Überblick
Python ist neben Java, C# und C++ eine der bedeutendsten Programmiersprachen der modernen Softwareentwicklung. Wer bereits objektorientierte Grundkenntnisse in Python mitbringt, steht vor der Frage, wie sich die Sprache wirklich meisterhaft beherrschen lässt — nicht nur für einfache Skripte, sondern für robuste, performante und wartbare Softwarelösungen. Dieser Aufbaukurs vermittelt genau jene fortgeschrittenen Techniken, die den Unterschied zwischen solidem Grundwissen und professioneller Python-Entwicklung ausmachen. Von sequentiellen Datentypen über dekorative Programmierung bis hin zu nebenläufiger Ausführung und Bibliotheksentwicklung werden alle Kernthemen systematisch und praxisnah erarbeitet.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Sequentielle Datentypen vertieft: Der Kurs beginnt mit einer gründlichen Aufarbeitung der wichtigsten Python-Datentypen jenseits von Listen. Tupel, Sets und Dictionaries werden nicht nur wiederholt, sondern in ihrer vollen Funktionalität erschlossen — inklusive ihrer besonderen Eigenschaften, Anwendungsgebiete und Performance-Charakteristika. Teilnehmende lernen, welcher Datentyp für welche Aufgabe optimal geeignet ist und wie sich idiomatisches Python in diesem Bereich von naiver Implementierung unterscheidet.
- Tupel — Unveränderlichkeit, Packing und Unpacking
- Sets — Mengenoperationen, Deduplizierung und Mitgliedschaftsprüfungen
- Dictionaries — Iteration, Default-Werte, verschachtelte Strukturen
- Zusammenspiel der Datentypen in realen Szenarien
- Performanzvergleich zwischen Datentypen
- Idiomatischer Python-Code mit collections-Modul
Modul 2 — Comprehensions und funktionale Konzepte: Dieses Modul führt in eines der markantesten Features von Python ein — Comprehensions — und verknüpft sie mit funktionaler Programmierung. Die Teilnehmenden lernen, wie sich komplexe Datenverarbeitungspipelines elegant und effizient formulieren lassen, ohne an Lesbarkeit zu verlieren. Funktionsreferenzen und anonyme Funktionen sind natürliche Begleiter dieser Themen.
- List Comprehensions — Syntax, Bedingungen, verschachtelte Formen
- Dictionary- und Set-Comprehensions
- Generator Expressions für speichereffiziente Verarbeitung
- Funktionen als First-Class-Objekte — Referenzen und Weitergabe
- Lambda-Ausdrücke — Einsatzbereiche und Grenzen
- map, filter, sorted und reduce mit Funktionsreferenzen
Modul 3 — Dekoratoren und Metaprogrammierung: Dekoratoren gehören zu den mächtigsten Werkzeugen in Python und erlauben es, das Verhalten von Funktionen, Methoden und Klassen zu erweitern, ohne deren Quellcode zu verändern. Dieses Modul erklärt das zugrundeliegende Konzept von Closures und höheren Ordnungen und baut darauf auf, eigene Dekoratoren zu schreiben — für Logging, Timing, Caching und mehr. Metaprogrammierung eröffnet zudem tiefgreifende Einblicke in die innere Funktionsweise der Sprache.
- Closures — Grundlage für Dekoratoren verstehen
- Einfache Dekoratoren für Funktionen und Methoden
- Dekoratoren mit Argumenten
- Klassen als Dekoratoren einsetzen
- Standardbibliotheks-Dekoratoren: functools.wraps, lru_cache, property
- Praktische Anwendungsfälle: Logging, Retry-Logik, Autorisierung
Modul 4 — Multithreading und Datei-I/O: Im letzten inhaltlichen Modul lernen die Teilnehmenden, Python-Programme nebenläufig auszuführen — ein entscheidender Schritt für I/O-intensive Anwendungen. Parallel dazu wird der professionelle Umgang mit Dateien behandelt, inklusive strukturierter Fehlerbehandlung. Abschließend wird die Erstellung eigener Python-Bibliotheken gezeigt, die Grundvoraussetzung für den Aufbau modularer, wiederverwendbarer Software.
