Überblick
Product Designer treffen täglich Entscheidungen, die unmittelbar davon abhängen, welche Methode sie zu welchem Zeitpunkt wählen. Dieses Seminar macht UX-Methoden systematisch greifbar: Teilnehmende lernen nicht nur, wie einzelne Methoden funktionieren, sondern vor allem, wann und warum sie einzusetzen sind. Die gesamte Bandbreite — von qualitativer Forschung über Synthese und Ideation bis hin zu Prototyping und Testing — wird praxisnah durchgearbeitet. Ergänzend kommen KI-gestützte Tools dort zum Einsatz, wo sie den methodischen Prozess sinnvoll beschleunigen.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen: Methodenkategorien, Phasen und Auswahllogik Der Kurs beginnt mit einem strukturierten Überblick über das gesamte Methodenspektrum im UX-Design. Teilnehmende lernen, Methoden nach ihrer primären Funktion einzuordnen — explorativ, evaluativ, generativ — und verstehen, welche Erkenntnisart in welcher Projektphase gebraucht wird. Ein Entscheidungsrahmen hilft dabei, in konkreten Projektsituationen schnell die passende Methode zu identifizieren.
- Kategorien von UX-Methoden und ihr jeweiliger Erkenntnisbeitrag
- Projektphasen im UX-Prozess: Discovery, Define, Ideate, Prototype, Test
- Auswahlkriterien: Zeitbudget, Team-Zusammensetzung, Forschungsfrage
- Typische Methodenfehler und wie man sie vermeidet
- Entscheidungsrahmen für die Methodenwahl in agilen Projekten
Qualitative und quantitative UX-Forschung Forschung im UX-Kontext bedeutet, echte Nutzer zu verstehen — ihre Ziele, Hindernisse und Verhaltensweisen. Dieser Block deckt beide Forschungsrichtungen ab: qualitativ für Tiefenverständnis, quantitativ für Muster und Häufigkeiten. Teilnehmende üben, Interviews zu strukturieren, Beobachtungen festzuhalten und Surveys methodisch korrekt aufzusetzen.
- Nutzerinterviews planen, durchführen und auswerten
- Contextual Inquiry: Nutzer bei der Arbeit beobachten
- Surveys: Fragebogendesign, Stichprobenlogik, Fehlerquellen
- Analytics als UX-Datenbasis: Metriken lesen und interpretieren
- A/B-Tests: Hypothese, Varianten, statistische Grundlagen
- KI-Tools zur Unterstützung der Datenauswertung
Synthese: Vom Datenchaos zur klaren Erkenntnis Forschungsdaten nützen wenig, wenn sie nicht strukturiert werden. Dieser Block vermittelt Methoden, die rohe Beobachtungen und Aussagen in handlungsrelevante Einsichten transformieren. Affinity Mapping, Personas und Journey Maps sind dabei die zentralen Werkzeuge — alle werden in geführten Übungen angewendet.
- Affinity Mapping: Daten clustern und thematisch verdichten
- Personas entwickeln: Grundlagen, typische Fehler, Einsatzzwecke
- Customer Journey Maps erstellen und mit dem Team nutzen
- Jobs to Be Done als ergänzendes Syntheseframework
- KI-gestützte Zusammenfassung von Interviewtranskripten
Ideation, Prototyping und Testing Aus Erkenntnissen werden Lösungen — dieser Block begleitet Teilnehmende durch Ideation, Prototyping und User Testing. Alle drei Schritte werden als zusammenhängender Prozess behandelt: Eine Idee ist erst dann geprüft, wenn sie getestet wurde. Die Übungen verlangen, Methoden kombiniert und aufeinander abgestimmt einzusetzen.
- How Might We: Problemrahmen formulieren und als Ideationsauslöser nutzen
- Crazy 8s und weitere Ideationsformate für Einzel- und Teamarbeit
- Lo-Fi-Prototypen (Papier und digitale Skizzen) schnell entwickeln
- Mid-Fi- und Hi-Fi-Prototypen in Figma anlegen und testen lassen
- Moderierte Usability-Tests planen und durchführen
- Remote-Tests mit Maze und Lookback aufsetzen
- Heuristische Evaluation nach Nielsen's 10 Heuristiken
- KI-Tools zur Synthese von Testergebnissen
Praxisblock: Methodeneinsatz in realistischen Projektsituationen Dieser Block setzt alle Methoden in komprimierten Projektsituationen ein. Teilnehmende wählen für vorgegebene Szenarien jeweils eigenständig die passende Methode, begründen ihre Entscheidung und führen eine verkürzte Variante durch.
