Überblick
Wer Maschinen, Softwareprodukte oder komplexe Geräte in ihrer Funktion beschreiben und Anwendern verständlich zugänglich machen möchte, arbeitet als Technische Redakteurin oder Technischer Redakteur. Dieser Beruf verbindet sprachliche Präzision mit technischem Verständnis, normativen Anforderungen und modernen Publikationstechnologien. Die vorliegende Weiterbildung bietet einen strukturierten, vollständigen Qualifizierungsweg – von den Grundlagen technischer Kommunikation bis zur selbstständigen Erstellung normkonformer Dokumentationsprojekte – und schließt mit der externen Zertifizierung der tekom (Gesellschaft für technische Kommunikation) auf dem Niveau Professional ab.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Berufsbild, Recht und Normen Der erste Schwerpunkt legt das professionelle Fundament. Teilnehmende erfahren, was den Beruf der Technischen Redakteurin und des Technischen Redakteurs ausmacht, wie er sich von benachbarten Berufsfeldern unterscheidet und welche rechtlichen Pflichten und Haftungsrisiken mit mangelhafter Dokumentation verbunden sind. Produktsicherheitsgesetz, Maschinenrichtlinie und CE-Kennzeichnungspflicht bilden den regulatorischen Rahmen.
- Berufsbild Technische Kommunikation: Tätigkeitsfelder, Karrierewege, Marktbedeutung
- Produktsicherheitsgesetz, EU-Richtlinien und Normenlandschaft im Überblick
- Instruktionspflicht: Was muss eine Anleitung leisten, damit der Hersteller haftet?
- Rechtsfolgen unvollständiger oder fehlerhafter Dokumentation
- Urheber- und Nutzungsrecht an Texten, Grafiken und Mediendateien
Modul 2 – Informationsdesign und Zielgruppenorientierung Kernkompetenz der technischen Redaktion ist nicht das bloße Beschreiben – sondern das zielgruppengerechte Aufbereiten von Informationen. Dieses Modul vermittelt, wie Zielgruppen analysiert, Nutzungsszenarien entwickelt und daraus konsistente Informationsarchitekturen abgeleitet werden. Auch sprachliche Gestaltung – Aktiv-Sprache, handlungsorientiertes Formulieren, Vermeidung von Nominalstil – wird systematisch geübt.
- Zielgruppenmodelle: technisches Vorwissen, Nutzungskontext, Sprachkenntnisse
- Informationsbedarf ableiten und Gliederungskonzepte entwickeln
- Handlungsanweisungen vs. Beschreibungen: Texttypen und ihre Funktionen
- Länderspezifische Normen und Kulturunterschiede in der internationalen Dokumentation
- Verständlichkeitsoptimierung: konkrete Sprache, klare Satzstrukturen, konsistente Terminologie
Modul 3 – Strukturierung, Standardisierung und Terminologie Moderne Dokumentationsabteilungen arbeiten modular und wiederverwendbar. Dieses Modul führt in die Grundprinzipien des topic-basierten Schreibens, der Funktionsdesign-Methodik und der PI-Klassifikation ein. Terminologiearbeit als Voraussetzung für konsistente, übersetzbare Texte wird mit konkreten Werkzeugen und Methoden erläutert.
- Topic-based Writing: Informationstypen, Modularisierung und Wiederverwendung
- Funktionsdesign und PI-Klassifikation als Standardisierungsrahmen
- Metadaten und Content-Steuerung: Zuordnung, Filterung und Wiederverwendung
- Terminologieverwaltung: Aufbau eines Glossars, Termextraktion und Termfreigabe
- Standardisierungsworkflow im redaktionellen Alltag
Praxisblock – Werkzeuge, Publishing und Projektdokumentation Praktische Arbeit mit dokumentationstypischen Werkzeugen und das Erstellen vollständiger Dokumentationsprojekte bilden den Schwerpunkt dieses Blocks. Themen sind
- XML-Grundkurs: Elemente, Attribute, DTD und XML-Schema; Validierung
- Authoring in XML: strukturiertes Schreiben am Beispiel DITA und DocBook
- Redaktionssysteme: Auswahlkriterien, Demosystem und Workflowmanagement
- Cross-Media-Publishing: aus einem Quell-XML PDF, HTML und App-Ausgaben generieren
- Microsoft Word für Technische Redaktion: effektiver Einsatz von Formatvorlagen und Absatzstilen
- Grafiken und Screenshots: Erstellung, Optimierung und Einbindung in Dokumente
- Sicherheits- und Warnhinweise praxisnah verfassen: ISO 3864, ANSI Z535, Signalwörter
- Vollständige Betriebsanleitung erstellen: Planung, Erstellung, Review und Finalisierung
- Qualitätssicherung: Lesbarkeitsformeln, Terminologieabgleich, Peer-Review
- Projektmanagement in der Dokumentation: Aufwandsschätzung, Ressourcenplanung
- Archivierung und Versionsverwaltung von Dokumentationsprojekten
- Kompetenzfelder und Prüfungsstruktur der tekom-Professional-Zertifizierung verstehen
Nach diesem Block haben alle Teilnehmenden mindestens eine vollständige Betriebsanleitung erstellt, reviewt und in verschiedenen Ausgabeformaten publiziert.
