Überblick
Python ist eine der meistgenutzten Programmiersprachen der Welt — und wer sie wirklich professionell einsetzen möchte, kommt an der objektorientierten Programmierung (OOP) nicht vorbei. OOP ist das dominante Paradigma in der modernen Softwareentwicklung: Es ermöglicht, komplexe Programme so zu strukturieren, dass sie wartbar, erweiterbar und wiederverwendbar sind. Dieser Kurs vermittelt das vollständige OOP-Konzept in Python: von der Klassendefinition über Vererbungshierarchien bis hin zu Polymorphie, Datenklassen und professioneller Fehlerbehandlung. Teilnehmende bringen Python-Grundkenntnisse mit und verlassen den Kurs mit dem Rüstzeug für die professionelle Anwendungsentwicklung.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Objektorientierung: Konzepte und erste Klassen Bevor Klassen geschrieben werden, müssen die Grundbegriffe der OOP klar sein. In diesem Modul erarbeiten Sie das konzeptionelle Fundament: Was ist ein Objekt? Was unterscheidet eine Klasse von einer Instanz? Wie denkt man in Objekten statt in Prozeduren? Diese Denkweise ist oft der größte Lernschritt für Einsteiger in die OOP — und bildet die unverzichtbare Basis für alles Weitere.
- Paradigmenwechsel: prozedurales vs. objektorientiertes Denken
- Klassen als Baupläne und Objekte als Instanzen verstehen
- __init__-Methode: Konstruktor und Initialisierung von Objektattributen
- Instanzmethoden definieren und mit dem self-Parameter arbeiten
- Klassenvariablen vs. Instanzvariablen: Unterschiede und Verwendungszwecke
- Objekte ausgeben und vergleichen: __str__, __repr__ und __eq__
Modul 2 — Datenkapselung, Properties und spezielle Methoden Ein zentrales Ziel der OOP ist die Datenkapselung: Objekte schützen ihren inneren Zustand und geben nur definierten Zugriff nach außen frei. In diesem Modul lernen Sie, wie Python Kapselung umsetzt, wie Properties als elegante Zugriffsmechanismen funktionieren und welche speziellen Methoden Python-Objekte besonders ausdrucksstark machen.
- Private und protected Attribute in Python: Konventionen und Name Mangling
- Getter und Setter mit dem @property-Dekorator implementieren
- Read-only Properties und Validierungslogik in Properties einbauen
- Operator-Überladung: __add__, __mul__, __lt__ und weitere magische Methoden
- Containerverhalten simulieren: __len__, __getitem__, __iter__
- Objektlebenszyklus: __del__ und Ressourcenmanagement
Modul 3 — Vererbung und Polymorphie Vererbung ist das mächtigste Werkzeug der OOP: Sie ermöglicht, bestehende Klassen zu erweitern, ohne sie zu verändern. Polymorphie sorgt dafür, dass Objekte unterschiedlicher Klassen auf dieselben Aufrufe unterschiedlich reagieren können. Gemeinsam bilden diese Konzepte die Grundlage für flexible, erweiterbare Softwarearchitekturen.
- Basisklassen und abgeleitete Klassen: Syntax und Semantik der Vererbung
- super()-Funktion: Konstruktoren und Methoden der Elternklasse aufrufen
- Methodenüberschreibung (Override) und Erweiterung von Elternklassenmethoden
- Abstrakte Basisklassen (ABC) und abstrakte Methoden mit dem abc-Modul
- Mehrfachvererbung in Python und der MRO-Algorithmus (Method Resolution Order)
- Polymorphie durch Duck Typing: Pythons pragmatischer Ansatz zur Typflexibilität
Modul 4 — Datenklassen, Enumerations und Fehlerbehandlung Neuere Python-Versionen bieten elegante Erweiterungen des OOP-Systems: Datenklassen reduzieren Boilerplate-Code erheblich, Enumerations machen Konstantensätze typsicher, und ein professionelles Fehlerbehandlungssystem macht Programme robuster. Dieses Modul schließt die OOP-Ausbildung mit diesen modernen Python-Konzepten ab.
