Überblick
Wer den PSM I bereits abgelegt hat und als Scrum Master tagtäglich Teams begleitet, stößt früher oder später an die Grenzen rein methodischer Kenntnisse. Die wirklich schwierigen Situationen im Arbeitsalltag entstehen nicht aus mangelndem Scrum-Wissen, sondern aus komplexen Teamdynamiken, Organisationswiderständen und der Herausforderung, mehrere Teams in einem gemeinsamen Rhythmus zu koordinieren. Genau hier setzt der Scrum Master Advanced-Kurs an: Er entwickelt erfahrene Scrum Master zu wirksamen organisationalen Veränderungsgestaltern weiter, die Teams systemisch begleiten, Führung ohne Autorität ausüben und agile Prinzipien auch über Teamgrenzen hinaus verankern können. Die Weiterbildung bereitet gezielt auf die Professional Scrum Master II-Prüfung (PSM II) von Scrum.org vor.
Kursinhalte & Lernziele
Erweiterte Scrum-Mastery und Rollenverständnis Das erste Modul geht weit über die Grundlagen hinaus. Erfahrene Scrum Master analysieren ihre bisherige Praxis und erweitern ihr Repertoire um systemische Perspektiven, die in einfachen Schulungsformaten selten behandelt werden.
- Scrum Master vs. Agile Coach vs. Organisationsberater: Rollenklarheit in komplexen Kontexten
- Servant Leadership in der Praxis: Fördern ohne zu steuern, ermächtigen ohne zu entscheiden
- Teamdynamiken lesen: Tuckman-Phasen, psychologische Sicherheit und Vertrauen
- Dysfunktionen identifizieren: Lencioni's fünf Dysfunktionen eines Teams anwenden
- Moderationstechniken für schwierige Retros und Konfliktsituationen
- Umgang mit widerständigen Stakeholdern und ausweichenden Product Ownern
Systemisches Coaching und organisationale Wirksamkeit Coaching ist mehr als Fragenstellen — es ist eine Haltung. Dieses Modul vermittelt die konzeptionellen Grundlagen systemischen Denkens und zeigt, wie Scrum Master diese Haltung in konkreten Team- und Organisationssituationen einsetzen.
- Systemisches Denken: Regelkreise, emergente Phänomene, nicht-lineare Kausalität
- Coaching-Werkzeuge: Skalierungsfragen, Reframing, Hypothesenarbeit
- Team-Gesundheitschecks: Squad Health Check, Team Radar und verwandte Formate
- Organisationscoaching: Vom Team-Level zur Abteilungs- und Unternehmensebene
- Widerstand als Information: Was Widerstände über das System verraten
- Change-Architekturen: Wie man nachhaltige Veränderungsprozesse initiiert und begleitet
Agile Skalierung: LeSS, Nexus und Multi-Team-Koordination Wenn Scrum auf Programm- und Portfolio-Ebene eingesetzt wird, entstehen neue Koordinationsaufgaben. Dieses Modul erklärt die wichtigsten Skalierungsframeworks und gibt ein realistisches Bild davon, wann welches Modell geeignet ist.
- LeSS (Large-Scale Scrum): Grundprinzipien, Rollen, Events, Artefakte
- Nexus-Framework: Integration Team, Nexus Sprint Backlog, Nexus Daily Scrum
- SAFe im Vergleich: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu leichtgewichtigen Ansätzen
- Abhängigkeitsmanagement zwischen Teams: Visualisierung und Auflösungsstrategien
- Übergreifende Sprint Reviews und Integrationstests
- Skalierungs-Anti-Patterns: Was scheinbar funktioniert, aber Agilität untergräbt
Praxisvertiefung und PSM-II-Vorbereitung Praxisblock Im abschließenden Praxismodul wenden Teilnehmende die Inhalte aus allen vorherigen Blöcken auf realistische Szenarien an. Fallstudien, Rollenspiele und Gruppenarbeiten schaffen eine intensive Lernatmosphäre, die das abstrakte Wissen in handlungsfähige Kompetenz verwandelt.
