Überblick
Hinter jedem gut gestalteten Produkt steht die Bereitschaft, Nutzende wirklich zu verstehen — und die Fähigkeit, das systematisch zu tun. Dieser Kurs vermittelt Product Designern das vollständige Spektrum der User Research-Methoden: vom qualitativ-explorativen Gespräch bis zur quantitativen Datenerhebung. Der Schwerpunkt liegt auf dem eigenständigen Planen, Durchführen und Auswerten von Forschungsprojekten — nicht als akademische Übung, sondern als praktisches Werkzeug für bessere Designentscheidungen. KI-Tools werden als Beschleuniger in den Workflow integriert: für die Auswertung offener Antworten, die Erkennung von Mustern in Interviewtranskripten und die Erstellung von Synthese-Dokumenten.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen und Positionierung von User Research Bevor man forscht, muss man verstehen, was User Research leisten kann und was nicht. Dieser Block klärt die konzeptionelle Grundlage: Wie unterscheidet sich explorative von evaluativer Forschung? Wann ist qualitative Tiefe wichtiger als quantitative Breite? Und wie stellt man sicher, dass Research-Erkenntnisse im Designprozess wirklich ankommen?
- Aufgaben und Grenzen von User Research im Produktentwicklungsprozess
- Explorative, generative und evaluative Forschung unterscheiden
- Forschungsfragen formulieren: Was soll die Studie beantworten?
- Research-Plan aufbauen: Methode, Stichprobe, Zeitplan, Deliverables
- Stakeholder-Management im Research-Prozess
- Ethische Grundsätze: Einverständnis, Datenschutz, vulnerable Gruppen
Qualitative Methoden: In die Welt der Nutzenden eintauchen Qualitative Forschung ist der Schlüssel zu echtem Nutzerverständnis — aber sie erfordert Technik, um nicht in Bestätigungsfehlern zu enden. Dieser Block trainiert die Kernkompetenzen des qualitativen Researchs: Fragenstellen, Zuhören und Strukturieren.
- Tiefeninterviews vorbereiten: Interviewleitfaden entwickeln und pilotieren
- Interviewführung: semi-strukturierte Gespräche ohne Beeinflussung leiten
- Contextual Inquiry: Nutzende bei der Arbeit beobachten und befragen
- Feldbeobachtung: Verhalten dokumentieren ohne zu interpretieren
- Einzel- vs. Gruppeninterviews: Stärken und Schwächen abwägen
- Transkription und erste Auswertungsebene: Was wurde gesagt, was gemeint?
Quantitative Methoden: Muster auf breiter Datenbasis erkennen Quantitative Erhebungen beantworten andere Fragen als Interviews — und setzen andere Kompetenzen voraus. Dieser Block zeigt, wie Surveys und Analytics-Daten so aufgesetzt werden, dass ihre Ergebnisse valide und verwertbar sind.
- Survey-Design: Fragentypen, Antwortskalen und typische Fehlerquellen
- Online-Umfragen mit Tools wie Google Forms und Typeform aufsetzen
- Stichprobengröße und Repräsentativität realistisch einschätzen
- Analytics-Daten (Sitzungsdauer, Absprungrate, Klickpfade) als Research-Quelle nutzen
- A/B-Tests als quantitative Methode des User Researchs verstehen
- Quantitative und qualitative Daten zu einem konsistenten Bild zusammenführen
Synthese und Kommunikation von Research-Ergebnissen Rohdaten sind kein Ergebnis — erst die Synthese macht aus Interviews und Zahlen verwertbare Erkenntnisse. Dieser Block trainiert die Fähigkeit, aus großen Datenmengen handlungsrelevante Insights zu destillieren und überzeugend zu kommunizieren.