- @dataclass: automatische Generierung von __init__, __repr__ und __eq__
- field()-Funktion für komplexe Standardwerte und Metadaten in Datenklassen
- frozen Datenklassen als unveränderliche Wertobjekte
- Enum-Klassen definieren und für typsichere Konstanten verwenden
- Ausnahmebehandlung: try, except, else, finally im Detail
- Eigene Ausnahmeklassen in einer Klassenhierarchie definieren
- raise und raise from für aussagekräftige Fehlerfortpflanzung
Praxis-Block — OOP-Projekt von Grund auf entwickeln Im Praxis-Block entwickeln Sie ein vollständiges Python-Projekt unter ausschließlicher Nutzung objektorientierter Techniken. Ziel ist es, alle gelernten Konzepte — Klassen, Vererbung, Polymorphie, Datenklassen, Enumerations, Fehlerbehandlung — in einem kohärenten Softwaredesign zu vereinen.
- Anforderungsanalyse und Identifikation von Klassen und deren Beziehungen
- UML-Klassendiagramm als Designgrundlage skizzieren
- Basisklassen und Vererbungshierarchie implementieren
- Datenkapselung und Properties für Attributzugriff einrichten
- Datenklassen für einfache Werteobjekte einsetzen
- Enumerations für Statuscodes und Typen verwenden
- Polymorphie durch einheitliche Schnittstellen realisieren
- Umfassende Fehlerbehandlung und eigene Ausnahmen integrieren
- Unit-Tests für Klassen und Methoden schreiben
- Code-Review: Klassenentwurf auf SOLID-Prinzipien überprüfen
- Refactoring: Dopplungen eliminieren und Abstraktionen verbessern
- Abschlusspräsentation des Klassendesigns mit Begründung der Entwurfsentscheidungen
Übungsaufgaben begleiten jedes Modul, sodass Konzepte sofort in eigenen Codezeilen erprobt werden. Die Lehrenden analysieren Entwurfsentscheidungen gemeinsam mit den Teilnehmenden und geben Feedback sowohl zur technischen Korrektheit als auch zur Qualität des Softwaredesigns.
Lernziele:
- Das objektorientierte Paradigma in Python vollständig verstehen und anwenden
- Eigene Klassen mit Attributen, Properties, Konstruktoren und Methoden definieren
- Datenkapselung als Schutzmechanismus für Objekt-Interna umsetzen
- Vererbungshierarchien aufbauen und sinnvoll einsetzen
- Polymorphie durch Methodenüberschreibung und abstrakte Klassen realisieren
- Operator-Überladung für eigene Klassen implementieren
- Spezielle Python-Methoden (Dunder-Methoden) verstehen und gezielt einsetzen
- Datenklassen mit dem dataclass-Dekorator nutzen und von regulären Klassen abgrenzen
- Enumerations für typsichere Konstanten verwenden
- Laufzeitfehler systematisch erkennen, fangen und behandeln
- Eigene Ausnahmeklassen definieren und in Klassenhierarchien integrieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit grundlegenden Python-Kenntnissen, die die objektorientierte Programmierung systematisch erlernen und damit die Grundlage für professionelle Softwareentwicklung legen möchten. Er ist als Aufbaukurs nach einem Python-Grundlagenkurs konzipiert.
- Python-Einsteiger, die nach dem Grundlagenkurs den nächsten Schritt machen
- Entwickler aus anderen Programmiersprachen, die Python-OOP systematisch kennenlernen wollen
- Datenanalysten und Data Scientists, die ihre Python-Kenntnisse auf Software-Niveau heben möchten
- IT-Fachkräfte, die objektorientiertes Denken in Python-Projekten anwenden wollen
- Berufseinsteiger in der Softwareentwicklung, die Python als erste professionelle Sprache erlernen
Teilnehmende benötigen grundlegende Kenntnisse in Python — insbesondere Variablen, Datentypen, Schleifen, Funktionen und einfache Datenstrukturen. Allgemeine Grundkenntnisse in der Softwareentwicklung sind hilfreich. Deutschkenntnisse auf B2-Niveau sind erforderlich; gute Englischkenntnisse werden benötigt, da Teile der Dokumentationen und Entwicklungstools auf Englisch verfasst sind. Eine hohe IT-Affinität sowie sicherer Umgang mit dem PC und Dateisystemen werden vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Combined Learning statt und kombiniert Instruktionseinheiten mit sofortiger praktischer Anwendung am Rechner. Für jedes neue Konzept gibt es direkt anschließende Übungsaufgaben, die die Verinnerlichung fördern. Lehrende geben regelmäßiges Feedback zu Codequalität und Entwurfsentscheidungen. Der Austausch in der Gruppe beim gemeinsamen Besprechen von Lösungsansätzen stärkt das Problemlösungsdenken. Die Vollzeitstruktur ermöglicht eine intensive und fokussierte Lernumgebung.