- threading-Modul — Threads erstellen, starten, synchronisieren
- Race Conditions vermeiden — Locks und Semaphoren
- GIL und seine Implikationen für CPU- und I/O-bound-Tasks
- Dateien lesen und schreiben — Text, Binär, CSV, JSON
- Fehlerbehandlung bei Dateioperationen mit Context Managern
- Eigene Bibliotheken erstellen, strukturieren und importieren
Praxisblock — Umsetzungsprojekte
- Refactoring eines bestehenden Skripts mit Comprehensions und Lambda-Ausdrücken
- Implementierung eines Logging-Dekorators für eine bestehende Klasse
- Entwicklung eines Cache-Dekorators mit Ablaufzeit (TTL)
- Mehrstufige Datentransformation mit verschachtelten Comprehensions
- Nebenläufiger Datei-Download mit threading und Queue
- Lesen und Auswerten einer CSV-Datei mit fehlertoleranter Verarbeitung
- Erstellen einer eigenen Python-Bibliothek mit Setup-Datei und Dokumentation
- Profiling-Session: Laufzeitvergleich von Comprehensions vs. for-Loops
- Kombination von Decorators und Multithreading in einem Anwendungsbeispiel
- Peer-Review von Mitlernenden-Code mit Fokus auf Python-Idiome
- Debugging-Übung: Fehler in multithreadigem Code identifizieren
- Abschlussprojekt: eigenständige, bibliotheksartige Komponente mit Tests
Durchgehend wird auf clean code und die PEP-8-Konventionen geachtet. Die Teilnehmenden entwickeln einen Sinn für gut strukturierten Python-Code, der nicht nur funktioniert, sondern auch von anderen leicht verstanden und gepflegt werden kann.
Lernziele:
- Sie kennen die Datentypen Tupel, Sets und Dictionaries im Detail und setzen diese je nach Anwendungsfall gezielt ein.
- Sie schreiben kompakte, lesbare Datenverarbeitungsausdrücke mit List Comprehensions und erweitern dieses Konzept auf Dictionary- und Set-Comprehensions.
- Sie verstehen Funktionsreferenzen und nutzen Funktionen als First-Class-Objekte in Python-Programmen.
- Sie erstellen anonyme Funktionen mit Lambda-Ausdrücken und wenden diese in Kombination mit Higher-Order-Funktionen an.
- Sie implementieren Dekoratoren, um das Verhalten von Funktionen, Methoden und Klassen nicht-invasiv zu erweitern.
- Sie verstehen das Konzept des Multithreading und schreiben nebenläufige Python-Programme, die mehrere Aufgaben effizient parallel ausführen.
- Sie lesen und schreiben Textdateien und binäre Dateien sicher mit Python und behandeln dabei typische Fehlerquellen wie Encoding-Probleme und Ressourcenlecks.
- Sie strukturieren wiederverwendbaren Code als eigenständige Python-Bibliothek und folgen dabei professionellen Konventionen.
- Sie erkennen, in welchen Situationen welche fortgeschrittene Technik den größten Mehrwert bietet, und begründen Ihre Designentscheidungen.
- Sie debuggen komplexere Python-Programme strukturiert und nutzen dafür Standardwerkzeuge und idiomatische Python-Muster.
- Sie sind in der Lage, Ihren Codestil an professionelle Qualitätsstandards anzupassen und lesbaren, wartbaren Code zu produzieren.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich ausschließlich an Personen mit vorhandenen Python-Kenntnissen in der objektorientierten Programmierung. Grundlagenwissen allein reicht nicht aus — wer bereits OOP in Python versteht und anwenden kann, ist hier genau richtig.
- Python-Entwicklerinnen und -Entwickler, die ihre Kenntnisse professionalisieren möchten
- Backend-Entwickler mit Interesse an effizienterer Codestruktur
- Softwareentwickler aus verwandten Sprachen, die tief in Python einsteigen
- Datenfachleute, die Python-Skripte wartbar und performant gestalten möchten
- Fachinformatiker:innen Anwendungsentwicklung, die sich weiterqualifizieren wollen
Vorausgesetzt werden fundierte Kenntnisse in der objektorientierten Programmierung mit Python — nicht lediglich ein einführendes Grundwissen. Die Teilnehmenden sollten sicher im Umgang mit Klassen, Vererbung und Python-Modulen sein. Darüber hinaus werden Deutschkenntnisse auf B2-Niveau sowie gute Englischkenntnisse erwartet, da viele verwendete Tools und Dokumentationen auf Englisch verfasst sind. Erweiterte PC-Kenntnisse, sicherer Umgang mit Windows und der Dateistruktur sowie Erfahrung mit Entwicklungsumgebungen wie PyCharm oder VS Code setzen die Kursleitung ebenfalls voraus.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined Learning-Format durchgeführt, das strukturierte Online-Lernphasen mit Präsenzeinheiten oder Online-Livesessions kombiniert. Input-Phasen, in denen neue Konzepte eingeführt werden, wechseln sich mit praktischen Coding-Aufgaben ab. Die Teilnehmenden erhalten direktes Feedback zu ihrem Code und arbeiten an konkreten Aufgaben, die zunehmend realen Entwicklungsszenarien entsprechen. Peer-Learning-Elemente, in denen Mitlernende Code gegenseitig reviewen, fördern die Entwicklung eines professionellen Codestils.
