Überblick
In Projekten scheitert die Umsetzung häufig nicht an fehlendem Know-how oder mangelnden Ressourcen, sondern an ungenauen oder widersprüchlichen Anforderungen. Use Cases sind eines der ältesten und bewährtesten Werkzeuge, um diesem Problem systematisch zu begegnen: Sie beschreiben, wer ein System wofür nutzt, welche Schritte dabei ablaufen und welche alternativen Pfade es gibt. Dieser Kurs vermittelt, wie Use Cases strukturiert entwickelt, dokumentiert und in der Kommunikation zwischen Projektteams und Stakeholdern eingesetzt werden. Ein besonderes Merkmal ist die Integration moderner KI-Tools — ChatGPT, Claude und andere — in den Use-Case-Entwicklungsprozess. So werden klassische Methoden des Anforderungsmanagements mit zeitgemäßen Werkzeugen verbunden.
Kursinhalte & Lernziele
Das Grundlagenmodul führt in die Methode der Use-Case-Entwicklung ein und legt das notwendige konzeptionelle Fundament. Dabei wird von Anfang an deutlich, dass Use Cases kein akademisches Werkzeug sind, sondern ein praktisches Kommunikationsmittel in der täglichen Projektarbeit.
- Grundbegriffe: Akteure, Szenarien, Systemgrenze, Trigger, Vorbedingungen, Nachbedingungen
- Aufbau eines vollständigen Use Cases: Haupterfolgsszenario und Alternativpfade
- UML-Notation: Use-Case-Diagramme zeichnen, lesen und interpretieren
- Dokumentationsstandards und Templates für Use Cases in verschiedenen Projektkontexten
- Abgrenzung und Ergänzung: Use Cases versus User Stories, Epics und Aktivitätsdiagramme
Das Anforderungserhebungs-Modul verbindet Use-Case-Methodik mit den vorgelagerten Tätigkeiten des Anforderungsmanagements.
- Stakeholder-Analyse: Wer sind die relevanten Akteure und welche Ziele verfolgen sie?
- Techniken zur Anforderungserhebung: Interviews, Workshops, Beobachtung, Dokumentenanalyse
- Anforderungen in Use Cases übersetzen: von der Stakeholder-Aussage zum strukturierten Szenario
- Validierung von Anforderungen mit Use Cases: Vollständigkeit, Konsistenz, Testbarkeit
- Häufige Fehler erkennen und korrigieren: zu breite Akteure, fehlende Alternativen, unklare Systemgrenzen
Das KI-Integrationsmodul ist das zeitgemäße Kernelement dieses Seminars. Es zeigt, wie KI-Werkzeuge den Use-Case-Entwicklungsprozess beschleunigen, ohne die methodische Qualität zu beeinträchtigen.
- Einsatz von ChatGPT und Claude für das Brainstorming von Szenarien und Alternativpfaden
- Promptdesign für Anforderungsaufgaben: Wie stellt man KI die richtigen Fragen?
- Kritische Prüfung KI-generierter Use-Case-Entwürfe: Was muss manuell nachgeschärft werden?
- Dokumentation mit KI-Unterstützung: Formatierungshilfen, Konventionen, Versionierung
- Grenzen des KI-Einsatzes im Anforderungsmanagement: Fachdomänenwissen bleibt unverzichtbar
Im Qualitätssicherungs- und Testmodul werden Use Cases als Grundlage für strukturierte Tests eingesetzt — ein oft vernachlässigter, aber hochpraktischer Anwendungsbereich.
- Ableitung von Testfällen aus Use-Case-Szenarien: Normalfall, Alternativfall, Fehlerfall
- Testfall-Dokumentation und Rückverfolgung zu Anforderungen
- Einsatz von Jira und Confluence für das Anforderungs- und Testmanagement
- Nutzung von Miro und Lucidchart für visuelle Use-Case-Diagramme und Workshopformate
In einem praxisorientierten Übungsblock entwickeln die Teilnehmenden Use Cases für konkrete Projektszenarien und erproben alle Methoden und Tools im direkten Anwendungskontext.
