Überblick
Der Siemens TIA-Portal Projektarbeit-Kurs bildet die praktische Abschlussphase einer fundierten Ausbildung in der industriellen Automatisierungstechnik. Teilnehmende arbeiten eigenständig an einem vollständigen Steuerungsprojekt — von der Festlegung der Datenschnittstellen zwischen Steuerung und Simulation über die Programmerstellung bis zur abschließenden Zusammenführung und Testung aller Projektteile. Das TIA-Portal (Totally Integrated Automation Portal) von Siemens ist die führende Engineering-Umgebung für S7-Steuerungen in Industrie 4.0-Anlagen; wer es souverän bedient, ist in der modernen Fertigungsautomatisierung unmittelbar einsetzbar.
Kursinhalte & Lernziele
Projektplanung und Schnittstellendefinition Zu Beginn der Projektarbeit wird das Gesamtprojekt in klar abgegrenzte Teilaufgaben gegliedert. Zentral ist die Festlegung der Datenschnittstelle zwischen der SPS-Steuerung und der Prozesssimulation: Welche Signale werden wie weitergegeben? Welche Datentypen werden verwendet? Diese frühe Präzision ist entscheidend für das reibungslose Zusammenspiel aller Projektteile am Ende.
- Aufgabenanalyse und Projektstrukturplanung
- Definition der Eingangs- und Ausgangssignale der Steuerung
- Festlegung der Datenschnittstelle zur Simulation: Variablentypen, Addressierung, Kommunikationsprotokoll
- Anlegen des Projektrahmens im TIA-Portal (Hardwarekonfiguration, Geräteauswahl)
- Schnittstellendokumentation nach Projektstandard
Programmerstellung und Bausteinentwicklung Im Kernmodul werden die eigentlichen Steuerungsprogramme geschrieben. Je nach Anforderung kommen unterschiedliche Programmiersprachen und Bausteintypen zum Einsatz. Besonderes Gewicht liegt auf der strukturierten Entwicklung mit Funktionsbausteinen, die Wiederverwendbarkeit und Übersichtlichkeit sicherstellen.
- Anlegen und Strukturieren von Organisationsbausteinen (OBs), Funktionsbausteinen (FBs) und Funktionen (FCs)
- Steuerungslogik in KOP (Kontaktplan) und FBD (Funktionsbausteinsprache) implementieren
- Datenbausteine (DBs) anlegen und mit sinnvollen Anfangswerten belegen
- Variablentabellen erstellen und Symbole vergeben
- Fehlerbehandlung und Diagnosebausteine einbinden
- Programmkommentierung nach industriellem Standard
Zusammenführung und Systemtest Sobald alle Projektteile fertiggestellt sind, werden sie in einem gemeinsamen Projektrahmen zusammengeführt. Dieser Schritt erfordert genaue Kenntnis der vorab definierten Schnittstellen und systematisches Testen auf Konsistenz und Funktion. Fehler, die erst im Zusammenspiel sichtbar werden, müssen methodisch lokalisiert und behoben werden.
- Import und Integration der Teilprojekte in den Gesamtprojektrahmen
- Konsistenzprüfung nach Zusammenführung: Adresskollisionen, Typkonflikte, fehlende Bausteine
- Online-Betrieb und Monitoring im TIA-Portal
- Testszenarien definieren und systematisch durchführen
- Fehlerdiagnose mit Watch-Tabellen, Forcing und Trace-Funktion
- Abnahmetest und Protokollierung der Testergebnisse
Alle drei Modulphasen werden durch eine übergreifende Projektphase verklammert, in der Teilnehmende den gesamten Entwicklungsablauf von Anfang bis Ende eigenständig durchlaufen. Dabei entstehen reale Arbeitsergebnisse — kein Papier, sondern lauffähige Steuerungsprogramme mit vollständiger Dokumentation.
