Überblick
Der Software Development Engineer in Test (SDET) ist eine der gefragtesten Rollen in der modernen Softwareentwicklung. Wo klassische Tester Fehler manuell dokumentieren, schreiben SDETs vollständige Automatisierungsframeworks, integrieren Tests in CI/CD-Pipelines und analysieren Cloud-Infrastruktur auf Testbarkeit. Diese Weiterbildung vermittelt genau dieses Profil in zwei aufeinander aufbauenden Abschnitten: zunächst Full Stack Automation Engineering mit Java, Selenium und Jenkins, dann Mobile Testing mit Appium sowie AWS Cloud für Tester. Das Programm ist als Combined-Learning-Maßnahme konzipiert und wird in Vollzeit absolviert. Die Inhalte sind bewusst modular aufgebaut — wer bereits solide Java-Kenntnisse mitbringt, kann mit dem Team des Anbieters klären, ob ein Einstieg in Abschnitt 2 sinnvoll ist. Für Quereinsteiger ohne Programmierhintergrund beginnt die Reise bei den echten Grundlagen: Algorithmen, objektorientiertes Denken, Versionskontrolle mit Git.
Kursinhalte & Lernziele
Abschnitt 1 — Full Stack Automation Engineer Dieser erste Block legt das technische Fundament. Beginnend mit IT-Grundlagen, algorithmischem Denken und den Kernkonzepten von Java lernen Teilnehmende, Programme zu strukturieren, mit Git zu versionieren und Datenbankabfragen in SQL zu schreiben. Lambda-Ausdrücke und funktionale Konzepte in Java vertiefen das Sprachverständnis.
- Grundlagen der Informatik und Computational Thinking
- Java (Objektorientierung, Collections, Lambda)
- Git und GitHub für kollaboratives Arbeiten
- HTML und CSS als Grundlage für Browser-basiertes Testing
- Manuelle Testmethodik nach STLC/SDLC
Im zweiten Teil dieses Abschnitts steht Testautomatisierung im Mittelpunkt. Selenium WebDriver bildet das Herzstück für Browser-Automatisierung; RestAssured ermöglicht präzise API-Tests gegen HTTP-Endpunkte; TestNG strukturiert Testsuiten in Reports und Ausführungsgruppen; JMeter misst Lastverhalten unter simulierter Nutzerlast.
- Selenium WebDriver: Lokator-Strategien, Waits, Page Object Model
- API Testing mit RestAssured (GET, POST, Authentication, JSON-Assertions)
- TestNG: Annotations, Listeners, DataProviders, Parallel Execution
- JMeter: Thread Groups, Assertions, HTML-Berichte
- JDBC: Datenbankvalidierungen direkt im Testcode
- Jenkins: Build-Jobs, Pipeline-Skripte, automatische Test-Trigger
Praxis-Übungen Abschnitt 1
- Automatisierte Regression für eine E-Commerce-Webanwendung mit Selenium
- API-Testsuite mit RestAssured gegen eine REST-Schnittstelle (CRUD-Operationen)
- Lasttest-Szenario mit JMeter für 100 virtuelle Nutzer
- Jenkins-Pipeline, die nach jedem Git-Push automatisch die Testsuite ausführt
- SQL-Abfragen zur Datenbankvalidierung nach Backend-Operationen
- Dokumentation von Testfällen und Fehlerberichten in Jira
- Capstone-Projekt: vollständiges Automatisierungs-Framework für eine vorgegebene Webapplikation
Abschnitt 2 — Mobile Testing mit Appium und AWS Cloud für Tester Mobile Testing bildet den zweiten großen Pfeiler. Appium ist das führende Open-Source-Framework für die Automatisierung nativer und hybrider App-Tests auf Android und iOS. Teilnehmende lernen, Appium Inspector zur Inspektion von UI-Elementen zu nutzen, Testsuiten mit TestNG und Cucumber zu verknüpfen und komplexe Gesten — Scroll, Swipe und MultiTouch — zu automatisieren.