- Entwicklung eines vollständigen Use-Case-Sets für ein Beispielprojekt (z. B. Softwareeinführung)
- Erstellung von Use-Case-Diagrammen mit Lucidchart und Miro
- Einsatz von ChatGPT für die Generierung erster Szenarioentwürfe, manuelle Verfeinerung
- Ableitung von Testfällen aus den entwickelten Use Cases
- Peer-Review: gegenseitige Prüfung von Use Cases auf Vollständigkeit und Konsistenz
- Fehleranalyse an realen, fehlerhaften Use-Case-Beispielen
- Use Cases in einem Sprint-Planning-Workshop vorstellen und diskutieren
- Dokumentation des finalen Use-Case-Sets in Confluence
- Übung zur Stakeholder-Kommunikation: Use Case präsentieren, Rückfragen moderieren
- Simulation einer Anforderungsvalidierungssitzung mit fachlichem und technischem Gesprächspartner
- Integration der erstellten Use Cases in ein bestehendes Product Backlog in Jira
Lernziele:
Nach diesem Seminar können die Teilnehmenden Use Cases fachgerecht entwickeln: von der Benennung von Akteuren und Szenarien über die Beschreibung von Hauptabläufen bis zur Dokumentation von Alternativpfaden und Fehlszenarien. Sie beherrschen die UML-Notation für Use-Case-Diagramme und können diese erstellen, lesen und in der Kommunikation mit Stakeholdern und Entwicklungsteams einsetzen. Die Teilnehmenden unterscheiden Use Cases von User Stories und wählen situationsgerecht das passende Anforderungswerkzeug. Sie können Anforderungen systematisch erheben und mit Use Cases validieren — einschließlich der Identifikation von Widersprüchen und Lücken in Anforderungssets. Sie integrieren Use Cases in agile Entwicklungsprojekte und wissen, wie Use Cases mit dem Product Backlog und Sprint Planning zusammenspielen. Die Teilnehmenden setzen KI-Tools wie ChatGPT und Claude ein, um Use-Case-Entwürfe zu beschleunigen, Szenarien zu generieren und Dokumentationen effizienter zu erstellen. Sie leiten aus Use Cases Testfälle ab und nutzen dieses Vorgehen für eine strukturierte Qualitätssicherung. Sie erkennen häufige Fehler bei der Use-Case-Entwicklung — überspezifizierte Akteure, fehlende Alternativszenarien, unklar abgegrenzte Systemgrenzen — und können diese gezielt vermeiden. Schließlich setzen sie Use Cases in der Stakeholder-Kommunikation wirksam ein und erläutern komplexe Anforderungen nachvollziehbar für fachliche und technische Gesprächspartner.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Seminar richtet sich an alle, die in Projekten mit Anforderungen arbeiten — ob auf der Fachseite oder der technischen Seite.
- Projektmanager und IT-Projektmanager, die Anforderungen klarer kommunizieren und dokumentieren wollen
- Business Analysten und Requirements Engineers, die ihre Methodik systematisieren möchten
- Product Owner und Product Manager in agilen Entwicklungsteams
- Quereinsteiger mit digitalem Interesse, die methodische Projektarbeit erlernen wollen
- Fachkräfte aus Unternehmen, die IT-Systeme einführen oder weiterentwickeln
Grundlegende Erfahrung mit Projektarbeit oder digitalen Tools ist hilfreich, aber keine formale Voraussetzung. Für Personen ohne Vorerfahrung in der Anforderungsanalyse ist das Seminar als Einstieg konzipiert. Deutsch auf B2-Niveau ist erforderlich. Spezifische Vorkenntnisse in UML oder Modellierungssprachen werden nicht erwartet — diese werden im Grundlagenmodul eingeführt.
Ablauf & Abschluss
Das Seminar verbindet konzeptionelle Einführungen unmittelbar mit praktischen Übungen. Es gibt keine langen Vortragsblöcke ohne Anwendung — jeder methodische Schritt wird direkt an einem Beispielszenario erprobt. KI-Tools werden aktiv im Unterricht eingesetzt, nicht nur demonstriert. Blended-Learning-Anteile ermöglichen, Teile des Lernmaterials im eigenen Tempo vor- oder nachzuarbeiten. Das Seminar ist sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit durchführbar und passt sich an die jeweilige Lerngeschwindigkeit der Gruppe an.
