Überblick
Scrum ist das weltweit am weitesten verbreitete agile Framework für die Entwicklung und Lieferung komplexer Produkte. Ursprünglich aus der Softwareentwicklung stammend, hat sich Scrum als Steuerungsmodell in IT, Produktentwicklung, Marketing und vielen weiteren Bereichen etabliert. Der Kurs Scrum Foundation vermittelt das vollständige Framework: die drei Scrum-Rollen (Scrum Master, Product Owner, Developer), die fünf Ereignisse (Sprint, Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review, Sprint Retrospective), die drei Artefakte (Product Backlog, Sprint Backlog, Inkrement) und die fünf Grundwerte. Wer diesen Kurs abschließt, versteht nicht nur, wie Scrum funktioniert, sondern auch, warum es so funktioniert – und kann das Framework in realen Teams anwenden.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Block legt das Fundament des Scrum-Frameworks. Teilnehmende verstehen, was Scrum vom traditionellen Projektmanagement unterscheidet und warum empirisches Arbeiten in komplexen Umgebungen dem Planen nach Wasserfall überlegen ist. Die fünf Scrum-Werte – Commitment, Fokus, Offenheit, Respekt, Mut – werden nicht als Dekoration behandelt, sondern als funktionale Grundlage eines funktionierenden Scrum-Teams.
- Grundprinzipien des agilen Manifests und ihre Relevanz für Scrum
- Empirismus – Transparenz, Überprüfung, Anpassung als Steuerungsphilosophie
- Scrum-Werte – Commitment, Fokus, Offenheit, Respekt, Mut
- Scrum vs. Wasserfall – Wann welcher Ansatz passt
- Scrum und Kanban – Gemeinsamkeiten und strukturelle Unterschiede
- Einordnung von Scrum in die Landschaft agiler Frameworks (XP, SAFe, LeSS)
Der zweite Block behandelt die drei Scrum-Rollen in ihrer vollen Tiefe. Dabei geht es nicht um Organigrammpositionen, sondern um Verantwortlichkeiten und das Zusammenspiel, das Scrum erst funktionsfähig macht.
- Scrum Master – Servant Leadership, Impediment-Beseitigung, Team-Coaching
- Product Owner – Product-Backlog-Pflege, Priorisierung, Stakeholder-Management
- Developer – Selbstorganisation, Qualitätsverantwortung, Sprint-Planung
- Das Scrum Team als Einheit – keine Hierarchie, gemeinsame Verantwortung
- Typische Rollenverwechslungen und wie sie Scrum untergraben
- Rollen und externe Stakeholder – Erwartungsmanagement und Entscheidungsgrenzen
Der dritte Block widmet sich den fünf Scrum-Ereignissen und drei Artefakten. Teilnehmende verstehen, welchen Zweck jedes Ereignis hat und warum timeboxed Meetings keine optionalen Rituale, sondern essentielle Steuerungsmechanismen sind. Ebenso wird erarbeitet, wie Artefakte als Transparenzwerkzeuge funktionieren.
- Sprint – Timebox, Ziel, Planung und Abbruchkriterien
- Sprint Planning – Kapazitätsplanung, Sprint Goal setzen, Sprint Backlog befüllen
- Daily Scrum – Koordination statt Statusbericht, Zweck und Format
- Sprint Review – Inkrement vorstellen, Feedback einarbeiten, Backlog anpassen
- Sprint Retrospective – Prozessauswertung, Verbesserungen identifizieren und umsetzen
- Product Backlog – Struktur, Priorisierungstechniken (MoSCoW, WSJF)
- Sprint Backlog und Inkrement – Definition of Done als Qualitätsanker
Der vierte Block vertieft die praktische Arbeit am Product Backlog. User Stories, Akzeptanzkriterien, Story Points und verschiedene Schätztechniken werden nicht nur erklärt, sondern in Übungen angewendet.