- Fallstudie: Scrum-Einführung in einem traditionellen Unternehmen — Hindernisse und Hebel
- Teamdiagnose-Übung: Dysfunktionen erkennen und Interventionen planen
- Coaching-Gespräch simulieren: Scrum Master coacht Product Owner in komplexer Backlog-Situation
- LeSS-Setup-Simulation: Wie wird ein bestehendes Produkt-Backlog auf mehrere Teams aufgeteilt?
- Nexus Integration Team: Rollen definieren und Tagesablauf strukturieren
- Evidence-Based Management: Key Value Areas (Current Value, Unrealized Value, Time to Market, A/B) anwenden
- Communities of Practice gründen: Agenda, Rhythmus, Moderation, Messbarkeit
- Stakeholder-Map für eine agile Transformation erstellen
- Organisationale Hindernisse kategorisieren und priorisieren
- PSM-II-Beispielaufgaben diskutieren und Argumentationslinien entwickeln
- Peer-Feedback in Coaching-Situationen geben und empfangen
- Persönlicher Entwicklungsplan als Scrum Master für die nächsten zwölf Monate
Der Praxisblock stellt sicher, dass Teilnehmende den Kurs nicht nur mit theoretischem Wissen, sondern mit konkreten Handlungsoptionen und einem geschärften Blick für organisationale Dynamiken verlassen.
Lernziele:
- Das eigene Rollenverständnis als Scrum Master kritisch hinterfragen und schärfen
- Systemisches Coaching als Werkzeug zur Unterstützung komplexer Teamdynamiken einsetzen
- Servant Leadership von klassischer Führungsrolle abgrenzen und situativ ausüben
- Typische Dysfunktionen in Scrum-Teams diagnostizieren und gezielt moderieren
- Agile Skalierungsframeworks wie LeSS (Large-Scale Scrum) und Nexus verstehen und vergleichen
- Koordination und Abhängigkeitsmanagement in Multi-Team-Setups strukturieren
- Organisationscoaching-Ansätze auf Unternehmensebene anwenden
- Evidence-Based Management (EBM) als Grundlage für faktengestützte Optimierung nutzen
- Communities of Practice aufbauen und als Lerninfrastruktur für agile Organisationen nutzen
- Hindernisse auf Organisationsebene sichtbar machen und Koalitionen für Veränderung aufbauen
- Den eigenen Coaching-Stil weiterentwickeln und Feedback aktiv einfordern
- Die Prüfungsanforderungen des PSM II einschätzen und sich inhaltlich darauf ausrichten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an erfahrene Scrum Master und Agile Coaches, die bereits mindestens ein Jahr in einer Scrum-Master-Rolle tätig waren und ihre Wirksamkeit auf Team- und Organisationsebene spürbar steigern möchten. Auch Product Owner mit Führungsverantwortung für mehrere Teams sowie Projektmanager, die auf agile Arbeitsweisen umsteigen, profitieren von diesem Kurs.
- Scrum Master mit PSM-I-Zertifikat, die sich für das Advanced-Level qualifizieren möchten
- Agile Coaches, die ihr methodisches Repertoire um Skalierungsframeworks erweitern wollen
- Product Owner, die das Zusammenspiel mehrerer Teams besser verstehen möchten
- IT-Projektmanager im Übergang zu agiler Teamführung
- Führungskräfte, die agile Transformationen in ihrer Organisation begleiten
Erwartet wird solide Praxiserfahrung als Scrum Master — mindestens ein Jahr in der Rolle, Kenntnis der Scrum-Grundprinzipien und der typischen Herausforderungen in laufenden Scrum-Teams. Das PSM-I-Zertifikat oder vergleichbares Wissen (z. B. CSM) wird vorausgesetzt. Grundlegendes wirtschaftliches Verständnis ist hilfreich, um Organisationsdynamiken und unternehmerische Entscheidungslogiken einordnen zu können.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs setzt auf ein erfahrungsbasiertes Lernformat: kurze Inputphasen wechseln mit intensiven Übungsblöcken, Fallstudienarbeit und kollegialem Austausch. Rollenspiele und Simulationsszenarien geben Raum, neue Coaching-Techniken auszuprobieren, ohne dabei Echtzeit-Konsequenzen zu riskieren. Peer-Feedback und strukturierte Auswertung nach Übungsblöcken sind feste Bestandteile. Der Kurs funktioniert sowohl in Präsenz als auch in virtuellen Formaten mit interaktiven Tools.