- Appium Inspector: Locator-Strategien für mobile UI-Elemente
- Appium mit TestNG und Cucumber (BDD-Szenarien für mobile Apps)
- Page Object Model (Page Factory) im mobilen Kontext
- TouchAction und MultiTouch-Interaktionen
- Scroll-, Swipe- und Gesture-Automation auf realen Geräten und Emulatoren
AWS Cloud für Tester schließt das Programm ab. Hier lernen Teilnehmende nicht DevOps, sondern die Test-Perspektive auf Cloud-Infrastruktur — wie man Testumgebungen auf EC2 hochfährt, S3 als Artefakt-Speicher nutzt und Lambda-Funktionen per API Gateway testet.
- Cloud Computing Basics und AWS-Grundkonzepte
- IAM: Berechtigungen für Testnutzer und CI-Rollen anlegen
- EC2, ELB, Auto Scaling: Testumgebungen provisionieren
- S3: Testergebnisse und Artefakte speichern
- CloudFormation: Infrastruktur als Code für reproduzierbare Testumgebungen
- Cloudwatch: Logs und Metriken für Testläufe überwachen
- Lambda und API Gateway: serverlose Endpunkte testen
- AWS SDK for Java: programmatische AWS-Interaktion aus dem Testcode
- Capstone-Projekt: End-to-End-Testszenario auf AWS-Infrastruktur
Lernziele:
- Testautomatisierung mit Java und dem Selenium WebDriver vollständig beherrschen
- Automatisierte API-Tests mit RestAssured entwickeln und in Projekten einsetzen
- Testframeworks wie TestNG und Cucumber (BDD) für wiederholbare Testsuiten konfigurieren
- Mobile Applikationen auf Android und iOS mit Appium automatisiert testen
- Gesten-basierte Mobile-Interaktionen (Swipe, Scroll, TouchAction) automatisieren
- Lasttest-Szenarien mit JMeter aufbauen und auswerten
- CI/CD-Pipelines mit Jenkins aufsetzen und Testläufe automatisch triggern
- Relationale Datenbanken mit SQL abfragen und JDBC-Verbindungen in Tests einsetzen
- AWS-Cloud-Dienste (EC2, S3, Lambda, CloudFormation) im Testkontext verstehen und nutzen
- Testprozesse nach SDLC und STLC strukturieren und im Jira-Board nachverfolgen
- Capstone-Projekte eigenständig planen, implementieren und im Team präsentieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung ist offen für Einsteiger ohne Programmiervorkenntnisse ebenso wie für IT-Fachleute, die bereits in Entwicklung oder manuellem Testing tätig sind und sich auf Automatisierung spezialisieren möchten.
- Quereinsteiger mit IT-Interesse, die in die Softwarequalitätssicherung einsteigen wollen
- Manuelle Tester, die ihre Karriere in Richtung Testautomatisierung entwickeln möchten
- Junior-Entwickler, die systematisches Testverständnis aufbauen wollen
- IT-affine Personen aus angrenzenden Bereichen (Support, Administration), die wechseln möchten
- Berufsrückkehrer mit technischem Hintergrund, die aktuelles Stack-Wissen erwerben wollen
Ein Abschluss in Informatik oder eine abgeschlossene IT-Ausbildung ist keine zwingende Voraussetzung — der Kurs ist explizit für Einsteiger konzipiert. Vorausgesetzt werden hohe Lernmotivation, gute bis sehr gute Deutschkenntnisse (Unterrichtssprache) sowie Englischkenntnisse auf mindestens A2- bis B1-Niveau, da Fachdokumentation, Frameworks und Zertifizierungsunterlagen auf Englisch vorliegen. Vor Kursbeginn findet eine Eignungsfeststellung in Form einer detaillierten Einstiegsberatung statt, um sicherzustellen, dass die Weiterbildung zum individuellen Profil passt.
Ablauf & Abschluss
Das Programm folgt einem Combined-Learning-Ansatz, der synchrone Präsenz- oder Onlinephasen mit selbstgesteuertem Lernen verbindet. Hands-on-Arbeit steht im Mittelpunkt: Statt foliengestützter Theorie durchlaufen Teilnehmende konkrete Übungsaufgaben, bauen eigene Projekte auf und präsentieren am Ende jedes Abschnitts ein Capstone-Projekt. Jira wird nicht nur als Lernthema behandelt, sondern aktiv für die Aufgabenverfolgung während des Kurses eingesetzt. Die kleinen Gruppengrößen ermöglichen individuelle Betreuung; zwischen den Unterrichtseinheiten stehen Lernmaterialien und virtuelle Lab-Umgebungen zur Verfügung.
