Überblick
Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung ist weit mehr als das Auffinden offensichtlicher Fehler. Dieser Kurs vermittelt systematisches, methodisches Testen: von den konzeptionellen Grundlagen über strukturierte Black-Box- und White-Box-Testverfahren bis hin zur Einbettung von Tests in den gesamten Softwarelebenszyklus. Absolventen können Testfälle anhand formaler Spezifikationen ableiten, statische Analysen durchführen und den Testprozess in agilen wie klassischen Entwicklungsumgebungen verantwortlich mitgestalten. Der Kurs richtet sich explizit an Personen mit Programmiererfahrung und setzt ein gewisses technisches Grundverständnis voraus.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen des Softwaretestens Der Einstieg in die Welt des systematischen Testens beginnt mit einer klaren Begriffsdefinition und dem Verständnis, warum strukturiertes Testen in der Softwareentwicklung unverzichtbar ist.
- Warum Testen notwendig ist: Konsequenzen von Fehlern in der Praxis
- Grundbegriffe: Fehler, Fehlerwirkung, Fehlerzustand und deren Unterscheidung
- Sieben Grundsätze des Testens (erschöpfendes Testen ist unmöglich, früh anfangen etc.)
- Allgemeiner Testprozess: Planung, Vorbereitung, Durchführung, Auswertung
- Psychologie des Testens: Unabhängigkeit, konstruktives Miteinander und Objektivität
- Überblick über Testebenen und ihre Verantwortlichkeiten
Modul 2 – Testen im Softwarelebenszyklus Tests sind kein nachgelagerter Schritt, sondern ein integraler Bestandteil jeder Entwicklungsphase. Dieses Modul zeigt, wie Testaktivitäten in unterschiedliche Vorgehensmodelle eingebettet werden.
- Sequenzielle Entwicklungsmodelle und V-Modell: Testebenen korrespondieren mit Entwicklungsphasen
- Agile Entwicklungsmodelle: kontinuierliches Testen, Test-Driven Development (TDD) und BDD
- Komponenten-Tests: Ziele, Testobjekte und typische Fehlerklassen
- Integrationstests: Komponenten- und Systemintegration, Integrationsstrategie
- Systemtests: funktionale und nicht-funktionale Anforderungen im Fokus
- Abnahmetests: Nutzerakzeptanztest und betriebliche Abnahme
Modul 3 – Statischer Test und Black-Box-Verfahren Der statische Test analysiert Artefakte ohne Ausführung des Codes – ein häufig unterschätztes, aber hochwirksames Qualitätssicherungsmittel. Anschließend stehen strukturierte Black-Box-Techniken im Mittelpunkt, die präzise aus Anforderungen abgeleitete Testfälle erzeugen.
- Reviews: informelle Reviews, Walkthroughs, technische Reviews, Inspektionen
- Statische Analyse: Codeanalyse-Tools, Regelkonformität und Komplexitätsmetriken
- Äquivalenzklassenbildung: gültige und ungültige Klassen identifizieren und Testfälle ableiten
- Grenzwertanalyse: Randwerte systematisch testen (zweiwertig und dreiwertig)
- Entscheidungstabellentest: kombinatorische Bedingungen strukturiert abdecken
- Zustandsbasiertes Testen: Automaten, Zustände, Übergänge und Aktionen
Modul 4 – White-Box-Tests, erfahrungsbasiertes Testen und Testmanagement Strukturbasierte Testverfahren ergänzen die Black-Box-Methoden um den Blick in den Code. Erfahrungsbasierte Ansätze und Testmanagement-Grundlagen runden das Profil ab.