- Interview-Screening und Rekrutierung für einen Usability-Test planen
- Affinity-Mapping-Session mit echten Interviewdaten moderieren
- How-Might-We-Sprint und Crazy-8s-Session in 45 Minuten durchführen
- Lo-Fi-Prototyp für eine definierte Funktion in Figma oder auf Papier erstellen
- Moderierter Test mit Mitstudierende als Testpersonen
- Remote-Test mit einem digitalen Testingtool aufsetzen
- Heuristische Evaluation einer realen App dokumentieren
- Syntheseergebnis (Journey Map oder Affinity Cluster) für ein Teammeeting aufbereiten
- KI-Tool zur Datenauswertung erproben und Ergebnisse kritisch bewerten
- Entscheidungsdokumentation: Methodenwahl für ein fiktives Projektbriefing begründen
- Präsentation einer Forschungszusammenfassung vor der Gruppe
- Rückmeldung zu Methodik und Durchführung auswerten und einarbeiten
Nach dem Praxisblock steht die Integration in agile Produktteams im Fokus: Wie lassen sich UX-Methoden in Sprint-Zyklen einbetten? Wann ist eine vollständige Forschungsphase angemessen, wann reicht eine schnelle heuristische Einschätzung? Teilnehmende entwickeln ein Verständnis dafür, wie methodische Entscheidungen zur Teamdynamik passen müssen. Den Abschluss bildet eine Betrachtung der eigenen Methodenkompetenz: Welche Methoden liegen einem besonders, welche sollte man vertiefen? Wie kommuniziert man methodische Entscheidungen gegenüber Stakeholdern, die kein UX-Hintergrundwissen haben? Diese Auseinandersetzung stärkt die professionelle Handlungsfähigkeit im Berufsalltag.
Lernziele:
- UX-Methoden nach Projektphase und Fragestellung situationsgerecht auswählen
- Qualitative Forschungsmethoden wie Nutzerinterviews und Contextual Inquiry eigenständig durchführen
- Quantitative Methoden wie Surveys und A/B-Tests korrekt anlegen und auswerten
- Synthese-Techniken wie Affinity Mapping und Customer Journey Maps anwenden
- Ideationsmethoden wie How Might We und Crazy 8s in Teamkontexten moderieren
- Lo-Fi-, Mid-Fi- und Hi-Fi-Prototypen zweckgerichtet einsetzen
- Usability-Tests moderieren und Remote-Tests organisieren
- Heuristische Evaluationen strukturiert durchführen
- KI-Tools zur Unterstützung von Analyse- und Syntheseschritten nutzen
- UX-Methoden in agile Produktentwicklungsprozesse einbinden
- Eigene Methodenkompetenz durch fundierte Auswahlentscheidungen kontinuierlich weiterentwickeln
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Seminar richtet sich an Product Designer, UX Designer und alle, die in produktnahen Rollen an Nutzeroberflächen und digitalen Produkten arbeiten. Ideal ist es für Fachkräfte, die bereits erste Erfahrungen mit einzelnen UX-Methoden haben und jetzt ein systematisches, vollständiges Methodenrepertoire aufbauen möchten.
- Product Designer, die ihre Methodenkompetenz strukturiert ausbauen wollen
- UX Designer, die bisher eher intuitiv vorgegangen sind und Systematik suchen
- Interaction Designer mit Interesse an der gesamten Forschungs-Design-Kette
- Quereinsteiger:innen aus Design-nahen Berufen mit ersten digitalen Erfahrungen
- Fachkräfte, die in agile Produktteams wechseln und UX-Methoden integrieren müssen
Grundkenntnisse im Umgang mit digitalen Tools werden empfohlen, insbesondere Erfahrung mit Figma oder einem vergleichbaren Design-Tool ist hilfreich. Deutschkenntnisse auf Niveau B2 sind für das Folgen der Lehrveranstaltungen und das aktive Mitmachen in Übungen notwendig. UX-Grundkenntnisse sind kein Muss, aber praktische Erfahrung mit digitalen Produkten erleichtert den Einstieg.
