Überblick
Diese Weiterbildung verbindet das vollständige Scrum-Framework mit einem intensiven Coaching-Modul für Führungskräfte. Was Scrum als Methode fordert – selbstorganisierte Teams, dienende Führung, offene Kommunikation –, wird im Coaching-Teil als konkretes Handwerkzeug vermittelt. Wer Teams als Scrum Master oder Führungskraft begleitet, braucht mehr als Methodenwissen: Es geht darum, Potenziale zu erkennen, Entwicklungsziele zu vereinbaren und Menschen durch strukturiertes Feedback voranzubringen. Das Coaching-Modul basiert auf dem GROW-Modell, einem bewährten Rahmen für Entwicklungsgespräche, der in agilen Führungskontexten besonders gut funktioniert. Die Scrum-Inhalte decken alle drei Zertifizierungsstufen ab – Foundation, Scrum Master und Product Owner – jeweils mit Prüfung.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Die Führungskraft als Coach Coaching ist keine Therapie und keine Beratung – es ist eine Gesprächshaltung, die Menschen befähigt, eigene Lösungen zu finden. Dieses Modul vermittelt, was eine Führungskraft zum Coach macht: das Erkennen von Entwicklungspotenzial, das Hinterfragen von Überzeugungen und das Schaffen eines Raums, in dem ehrliche Gespräche möglich sind.
- Die Kraft des Coachings: Worin unterscheidet sich coachende von anweisender Führung?
- Talente und Potenziale in Teammitgliedern erkennen und benennen
- Werte und Überzeugungen: Wie sie das Verhalten prägen und wie man sie in Gesprächen sichtbar macht
- Hindernisse und Widerstände im Coaching erkennen, nicht umgehen
- Selbstwahrnehmung fördern: Fragen stellen, die zum Nachdenken bringen
- Die Vergangenheit als Erkenntnisquelle nutzen – ohne sich darin zu verlieren
Modul 2: Das GROW-Modell – Strukturierung von Coaching-Gesprächen Das GROW-Modell (Goal, Reality, Options, Will) ist ein international etablierter Rahmen für Entwicklungsgespräche. Dieses Modul vermittelt, wie jede der vier Phasen gestaltet wird und warum die Reihenfolge entscheidend ist.
- Goal: Richtung und Zweck vorgeben – was soll das Gespräch bewirken?
- Reality: Die aktuelle Situation klären – ohne Bewertung, mit Neugier
- Options: Gemeinsam Möglichkeiten entwickeln statt fertige Lösungen präsentieren
- Will: Den ersten konkreten Schritt wählen und Verbindlichkeit herstellen
- GROW in kurzen Gesprächen: Wie der Rahmen auch in 10-Minuten-Check-ins funktioniert
- Fallbeispiele: GROW in Entwicklungsgesprächen, Konfliktklärungen und Zielgesprächen
Modul 3: Entwicklungsziele, Vertrauen und konstruktives Feedback Ohne klare Ziele kein Coaching – und ohne Vertrauen kein ehrlicher Austausch. Dieses Modul behandelt, wie Führungskräfte beides aktiv gestalten, und schließt mit der Fähigkeit, Feedback so zu geben, dass es angenommen wird.
- Geeignete Entwicklungsziele identifizieren: SMART trifft Coaching-Haltung
- Den Mitarbeiter zum Mitgestalten der eigenen Entwicklung befähigen
- Vertrauensbeziehungen aufbauen: Was Vertrauen stärkt und was es beschädigt
- Negativmuster im Coaching erkennen und vermeiden (Ratschläge, Kritik, Bewertung)
- Konstruktives Feedback strukturieren: Sachebene, Beobachtung, Wirkung, Wunsch
- Feedback-Gespräche führen: Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung
Modul 4: Scrum Foundation – Grundlagen und erstes Examen Das vierte Modul leitet in das Scrum-Framework ein. Teilnehmende lernen die Grundprinzipien, Rollen, Events und Artefakte kennen und schließen den Abschnitt mit der Foundation-Zertifizierung ab.