- Affinity Mapping: Beobachtungen kategorisieren und Muster erkennen
- Personas entwickeln: Von realen Daten zu handlungsorientierten Nutzerportraits
- Jobs-to-be-Done und Opportunity Statements formulieren
- KI-Tools zur Transkriptanalyse und automatisierten Mustererkennung einsetzen
- Research-Berichte strukturieren: Von der rohen Erkenntnis zur Designempfehlung
- Präsentation für unterschiedliche Stakeholder (Produktmanagement, Entwicklung, Führung)
Praxisblock: Eigene User Research-Studie von Anfang bis Ende Im Mittelpunkt der Weiterbildung steht ein selbst durchgeführtes Research-Projekt, das alle Methodenphasen abdeckt. Teilnehmende wählen ein Produktthema oder eine Designfrage und durchlaufen den vollständigen Research-Zyklus.
- Forschungsfrage und Research-Plan für das eigene Projekt erarbeiten
- Interviewleitfaden entwickeln und in einem Pilotinterview testen
- Mindestens zwei Nutzerinterviews durchführen und transkribieren
- Survey zu einem quantitativen Aspekt des Themas aufsetzen und auswerten
- Transkript-Auswertung mit KI-Tool-Unterstützung strukturieren
- Affinity Mapping und Cluster-Bildung durchführen
- Persona auf Basis der eigenen Daten entwickeln
- Insight-Statements formulieren und begründen
- Handlungsempfehlungen für das Design ableiten
- Research-Report für ein Stakeholder-Publikum aufbereiten
- Präsentation der Ergebnisse im Plenum
- Peer-Feedback zu Methodik und Kommunikation
Dieser Praxisblock ist das Herzstück der Weiterbildung. Er stellt sicher, dass User Research nicht als abstraktes Konzept hängenbleibt, sondern als beherrschbarer Prozess erlebt wird, den Teilnehmende danach eigenständig anwenden können.
Lernziele:
- User Research-Studien von der Fragestellung bis zur Empfehlung eigenständig planen und leiten
- Qualitative Methoden (Tiefeninterviews, Contextual Inquiry, Beobachtung) korrekt anwenden
- Quantitative Methoden (Surveys, Analytics, A/B-Tests) konzipieren und auswerten
- Rekrutierungsstrategien für Forschungsteilnehmende entwickeln und umsetzen
- Interviewgespräche führen, ohne die Befragten zu beeinflussen
- Affinity Mapping und Cluster-Bildung als Synthesetechnik beherrschen
- Personas auf Basis echter Nutzerdaten entwickeln (nicht auf Basis von Annahmen)
- KI-Tools für die Transkriptauswertung und Mustererkennung produktiv einsetzen
- User Research-Ergebnisse in Form von Insights, Personas und Opportunity-Statements kommunizieren
- Stakeholder-Präsentationen aus Forschungsergebnissen aufbauen
- Ethische Grundsätze in der Nutzerforschung kennen und anwenden
- User Research als feste Phase im agilen Entwicklungszyklus verankern
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs ist für Product Designer und UX-Professionals gemacht, die Designentscheidungen stärker in Nutzerdaten verankern wollen. Er eignet sich besonders für Menschen, die bisher eher aus dem Bauch heraus oder auf Basis von Kundenfeedback gearbeitet haben und ihren Prozess systematisieren möchten.
- Product Designer, die User Research noch nicht systematisch durchführen
- UX-Designer mit Interesse an einer forschungsnahen Arbeitsweise
- Quereinsteiger:innen in UX/Produktdesign mit digitalen Grundkenntnissen
- Design-Generalisten, die in die Spezialisierung als UX Researcher einsteigen wollen
- Fachkräfte aus angrenzenden Bereichen (z. B. Produktmanagement), die Research-Sprache und -Methoden verstehen möchten
Grundkenntnisse digitaler Tools und ein grundsätzliches Interesse an nutzerzentriertem Design bilden die Basis. Methodische Vorkenntnisse in Forschung oder Statistik sind keine Voraussetzung — der Kurs baut die nötigen Kompetenzen systematisch auf. Deutschkenntnisse auf B2-Niveau sind für die aktive Kursteilnahme erforderlich. Erfahrungen in der Gestaltung digitaler Produkte sind hilfreich, aber nicht zwingend.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs läuft als virtuelles Klassenzimmer: synchrone Sessions mit Live-Moderation wechseln sich mit selbstständiger Projektarbeit ab. Jede Research-Methode wird zunächst erklärt und demonstriert, dann in Übungen mit eigenem Material angewendet. Die Gruppenarbeit — etwa beim gemeinsamen Affinity Mapping oder bei Peer-Feedback zu Interviews — ist integraler Bestandteil des Lernprozesses. KI-Tools kommen konkret und tool-bezogen zum Einsatz, nicht als allgemeines Konzept.