Ablauf & Abschluss
Das Seminar findet als virtuelles Klassenzimmer statt — in Echtzeit, mit direktem Austausch zwischen Teilnehmenden und Trainer:innen. Jede Methode wird zuerst erklärt, dann sofort in einer geführten Übung angewendet. Die Übungen sind so gestaltet, dass Teilnehmende echte Methodenerfahrung sammeln, nicht nur theoretisches Wissen. Digitale Kollaborationstools wie Miro und Figma sind von Anfang an Teil des Arbeitsprozesses. KI-Tools werden an den Stellen eingesetzt, wo sie methodisch sinnvoll sind — und kritisch auf ihre Grenzen befragt.
Der Kurs wird teils in Teilzeit, teils in Vollzeit angeboten, je nach gewähltem Anbieter. Die flexible Zeitgestaltung macht das Seminar auch für Personen mit anderen Verpflichtungen zugänglich. Der genaue Umfang richtet sich nach dem Anbieter und dem jeweiligen Kursformat.
Nach Abschluss des Seminars erhalten Teilnehmende ein Zertifikat des Bildungsträgers. Dieses belegt die erworbene Methodenkompetenz im UX-Design und kann in Portfolios oder Bewerbungsunterlagen für Produktrollen nachgewiesen werden.
Nutzen & Perspektiven
Methoden sind das Handwerkszeug der UX-Praxis. Wer nicht nur weiß, wie eine Methode funktioniert, sondern auch, wann sie sinnvoll eingesetzt wird und wann nicht, liefert bessere Entscheidungsgrundlagen für das gesamte Produktteam. Dieses Seminar macht Teilnehmende zu zuverlässigen methodischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern in ihren Projekten. Product Designer, die systematisch vorgehen, erzeugen validiertere Ergebnisse in kürzerer Zeit. Der gezielte Einsatz von KI-Tools bei zeitaufwändigen Analyseschritten verschafft außerdem Kapazität für die Aspekte, die wirklich menschliches Urteilsvermögen verlangen: das Interpretieren von Nuancen, das Moderieren von Gesprächen, das Einordnen von Erkenntnissen in den Produktkontext. Die Kombination aus vollständigem Methodenrepertoire, kritischer Auswahlkompetenz und Praxiserfahrung aus dem Kurs positioniert Absolventinnen und Absolventen überzeugend für Rollen als Product Designer, UX Researcher und Design Lead — in Startups ebenso wie in etablierten Produktteams.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche UX-Methoden werden in diesem Kurs behandelt?
Der Kurs deckt alle zentralen Methodenkategorien ab: qualitative Forschung (Interviews, Contextual Inquiry), quantitative Forschung (Surveys, Analytics, A/B-Tests), Synthese (Affinity Mapping, Personas, Journey Maps), Ideation (How Might We, Crazy 8s), Prototyping (Lo-Fi bis Hi-Fi) und Testing (moderierte Tests, Remote-Tests, heuristische Evaluation).
Brauche ich Vorkenntnisse in UX?
Tiefe UX-Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Praktische Erfahrung mit digitalen Produkten — ob als Nutzerin/Nutzer oder in einer produktnahen Rolle — erleichtert den Einstieg. Wer bereits einzelne Methoden kennt, wird im Kurs systematisches Einordnungswissen gewinnen.
Wie werden KI-Tools im Kurs eingesetzt?
KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Notion AI kommen dort zum Einsatz, wo sie UX-Methoden sinnvoll unterstützen — etwa bei der Zusammenfassung von Interviewtranskripten oder der Auswertung großer Datenmengen. Der Kurs behandelt sie kritisch: Teilnehmende lernen auch, wo KI-gestützte Auswertungen Grenzen haben.
Wie lässt sich dieser Kurs mit agiler Produktentwicklung vereinbaren?
Ein eigener Themenblock behandelt, wie UX-Methoden in Sprint-Zyklen integriert werden. Teilnehmende lernen, welche Methoden sich für den agilen Alltag eignen und wie sie Forschungsergebnisse für Produktteams aufbereiten.
Welche Tools benötige ich für den Kurs?
Figma und Miro werden als zentrale Kollaborationstools eingesetzt — beide sind kostenlos nutzbar. Für Testing-Übungen werden Maze und Lookback verwendet. Alle Tools sind browserbasiert, es ist keine spezielle Software zu installieren.
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