Das Seminar ist kompakt angelegt und dauert je nach Intensität wenige Tage bis zwei Wochen. Die Inhalte sind so strukturiert, dass sie den zeitlichen Rahmen eines typischen Weiterbildungsmoduls nicht sprengen — das methodische Kernhandwerk der Use-Case-Entwicklung lässt sich fokussiert und praxisnah vermitteln. Genaue Stundenzahlen und Teilzeitoptionen werden im Vorfeld abgestimmt.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Trägerzertifikat mit dem Lehrgangsbezeichner „Use Cases im Projektmanagement". Es handelt sich um eine trägerinterne Qualifikationsbescheinigung, die die erworbenen Methoden- und Werkzeugkompetenzen dokumentiert. Staatliche oder externe Zertifizierungen sind nicht Bestandteil dieses Seminars.
Nutzen & Perspektiven
Use-Case-Kompetenz ist eine der wertvollsten Fähigkeiten in der Projektarbeit — und gleichzeitig eine, die in der Praxis häufig unterschätzt oder unstrukturiert ausgeübt wird. Wer gelernt hat, Use Cases methodisch sauber zu entwickeln, verbessert messbar die Qualität von Anforderungsdokumenten, reduziert Missverständnisse zwischen Fachbereich und Entwicklung und legt eine verlässliche Grundlage für Testfälle. Das spart Zeit und Kosten, weil Fehler früher erkannt werden — nicht erst in der Produktion. Die Integration von KI-Tools in den Use-Case-Prozess macht das Seminar besonders praxisrelevant. Wer weiß, wie man ChatGPT oder Claude sinnvoll für das Brainstorming von Szenarien und die Strukturierung von Anforderungen einsetzt, beschleunigt einen zeitintensiven Teilprozess erheblich. Gleichzeitig bleibt die Methodenkompetenz unverzichtbar: KI-generierte Entwürfe müssen fachlich bewertet und korrigiert werden — dafür braucht es menschliches Urteilsvermögen. Das Seminar schlägt damit eine Brücke zwischen klassischer Anforderungsmethodik und moderner KI-gestützter Arbeitsweise — ein Kompetenzprofil, das für Rollen wie Business Analyst, Requirements Engineer und Product Owner zunehmend zur Erwartung gehört, nicht zur Ausnahme.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind Use Cases und warum sind sie wichtig im Projektmanagement?
Use Cases beschreiben in strukturierter Form, wer ein System für welchen Zweck nutzt, und welche Schritte dabei ablaufen. Sie sind ein zentrales Werkzeug im Anforderungsmanagement, weil sie Missverständnisse zwischen Fachbereich und Entwicklung frühzeitig aufdecken und als Grundlage für Testfälle dienen.
Welche Tools werden in diesem Seminar eingesetzt?
Das Seminar arbeitet mit Confluence, Jira, Miro und Lucidchart für Dokumentation und Visualisierung sowie mit ChatGPT und Claude als KI-Assistenz bei der Szenarioentwicklung. Alle Tools werden direkt im Unterricht eingesetzt — nicht nur vorgestellt.
Was ist der Unterschied zwischen Use Cases und User Stories?
Use Cases beschreiben vollständige Abläufe mit Haupt- und Alternativpfaden aus Akteursperspektive; User Stories sind kurze, wertorientierte Anforderungsformulierungen aus Nutzersicht. Das Seminar zeigt, wann welches Werkzeug sinnvoller ist und wie beide sich ergänzen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach erfolgreichem Abschluss wird ein Trägerzertifikat mit der Bezeichnung „Use Cases im Projektmanagement" ausgestellt. Es handelt sich um eine trägerinterne Qualifikationsbescheinigung — keine externe Prüfung oder staatliche Zertifizierung ist vorgesehen.
Ist das Seminar für Einsteiger ohne Erfahrung in Anforderungsanalyse geeignet?
Ja. Das Seminar ist als Einstieg konzipiert — UML-Kenntnisse und Vorerfahrung in Anforderungsanalyse sind keine Voraussetzung. Grundlegende Deutsch-Kenntnisse auf B2-Niveau werden erwartet.
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