Überblick
Regalanlagen in Lager- und Logistikbetrieben müssen regelmäßig durch eine befähigte Person geprüft werden. Diese Fortbildung richtet sich an Personen, die bereits als Regalprüfer:innen tätig sind oder diese Aufgabe übernehmen sollen, und verbindet rechtliche Grundlagen mit praxisnahem Erfahrungsaustausch. Behandelt werden die normativen Anforderungen der DIN EN 15635, Haftungs- und Gefährdungsbeurteilungsfragen sowie konkrete Bewertungskriterien für typische Schadensmuster an Regalanlagen. Das Seminarformat erlaubt die direkte Einbindung von Fragen und Fällen aus dem Teilnehmerkreis, was den Erfahrungsaustausch unter Praktiker:innen in den Mittelpunkt stellt.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Rechtliche Grundlagen und Prüfpflicht Betreiber von Regalanlagen sind gesetzlich verpflichtet, diese regelmäßig durch eine befähigte Person auf Sicherheit prüfen zu lassen. Dieser Abschnitt klärt, welche normativen Grundlagen gelten, wer als befähigte Person anerkannt wird und welche betrieblichen Abläufe sicherzustellen sind.
- Warum müssen Regale geprüft werden? Unfallgeschehen und rechtliche Verpflichtungen
- Normative Grundlagen: DIN EN 15635, DGUV-Information 208-043 (früher BGR 234)
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und Arbeitsschutzgesetz im Kontext Lager
- Anforderungen an die befähigte Person: Qualifikation, Kenntnisse, Bestellung
- Prüffrequenzen: wöchentliche Sichtprüfung durch Bedienpersonal, jährliche Hauptprüfung
- Verantwortungsverteilung: Betreiber, Lagerleitung, befähigte Person
Modul 2: Gefährdungsbeurteilung und Schadensklassifizierung Die praktische Prüfkompetenz entsteht durch das sichere Erkennen und Bewerten von Schadenszuständen. Dieser Abschnitt behandelt systematisch die Schadensklassen nach DIN EN 15635 und gibt praxisnahe Bewertungshilfen für typische Schadensbilder.
- Gefährdungsbeurteilung für Regalanlagen: Vorgehensweise und Dokumentation
- Schadensklassen Grün/Gelb/Rot nach DIN EN 15635: Merkmale und Konsequenzen
- Typische Schäden: Deformationen an Ständerprofilen, Längs- und Querträgern
- Rostbildung an tragenden Bauteilen: Bewertungskriterien und Grenzwerte
- Fehlende oder beschädigte Verschraubungen, Verankerungen und Sicherungselemente
- Überladung: Erkennen und Konsequenzen aus überschrittenen Lastangaben
Modul 3: Sicherheitsmanagement und Dokumentation Regalprüfung ist kein einmaliger Akt, sondern Teil eines kontinuierlichen Sicherheitsmanagements. Dieser Abschnitt zeigt, wie Prüfergebnisse in ein betriebliches Sicherheitssystem eingebunden werden und welche Dokumentationsanforderungen gelten.
- Prüfprotokolle: Struktur, Mindestinhalte und normgerechte Dokumentation
- Mängelerfassung und Nachverfolgung bis zur Beseitigung
- Sofortmaßnahmen bei Rotstufenschäden: Sperrung und Nutzungsverbot
- Kommunikation von Prüfergebnissen: intern an Lagerleitung und Geschäftsführung
- Reparatur oder Austausch: Entscheidungsgrundlagen und Herstellerkontakt
- Wiederzulassung nach Reparatur: Anforderungen und Dokumentation
Praxisblock: Erfahrungsaustausch aus dem Prüferalltag Das Seminar lebt vom kollegialen Austausch unter erfahrenen und angehenden Regalprüfenden. Konkrete Praxisfälle aus dem Teilnehmerkreis werden eingebracht, diskutiert und bewertet. Der Erfahrungsaustausch ergänzt die theoretischen Blöcke und schärft den Blick für die Variationsbreite realer Prüfsituationen.