Der Kurs wird in Vollzeit absolviert. Die Gesamtdauer variiert je nach Anbieter und gebuchten Modulen — das vollständige Programm mit beiden Abschnitten erstreckt sich typischerweise über mehrere Monate. Beide Abschnitte können auch separat gebucht werden, was eine schrittweise Qualifizierung ermöglicht. Die genaue Laufzeit und Starttermine erfragen Interessenten direkt beim jeweiligen Anbieter.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat des Anbieters (z. B. Clarusway-Zertifikat), das den Kompetenznachweis als Software Development Engineer in Test dokumentiert. Darüber hinaus bereitet das Programm auf anerkannte Branchenzertifizierungen vor, darunter das Oracle Certified Associate Java SE 8 Programmer, Professional Scrum Master I (PSM I) sowie ISTQB Foundation Level und A4Q Certified Selenium Tester Foundation Level. Die Prüfungsgebühren und Modalitäten für externe Prüfungen sind gesondert zu erfragen.
Nutzen & Perspektiven
SDETs gehören zu den Rollen mit besonders hoher Nachfrage im deutschsprachigen IT-Markt. Unternehmen, die agil entwickeln und Continuous Delivery betreiben, suchen gezielt Fachleute, die Testautomatisierung nicht nur bedienen, sondern vollständige Frameworks entwickeln und in CI/CD-Pipelines einbetten können. Diese Weiterbildung positioniert Absolventen genau dort: nicht als reine Tester, sondern als technisch versierte Qualitätssicherer mit Entwicklerkompetenz. Der Doppel-Fokus auf Web- und Mobile-Automatisierung ist ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal dieses Programms. Während viele Testausbildungen bei Selenium aufhören, deckt dieser Kurs mit Appium auch den mobilen Stack ab — eine Fähigkeit, die angesichts der wachsenden Bedeutung mobiler Anwendungen zunehmend gefragt ist. Wer beide Abschnitte abschließt, kann sowohl Browser- als auch Native-App-Tests automatisieren und Cloud-Infrastruktur für verteilte Testumgebungen nutzen. Der AWS-Block öffnet zudem eine zweite Karrieredimension: Absolventen können nicht nur in QA-Rollen, sondern auch in Cloud-nahen DevOps- oder Release-Engineering-Positionen Fuß fassen. Die Kombination aus Sprach- (Java), Framework- (Selenium/Appium/TestNG), Tool- (Jenkins/Jira/JMeter) und Cloud-Kompetenz (AWS) macht dieses Profil zu einem der vielseitigsten Einstiegspunkte in die professionelle Softwareentwicklung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich schon programmieren können, bevor ich anfange?
Nein. Der Kurs beginnt mit den absoluten Grundlagen — Algorithmen, Java-Syntax, Git — und baut systematisch darauf auf. Wichtig sind Lernbereitschaft und Motivation, nicht ein vorhandenes Programmierstudium.
Welche Zertifizierungen kann ich durch dieses Programm erlangen?
Das Programm bereitet auf Oracle Certified Associate Java SE 8, Professional Scrum Master I (PSM I), ISTQB Foundation Level und A4Q Certified Selenium Tester Foundation Level vor. Hinzu kommt das trägerinterne Abschlusszertifikat des Anbieters.
Kann ich nur einen der beiden Abschnitte buchen?
Ja. Die Abschnitte sind modular konzipiert und können flexibel einzeln oder kombiniert gebucht werden. Wer bereits Java und Selenium beherrscht, kann direkt mit dem Mobile-Testing-Block einsteigen.
Wie viel Praxisanteil hat der Kurs?
Der Praxisanteil ist sehr hoch. Jeder Abschnitt schließt mit einem Capstone-Projekt ab, in dem Teilnehmende ein vollständiges Automatisierungs-Framework entwickeln und präsentieren. Dazu kommen zahlreiche Übungsaufgaben und Lab-Umgebungen.
Ist der Kurs förderfähig?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern kann die Maßnahme über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden. Die Förderfähigkeit hängt von der individuellen Situation ab; eine Beratung beim zuständigen Amt klärt die Voraussetzungen.
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