Die Weiterbildung ist in Teilzeit und Vollzeit buchbar. Der Umfang ist so bemessen, dass das eigene Forschungsprojekt neben den synchronen Kurstagen eigenständig weiterentwickelt werden kann. Genaue Termine und Wochenstunden werden bei der Anmeldung kommuniziert.
Nach Abschluss der Weiterbildung erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „User Research im Produktdesign". Das Zertifikat dokumentiert die erworbenen Forschungskompetenzen. Eine externe Zertifizierungsprüfung ist nicht Bestandteil dieses Kurses.
Nutzen & Perspektiven
User Research verwandelt Designarbeit von kreativer Vermutung in evidenzbasierte Entscheidungsfindung. Wer eigenständig forschen kann — Interviews führt, Surveys auswertet, Erkenntnisse synthetisiert — bringt in Produktteams eine Kompetenz mit, die zunehmend erwartet wird, aber immer noch selten wirklich beherrscht wird. Der praktische Wert zeigt sich in jedem Designzyklus: Research-Erkenntnisse verhindern, dass Teams Monate in Features investieren, die Nutzende gar nicht brauchen. Die Fähigkeit, Nutzungsprobleme präzise zu benennen und mit Daten zu belegen, erhöht die Überzeugungskraft in Teams und gegenüber Stakeholdern erheblich. Darüber hinaus öffnet User Research-Kompetenz den Weg in spezialisierte Rollen: UX Researcher, Research Lead oder Mixed-Methods-Spezialist:in sind in wachsenden Produktorganisationen eigenständige Stellen. Absolventen dieses Kurses legen eine solide methodische Grundlage, auf der sich weiterführende Forschungspraxis aufbauen lässt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Statistik-Kenntnisse für diesen Kurs?
Nein. Quantitative Methoden werden im Kurs eingeführt und auf einem praxisorientierten Niveau vermittelt. Statistische Fachkenntnisse sind keine Voraussetzung — wichtiger ist das Verständnis dafür, was Zahlen aussagen und was nicht.
Welche Tools kommen im Kurs zum Einsatz?
Teilnehmende arbeiten mit Maze, Lookback, Hotjar, Miro, Figma und Google Forms. KI-Assistenten (ChatGPT, Claude) werden für die Auswertung von Transkripten und die Mustererkennung eingesetzt. Alle Tools werden im Kurs eingeführt.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs von einem Usability-Test-Kurs?
Usability-Tests bewerten bestehende Interfaces. User Research im Produktdesign geht breiter: Es geht darum, Nutzerbedürfnisse, Kontexte und Verhaltensweisen zu verstehen — auch bevor ein Interface existiert. Beide Kompetenzen ergänzen sich, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte.
Führe ich im Kurs selbst Interviews durch?
Ja. Das eigene Forschungsprojekt beinhaltet das Führen realer Nutzerinterviews. Die Gesprächsvorbereitung, Moderation und Auswertung werden begleitend geübt, bevor die Interviews eigenständig durchgeführt werden.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „User Research im Produktdesign". Es bestätigt die erworbenen Forschungskompetenzen und kann gegenüber Arbeitgebern als Qualifikationsnachweis eingesetzt werden.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
IT-Berufe sind seit fünf Jahren der größte Fachkräfteengpass am deutschen Arbeitsmarkt. Der Bestand offener IT-Stellen ist 2024 auf einen Rekordstand gestiegen; AI- und Cloud-Skills werden in den nächsten Jahren weiter überdurchschnittlich nachgefragt.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- UX-Designer/UX-Designerin162 Stellen
- UX Designer147 Stellen
- Product Designer98 Stellen
- Assistent/Assistentin für Informatik (allgemeine Informatik)74 Stellen
- Interfacedesigner/Interfacedesignerin17 Stellen
- User Researcher1 Stellen