- Vollständige Projektbearbeitung von der Schnittstellenspezifikation bis zum dokumentierten Testergebnis
- Eigenständige Programmerstellung für eine reale oder simulierte Anlage
- Teamkoordination bei der Zusammenführung paralleler Projektanteile
- Debugging eines gezielt eingebauten Fehlers in einem Fremdprogramm
- Erstellung eines Übergabedokuments mit Projektbeschreibung und Schnittstellenspezifikation
- Präsentation der Projektergebnisse vor einer Gruppe mit fachlichem Feedback
- Einsatz der TIA-Portal-Diagnose- und Simulationswerkzeuge unter realistischen Bedingungen
- Optimierung von Zykluszeiten durch Bausteinstrukturierung
- Konfiguration von PROFINET-Kommunikationsparametern
- Anlegen einer HMI-Verbindung zur Visualisierung ausgewählter Prozessgrößen
- Sicherheitsbewertung des erstellten Programms anhand typischer industrieller Anforderungen
- Abschlusspräsentation und Peer-Review im Kursrahmen
Das Querschnittsthema Industrie 4.0 und vernetzte Produktion zieht sich durch die gesamte Projektarbeit. Teilnehmende lernen dabei nicht nur, das TIA-Portal technisch zu bedienen, sondern auch, in vernetzten Entwicklungsumgebungen zu denken — eine Schlüsselkompetenz für moderne Automatisierungsberufe. Die industrielle Automatisierung wird zunehmend von vernetzten Systemen geprägt, in denen SPS-Steuerungen mit SCADA-Systemen, MES-Ebenen und cloudbasierten Analyseplattformen kommunizieren. Wer diese Zusammenhänge versteht und die dafür notwendigen Schnittstellenkonzepte beherrscht, ist auf die Anforderungen moderner Produktionsanlagen vorbereitet. Die Projektarbeit simuliert reale Entwicklungsbedingungen: enge Zeitvorgaben, klare Übergabe-Dokumente und die Herausforderung, fremden Code zu verstehen und in eigene Arbeit zu integrieren. Diese Realitätsnähe macht den Unterschied zwischen Kurswissen und beruflicher Handlungsfähigkeit. Das Durchhalten eines vollständigen Projektzyklus unter realistischem Zeitdruck schult neben der technischen Kompetenz auch das ingenieurmäßige Urteilsvermögen — zu wissen, wann ein Teilresultat gut genug ist, wann nachgebessert werden muss und wie technische Kompromisse dokumentiert und kommuniziert werden.
Lernziele:
- Das TIA-Portal als vollständige Engineering-Plattform sicher und effizient bedienen
- Datenschnittstellen zwischen SPS-Steuerung und Prozess-Simulation präzise festlegen und dokumentieren
- Steuerungsprogramme in Ladder Diagram (KOP) oder Function Block Diagram (FBD) eigenständig erstellen
- Funktionsbausteine strukturiert anlegen und in ein übergeordnetes Projektprogramm einbetten
- Variablentabellen und Datenbausteine korrekt anlegen und verwalten
- Projektteile verschiedener Bearbeiter zusammenführen und auf Konsistenz prüfen
- Testläufe durchführen, Fehler systematisch lokalisieren und beheben
- Projektdokumentation nach industriellen Standards erstellen
- S7-spezifische Programmierkonzepte (Bausteintypen, OBs, FBs, FCs, DBs) sicher anwenden
- Kommunikationsparameter zwischen Steuerung und Visualisierung konfigurieren
- Sicherheitsrelevante Aspekte in der SPS-Programmierung berücksichtigen
- Projektergebnisse fachgerecht präsentieren und übergeben
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte mit fundierten Vorkenntnissen in der SPS-Programmierung und Automatisierungstechnik, die ihre Kenntnisse im TIA-Portal auf Projektebene festigen und unter realistischen Bedingungen anwenden möchten.
- Automatisierungstechniker und -technikerinnen mit ersten TIA-Portal-Kenntnissen
- SPS-Programmiererinnen und -Programmierer, die auf Siemens S7-Steuerungen spezialisiert werden möchten
- Elektrotechnikerinnen und -techniker mit Berufserfahrung in der Steuerungstechnik
- Ingenieurinnen und Ingenieure aus Maschinenbau oder Elektrotechnik mit praktischem Fokus
- IT-Fachkräfte mit Erfahrung in industrieller Automatisierung
Für diesen Kurs sind fundierte Vorkenntnisse zwingend erforderlich. Erwartet werden entweder ein abgeschlossener technischer oder elektrotechnischer Studienabschluss, ein IT-Studienabschluss oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem technischen bzw. IT-technischen Beruf. Alternativ wird einschlägige Berufspraxis in der Steuerungstechnik anerkannt. Grundkenntnisse in der SPS-Programmierung sowie gute IT-Kenntnisse sind Voraussetzung; Interesse an industrieller Automation und dem Themenfeld Industrie 4.0 wird vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Die gesamte Kursstruktur ist auf eigenständige Projektarbeit ausgerichtet. Statt klassischer Frontalvermittlung stehen projektbegleitende Inputs, technische Coachings und Peer-Reviews im Mittelpunkt. Die Lernenden bearbeiten einen durchgängigen Projektauftrag und erleben dabei alle Phasen eines industriellen Entwicklungsprozesses. Fehler sind ausdrücklich Teil des Lernprozesses — systematisches Debugging ist ein eigener Kompetenzbereich.