- User Stories schreiben – Format, Granularität und Akzeptanzkriterien
- Epics, Stories und Tasks – Backlog-Hierarchie und Aufspaltungsstrategien
- Schätzmethoden – Planning Poker, T-Shirt-Sizing, Affinity Estimation
- Velocity und Burn-Down – Steuerungsgrößen verstehen und nutzen
- Backlog Refinement – Rhythmus, Tiefe und typische Fehler
- Priorisierungsrahmen – MoSCoW, Business Value, technische Abhängigkeiten
In praktischen Übungsformaten wenden die Teilnehmenden das Framework direkt an. Die Gruppenübungen simulieren reale Sprint-Abläufe und geben Gelegenheit, Rollen zu erleben und Moderationstechniken zu erproben.
- Sprint-Simulation: Planning, Daily, Review und Retrospektive im Rollenspiel
- Product-Backlog aufbauen und User Stories für ein Beispielprodukt schreiben
- Sprint Goal formulieren und mit dem Sprint Backlog verknüpfen
- Burn-Down-Chart für einen Beispiel-Sprint aufbauen und auswerten
- Moderationsübung: Daily Scrum mit einer realen Gruppenstruktur
- Gruppenauswertung einer Sprint-Retrospektive mit Verbesserungsableitung
- Definition of Done für ein Beispielteam entwickeln
- Impediment-Analyse: Hindernisse erkennen, priorisieren und adressieren
- Rollensimulation: Scrum-Master-Intervention bei Dysfunktionen üben
- Stakeholder-Feedback in einer Sprint-Review-Simulation auswerten
- Backlog-Priorisierung nach Business Value in einer Gruppenübung
- Abschlussauswertung: Was bleibt, was ändere ich in meiner Arbeit?
Kursbegleitend werden typische Dysfunktionen in Scrum-Teams – zu lange Dailys, fehlende Sprint Goals, POs ohne Entscheidungsbefugnis – analysiert und konkrete Gegenstrategien erarbeitet. Ebenso wird thematisiert, wie Scrum in Umgebungen mit wenig Rückhalt eingeführt werden kann und welche Rollenkonflikte häufig entstehen, wenn Teams traditionell strukturierter Organisationen auf das Framework treffen.
Lernziele:
Nach erfolgreichem Abschluss dieses Kurses beherrschen die Teilnehmenden folgende Kompetenzen.
- das Scrum-Framework vollständig beschreiben: Rollen, Ereignisse, Artefakte und Werte
- die Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Scrum Master, Product Owner und Developers klar voneinander abgrenzen
- einen Sprint von der Planung bis zur Review vollständig begleiten und strukturieren
- User Stories und Product-Backlog-Items schreiben, schätzen und priorisieren
- ein Sprint Backlog aus dem Product Backlog herleiten und für ein Sprint Planning vorbereiten
- Sprint Reviews strukturieren und Feedback von Stakeholdern produktiv einbinden
- Sprint-Retrospektiven moderieren und konkrete Verbesserungsfelder identifizieren
- Definition of Done (DoD) für ein Team entwickeln und konsistent anwenden
- Burn-Down-Charts und Velocity als Steuerungsgrößen interpretieren
- Scrum empirisch und iterativ einsetzen: Transparenz, Überprüfung, Anpassung
- typische Dysfunktionen in Scrum-Teams erkennen und mit konkreten Gegenstrategien begegnen
- Scrum von verwandten Frameworks wie Kanban und SAFe abgrenzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an alle, die Scrum verstehen, einführen oder in einem Scrum-Team mitwirken möchten. Besonders angesprochen sind Personen, die eine der drei Scrum-Rollen einnehmen werden, sowie Führungskräfte, die agile Teams begleiten.
- Angehende Scrum Master, die das Framework vollständig verstehen wollen
- Angehende Product Owner mit Verantwortung für Backlog und Produktvision
- Entwickler und Fachkräfte, die in Scrum-Teams aktiv mitwirken
- Projektkoordinator/innen, die auf agiles Arbeiten umsteigen
- Führungskräfte und Manager/innen, die Scrum-Teams begleiten und unterstützen
Grundlegende Berufserfahrung ist hilfreich, um die Beispielszenarien einordnen zu können. Vorkenntnisse in Scrum oder agilen Methoden sind keine Voraussetzung – der Kurs ist als vollständiger Einstieg konzipiert. PC-Grundkenntnisse für die Arbeit mit digitalen Backlog-Werkzeugen sind vorteilhaft.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet erklärende Lerneinheiten mit aktiven Simulationsformaten. Gruppenübungen machen Scrum-Ereignisse und Rollen direkt erlebbar, statt sie nur zu beschreiben. Auswertungsrunden nach den Simulationen helfen, Beobachtungen zu strukturieren und auf die eigene Arbeitssituation zu übertragen. Das Format ist auf aktive Beteiligung ausgerichtet.