- White-Box-Verfahren: Anweisungsüberdeckung, Entscheidungsüberdeckung, Pfadüberdeckung
- Erfahrungsbasiertes Testen: exploratives Testen, fehlerbasiertes Testen (Error Guessing)
- Testplanung: Umfang, Risikoanalyse, Zeitplan und Ressourcenschätzung
- Testüberwachung und -steuerung: Metriken, Fortschrittsberichte und Exit-Kriterien
- Fehlermanagement: Fehlerverfolgungssysteme, Schweregrad-Klassifikation und Lebenszyklus eines Fehlers
- Einführung in Testwerkzeuge: Kategorien, Bewertungskriterien und Einsatzbereiche
Praktische Übungen und Projekte
- Ableitung von Testfällen aus einer vorgegebenen Spezifikation mit Äquivalenzklassenbildung und Grenzwertanalyse
- Durchführung einer strukturierten Review-Sitzung an einem Dokument oder Code-Ausschnitt
- Erstellung eines Testplans für ein kleines Beispielprojekt mit Risikoabschätzung
- Zustandsdiagramm analysieren und daraus Testfälle für alle Zustandsübergänge ableiten
- Überdeckungsmetriken für einfache Codebeispiele berechnen und interpretieren
- Exploratives Testen einer Beispielanwendung mit dokumentierten Testsitzungsprotokollen
- Fehlerbericht schreiben: präzise Beschreibung, Reproduktionsschritte, Schweregrad und Priorität
- Testfälle in einer einfachen Testmanagement-Umgebung anlegen und verwalten
- Entscheidungstabelle für ein praxisnahes Szenario erstellen und validieren
- Testfortschrittsbericht erstellen mit Metriken und Handlungsempfehlung
- Einbindung von Testaktivitäten in einen agilen Sprint-Prozess simulieren
- Vergleich manueller und automatisierter Testansätze für definierte Testszenarien
Im Verlauf des Kurses wächst das Verständnis dafür, dass Testen eine eigenständige Disziplin mit klaren Methoden, Verantwortlichkeiten und Werkzeugen ist – und keine nachgelagerte Aktivität, die irgendjemand erledigt. Wer den Kurs abschließt, versteht, wie qualitativ hochwertige Software durch systematische Testarbeit entsteht.
Lernziele:
- Grundbegriffe und Definitionen des Softwaretestens präzise anwenden
- Die verschiedenen Testebenen (Komponenten-, Integrations-, System- und Abnahmetest) voneinander abgrenzen
- Den Testprozess im Softwarelebenszyklus (SDLC) kennen und aktiv mitgestalten
- Statische Testverfahren (Reviews, Inspektionen, statische Analyse) durchführen
- Black-Box-Testverfahren (Äquivalenzklassenbildung, Grenzwertanalyse, Entscheidungstabellen) systematisch anwenden
- White-Box-Testverfahren und strukturbasierte Tests einsetzen
- Erfahrungsbasierte Testverfahren (exploratives Testen) gezielt nutzen
- Testmanagement-Grundlagen verstehen: Planung, Schätzung, Dokumentation und Fortschrittskontrolle
- Werkzeuge zur Testunterstützung klassifizieren und situationsgerecht einsetzen
- Fehler klar beschreiben, klassifizieren und im Fehlerverfolgungsprozess kommunizieren
- Testautomatisierungskonzepte einordnen und einfache automatisierte Tests verstehen
- Qualitätsmetriken erheben und Testergebnisse überzeugend dokumentieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit einem technisch-informatischen Hintergrund, die sich auf die Qualitätssicherung von Software spezialisieren möchten.
- Personen mit Grundkenntnissen in einer Programmiersprache, die in Richtung QA/Testing wechseln möchten
- Entwickler, die ihre Arbeit durch strukturiertes Testen qualitätssichern wollen
- Techniker und IT-Fachleute, die Testaufgaben übernehmen und methodisch fundieren möchten
- Absolventen eines IT-Studiums oder einer IT-Ausbildung, die sich auf Softwaretesting spezialisieren
- Quereinsteiger mit nachgewiesenen Programmierkenntnissen und technischem Verständnis
Ein Realschulabschluss, Abitur oder eine abgeschlossene technische Ausbildung bzw. ein Studium – auch ein abgebrochenes – sind formale Grundvoraussetzungen. Entscheidend sind aber die inhaltlichen Vorkenntnisse: Erste praktische Erfahrung in einer Programmiersprache ist notwendig, da Testfälle nur dann sinnvoll entworfen werden können, wenn man versteht, wie Software strukturiert ist und wie Fehler entstehen. Wer noch nie programmiert hat, sollte zunächst eine Programmiergrundlage erwerben.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs vermittelt Theorie und Praxis in enger Verzahnung. Konzepte wie Äquivalenzklassenbildung oder Zustandsdiagramme werden zunächst erklärt und unmittelbar danach in Übungsaufgaben angewendet. Review-Sitzungen werden in Gruppen durchgeführt, um reale Kommunikationssituationen im Qualitätssicherungsprozess zu üben. Die Teilnehmer arbeiten mit praxisnahen Beispielen aus der Softwareentwicklung statt mit abstrakten Lehrbuchaufgaben. Fehlerverfolgung und Testmanagement werden mit Tools geübt, die dem Industriestandard entsprechen.