- Empirismus als Fundament: Transparenz, Überprüfung, Anpassung
- Rollen: Scrum Master, Product Owner, Entwicklungsteam
- Events: Sprint, Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review, Sprint Auswertungsrunde
- Artefakte: Product Backlog, Sprint Backlog, Increment, Definition of Done
- Einführung in agile Planung, Schätzung und Fortschrittsüberwachung
- Scrum Foundation Prüfung
Modul 5: Scrum Master und Product Owner – Vertiefung und Examen Das abschließende Scrum-Modul vertieft die beiden zentralen Rollen und bereitet auf die Zertifizierungsprüfungen vor. Der Scrum-Master-Teil baut explizit auf den Coaching-Inhalten des ersten Modulblocks auf: Facilitation, Hindernismanagement und Team-Coaching werden als verbundene Kompetenzen behandelt.
- Scrum Master: Agiles Denken, Rolle und Verantwortung, komplexe Projekte begleiten
- Coaching-Methoden im Scrum-Master-Kontext: GROW als Facilitation-Basis
- Agile Schätzung, Sprint-Planung und Fortschrittsmessung
- Product Owner: Backlog-Führung, Business-Case-Tracking, agile Kommunikation
- Agile Methoden anwenden: Wasserfall- und Scrum-Hybride, Change Management
- Scrum Master Prüfung und Product Owner Prüfung
Praxisanteile und Übungsformate Alle Übungen verbinden Coaching-Methodik und Scrum-Praxis direkt miteinander.
- GROW-Gespräch führen: Rollenspielszenario mit Beobachtungsbogen und Auswertung
- Coaching-Sequenz von 20 Minuten in Dreiergruppen durchführen (Coach, Coachee, Beobachter)
- Entwicklungsziele für eine fiktive Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter formulieren und verfeinern
- Feedback-Gespräch zu einem schwierigen Verhaltensmuster vorbereiten und durchführen
- Vertrauensanalyse: Stärken und Risiken im eigenen Führungsverhalten identifizieren
- Sprint-Simulation: Planung, Daily, Review und Auswertungsrunde im Team durchlaufen
- Product Backlog für ein Produkt aufbauen und priorisieren
- Scrum und Coaching verbinden: Fallstudie zu einer Teamkrise und deren Bearbeitung
- Hindernisliste als Scrum Master strukturieren und Lösungsstrategien entwickeln
- Übungsaufgaben in Prüfungsformat für alle drei Scrum-Zertifizierungen
Das Besondere an diesem Lehrgang ist die wechselseitige Verstärkung: Wer gelernt hat, Gespräche mit dem GROW-Modell zu strukturieren, moderiert Sprint-Auswertungsrunden anders als jemand, der nur die Methodenschritte kennt. Und wer die Scrum-Rollen versteht, weiß, in welchen Situationen Coaching-Kompetenz konkret gefragt ist.
Lernziele:
- Das GROW-Modell als Gesprächsrahmen für Coaching-Situationen anwenden
- Talente und Potenziale in Teammitgliedern erkennen und gezielt ansprechen
- Werte und Überzeugungen als Grundlage von Verhalten verstehen
- Entwicklungsziele klar und verbindlich formulieren
- Die aktuelle Ausgangslage im Coaching strukturiert klären
- Optionen gemeinsam erarbeiten statt Lösungen vorzugeben
- Verbindlichkeit und Motivation nach einem Coaching-Gespräch sicherstellen
- Vertrauen als Führungsressource aufbauen und erhalten
- Konstruktives Feedback strukturiert und wirksam geben
- Scrum Foundation, Scrum Master und Product Owner zertifiziert nachweisen
- Coaching-Haltung und Scrum-Methode in der täglichen Führungsarbeit verbinden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die Führungsverantwortung in agilen oder agil transformierenden Umgebungen übernehmen.