Scrum Foundation wird typischerweise in einem kompakten Format über mehrere Tage angeboten. Details zu Terminen, Unterrichtszeiten und Onlineanteilen stellen die Anbieter bereit.
Nach Kursabschluss erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Je nach Anbieter kann der Kurs mit einer anerkannten Foundation-Prüfung (z. B. Scrum.org PSM I oder ScrumAlliance CSM) abschließen. Details dazu sind beim jeweiligen Kursanbieter zu erfragen.
Nutzen & Perspektiven
Scrum ist heute in der IT-Branche und darüber hinaus ein Standardwerkzeug für die Steuerung komplexer Vorhaben. Wer das Framework wirklich versteht – nicht nur die Terminologie kennt –, kann in Scrum-Teams sofort produktiv beitragen, unabhängig davon, ob die Rolle Scrum Master, Product Owner oder Developer ist. Der Kurs stärkt nicht nur Methodenwissen, sondern auch konkrete Handlungskompetenz: Wie wird ein Sprint Planning produktiv gehalten? Wie wird eine Retrospektive so moderiert, dass echte Verbesserungen entstehen? Wie reagiert ein Scrum Master, wenn das Team unter äußerem Druck die Sprint-Timebox aufgibt? Diese Fragen werden im Kurs durch Simulationen und Gruppenauswertungen greifbar. Scrum Foundation legt auch den Grundstein für weiterführende Zertifizierungen. Wer PSM I oder CSM nach Kursabschluss ablegen möchte, hat mit diesem Kurs das nötige inhaltliche Rüstzeug. Darüber hinaus schafft das Verständnis von Scrum eine solide Basis für verwandte Frameworks wie SAFe, LeSS oder Nexus, die auf Scrum aufbauen und es in Organisationsstrukturen skalieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Scrum und wofür wird es eingesetzt?
Scrum ist ein agiles Framework für die iterative Entwicklung und Lieferung komplexer Produkte. Ursprünglich aus der Softwareentwicklung, wird es heute in vielen Branchen genutzt – von IT-Projekten über Produktentwicklung bis hin zu Marketing und Organisation.
Welche Rollen gibt es in Scrum?
Scrum definiert drei Rollen: Scrum Master (verantwortlich für das Framework und die Beseitigung von Hindernissen), Product Owner (verantwortlich für das Product Backlog und die Produktvision) und Developer (zuständig für die Lieferung des Inkrements). Jede Rolle hat klar definierte Verantwortlichkeiten.
Brauche ich Vorkenntnisse für diesen Kurs?
Nein. Der Kurs ist als vollständiger Einstieg ins Scrum-Framework konzipiert und setzt keine agilen Vorkenntnisse voraus. Grundlegende Berufserfahrung hilft dabei, die Beispielszenarien besser einzuordnen.
Welches Zertifikat kann ich nach dem Kurs ablegen?
Nach Kursabschluss gibt es eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Je nach Anbieter ist auch die Vorbereitung auf anerkannte Scrum-Zertifizierungen wie Scrum.org PSM I oder ScrumAlliance CSM möglich. Details dazu sind beim jeweiligen Anbieter zu erfragen.
Was unterscheidet Scrum von Kanban?
Scrum arbeitet in festen Zeitrahmen (Sprints) mit definierten Rollen und Ereignissen. Kanban setzt auf einen kontinuierlichen Durchlauf von Aufgaben ohne feste Iterationen und legt den Fokus auf Visualisierung und WIP-Limits. Beide Frameworks werden im Kurs eingeordnet und verglichen.
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