Lernziele:
Am Ende der Weiterbildung können Teilnehmende die nachfolgenden beruflichen Kompetenzen nachweisen
- Normen und Richtlinien der technischen Dokumentation sicher anwenden (DIN EN 82079-1, Maschinenrichtlinie, CE)
- Produktsicherheitsrechtliche Anforderungen und die Instruktionspflicht des Herstellers einhalten
- Informationsprodukte von der Konzeptionsphase bis zur Publikation eigenständig entwickeln
- Zielgruppenanalysen durchführen und Informationsbedarf auf verschiedene Nutzergruppen zuschneiden
- XML-Strukturen verstehen und in authoring-typischen Umgebungen anwenden
- Redaktionssysteme und Content-Management-Lösungen bewerten und einsetzen
- Single-Source-Publishing für unterschiedliche Ausgabekanäle (Print, Online, App) realisieren
- Terminologiedatenbanken aufbauen, pflegen und in Dokumentationsprojekten nutzen
- Sicherheits- und Warnhinweise nach anerkannten Normen formulieren und in Dokumente integrieren
- Projektmanagement-Methoden für Dokumentationsprojekte anwenden
- Vollständige Betriebsanleitungen für technische Produkte von Grund auf erstellen
- Die tekom-Professional-Prüfung ablegen und bestehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die in die technische Redaktion einsteigen oder ihre praktischen Kenntnisse durch ein anerkanntes Zertifikat absichern möchten.
- Techniker, Ingenieure und Naturwissenschaftler, die ihre Sprachkompetenz berufsbegleitend ausbauen und als Technische Redakteure tätig werden wollen
- Übersetzer, Kommunikationsfachleute und Schreibende mit Interesse an technischen Inhalten
- Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher mit IT-, Ingenieur- oder Sprachhintergrund
- Fachkräfte, die bereits in der Dokumentation arbeiten und ihren Berufseinstieg durch ein tekom-Zertifikat formalisieren möchten
- Quereinsteiger aus handwerklichen oder technischen Berufen mit Sprachaffinität
Vorausgesetzt werden ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie grundlegende Erfahrung in einem technischen, sprachlichen oder redaktionellen Bereich. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sowie sicherer PC-Umgang (Textverarbeitung, Dateimanagement) werden erwartet. Der Kurs ist ausdrücklich auch für Quereinsteiger konzipiert, die noch keine Dokumentationserfahrung mitbringen, aber ein ausgeprägtes Interesse am präzisen Beschreiben technischer Sachverhalte haben.
Ablauf & Abschluss
Wissensvermittlung und handlungsorientierte Praxisarbeit wechseln sich regelmäßig ab. Theorieinhalte werden anhand konkreter Dokumentationsaufgaben erprobt; Teilnehmende schreiben von Kursbeginn an eigene Texte, erhalten Feedback durch Tutoren und überarbeiten ihre Entwürfe anhand redaktioneller Qualitätskriterien. Digitale Lernumgebungen, Fachvideos und strukturierte Übungsreihen ermöglichen ein flexibles Lerntempo.
Der Kurs ist als Vollzeit-Weiterbildung konzipiert und erstreckt sich über mehrere Monate. Genaue Stundenzahlen und Durchführungszeiten sind beim jeweiligen Anbieter zu erfragen. Die externe tekom-Professional-Prüfung wird im Anschluss an die Weiterbildungsphase separat terminiert.