Die Weiterbildung dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat in Vollzeit. Die tägliche Lernintensität ist hoch, da das Erlernen von Programmierkonzepten viel praktische Übungszeit erfordert. Der genaue Umfang hängt vom gewählten Bildungsträger ab. Der Kurs schließt direkt an Python-Grundlagenkurse an und bildet die Brücke zum Aufbaukurs Anwendungsentwicklung.
Teilnehmende erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Das Dokument bestätigt die Teilnahme und den Erwerb von OOP-Kenntnissen in Python. Da es sich um ein trägerinternes Zertifikat handelt, empfehlen wir, die Kompetenzen durch eigene Coding-Projekte zu belegen, die als Portfolio eingesetzt werden können.
Nutzen & Perspektiven
Objektorientiertes Programmieren ist kein optionales Extra — es ist das Fundament, auf dem die überwiegende Mehrheit moderner Softwareprojekte aufbaut. Wer Python ohne OOP-Kenntnisse betreibt, stößt früh an Grenzen: Code wird unübersichtlich, Änderungen werden riskant, Wiederverwendbarkeit bleibt aus. Mit diesem Kurs erwerben Teilnehmende das Rüstzeug, um als vollwertige Mitglieder in professionellen Entwicklungsteams zu arbeiten. Der Kurs ist außerdem ein unverzichtbares Sprungbrett für den nächsten Schritt in der Python-Ausbildung: Die Anwendungsentwicklung mit GUI, Datenbankanbindung und REST-APIs setzt OOP-Kenntnisse voraus. Wer diesen Kurs abschließt, kann direkt in den Aufbaukurs Anwendungsentwicklung einsteigen und damit ein vollständiges professionelles Python-Kompetenzprofil aufbauen. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Weitere Fördermöglichkeiten bestehen über das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Rehabilitationsleistungen oder Förderprogramme der Deutschen Rentenversicherung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich schon Python können, bevor ich diesen Kurs belege?
Ja, grundlegende Python-Kenntnisse sind Voraussetzung. Sie sollten Variablen, Datentypen, Schleifen, Funktionen und einfache Datenstrukturen bereits kennen. Der Kurs ist ein Aufbaukurs und beginnt nicht bei null.
Was ist der Unterschied zwischen einer Klasse und einem Objekt?
Eine Klasse ist der Bauplan, ein Objekt ist eine konkrete Instanz dieses Bauplans. Zum Beispiel ist "Auto" eine Klasse, ein bestimmtes Auto mit einem bestimmten Kennzeichen ist ein Objekt. Dieser Unterschied wird im Kurs von Grund auf erarbeitet.
Bereitet der Kurs auf weitere Python-Kurse vor?
Ja, OOP ist die Voraussetzung für den Aufbaukurs Python Anwendungsentwicklung, in dem Sie GUI-Anwendungen, Datenbankanbindungen und REST-APIs entwickeln. Die OOP-Kenntnisse sind außerdem Grundlage für fortgeschrittene Themen wie Data Science-Bibliotheken und Frameworks.
Werden auch neuere Python-Features wie Datenklassen behandelt?
Ja, der Kurs behandelt neben klassischen OOP-Konzepten auch moderne Python-Features wie den @dataclass-Dekorator, Enumerations und aktuelle Best Practices der Fehlerbehandlung. Sie erlernen Python-OOP auf dem Stand aktueller Entwicklungspraxis.
Kann ich diesen Kurs mit einem Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist der Kurs in der Regel über Bildungsgutschein förderbar. Kontaktieren Sie Ihre Agentur für Arbeit oder Ihr Jobcenter, um Ihre Förderberechtigung zu prüfen.
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