- Fälle aus dem Prüferalltag: welche Situationen sind besonders anspruchsvoll?
- Bewertungsspielräume: wo liegt die Grenze zwischen Gelb und Rot?
- Umgang mit Betreibern, die Mängel nicht beseitigen wollen
- Haftungsrisiken für die befähigte Person: aktuelle Rechtsprechung
- Neue Regaltypen und Sonderanlagen: Hochregale, Einfahrregale, Weitspannregale
- Kombinationen aus Regal- und Fahrzeugschäden: Gabelstapler-Kollisionen dokumentieren
- Digitale Prüfhilfen und Apps für die Begehung
- Aktuelle Normenänderungen und Informationen der DGUV
- Umgang mit Lagererweiterungen und nachträglich eingebauten Regalteilen
- Prüfung von Langgutregalanlagen und Kragarmregalen
- Qualitätssicherung der eigenen Prüftätigkeit: Zweitmeinungen einholen
- Offene Fragerunde zu individuellen Prüfszenarien der Teilnehmenden
Die Fortbildung richtet sich ausdrücklich auch an erfahrene Regalprüfer:innen, die ihr Wissen auffrischen und neue Entwicklungen kennenlernen möchten. Der Austausch untereinander ist ein wesentlicher Teil des Seminarprogramms.
Lernziele:
- Rechtliche und normative Grundlagen der Regalprüfpflicht sicher kennen und anwenden
- Gefährdungsbeurteilung für Regalanlagen systematisch durchführen
- Typische Schadensbilder an Regalanlagen erkennen, einordnen und dokumentieren
- Haftungsrechtliche Verantwortung als befähigte Person und als Betreiber verstehen
- Bewertungsspielräume der Prüfperson kennen und verantwortungsvoll nutzen
- Sicherheitsmanagementsysteme für Regalanlagen aufbauen und aufrechterhalten
- Prüfprotokolle und Dokumentation normgerecht gestalten
- Praktische Fragen aus dem eigenen Betrieb mit anderen Prüfenden diskutieren
- Aktuelle Entwicklungen in der Regalprüfung kennenlernen
- Konsequenzen aus Prüfergebnissen ableiten: Sperrung, Reparatur, Austausch
- Kommunikation von Prüfergebnissen an Betreiber und Vorgesetzte
- Persönliche Prüfkompetenz durch kollegialen Austausch festigen und erweitern
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Fortbildung ist für Fachkräfte konzipiert, die in ihrer betrieblichen Funktion mit der Prüfung von Regalanlagen betraut sind oder diese Aufgabe zukünftig übernehmen sollen. Relevante Arbeitsbereiche sind Lager, Logistik, Instandhaltung und Arbeitssicherheit.
- Lagermitarbeiter:innen, die zur befähigten Person für Regalprüfung bestellt werden sollen
- Sicherheitsbeauftragte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit mit Zuständigkeit für Lager
- Lagerleiter:innen und Logistikverantwortliche in Industrie- und Handelsbetrieben
- Mitarbeitende aus der Wartung und Instandhaltung mit Prüfaufgaben
- Bereits tätige Regalprüfer:innen, die ihre Kenntnisse auffrischen möchten
Grundkenntnisse über den Stand der Technik von Regalanlagen sowie Erfahrung im Lager- oder Logistikumfeld werden vorausgesetzt. Die Fortbildung setzt keine spezifische Berufsausbildung voraus, erfordert aber technisches Verständnis und Praxisbezug zu Lager- und Regalumgebungen.
Ablauf & Abschluss
Das Seminar findet ganztägig in Präsenz statt. Der Unterricht wechselt zwischen kompakter Wissensvermittlung, Fallbeispielen und Diskussionsrunden. Praxisfälle aus dem Teilnehmerkreis werden aktiv in den Ablauf eingebunden. Bildmaterial, Prüfprotokolle und Schadensfotografien illustrieren die vermittelten Bewertungskriterien und erleichtern den Transfer in die betriebliche Prüftätigkeit. Die überschaubare Seminargröße ermöglicht eine individuell ausgerichtete Diskussion.