Die Weiterbildung wird in Vollzeit durchgeführt und dauert mehr als eine Woche bis maximal einen Monat. Die intensive Vollzeitstruktur schafft den Raum, die fortgeschrittenen Konzepte nicht nur oberflächlich zu streifen, sondern wirklich zu durchdringen und in Übungsaufgaben zu festigen. Genaue Stundenpläne und Wochenprogramme sind bei den einzelnen Anbietern zu erfragen.
Teilnehmende erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden AZAV-zugelassenen Bildungsträgers. Der Abschluss ist kein staatlich anerkannter Abschluss, bestätigt aber nachweislich erworbene Programmierkompetenz auf fortgeschrittenem Niveau und ist in Bewerbungsunterlagen als Qualifizierungsnachweis einsetzbar.
Nutzen & Perspektiven
Python-Entwicklerinnen und -Entwickler, die nur die Grundlagen beherrschen, stoßen in der Praxis schnell an Grenzen — spätestens dann, wenn es um Performance, Wiederverwendbarkeit oder die Integration in größere Systeme geht. Diese Weiterbildung schließt genau diese Lücke: Die Teilnehmenden kehren aus dem Kurs mit Werkzeugen zurück, die ihren täglichen Arbeitsalltag unmittelbar verbessern. Dekoratoren sparen Boilerplate-Code, Comprehensions machen Datenverarbeitung eleganter und lesbarer, Multithreading beschleunigt I/O-intensive Aufgaben erheblich. Auf dem Arbeitsmarkt ist der Unterschied zwischen Junior- und Senior-Python-Entwicklern oft genau an diesen Themen festzumachen. Wer Dekoratoren schreibt, Bibliotheken strukturiert und nebenläufige Programme versteht, wird in technischen Interviews als deutlich erfahrener wahrgenommen und kann entsprechend anspruchsvollere Positionen anstreben. Die Weiterbildung ist damit eine direkte Investition in die eigene Marktfähigkeit. Die Finanzierung kann in vielen Fällen vollständig über Fördermittel abgedeckt werden. Bei AZAV-akkreditierten Trägern ist der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters der häufigste Weg. Je nach Beschäftigungsstatus kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen der Deutschen Rentenversicherung, die Berufsförderung der Bundeswehr oder Rehabilitationsleistungen in Betracht. Eine frühzeitige Beratung bei der zuständigen Stelle klärt, welche Option passend ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist dieser Kurs für Python-Anfänger geeignet?
Nein. Der Kurs setzt fundierte Kenntnisse in objektorientierter Programmierung mit Python voraus. Wer gerade erst beginnt, sollte zunächst einen Python-Grundkurs absolvieren.
Welche Entwicklungsumgebung wird im Kurs verwendet?
Die genaue Entwicklungsumgebung variiert je nach Anbieter. Empfohlen werden professionelle IDEs wie PyCharm oder VS Code. Kenntnisse im Umgang mit diesen Tools werden vorausgesetzt.
Kann ich den Kurs über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Ja, bei AZAV-zugelassenen Trägern ist die Förderung über einen Bildungsgutschein möglich. Zusätzlich kommen das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen der Deutschen Rentenversicherung oder die Berufsförderung der Bundeswehr in Betracht.
Werden in diesem Kurs auch Themen wie asyncio oder type hints behandelt?
Der Kurs konzentriert sich auf die im Lehrplan genannten Kernthemen: Datentypen, Comprehensions, Dekoratoren, Multithreading, Datei-I/O und Bibliothekserstellung. Spezifische Themen wie asyncio oder type hints können je nach Anbieter variieren.
Welches Zertifikat erhalte ich?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers. Dieses bestätigt Ihre fortgeschrittenen Python-Kenntnisse und kann in Bewerbungsunterlagen eingesetzt werden.
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Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Softwareentwickler/in14.177 Stellen
- Fachinformatiker/in - Anwendungsentwicklung4.304 Stellen
- Technische Informatik (grundständig)406 Stellen
- Informationsmanagement (grundständig)57 Stellen
- Mathematik (grundständig)25 Stellen
- Technomathematik (grundständig)11 Stellen