- Scrum Master, die ihre Coaching-Kompetenz strukturiert aufbauen möchten
- Führungskräfte, die Teams mit Scrum-Methoden begleiten
- Teamleiterinnen und Teamleiter, die von anweisender zu befähigender Führung wechseln möchten
- Agile Coaches im Aufbau, die eine methodische Grundlage für Entwicklungsgespräche suchen
- Personen, die alle drei Scrum-Zertifizierungen kombiniert mit fundiertem Coaching-Wissen erwerben möchten
Erste Berufserfahrung in Teams oder Führungsrollen ist hilfreich. Scrum-Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – das Foundation-Modul beginnt bei den Grundlagen. Das Coaching-Modul setzt keine Vorbildung in Psychologie oder Beratung voraus; es ist praxisorientiert und auf den Führungsalltag ausgerichtet. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind notwendig. Die Weiterbildung findet in Teilzeit statt; eigene Erfahrungen aus der beruflichen Praxis können in Übungen eingebracht werden.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet in Teilzeit im Combined-Learning-Format statt. Die Coaching-Module sind stark erfahrungsbasiert – Rollenspiele, Beobachtungsübungen und Gruppenauswertungen wechseln mit Theorieinputs. Die Scrum-Module kombinieren Unterricht mit Sprint-Simulationen. Die Verknüpfung beider Themenbereiche erfolgt durch Fallstudien und gemeinsame Auswertungsrunden, in denen die Anwendungsbezüge explizit hergestellt werden. Die Teilzeit-Struktur ermöglicht es, das Gelernte zwischen den Einheiten im eigenen Arbeitskontext zu erproben.
Die Weiterbildung findet in Teilzeit statt. Die genaue Dauer hängt vom Anbieter und der Wochenstundenzahl ab. Termine und Laufzeiten sind beim jeweiligen Anbieter zu erfragen.
Der Lehrgang bereitet auf drei Scrum-Zertifizierungsprüfungen vor: Scrum Foundation, Scrum Master und Product Owner. Alle drei Prüfungen sind eingeschlossen. Ergänzend erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat über die Coaching-Kompetenz und den vollständigen Lehrgang.
Nutzen & Perspektiven
Scrum-Kenntnisse allein machen noch keinen wirksamen Scrum Master oder agilen Teamleiter. Was in der Praxis häufig fehlt, ist die Fähigkeit, Gespräche so zu führen, dass Menschen sich entwickeln können – nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen. Das GROW-Modell bietet dafür einen klaren, erlernbaren Rahmen, der in kurzen Arbeitsgesprächen genauso funktioniert wie in formalen Entwicklungsgesprächen. Die Kombination aus Coaching-Haltung und Scrum-Methode ist besonders in Organisationen gefragt, die gerade agile Transformationen durchlaufen. Dort reicht methodisches Wissen nicht aus – Führungskräfte müssen gleichzeitig Scrum erklären, Teams befähigen und mit Widerständen umgehen. Wer beides beherrscht, ist in dieser Phase besonders wirksam. Mit den drei Scrum-Zertifizierungen und nachweisbarer Coaching-Kompetenz eröffnen sich Rollen wie Scrum Master, Agile Coach oder Teamleiter in agilen Umgebungen – branchenübergreifend und mit wachsendem Bedarf.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diese Weiterbildung von einem reinen Scrum-Kurs?
Das Coaching-Modul nach dem GROW-Modell ist der zentrale Unterschied. Es vermittelt, wie Führungskräfte Gespräche führen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigen – statt Anweisungen zu geben. Diese Haltung ist besonders für Scrum Master und agile Teamleiter relevant.
Was ist das GROW-Modell?
GROW steht für Goal, Reality, Options, Will – ein strukturierter Rahmen für Coaching-Gespräche. Das Modell führt durch vier Phasen: Ziel klären, aktuelle Lage beschreiben, Optionen erarbeiten, konkreten ersten Schritt festlegen. Es ist international verbreitet und in agilen Führungskontexten besonders gut einsetzbar.
Werden alle drei Scrum-Prüfungen in dieser Weiterbildung abgelegt?
Ja. Foundation, Scrum Master und Product Owner – alle drei Prüfungen sind im Lehrgang enthalten. Die Prüfungen werden am Ende der jeweiligen Module abgelegt.
Ist diese Weiterbildung auch für Führungskräfte ohne IT-Hintergrund geeignet?
Ja. Das Coaching-Modul ist vollständig branchenunabhängig. Das Scrum-Framework hat seinen Ursprung in der Softwareentwicklung, wird aber heute in vielen Branchen eingesetzt. Keine technischen Vorkenntnisse sind erforderlich.
Warum findet diese Weiterbildung in Teilzeit statt?
Die Teilzeit-Struktur ermöglicht es, das Gelernte – besonders aus dem Coaching-Modul – zwischen den Einheiten im eigenen beruflichen Alltag zu erproben. Coaching-Kompetenz entwickelt sich durch Übung über Zeit; die Teilzeit-Variante unterstützt diesen Prozess.
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