Programmmanager, die parallele Projekte strategisch koordinieren
- Projektportfolio-Manager, die Entscheidungen über Projektpriorisierung und Kapazitätseinsatz treffen
- Agile Coaches und Scrum Master mit Ambitionen in strategischen Führungsrollen
- Führungskräfte und PMO-Mitarbeitende, die Governance-Strukturen für Programm- und Portfoliomanagement aufbauen
Dieser Kurs setzt mehrjährige Berufserfahrung in der operativen Projektleitung voraus. Teilnehmende sollten eigenständig Projekte geleitet, Teams geführt und mit Stakeholdern auf Entscheider-Ebene kommuniziert haben. Solide Kenntnisse klassischer Projektmanagement-Methoden (z. B. Netzplantechnik, Projektstrukturplan, Risikoregister) sowie Grundkenntnisse agiler Arbeitsweisen (Scrum, Kanban) werden erwartet. Erfahrung mit Projektmanagement-Tools wie MS Project oder Jira ist von Vorteil. Englischkenntnisse auf B2-Niveau sind empfehlenswert, da Fachliteratur und Framework-Dokumentation (SAFe, LeSS) teils englischsprachig sind.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs arbeitet mit einem Wechsel aus strukturierten Lehreinheiten, Diskussionsrunden auf Expertenebene und praxisnahen Gruppenszenarien. Da die Teilnehmenden selbst über umfangreiche Projekterfahrung verfügen, fließt das Wissen der Gruppe aktiv in die Diskussionen ein – Fallbeispiele aus dem eigenen Berufsumfeld sind ausdrücklich willkommen und bereichern den Austausch. Online- und Präsenzanteile werden je nach Anbieter kombiniert (Combined Learning), wobei live moderierte Gruppenarbeiten den Kern der Lernarchitektur bilden.
Der Kurs ist für eine Teilnahme in Vollzeit oder Teilzeit ausgelegt. Der strategische Anspruch der Inhalte und die Tiefe der Gruppenszenarien erfordern ausreichend Zeit für angeleitete Reflexion und Transfer. Genaue Terminangaben und Umfang sind bei den anbietenden Trägern zu erfragen.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Externe Projektmanagement-Zertifizierungen wie PMP (PMI), IPMA Level B oder PRINCE2 Practitioner sind nicht Gegenstand dieses Kurses, können jedoch im Anschluss über die jeweiligen Zertifizierungsstellen angestrebt werden; die im Kurs erworbenen Kenntnisse decken wesentliche Inhalte dieser Prüfungen ab.
Nutzen & Perspektiven
Strategisches Projektmanagement ist der Bereich, in dem Projekte aufgehört haben, Einzelaufgaben zu sein, und zu Instrumenten der Unternehmensentwicklung geworden sind. Wer auf dieser Ebene sicher agiert, entscheidet mit, welche Vorhaben Ressourcen erhalten, welche Risiken eingegangen werden und wie eine Organisation ihren Wandel gestaltet. Dieser Kurs stärkt genau diese Entscheidungskompetenz – methodisch fundiert, aber mit klarem Praxisbezug. Die Kombination aus Portfolio-Governance, hybriden Skalierungsrahmen und KI-gestützter Analyse spiegelt wider, was in modernen Programm- und PMO-Rollen tatsächlich verlangt wird. Teilnehmende, die diesen Kurs abschließen, können sofort in komplexen Multiprojektumgebungen ansetzen: Gremien führen, Priorisierungskonflikte moderieren, Risikoentscheidungen begründen und KI-Auswertungen für Managemententscheidungen aufbereiten. Mittelfristig eröffnet die Qualifikation den Weg in Rollen wie Head of PMO, Programmleitung oder strategische Portfoliosteuerung – Positionen, die in projektgetriebenen Organisationen eine wachsende Bedeutung einnehmen und entsprechend vergütet werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie unterscheidet sich dieser Kurs vom Kurs "PM – Planung und Steuerung"?
Der Kurs „PM – Planung und Steuerung" vermittelt operative Planungswerkzeuge: PSP, Netzplan, Gantt-Diagramme, Earned-Value-Analyse und MS Project. Dieser Expertenkurs setzt diese Kenntnisse voraus und behandelt stattdessen strategisches Portfoliomanagement, Governance-Strukturen, hybride Skalierungsrahmen wie SAFe und LeSS sowie KI-gestützte Projektanalyse.
Welche Vorkenntnisse brauche ich wirklich?
Teilnehmende sollten mehrere Jahre operative Projektleitungserfahrung mitbringen und bereits eigenständig Teams geführt sowie mit Stakeholdern auf Entscheider-Ebene kommuniziert haben. Kenntnisse klassischer PM-Methoden und agiler Grundlagen (Scrum, Kanban) werden vorausgesetzt.
Was ist SAFe und warum ist es im Kurs relevant?
SAFe (Scaled Agile Framework) ist ein Skalierungsrahmen, der agile Methoden auf Unternehmensebene bringt. Für erfahrene Projektmanager in größeren Organisationen ist SAFe-Kompetenz zunehmend Voraussetzung, da viele Unternehmen ihre Produktentwicklung auf SAFe umstellen und PM-Fachkräfte benötigen, die diese Strukturen kennen und mitgestalten können.
Wie wird KI im Kurs behandelt?
KI ist kein isoliertes Modul, sondern wird als strategisches Werkzeug behandelt: Prognosemodelle für Termintreue und Kosten, automatisierte Risikofrüherkennung aus Projektdaten und KI-gestützte Kapazitätsplanung. Gleichzeitig werden Grenzen und ethische Aspekte klar benannt.
Bereitet der Kurs auf PMP oder IPMA Level B vor?
Die Inhalte decken wesentliche Themengebiete der PMP-Prüfung (PMI) und von IPMA Level B ab, insbesondere im Bereich strategisches PM, Stakeholder-Management und Programmführung. Der Kurs ist jedoch kein offizielles Prüfungsvorbereitungsprogramm; Teilnehmende profitieren von der inhaltlichen Überschneidung, müssen sich aber eigenständig auf die jeweilige Prüfung vorbereiten.
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