Der Kurs ist als praxisintensives Modul konzipiert und in der Regel als Abschluss- oder Vertiefungseinheit einer umfassenderen TIA-Portal-Weiterbildung angelegt. Die genaue Dauer variiert je nach Anbieter und Vorkenntnissen der Gruppe; typisch sind Formate von einer bis zwei Wochen Vollzeit.
Nach Abschluss der Projektarbeit erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Anbieters, die das erfolgreiche Absolvieren der praktischen Projektphase dokumentiert. Die Zertifizierung ist trägerintern; sie ergänzt sinnvoll offizielle Siemens-Trainingsnachweise, die separat erworben werden können.
Nutzen & Perspektiven
In der industriellen Automatisierung ist der Unterschied zwischen Kenntnissen und Können entscheidend. Wer im TIA-Portal lediglich Grundübungen absolviert hat, steht vor einer steilen Kurve, wenn es gilt, ein echtes Projekt von der Schnittstellendefinition bis zum abgenommenen Testergebnis durchzuhalten. Genau diese Lücke schließt dieser Kurs. Die eigenständige Projektarbeit schult nicht nur die technische Kompetenz, sondern auch das ingenieurmäßige Denken: Strukturierung von Problemen, Dokumentation von Entscheidungen und methodisches Vorgehen bei der Fehlersuche. Diese Transferfähigkeiten sind in industriellen Entwicklungsabteilungen mindestens ebenso gefragt wie Programmiertechnik im engeren Sinne. Absolventinnen und Absolventen dieses Kurses können unmittelbar in Projekten mit Siemens-Steuerungen mitwirken — sei es in der Inbetriebnahme, Wartungsprogrammierung oder Weiterentwicklung bestehender Anlagen. Das macht den Kurs zu einer handfesten beruflichen Investition für alle, die in der Automatisierungstechnik dauerhaft tätig sein wollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse werden für diesen Kurs benötigt?
Fundierte Vorkenntnisse in der SPS-Programmierung sind erforderlich. Erwartet werden entweder ein technischer Studienabschluss, eine abgeschlossene technische Ausbildung oder einschlägige Berufspraxis in der Steuerungstechnik. Grundkenntnisse im TIA-Portal sind hilfreich.
Welche Siemens-Steuerungen werden im Kurs eingesetzt?
Der Kurs arbeitet mit Siemens S7-Steuerungen im TIA-Portal. Die genauen Hardware-Varianten hängen vom Anbieter ab; in der Regel kommen S7-1200 oder S7-1500-Systeme zum Einsatz, die heute in der modernen Industrie vorherrschend sind.
Ist der Kurs auch für Ingenieure aus anderen Bereichen geeignet?
Ja, sofern die Vorkenntnisse vorhanden sind. Maschinenbauingenieure und Elektrotechnikerinnen mit Berufserfahrung in der Steuerungstechnik sind gut aufgestellt. Auch IT-Fachkräfte mit industriellem Hintergrund können teilnehmen, wenn sie die Grundlagen der SPS-Programmierung mitbringen.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Nach Abschluss wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Anbieters ausgestellt. Offizielle Siemens-Trainingszertifikate können ergänzend über autorisierte Siemens-Partner erworben werden und sind im Kurs nicht direkt inbegriffen.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs von einem TIA-Portal-Grundlagenkurs?
Grundlagenkurse vermitteln die Bedienung der Software und grundlegende Programmierkonzepte. Dieser Kurs setzt diese Kenntnisse voraus und fokussiert auf die eigenständige Durchführung eines vollständigen Projekts — von der Planung über die Programmierung bis zum dokumentierten Testergebnis unter realistischen Bedingungen.
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