Die Weiterbildung ist als Intensivkurs konzipiert und deckt alle prüfungsrelevanten Themenbereiche des PSM II ab. Vollzeit- und komprimierte Blockformate sind verfügbar. Zwei Anbieter bieten insgesamt 52 buchbare Termine, was zeitliche Flexibilität für unterschiedliche Lebensmodelle ermöglicht.
Der Kurs bereitet auf die PSM-II-Zertifizierungsprüfung von Scrum.org vor. Die Prüfung ist anspruchsvoll und testet nicht nur Faktenwissen, sondern auch das Verständnis von Nuancen und situativen Entscheidungen. Nach bestandener Prüfung gilt das PSM-II-Zertifikat dauerhaft ohne Verlängerungspflicht. Ergänzend erhalten Teilnehmende nach Abschluss des Kurses eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung.
Nutzen & Perspektiven
Der PSM-II-Level ist unter Scrum Mastern eine vergleichsweise seltene Qualifikation — was ihn am Arbeitsmarkt besonders wertvoll macht. Wer dieses Niveau nachweist, signalisiert, dass er oder sie nicht nur Scrum-Zeremonien moderiert, sondern echte Veränderungsarbeit auf Teamebene und darüber hinaus leisten kann. Das öffnet Türen zu Senior-Scrum-Master-, Agile-Coach- und Transformationsberater-Rollen. Die systemischen Coaching-Techniken, die in diesem Kurs vermittelt werden, sind keine rein akademischen Konzepte. Sie lassen sich direkt im nächsten Sprint Review, in der nächsten schwierigen Stakeholder-Kommunikation oder in der nächsten organisationalen Pattsituation anwenden. Teilnehmende verlassen den Kurs mit einem konkreten Methodenrepertoire — nicht mit abstrakten Idealen. Für Fachkräfte, die in wachsenden Organisationen arbeiten, ist das Wissen über Skalierungsframeworks wie LeSS und Nexus besonders relevant. Die Fähigkeit, mehrere Teams in einem kohärenten agilen System zu koordinieren, unterscheidet Senior-Scrum-Master von ihren Kollegen auf Foundation-Niveau und ist eine Kompetenz, die mit zunehmender Teamanzahl immer dringlicher nachgefragt wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet PSM II von PSM I?
PSM I prüft Grundlagenwissen zu Scrum-Regeln und -Werten. PSM II testet tiefes Verständnis von Scrum in komplexen, realitätsnahen Situationen und erwartet, dass Kandidaten Nuancen erkennen und situationsgerecht begründen. Der Schwerpunkt liegt auf systemischem Denken, Coaching und Organisationswirksamkeit.
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Solide Praxiserfahrung als Scrum Master (mindestens ein Jahr) und das PSM-I-Zertifikat oder eine vergleichbare Qualifikation wie CSM sind Voraussetzung. Grundlegendes wirtschaftliches Verständnis ist hilfreich, um Organisationsdynamiken und Entscheidungslogiken einordnen zu können.
Was ist LeSS und wann wird es eingesetzt?
LeSS (Large-Scale Scrum) ist ein Skalierungsframework, das Scrum-Prinzipien so minimal wie möglich auf mehrere Teams ausdehnt. Es eignet sich besonders für Organisationen, die klare Strukturen bevorzugen und Scrum nicht durch zusätzliche Rollen und Gremien überkomplizieren möchten. Im Kurs wird LeSS im Vergleich zu Nexus und SAFe behandelt.
Wie lange gilt das PSM-II-Zertifikat?
Das PSM-II-Zertifikat von Scrum.org ist unbefristet gültig und muss nicht erneuert werden. Es bleibt dauerhaft mit dem persönlichen Scrum.org-Account verknüpft und ist öffentlich überprüfbar.
Für welche Rollen öffnet PSM II neue Möglichkeiten?
Mit PSM II qualifizieren sich Fachkräfte für Senior-Scrum-Master-Positionen, Agile-Coach-Rollen und Stellen in der Begleitung agiler Transformationen. Die Kombination aus Zertifikat und systemischen Coaching-Kenntnissen ist besonders in wachsenden Technologieunternehmen und beratungsnahen Organisationen gefragt.
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