Die Weiterbildung schließt mit der externen Prüfung der tekom ab. Wer die Prüfung besteht, erhält das Zertifikat „Technische/-r Redakteur/-in (tekom)" auf dem Niveau Professional – ausgestellt von der tekom als unabhängige Fachgesellschaft. Zusätzlich vergeben die Anbieter ein trägerinternes Zertifikat. Das tekom-Professional-Zertifikat wird in der Branche als seriöser, überprüfbarer Kompetenznachweis eingestuft und öffnet Türen in technische Redaktionen, Dokumentationsabteilungen und technische Content-Teams unterschiedlichster Unternehmen.
Nutzen & Perspektiven
Technische Redakteurinnen und Redakteure nehmen in Industrieunternehmen eine Position ein, die direkten Einfluss auf Produktqualität, Rechtskonformität und Kundenzufriedenheit hat. Wer verständliche, normkonforme Betriebsanleitungen und Hilfesysteme schreibt, schützt Anwender vor Fehlbedienung und Unternehmen vor Haftungsrisiken. Mit dem tekom-Professional-Zertifikat treten Absolventen in diesen Beruf mit einem klar kommunizierbaren, extern geprüften Qualifikationslevel ein. Besonders wertvoll ist die XML- und Redaktionssystem-Kompetenz, die dieser Kurs aufbaut. Moderne Dokumentationsabteilungen arbeiten durchgängig mit strukturierten Daten, Versionskontrolle und automatisiertem Publishing. Wer von Beginn an in dieser Denk- und Arbeitsweise geschult ist, kann in professionellen Teams sofort produktiv mitarbeiten – ohne langwierige Einarbeitungszeit in Systemlogiken und Dateistrukturen. Nicht zuletzt eröffnet das tekom-Netzwerk langfristige Karriereperspektiven. Die tekom bietet Fachtagungen, Weiterbildungsformate und Jobbörsen speziell für Technische Kommunikation; Mitglieder profitieren von einem aktiven Fachkommunikationsumfeld, das stetig wächst und sich mit neuen Herausforderungen wie KI-unterstütztem Schreiben, Übersetzungsautomatisierung und Content-as-Code weiterentwickelt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen Kurs von anderen Technische-Redakteur-Weiterbildungen?
Der Kurs legt einen starken Schwerpunkt auf XML-basiertes Strukturschreiben, Redaktionssystemlogik und Single-Source-Publishing – also die Technologien, die heute in professionellen Dokumentationsabteilungen standard sind. Der externe tekom-Abschluss sichert die Qualität gegenüber rein trägerinternen Nachweisen.
Brauche ich technisches Ingenieurwissen für diesen Kurs?
Nein. Technische Redaktion erfordert keine Tiefenexpertise in Konstruktion oder Elektrotechnik, sondern die Fähigkeit, technische Sachverhalte zu verstehen, zu strukturieren und verständlich zu vermitteln. Der Kurs schult genau diese Fähigkeit; der Rest kommt durch Praxis und Neugier.
Wie ist die tekom-Prüfung aufgebaut?
Die tekom-Prüfung ist eine externe, schriftliche Prüfung, die von der tekom e. V. abgenommen wird. Sie prüft Kernkompetenzen der technischen Redaktion in mehreren Themenbereichen. Details zu Prüfungsformat, Standorten und Terminen stellt die tekom bereit; der Kurs bereitet gezielt auf die Prüfungsanforderungen vor.
Was ist der Unterschied zwischen den beiden tekom-Professional-Kursen auf Kursweg?
Beide Kurse führen zum gleichen tekom-Professional-Abschluss, unterscheiden sich aber in Schwerpunktsetzung und Anbieter. Dieser Kurs legt besonderes Gewicht auf XML-Authoring, DITA-Konzepte und Redaktionssystemlogik. Beide Kurse decken das vollständige Kompetenzspektrum für die tekom-Prüfung ab.
Welche Softwarekenntnisse brauche ich zu Kursbeginn?
Erwartet werden sichere allgemeine PC-Kenntnisse und Grundkenntnisse in Textverarbeitung (z. B. Microsoft Word). XML- oder Redaktionssystemkenntnisse sind von Vorteil, werden aber im Kurs von Grund auf aufgebaut. Wer regelmäßig mit Word und einer Dateiverwaltung umgehen kann, bringt die nötige technische Ausgangsbasis mit.
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