Das Seminar dauert bis zu drei Tage in Vollzeit. Der kompakte Zeitrahmen macht die Fortbildung auch für Berufstätige gut planbar, da keine langen Abwesenheitszeiten entstehen.
Die Teilnehmenden erhalten eine Teilnahmebestätigung der DEKRA Akademie. Diese Bestätigung dokumentiert die Fortbildung als befähigte Person zur Regalprüfung und kann als Nachweis gegenüber Betreibern und im Rahmen der betrieblichen Bestellung vorgelegt werden. Ein formales staatliches Zertifikat für Regalprüfer:innen existiert nicht; die DEKRA-Bestätigung ist in der Branche jedoch anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Regalunfälle in Lagern gehören zu den häufigsten schwerwiegenden Arbeitsunfällen im Logistikbereich und können bei mangelhafter Wartung zu erheblichen materiellen Schäden und Personenverletzungen führen. Wer die normativen Anforderungen kennt und die Bewertungsspielräume der DIN EN 15635 sicher beherrscht, schützt nicht nur Kolleg:innen und Betrieb, sondern steht auch haftungsrechtlich auf festem Boden. Gerade bei der Frage, wann ein Schaden noch in der Gelbstufe liegt oder bereits eine Sofortsperrung erfordert, entstehen in der Praxis immer wieder Unsicherheiten. Die Fortbildung vermittelt die dafür notwendigen Kriterien und ermöglicht es durch den Austausch mit anderen Prüfer:innen, das eigene Urteilsvermögen zu kalibrieren. Das schafft Sicherheit — für die Person, die prüft, und für den Betrieb, der die Prüfpflicht erfüllen muss. Für Betriebe mit mehreren Lagerstandorten oder regelmäßigem Einsatz wechselnder Prüfpersonen ist die regelmäßige Fortbildung der eingesetzten Prüfer:innen ein wichtiger Baustein des betrieblichen Sicherheitsmanagements. Die DEKRA-Bestätigung erleichtert dabei den Nachweis der Qualifikation gegenüber Behörden, Versicherern und im Rahmen von Audits.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine befähigte Person zur Regalprüfung?
Als befähigte Person gilt, wer aufgrund fachlicher Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen Regalanlagen sicher beurteilen und prüfen kann. Die Anforderungen sind in der Betriebssicherheitsverordnung und der DIN EN 15635 geregelt; eine formale Qualifizierung wie diese Fortbildung ist der übliche Nachweis.
Welche Normen regeln die Regalprüfung in Deutschland?
Die DIN EN 15635 legt den europäischen Standard für die sichere Verwendung und Inspektion von Stahlregalsystemen fest. Ergänzend gilt die DGUV-Information 208-043 (frühere BGR 234). Beide Werke definieren Prüfpflichten, Schadensklassen und Prüfintervalle.
Wie oft müssen Regalanlagen geprüft werden?
Die DIN EN 15635 unterscheidet zwischen der wöchentlichen Sichtprüfung durch betriebliches Personal und der mindestens jährlichen Hauptprüfung durch eine befähigte Person. Bei erhöhter Nutzungsintensität oder nach Schadensereignissen können kürzere Prüfintervalle notwendig sein.
Was passiert bei Rotstufenschäden?
Rot klassifizierte Schäden bedeuten eine unmittelbare Gefährdung; das betroffene Regalfeld oder die gesamte Anlage muss sofort gesperrt und das Lagergut entfernt werden. Eine Nutzung darf erst nach fachmännischer Reparatur und Freigabe wieder erfolgen.
Richtet sich die Fortbildung auch an erfahrene Regalprüfer:innen?
Ausdrücklich ja. Der Fortbildungs- und Erfahrungsaustausch-Charakter des Seminars ist gezielt auch für Prüfer:innen konzipiert, die ihre Kenntnisse auf aktuellem Stand halten, Fälle aus der eigenen Praxis einbringen und sich mit anderen Prüfer:innen austauschen möchten.
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