Der Kurs deckt den Stoff eines systematischen Einführungskurses im Softwaretesting ab. Die Dauer ist je nach gewählter Durchführungsvariante unterschiedlich; der Lernaufwand ist durch die Kombination aus Konzeptvermittlung, Übungen und Dokumentationsaufgaben entsprechend intensiv.
Nach erfolgreichem Kursabschluss erhalten die Teilnehmer ein trägerinternes Zertifikat als Softwaretester. Es handelt sich um eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers, keinen staatlich anerkannten oder herstellerseitig geprüften Abschluss. Der Kurs legt inhaltliche Grundlagen, auf denen aufbauend eine externe Zertifizierung wie der ISTQB Certified Tester Foundation Level angestrebt werden kann.
Nutzen & Perspektiven
Softwaretester sind in modernen Entwicklungsprojekten unverzichtbar – und zwar nicht als Fehlerfinder auf Zuruf, sondern als methodisch ausgebildete Qualitätsspezialisten. Agile Teams integrieren Testing konsequent in jeden Sprint, und wer dabei mit strukturierten Verfahren argumentieren kann, ist ein wertvoller Partner für Entwickler und Produktverantwortliche. Die in diesem Kurs erworbenen Methoden sind projektneutral und können in unterschiedlichsten Technologiestacks und Branchen eingesetzt werden. Neben der technischen Methodik stärkt der Kurs auch die kommunikativen Kompetenzen, die im Testbereich essenziell sind: Fehler präzise beschreiben, Testergebnisse überzeugend darstellen und konstruktiv mit Entwicklern kommunizieren. Wer methodisch testet, erhöht nicht nur die Softwarequalität, sondern stärkt auch das Vertrauen im gesamten Projektteam. Als Einstiegsqualifikation in die Qualitätssicherung öffnet das Zertifikat Türen zu Positionen als Tester, QA Engineer oder Test Engineer in Unternehmen jeder Größe. Mit dem Kurswissen als Grundlage lassen sich anschließend Spezialisierungen in Testautomatisierung, Performance Testing oder Sicherheitstesting gezielt aufbauen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bereitet der Kurs auf die ISTQB-Prüfung vor?
Der Kurs behandelt die zentralen Inhalte des Softwaretestens und ist inhaltlich kompatibel mit dem ISTQB Certified Tester Foundation Level. Er schließt jedoch nicht mit einer ISTQB-Prüfung ab. Wer das ISTQB-Zertifikat anstrebt, kann auf dem erworbenen Wissen aufbauen und die Prüfung separat ablegen.
Muss ich programmieren können, um Softwaretester zu werden?
Erste Programmierkenntnisse sind eine Zugangsvoraussetzung für diesen Kurs. Sie ermöglichen ein tieferes Verständnis dafür, wie Software aufgebaut ist, wie Fehler entstehen und warum bestimmte Testverfahren gezielt auf Codestrukturen eingehen. Wer noch nie programmiert hat, sollte zunächst Grundlagen erwerben.
Was ist der Unterschied zwischen Black-Box- und White-Box-Tests?
Black-Box-Tests werden ohne Kenntnisse der internen Implementierung erstellt – ausschließlich auf Basis der Spezifikation und des erwarteten Verhaltens. White-Box-Tests hingegen berücksichtigen die interne Codestruktur und zielen darauf ab, bestimmte Codeabschnitte, Pfade oder Bedingungen gezielt abzudecken. Beide Verfahren werden im Kurs gelehrt.
Ist der Kurs für Entwickler geeignet, die auch testen wollen?
Ja. Entwickler, die ihren Testprozess methodisch fundieren möchten, profitieren besonders von den Verfahren zur Testfallableitung und den strukturierten Review-Techniken. Das Wissen ergänzt die Entwicklungskompetenz und verbessert die Qualität eigener Releases.
Welche Tools werden im Kurs eingesetzt?
Der Kurs gibt eine Einführung in gängige Kategorien von Testwerkzeugen – von Fehlerverfolgungssystemen bis hin zu statischen Analysetools. Konkrete Tool-Auswahl orientiert sich am Marktstandard; Testautomatisierungskonzepte werden konzeptionell behandelt und in einfachen Beispielen veranschaulicht.
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